Non veni pacem mittere sed gladium. (Mt 10,34)
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Thorsten Hinz weist in der JF unter dem Titel „Ein Institut wird umgekrempelt“ auf den Schwenk des Hannah-Arendt-Instituts hin:

Das Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung in Dresden wurde 1993 gegründet. Die Erinnerung an die DDR war damals noch frisch und das Pathos der Umbruchzeit lebendig. Das erlaubte es, die Doppelerfahrung von Nationalsozialismus und Kommunismus, dieses bittere Privileg der DDR-Bürger, zum Ausgangspunkt der historischen Forschung zu machen. Zur Geschichts- und Wissenschaftspolitik der Bundesrepublik, die neben Hitler keine anderen Götter duldet, stand das Institut von Anfang an schräg, wenn nicht quer.

Da es in der gleichgeschalteten deutschen Bewältigungslandschaft nichts geben darf, was schräg oder gar quer steht, wird jetzt nach Loriots Motto „Das Bild hängt schief“ die Geschichte geradegerückt:

Dresden. Das Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung (HAIT) verordnet sich einen neuen wissenschaftlichen Schwerpunkt. „Ich habe einen Richtungswechsel veranlasst – hin zur NS-Geschichte“, sagte Direktor Günther Heydemann der Wochenzeitung „Die Zeit“. Bislang erforschte das 1993 gegründete Institut vor allem die SED-Herrschaft in der DDR. Auf dem Gebiet habe sich aber eine gewisse Sättigung eingestellt. „Die Strukturen der SED-Herrschaft liegen weitgehend offen, und auch in der Alltags- und Sozialgeschichte sehe ich kaum noch Lücken“, sagte Heydemann. Der Schwerpunkt liege deswegen künftig auf dem „Nationalsozialismus in Sachsen“, mithin auf regionaler NS-Geschichte.

Sächsische Zeitung [online] – Sachsen: Hannah-Arendt-Institut verlagert Schwerpunkt von SED- auf NS-Diktatur.

Ist man beim Hannah-Arendt-Institut allen Ernstes der Meinung, beim Thema „NS-Geschichte“ habe sich nicht „eine gewisse Sättigung eingestellt“? Glaubt man dort wirklich, das Thema „DDR“ sei schon erschöpfend bearbeitet?

„Eine gewisse Sättigung“ – was wäre dies für ein schöner Euphemismus für den Brechreiz, der sich angesichts der allgegenwärtigen klischeegesättigten Geschichtspropaganda einstellt.

Was wäre denn die Folge, wenn die DDR-Vergangenheit, wenn das SED-Regime in ähnlicher Weise vergegenwärtigt würde wie das NS-Regime?

Die Folge wäre, dass die Sensibilität für totalitäre Ideologien und Strukturen geschärft würde. Die Folge wäre, dass man hellhörig würde, wenn Journalisten einen „Erziehungsauftrag der Partei(en)“ postulieren; dass man sich fragen würde, wie es um die Liberalität eines Staates bestellt ist, der seine Bürger mit erzieherischer Propaganda überschwemmt; dass man stutzig würde, wenn Nonkonformisten als Phobiker, sprich als Geisteskranke und ihre Meinungen als Gedankenverbrechen abgestempelt werden; dass die Menschen sich womöglich über einen Staat wundern würden, dessen Armee im Dienste der Ewigen Waffenbrüderschaft mit einer Supermacht steht statt im Dienste der nationalen Sicherheit; dass man sich verbitten würde, die eigene Souveränität nebst vielen Milliarden Euro einer „Union“ aus Bruderstaaten zu schenken; dass man darüber nachdenken würde, warum angeblich demokratische Organisationen mit Anhängern just der Ideologie zusammenarbeiten, auf der die DDR gegründet war, und sogar mit der SED selbst; dass man auf die Idee kommen könnte, Sozialismus habe etwas mit Totalitarismus zu tun; dass Dutzende von Phrasen und Schlagwörtern – von der „Diversity“ bis zu „Wertegemeinschaft“ – womöglich kritisch hinterfragt würden. Dass auf dem Weg in die Selbstzerstörung plötzlich Hindernisse auftauchen würden.

Damit dies nicht geschieht, wird ein Hannah-Arendt-Institut bei Nacht und Nebel umgedreht.

Beschäftigen wir uns also mit den Problemen der dreißiger Jahre, damit wir die heutigen erst wahrnehmen, wenn es zu spät ist. „Erforschen“ wir die bis zum Erbrechen durchgekaute Geschichte des Nationalsozialismus noch ein bisschen genauer (Thorsten Hinz: „Was ist zum Beispiel dran an dem Gerücht, daß die Frisuren für den Hund der Hitler-Geliebten Eva Braun in einem Dresdner Haarstudio kreiert wurden? Das Hannah-Arendt-Institut wird uns bald darüber aufklären.“), damit wir auch weiterhin das am wenigsten rassistische Land der Welt mit Propagandaplakaten „gegen Rassismus“ zukleben können; damit in einem Land, dessen Armee sich vor einem Parlament von hysterischen Kindergärtnerinnen für jeden abgefeuerten Schuss entschuldigen muss, der „Militarismus“ bekämpft wird; damit den verachteten und getretenen „deutschen Kartoffeln“ ihre „Fremdenfeindlichkeit“ ausgetrieben wird.

8 Antworten auf Klammheimlich: Hannah-Arendt-Institut verlagert Schwerpunkt von SED- auf NS-Diktatur

  • Sie haben ja so recht. Was aber kann ein Bürger, der sich selbst für einen völlig normalen, politisch einflußlosen,aber rechtschaffenen Deutschen hält (klingt das im Zuge des Neusprechs nicht schon irgendwie „rechtsradikal“?), bloß angesichts dieses kollektiven Irrsinns noch tun, um dem Einhalt zu gebieten?

    • Ostdeutscher, „schauen wir mal“, wie Franz Beckenbauer immer sagt.
      Zunächst vergewissern wir uns hier im Blog (und anderen „unserer“ Blogs), daß es uns noch gibt und wir selbst nicht irre geworden sind. Letzteres ist, in Anbetracht des Irrsinns um uns herum, kein leichtes Unterfangen.
      Das Internet hat Möglichkeiten eröffnet, uns zu vernetzen und auszutauschen, ohne daß wir uns persönlich treffen müssen. Zu gegebener Zeit werden meiner Meinung nach dann auch Treffen stattfinden. Diese Treffen werden mit Sicherheit einen qualitativen Schub bringen.

  • Sehr fein beobachtet und formuliert, Manne. Darf ich das in Stein meisseln? :)

  • Hitlers Frauen, Hitlers (Deutsche Schäfer-) Hunde, Hitlers Blähungen. Alles wird letztlich zu „Deutscher Schuld“ und die „Restitution“ folgt auf dem Fuß.
    Wann endlich lassen es sich auch die dümmsten nachgekommenen Autochthonen nicht mehr gefallen, jeden Tag am Nasenring durch die Manege gezogen zu werden, dafür zu applaudieren und stets den ganzen Dreck, mit dem man sie ohne Ende bewirft, noch zu bezahlen? Kohle abgreifen, Macht erhalten!

  • Montag, 06.06.2011
    Polizeieinsatz am 1. Mai kostete über fünf Millionen Euro

    Polizisten während des 1. Mai in Berlin Foto: JF

    BERLIN. Der Polizeieinsatz anläßlich des 1. Mai in Berlin hat vermutlich über fünf Millionen Euro gekostet. Wie die taz berichtet, belastete bereits der Polizeieinsatz währen des 1. Mai 2010 die Berliner Landeskasse mit rund fünf Millionen Euro. Damals waren etwa 7.400 Polizisten im Einsatz.

    Die Berechnung für den diesjährigen 1. Mai sei zwar noch nicht abgeschlossen, sagte ein Sprecher der Berliner Polizei. Aus der Anzahl der eingesetzten Beamten und der Gesamtarbeitsstunden lasse sich allerdings schließen, daß die Kosten von 2010 wohl noch übertroffen würden. Vor allem die in den vergangenen Jahren stark angestiegene Anforderung von Unterstützungskräften aus anderen Bundesländern schlage bei den Mai-Einsätzen zunehmend zu Buche.

    Das Berliner Polizeipräsidium hatte es in der Vergangenheit stets abgelehnt, konkrete Zahlen zu den Kosten der Polizeieinsätze zu nennen. Nach einer Beschwerde der taz bei der Innenverwaltung wies der Senat die Polizei jedoch an, die Zahlen zu veröffentlichen. (krk)

    aus: JUNGE FREIHEIT

  • „Es gibt kein gutmütigeres, aber auch kein leichtgläubigeres Volk als das deutsche. Zwiespalt brauchte ich unter ihnen nie zu säen. Ich brauchte nur meine Netze auszuspannen, dann liefen sie wie ein scheues Wild hinein. Untereinander haben sie sich gewürgt, und sie meinten ihre Pflicht zu tun. Törichter ist kein anderes Volk auf Erden. Keine Lüge kann grob genug ersonnen werden: Die Deutschen glauben sie. Um eine Parole, die man ihnen gab, verfolgten sie ihre Landsleute mit größerer Erbitterung als ihre wahren Feinde.“

    (Dieses bekannte Zitat wurde Napoleon von Joseph Görres aus propagandistischen Gründen untergeschoben. Es erschien im Mai 1814 in der von Görres herausgegebenen Zeitung „Rheinischer Merkur“ in mehreren Ausgaben und sollte mithelfen, die deutschen Leser sowohl gegen die französische Knechtschaft zu empören, als auch den Deutschen im allgemeinen ihre Schwächen, ausgesprochen aus dem Munde ihres Besatzers, drastisch vorhalten. Heute wird das Zitat oftmals fälschlich Napoleon zugeschrieben.)

  • Blick auf Gefahren verstellt

    „…Die strategische Debatte in Deutschland wird bereits seit Jahren weder der zentralen
    sicherheitspolitischen Bedeutung des Landes gerecht, noch ist sie in der
    Wahrnehmung der Gesellschaft breit verankert. Ulrich Weisser, der in seinem
    neuen Buch „Strategie als Berufung“ seine Erinnerungen als Marineoffizier aus
    40 Berufsjahren mit seinen Gedanken zur Sicherheitspolitik bis in die Gegenwart
    kombiniert, verortet denn auch die deutsche Strategie-Debatte in einem „beklagenswerten
    Zustand“.
    (Ulrich Weisser: Strategie als Berufung. Gedanken und Erinnerungen zwischen
    Militär und Politik. Bouvier-Verlag, Bonn 2011, 295 S.)
    Und er glaubt auch zu wissen warum: „Deutschland ist zu einer realistischen
    Bedrohungswahrnehmung kaum in der Lage, weil es die größte Bedrohung nach
    1945 in sich selbst sah. Dieses Denken in Schuldkomplexen verstellte über lange
    Zeit den Blick auf die Gefahren, die in der raschen Veränderung des internationalen
    Systems lauern.“ Eine streitbare These. Man sollte sie um die Beobachtung
    ergänzen, daß die von der Politik vermittelte Vollkaskomentalität bei den Deutschen
    an der Frontlinie zwischen den antagonistischen Blöcken auf fruchtbaren
    Boden fiel und auch nach dem Ende des Ost-West-Konfliktes eine Haltung verstetigte,
    sich tunlichst aus gefahrvollen Händeln außerhalb der Grenzen herauszuhalten.
    Entsprechend dünn gesät ist selbst unter den Eliten der Bundesrepublik die Zahl
    derer, die zu strategischem Denken fähig sind. Unter diesen gilt Ulrich Weisser
    zu Recht als einer der klügsten strategischen Köpfe. Aus seinen Aufzeichnungen,
    die weit über die Lebenserinnerungen eines zum Vizeadmiral avancierten Seeoffiziers
    hinausgehen, läßt sich trefflich lernen, daß strategisches Denken auch und
    gerade im 21. Jahrhundert ein längerfristig ausgerichtetes planvolles Anstreben
    eines Zieles unter Berücksichtigung der verfügbaren Mittel und Ressourcen
    bleibt…“

    Richard Kissler in einer Rezension über: Ulrich Weisser, „Strategie als Berufung“, 2011 in „Die Neue Weltordnung“, 3/ 2011

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