Non veni pacem mittere sed gladium. (Mt 10,34)
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Es konnte nicht ausbleiben, dass die Journaille uns die Niederlage von Roland Koch, sprich den Erfolg ihrer eigenen Kampagnenschreiberei als „Sieg der politischen Kultur“ verkaufen würde. Bevor ich danach frage, wer hier tatsächlich gesiegt hat, nutze ich die Gelegenheit festzuhalten, was man in diesen Kreisen unter „politischer Kultur“ versteht:

Erstens, dass es nicht darauf ankommt, ob etwas wahr, sondern ob es politisch korrekt ist,

zweitens, dass man Ausländer grundsätzlich nicht kritisieren darf [siehe meinen gestrigen Beitrag],

drittens, dass unhaltbare gesellschaftliche Zustände nicht kritisiert werden dürfen, wohl aber der, der sie anprangert,

viertens, dass der Staat nicht primär dafür da ist, seine Bürger zu schützen, sondern Gewaltverbrecher zu hätscheln,

fünftens, dass Medien, die sich viel auf ihre „Seriosität“ zugute halten, wie das öffentlich-rechtliche Fernsehen oder auch die ZEIT, blanken Kampgnenjournalismus treiben,

sechstens, dass sie damit Erfolg haben.

Gewonnen hat nicht die politische Kultur. Gewonnen hat diese Wahl eine linke Sozialdemokratin, deren Namen ich nicht nennen darf, weil das sonst fremdenfeindlich wäre, die ich deshalb mit Gerhard Schröder als „diese Frau XY“ tituliere, und die ihren Sachverstand durch ihren unermüdlichen Kampf gegen die Agenda 2010 unter Beweis gestellt hat; hätte sie damit Erfolg gehabt, so hätten wir jetzt anderthalb Millionen Arbeitslose mehr, aber was macht das schon?

Gewonnen haben ferner einige tausend Gewohnheitsverbrecher mit und ohne deutschen Pass, die sich bisher schon darauf verlassen konnten, dass sie keine ernsthaften Strafen zu befürchten haben, schon gar keine Ausweisung, und denen der hessische Wähler heute die Gewissheit beschert hat, dass das auch weiterhin so bleiben wird, weil sich in absehbarer Zeit kein Politiker mehr trauen wird, daran etwas zu ändern.

Gewonnen haben darüberhinaus einige hunderttausend arabische und türkische Jung-Machos, die ganz selbstverständlich und gewohnheitsmäßig und aus nichtigsten Anlässen ihren Mitmenschen, am liebsten natürlich den „Scheißdeutschen“, Prügel und Schlimmeres androhen. Wenn man ihnen Contra gibt, stellt man meist fest, dass man es mit Hunden zu tun hat, die bellen, aber nicht beißen. Nur: Weiß man’s?

Und welche Frau, welcher alte Mensch traut sich denn, ihnen Contra zu geben? (Ich als Hundertkilo-Mann habe da leicht reden.) Glaubwürdig, und für die Betroffenen einschüchternd, sind diese Drohungen durchaus, und zwar allein schon deshalb, weil alle Beteiligten wissen, dass jugendliche Gewalttäter nicht viel zu befürchten haben; der Staat wird ihnen schon noch die zweite, dritte und hundertzehnte Chance geben.

Nein, diese Hessenwahl war kein Sieg der politischen Kultur. Sie war ein Sieg der islamischen Gewaltkultur über die europäische Zivilisation.

Eine Katastrophe.

 

 

20 Antworten auf Wer hat die Hessenwahl gewonnen?

  • Vorab: Du hast mein Mitgefühl.

    Du schreibst, dass der Stimmenverlust für Koch „ein Sieg der islamischen Gewaltkultur über die europäische Zivilisation“ gewesen sei: Ich glaube, Du überschätzt die Bedeutung von Roland Koch im Rahmen der europäischen Zivilisation geringfügig.

    Aber gut, lassen wird das, Dir geht es ohnehin um die ganz großen Fragen, die Dein Innerstes durchpflügen und Dir Ruhelosigkeit stiften. Du solltest dabei bedenken, dass Du Dich mit Deinem Urteil jederzeit irren könntest.

    Ich nehme dafür ein kleines Beispiel, wenn Du erlaubst. So schreibt Du z.B,

    „Gewonnen haben ferner einige tausend Gewohnheitsverbrecher mit und ohne deutschen Pass, die sich bisher schon darauf verlassen konnten, dass sie keine ernsthaften Strafen zu befürchten haben“

    Vermutlich betreibst Du kein intensives Bibelstudium oder schätzt präzise semantische Unterscheidungen. Aber, vielleicht fällt Dir auch so ein kleiner Widerspruch in Deiner Argumentation auf:

    Wenn Du sagst, dass „tausend Gewohnheitsverbrecher“ (von Dir gemeint: 1000 gefährliche muslimische Intensivtäter, welcher die europäische Kultur zerstören wollen) auch in den nun Vergangenheit darstellenden neun Jahren einer Koch-Regierung in Hessen „sich bisher schon darauf verlassen konnten“, quasi straffrei zu bleiben:

    Was wäre dann z.B. mit einer erneuten Wahl von Roland Koch – in Deinem Sinne – gewonnen? Der Mann hat doch in Deinen Augen völlig und in jeder Hinsicht versagt, jedenfalls bei den für Dich entscheidenden Fragen.

    Seine Abwahl wäre jedenfalls logisch im Sinne der Argumentation, die Du verwendet hast.

    So, und nun ein persönliches Wort von mir an Dich: Wenn es Dir irgend möglich ist, dann beschäftige Dich von morgens bis abens mit Politik. Erhöhe – wie in einem Schlachtplan – von Monat zu Monat Dein Pensum.

    Immerhin geht es Dir darum, Europa zu retten. Un mir scheint, Dir ist es sehr ernst damit. Ja, dann solltest Du wirklich alles dafür geben, bis in die letzte absolute Konsequenz, zumal Du Dir bei Deinen Ansichten völlig sicher bist.

    Und glaube mir, ich kenne nur ganz wenige Menschen wie Dich, die so intensiv und ausnahmslos von den eigenen politischen Vorstellungen überzeugt sind. Was hätte Dein Leben dann also für einen Sinn, wenn Du weniger tätest, als Dir notwendig erscheint?

    Fang gleich morgen damit an!

  • Dr. Dean,

    „Was wäre dann z.B. mit einer erneuten Wahl von Roland Koch – in Deinem Sinne – gewonnen? Der Mann hat doch in Deinen Augen völlig und in jeder Hinsicht versagt, jedenfalls bei den für Dich entscheidenden Fragen.“

    Nun, vermutlich hat Roland Koch aus Deiner Sicht einen Fehler begangen, in dem er sich zuerst mit der Integration beschäftigte. Man denke nur an die umstrittenen Deutschkurse für Migrantenkinder, die aus Deiner Sicht bestimmt rassistisch motiviert waren. Dass diese nun Erfolge zeigen (mehr Migrantenkinder auf Gymnasien und Realschulen als zuvor) sollte aus Deiner Sicht bestimmt nicht erwähnt werden, denn mittlerweile hat Koch ja schon die nächste rassistische Attacke gestartet. Da kann man die Aktionen der Vergangenheit ja ruhig vergessen, selbst wenn sie erfolgreich waren.

  • Dr. Dean kann nicht ernst genommen werden. Spaetestens an der Stelle, wo er seine eigene Formulierung an die Stelle des tatsaechlichen Textes setzen will, wird klar, dass es sich wohl um Projektion handelt.

    Wuenschen wir ihm daher alles Gute fuer sein Weltrettungsprojekt und hoffen wir im Stillen, dass er vor allem woanders taetig sein wird.

  • Da es hier anscheinend noch nicht bekannt ist: Dr. Dean kist ein Web-weit bekannter linker Provokateur. Er hat hier anscheinend einen Blog gefunden, auf dem er noch nicht gesperrt ist.

    Dr. Dean einfach ignorieren. Nicht auf ihn eingehen!

  • Danke für die Hinweise. Ungeachtet dessen: Klar kann ich mich irren. Es soll mich sogar sehr freuen, wenn ich mich irre. Trotzdem schreibe ich, was ich denke. Und falls Dr.Dean Wert darauf legt, hier nicht gesperrt zu werden, sollte er seine Vermutungen ad hominem für sich behalten.

  • Ach, Manfred. Vermutungen „ad hominem“? Ja, wo denn?? Zwei Dinge dazu:

    1. Wenn ich von Dir sage, dass Du Dich äußerst intensiv – und zwar auf eine problematische Weise – mit politischen Fragen beschäftigst, so sehr sogar, dass es Dich bzw. Dein inneres Erleben sehr stark ausfüllt:

    Dann musst Du mir Recht geben. Es ist keine Vermutung – und Du weißt das.

    Als Mensch gebe ich Dir den Ratschlag, dass Du Dir von Zeit zu Zeit eine Politikpause gönnst – und, dafür entschuldige ich mich, ich habe diesen Ratschlag oben in eine ironische Form verpackt, aber Du hast ihn denke ich auch so verstanden. Es kein Ratschlag, den ich Dir wegen Deiner politischen Haltung gebe – sondern, wie gesagt: Weil Du als Mensch etwas wert bist, und zwar deutlich mehr wert, als dass Du Dich derart intensiv und emotional mit politischen Ideen beschäftigst.

    Schau mal, ich habe Deine (!) Formulierungen rausgepickt – schaue sie Dir ruhig noch mal sehr gründlich an – und Du wirst finden, dass das Wort „Verschwörungstheorien“ oder sogar „Angstvisionen“ dazu passen könnte Und Dir ist es ernst, wirklich ernst – es rüttelt Dich durch, ja, Du hast richtiggehend Sorgen damit, mit anderen Worten, Du hast Dich verrannt – und es tut Dir nicht wirklich gut.

    So ist das.

    Du weißt, dass ich an diesem Punkt Recht habe. Was übrigens nicht bedeutet, dass Du Deine politischen Haltungen ändern solltest, sondern nur, und das ist mein Ratschlag an Dich, dass Du Deine Interessen künftig ausgewogener gestaltest, und Dich gedanklich – wenn Dir das möglich ist – weniger mit Politik beschäftigst. Vielleicht stattdessen auch etwas mehr mit Dir selbst, Deinen Freunden, Deiner Familie. Wie gesagt: Ein Ratschlag.

    2. Das, was Du an politischen Ideen äußerst, liegt mir in der Sache ziemlich fern, was weder für Dich, noch für Deine Leser eine sonderliche Nachricht darstellen dürfte. Ich habe nicht den Ehrgeiz, Dir nachzuweisen, dass Du völlig überzogene Vorstellungen äußerst. Darauf solltest Du selber kommen, und falls nicht, dann bist Du ohnehin verloren. Was ich schrieb, diente nicht dazu, Dich politisch umzustimmen, sondern erfolgte – wie ganz am Anfang deutlich geschrieben – aus Mitgefühl. Was Du politisch denkst, Verzeihung, ist mir völlig gleichgültig. Aber an Deinen Texten kann man sehen, dass Du Dich auf das Äußerste und extrem intensiv mit politischen Ideen beschäftigst, dass Du zugleich stark beunruhigt bist, und zwar beides in einer Weise, die Dir als Mensch nicht gut tut.

    Sei mir nicht böse.

    Ein Nachsatz zu „Parker“: Du bist nicht liberal.

  • Ich glaube nicht, dass es Dir zusteht, über mein inneres Erleben zu spekulieren. Jeder Artikel, den Du in diesem Blog liest, ist ein Endprodukt. Diesem Endprodukt sieht man die Dutzende von Argumenten, Gegenargumenten, Zweifeln und gedanklichen Alternativen nicht an, die ich durchdacht habe, bevor ich mich festlege – es sei denn, ich thematisiere sie im Artikel selbst. Allenfalls aus meinen früheren Beiträgen kann man die Gedankengänge ablesen, die mich dazu führen, zum Beispiel den Islam als Gewaltkultur einzustufen.

    Woran man Verschwörungstheorien erkennt und was von ihnen zu halten ist, darüber habe ich mich hier schon oft genug verbreitet – ich selbst habe solche Theorien weder hier noch anderswo zum Besten gegeben. Und was die „Angstvisionen“ betrifft: Ich lebe selbst in einer Gegend, die gerade am Umkippen ist. Ich weiß also, wovon ich rede.

    Im Übrigen bin ich Politikwissenschaftler und kann nicht finden, dass mir das je geschadet hätte.

    Und da Du es nicht lassen konntest, zur Person statt zur Sache zu argumentieren, habe ich meine Ankündigung wahrgemacht und Dich gesperrt.

  • Die kleine „Rempelei“ mit Dr. Dean (mir auch schon lange bekannt mit vielen flachen Kommentaren, Claqueur bei diversen Blogs usw.) zeigt exemplarisch, welche Klientel Koch weghaben wollte.

    Es scheint, daß die Meinungen eines „Dean“ im dt. Bürgertum noch immer (oder schon immer, nachkriegsbezogen) Grundkonsens sind. Kennzeichnende Aussagen wären zB. „Autobahn geht gar nicht“ oder „Wer ‚Ausländer‘ sagt, ist ein Rassist“. Mit diesen Leuten hat es sich Koch nachhaltig verdorben, hat sich ihren Haß zugezogen. Man hat ja die Sprechchöre von der Wahl („Koch ist weg“) noch im Ohr. In der Mehrzahl dürften es Frauen gewesen sein, die weiterhin jedes Aufwachen aus dem politisch korrekten Schmusekurs und sozialtherapeutischem Wunschdenken verweigern. In einer DLF-Diskussion hat man das bei den Anruferinnen deutlich gesehen.

    Die Zahl der „Realisten“ bzgl. Islam, Ausländerkriminalität usw. ist weit geringer, als man es vermutet hat, vielleicht 20-30%. Und vonseiten der Linken eignet sich das Thema nach Art eines Dogmas für den Glaubenskrieg.

    Die konkreten „ad hominem“-Vorwürfe von Dean sind allerdings echt dumm. Er hat wohl nicht kapiert, daß Blogs ebenso wie alle Medien funktionieren: es geht um Leser, es geht um Reaktionen, und dazu muß man einen ordentlichen Schuß Polemik reinbringen. Aus einem Polit-Blog auf das Wesen des Schreibers zu schließen, ist Käse. Dean soll sich um seinen eigenen Blog kümmern, aber da kriegt er wohl nicht genug Aufmerksamkeit…(shit, das war jetzt auch „ad hominem“ *g*). Na ja, es wird an seiner oberlehrerhaften Art liegen, wofür es heute das wirklich schöne Wort „Dressurelite“ gibt…

  • Polemik? Was für Polemik?

    Nach Polemik sieht das, wenn überhaupt, dann nur deshalb aus, weil ich diesmal die Gedankengänge aus meinen früheren Beiträgen als bekannt vorausgesetzt, sie daher nicht noch einmal neu entwickelt, sondern in Begriffen wie „Kampagnenjournalismus“, „Political Correctness“, „islamische Gewaltkultur“ etc. zusammengefasst habe.

    Ich bin nämlich nicht der Meinung, dass man als Antitotalitärer verpflichtet wäre, sich für die Verwendung von Begriffen zu entschuldigen, die gut durchdacht und begründet sind – nur weil PC-Ideologen diese Gedankengänge und Begründungen ignorieren und stattdessen moralisch verdammen, was sie inhaltlich nicht widerlegen können.

    Nein, nein, ich stehe zu jedem einzelnen Wort!

    [Nachtrag: Na gut, das mit „der Frau XY“ – das war wahrscheinlich Polemik 😀 ]

  • “Wer ‘Ausländer’ sagt, ist ein Rassist”. Mit diesen Leuten hat es sich Koch nachhaltig verdorben, hat sich ihren Haß zugezogen.
    —-
    das Problem ist allerdings, dass solche, um einmal ein linke Floskel zu bedienen, undifferenzierten Ansichten salonfähig geworden sind. Es war nicht etwa eine kleine linke Extremistenpartei, welche Roland Kochs Äusserungen „fremdenfeindlich“ nannte, sondern wir konnten es aus den Reihen der SPD vernehmen. Das selbst die Volkspartei SPD sich solcher Mittel bedient, erklärt auch die enorme Wucht mit der die Durchgesetzung der Intoleranz erfolgt. Und ferner, dass Linksextremisten damit eine Handreichung signalisiert wird, sich sozusagen mit der offiziellen Politik der BRD zu identifizieren. Der Irrglaube sich in Übereinstimmung mit der offiziellen Politik zu befinden, erklärt sowohl das erstaunliche Selbstvertrauen, als auch die enorme Agressivität, mit der solche Leute agieren, die noch vor wenigen Jahren ein Schattendasein ausserhalb der politischen Gesellschaft führten.

    Ein Aspekt vermisse ich jedoch in Manfreds wirklich gelungener Definition, über das, was man in diesen Kreisen unter “politischer Kultur” versteht: Nämlich die double standards.

    Ein Schröder darf „Wer unser Gastrecht missbraucht, für den gibt es nur eines: raus, und zwar schnell“ sagen und selbst wenn ein Lafontaine sich ungünstig über „Fremdarbeiter“ äussert, so weht ihm der dabei aufgewirbelte Wind deutlich milder um die Ohren, als im Fall eines CDU Politikers.

  • Stimmt, das hatte ich vergessen. Und man könnte noch als Beispiel den Begriff „Leitkultur“ hinzufügen. Den hatte mW zuerst Robert Leicht in der ZEIT gebraucht – ohne dass es irgendjemanden gejuckt hätte. Als aber Friedrich Merz denselben Begriff verwendete, musste natürlich sofort irgendwelchen „Anfängen gewehrt“ werden. Der Hintergrund ist, dass die Linke sich selbst für den Inbegriff des „Guten“ hält; wer nicht zu ihr gehört, ist stets rassismus-, faschismus- oder sonst -ismusverdächtig und hat zu jeder Stunde des Tages diesen Verdacht zu entkräften, indem er über jedes Stöckchen springt, das die Linke ihm hinhält. Für die Linke ist das sehr praktisch, weil sie dann ihre eigenen Positionen nicht mehr mit Argumenten zu legitimieren braucht, sondern den Andersdenkenden einfach als „böse“ abstempeln kann.

  • Richtig, die Leitkultur gehört ebenso dazu. Im weitesten Sinne sogar Hartz IV, die Agenda und damit der Sozialabbau. Wie die jüngsten Wahlerfolge zeigen, hat der Wähler der neoliberalen Schröderpartei tatsächlich verziehen. An die Montagsdemonstrationen denkt kaum noch einer. Einem Bürgerlichen hätte man die Sache noch nach 100 Jahren vorgeworfen.

    Die Linke als Inbegriff des “Guten”: Ganz neu ist es nicht, denn Teilen der damaligen Studentenbewegung wurde das Moralisieren vorgeworfen, und zwar, man höre und staune, vorwiegend von linken Profs. Das sie damit unter Umständen das Toben im Hörsaal von einem auf den anderen Moment abschalten konnten, darauf sei einmal hingewiesen. Damals hatte die Linke noch einen wissenschaftlichen Anspruch und das Moralisieren passte nicht dazu. Mehr noch traf der Moralisierende auf tiefste Verachtung, denn der Marxist moralisiert nicht über diese oder jene Effekte des Kapitalismus, sondern leitet sie in Gestalt mathematischer Formeln und Gleichungen aus den ökonomischen Gesetzen der kapitalistischen Produktionsverhältnisse ab.

    Seitdem hat sich gravierend etwas verändert. Die Situation hat Manfred wirklich sehr treffend beschrieben. Die Linke beschränkt sich seit geraumer Zeit auf die Anklage. Sich selbst dagegen macht sie unangreifbar. Seit dem Ende des Marxismus gibt es keine Theorie, die man wiederlegen kann und seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion keine gegenwärtige Praxis, die ein anschauliches Bild vom menschenverachtenden Resultat linker Politik liefert.

    Das Ende des Sowjetsystem und das Abschütteln des Marxismus haben der Linken genutzt. Praxislos ist sie zur unangreifbaren Projektionsfläche allerlei infantiler Wunschbilder geworden und Theorie- und damit im mehrfachen Sinne Kopflos, kann sie sich beliebiger, im Tagesgeschäft allerdings nützlicher Konstrukte beliebiger ideengeschichtlicher Herkunft frei bedienen. So wäre die Generalanklage gegen ein Volk zu Zeiten des Marxismus völlig undenkbar gewesen. Äusserungen, wie zuletzt von Jessen und Höge vorbracht, wären als unmarxistisch eingestuft und damit im wahrsten Sinne des Wortes deklassiert worden und Jessen und Höge wären mit Hinweis auf latenten oder gar manifsten Rassismus und Begünstigung fortschrittsfeindlicher, nationalistischer und religiöser Kräfte, denen jegliche linke, demokratische und emanzipative Inhalte fehlen, auf der Stelle exkommuniziert worden.

    Noch eine Note zum Stöckchen springen. Dazu gehören stets zwei. Wir lassen es ja schliesslich mit uns geschehen. Wenn die SPD Roland Koch einen Fremdenfeind nennt, wo bleibt denn die massenhafte Empörung der Bürgerlichen über ein derartig infames Urteil, welches dem Arsenal der Linksextremisten entnommen ist und eine derart inflationäre Verwendung des Begriffs signalisiert, die sicherlich unbezweckt, im Endeffekt jedoch eindeutig der Verhamlosung und Relativierung tatsächlicher Fremdenhasser dient?

    in dem heutigen Ausmass

  • Die Bürgerlichen haben in einem früher unvorstellbaren Ausmaß die Ideologie ihrer Feinde übernommen und sich geistig entwaffnen lassen. Woran das liegt? Ich weiß es nicht wirklich.

  • Ich empfehle Dir den Blogeintrag von Jost Kaiser zum gleichen Thema. Er ist ganz anderer Meinung als Du, schreibt aber gut .

    http://www.vanityfair.de/blog/politik/6727.html

  • Vielen Dank für den Hinweis. Sobald ich Zeit habe, werde ich Herrn Kaiser mit einem ziemlich bärbeißigen Kommentar beglücken. Ich schreibe nämlich auch gut.

  • Ich schreibe eher kurz als gut, aber gelegentlich ist trotzdem etwas Inhalt dabei verbunden:

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