Non veni pacem mittere sed gladium. (Mt 10,34)
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Nun wird es also doch nicht Ursula von der Leyen, und all die Neuen Männer, die schon ganz gerührt waren von ihrem eigenen Edelmut, eine Frau als Präsidenten zu bejubeln, können die Tränenvase wieder wegpacken. Nun wird es also Christian Wulff.
Bundespräsident wird also ein Politiker, der die politische Kaste aus angejahrten JU-(und Juso- und Juli-)Intriganten verkörpert wie kein zweiter, und dessen Welt seit seinem sechzehnten Lebensjahr im Wesentlichen aus Gremiensitzungen bestand. Ein ehemaliger „Traumschwiegersohn“, weil er genauso stromlinienförmig ist, wie er aussieht, und weil er nie irgendeine Überzeugung vertreten hat, die seine Karriere gefährdet hätte. Sich in der CDU der neunziger Jahre als „Junger Wilder“ aufzuführen (auf Kosten eines Helmut Kohl, dessen politisches Ende absehbar war, und mit einem linksliberalen Image, das damals schon gute cW-Werte im medialen Windkanal verbürgte) – das war genau die Art von Überzeugungssimulation, die zu seinem Gesicht passt. (Zu welchem Gesicht auch einige seiner Titel passen: Wulff ist unter anderem Krawattenmann des Jahres 2006 und Träger des „Närrischen Steckenpferds“ der Prinzengarde Krefeld; außerdem, und das ist politisch wichtiger, wählte ihn das Weltwirtschaftsforum in Davos 1995 zu einem der „100 Global Leaders for Tomorrow“. Außerdem wurde ihm 2005 der Negativpreis Big Brother Award in der Kategorie „Behörden und Verwaltung“ verliehen für die Zerschlagung der Datenschutzaufsicht in Niedersachsen.)

Die liberalen Medien spinnen jetzt eine Dolchstoßlegende um von der Leyen, die angeblich daran gescheitert sein soll, dass sie Konservativen nicht zu vermitteln gewesen sei. Klar doch: Ein Ministerpräsident, der Deutschland die erste türkische Ministerin beschert hat (die sich für ihre Nominierung prompt dadurch revanchierte, dass sie die Verbannung von Kruzifixen aus Klassenzimmern forderte); dem wir die profunde Einsicht verdanken, man dürfe über türkische Migranten nicht in einer „abgrenzenden“ Sprache sprechen, da die Türken ein „stolzes und starkes Volk“ seien; obendrein ein geschiedener Katholik mit Patchworkfamilie – so einer ist Konservativen zweifellos deutlich vermittelbarer als eine Mutter, die sieben Kinder von demselben Mann hat und mit diesem auch noch verheiratet ist.

Nun gehören Familienverhältnisse wie bei Wulffs gerade in Hannover zum guten Ton, wie wir an Gerhard Schröder (vier Ehefrauen) oder Margot Käßmann (nur ein Ehemann, von dem aber geschieden) ablesen können. In einer Stadt, in der selbst Bischöfinnen eher über einen Verstoß gegen die Straßenverkehrsordnung stolpern als über eine Verletzung der Zehn Gebote ist einer wie Wulff genau dort, wo er immer sein wollte: im Mainstream.

Konnte man bei Schröder noch ein Übermaß an Testosteron vermuten, so sind solche Verdächtigungen bei Christian Wulff sicherlich gegenstandslos. Sollte es jemals eine durch und durch gendergemainstreamte Gesellschaft geben, so werden deren Männer zweifellos große Ähnlichkeit mit Christian Wulff haben. Vermutlich ist von der Leyen auch daran gescheitert. Sie kann GM propagieren, soviel sie will: Mit ihrer femininen Ausstrahlung und ihren sieben Kindern ist sie trotzdem das fleischgewordene Dementi. Die Wahl zwischen ihr und Wulff war die Wahl zwischen einer Ideologin des GM und dessen Personifizierung.

So können also auch die Feministinnen aufatmen: Wenn der neue Präsident schon keine Frau ist, so ist er doch zumindest kein Mann.

10 Antworten auf Der Milchbubi

  • Im Prinzip stimme ich deiner Einschätzung voll zu!

    Immerhin hat nun aber wenigsten einer des berühmt-berüchtigten „Andenpakts“ ein sehr hohes Staatsamt erklommen, nicht den Gipfel im Bundeskanzleramt, aber immerhin den im Schlösschen!

    Andenpakt:http://de.wikipedia.org/wiki/Andenpakt_%28CDU%29

    „Zu den im Spiegel-Artikel benannten Personen zählen: Günther Oettinger, Franz Josef Jung, Peter Jacoby, Volker Bouffier, Kurt Lauk, Elmar Brok, Hans-Gert Pöttering, Wulf Schönbohm, Jürgen Doetz, Bernd Huck, Helmut Aurenz, Heinrich Haasis, Roland Koch, Christian Wulff, Friedbert Pflüger, Christoph Böhr, Matthias Wissmann. Generalsekretär des Bundes sei Bernd Huck. Darüber hinaus wurden weitere Personen, z.B. Peter Müller und Friedrich Merz[2] in Verbindung mit dem Pakt genannt.“

    Matthias Wissmann – wer spricht heute noch von ihm? Koch – „emeritiert“, Pflüger – mit Schimpf und Schande vom Hof gejagt, wer ist Hugo Beck oder Jürgen Doetz, Lauk, Brok oder Haasis? Oettinger nach Brüssel entsorgt, Böhr ist mir nicht bekannt, Friedrich Merz hat entnervt das Handtuch geworfen, Franz Josef Jung war wenig erfolgreich im Bund (Bauernopfer von Koch!), Bouffier beerbt den Roland …

    Da hat doch der „Milchbubi“ richtig zugelangt!
    Seine neue Frau ist richtig nett und die Kleinen werden wohl die jüngsten Präsidentenkinder aller Zeiten sein, sofern die Bundesversammlung entsprechend abstimmt.
    Nun denn, man wird sehen …

    „Kässmann for President“ hätte ich übrigens absolut unmöglich gefunden, obwohl ich, wie du ja weißt, die Frau sehr mag und schätze!

    • Ich will auch nicht behaupten, besonders fair mit ihm umgegangen zu sein. Aber Wulff verkörpert – aus den genannten Gründen – einfach alles, was ich an der politischen Klasse hasse.


  • Wenn der neue Präsident schon keine Frau ist, so ist er doch zumindest kein Mann.

    Das dürfte, zumindest bei den ‚Volxparteien‘, in Zukunft wohl absolut unvermeidlich sein. Eine Gesellschaft, die sich faktisch immer stärker heterogenisiert und sich damit ebenso stark multipolare Spannungen aufbauen, kann von ‚Volxparteien‘ nur noch angesprochen werden, wenn wenigstens die Führungspersonen zu ‚leeren Leinwänden‘ werden, die für ansonsten unvereinbare Projektionen gleichermaßen gut geeignet sind. Merkel, deren Physiognomie ja Bände spricht, ist dabei einer der Prototypen der Zukunft … Wulff eine andere Version dieses Prototypen. Bin gespannt, wen die SPD in Zukunft für diese Posten anzubieten gedenkt…

  • Ein klares weiberfeindliches Komplott. Hier hätte eine Frau beweisen können, daß sie in der Lage ist, genausolche Dummheiten im Präsidentenamt von sich zu geben, wie ein Mann. Theoretisch ist das natürlich klar aber der Praxisbeweis fehlt eben.

  • Ich lese seit Jahren keine mainstrem-Medien mehr. Aber was ich mir von Qualitätsmedien erhoffen würde, wären Artikel wie der deine hier. Die letzten 2 Absätze sind so f..ing gut, sowas würde ich dann in einem FAZ-Feuilleton o.ä. vermuten. Meine Einschätzung: bahnbrechend (will mich nicht einschleimen, akzeptiere auch, gemäß deinem Bedarf gelöscht zu werden, gibt halt meinen Eindruck wieder. „Danke“ sag ich noch dazu; für die gesundheitsförderlichen Lacher, und die Richtung überhaupt).

  • Der Vorschlag der TAZ gefällt mir hier einmal ausnehmend gut…

    http://www.taz.de/1/politik/deutschland/artikel/1/jetzt-wird-es-ernst/

  • Meine These ist ja, dass die v.d.Leyen es auch deshalb nicht werden konnte, weil Merkel und sie dann zu oft auf denselben Bildern gewesen wären. Da hätte Mutti alt ausgesehen.

  • Hihi, hast Du ihn auch Milchbubi genannt! Mir fiel gestern nach 3 Minuten Google-Image auch kein besseres Wort zu ihm ein. :)
     
    Von der Leyen hätte eher das Potential aus dem Schatten Merkels herauszutreten, was von ihrer Seite nicht gewollt gewesen wäre. Ein störrischer Köhler, den man zu Unterschriften zu den (verfassungsrechtlich bedenklichen) Gesetzen wahrlich prügeln mußte, hat ihr da gereicht. Jetzt macht es der Milchbubi und nebenher hat Merkel einen weiteren Minister (diesmal) hochgelobt, der ihr so nicht mehr mit der K-Frage kommen kann.

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