Non veni pacem mittere sed gladium. (Mt 10,34)
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War das nicht furchtbar in der DDR, wo man nicht aus dem Haus gehen konnte, ohne mit Propaganda erschlagen zu werden?

Ja, das war furchtbar. Und genauso furchtbar ist es heute:

Und das betrifft nicht nur Staatspropaganda (was einen ja nicht weiter wundern würde: Wo die SED nicht – wie in Berlin – an der Macht ist, sind es ihre Blockflöten). Nein, die Privatwirtschaft treibt es eher noch toller, wie zum Beispiel die „konservative“ (Es darf gelacht werden!) Morgenpost, die uns mit allerplumpester linker Propaganda bombardiert. Wenn man so etwas sieht …

… und erst recht so etwas …

… sehnt man sich beinahe nach dem alten Kommunistenkitsch mit glücklichen Werktätigen unter roten Fahnen. Und ist erleichtert, wenn man in der U-Bahn auf unfreiwilligen Dadaismus wie diesen stößt …

… dessen Botschaft genausogut ihr Gegenteil bedeuten kann, je nachdem, mit welchem Wort man anfängt, und ob man mit oder gegen den Uhrzeigersinn oder von oben nach unten liest: Statt

„Gewalt halt! Mach mit!

könnte es ebenso heißen:

„Halt! Gewalt, mach mit!“

oder

„Mach mit Gewalt Halt!“ (In der U-Bahn also: Zieh die Notbremse!)

oder auch

„Mach’s halt mit Gewalt!“

Das nenne ich doch eine Pluralität der Lesarten. Wirklich erholsam!

11 Antworten auf DDR 2.0

  • Norbert Bolz qualifizierte „Sarrazin“ als „Geschichtszeichen“. Und in dieser Phase, in der die große Debatte erstmal vorbei ist und – erwartungsgemäß – nichts geschieht, braut sich auf Grundlage der Enttäuschung das zusammen, was dann irgendwann über uns kommen wird. Diese lebensfremden Plakate tragen dazu bei. Wenn das alles nicht so schlimm wäre, wäre es einfach nur lächerlich, peinlich und lebensfremd.

  • Nichts auf der ganzen Welt ist einfältiger als der Slogan „Vielfalt statt Einfalt“…

  • Nicht nur die Einfalt der staatlichen sozialistischen Propaganda gemahnt an die „DDR“, sondern auch der wachsende Zustand von Infrastruktur. Geistige und äußerliche Verfaßtheit gehen immer Hand in Hand. Zu Flickwerkfamilien passen gut Flickwerkstraßen. Geistige Verkommenheit gebiert die Verkommenheit von Infrastruktur. Post und Bahn sind weitere Indizien dafür.

  • Berlin ist, wenn eine Familie nicht aussehen muß wie eine Familie?

    Ich würde sagen: Berlin ist, wenn Berlin nicht aussieht wie Berlin.

  • Ist zwar nicht Berlin, paßt aber doch inhaltlich…

    http://ef-magazin.de/2011/01/11/2790-auszug-aus-der-print-ausgabe-reportage-aus-brandenburg-bei-der-kinder-hirngebein

    … und macht einfach nur sprachlos – obwohl man vom Kopf her natürlich nichts anderes erwartet hätte.

  • Ja, man glaubt es kaum, wie recht Honecker hatte mit seinem Spruch vom Ochs und Esel…
     
    Doch eins hielten die Kommunisten hoch: eine ans Christliche definierte Sozialmoral, angefangen von den 10 Geboten für Jungpioniere bis zum Leitbild der sozialistischen Familie, das sich einer verdächtig konservativen Moral bediente. Bis auf die kollektive Kindererziehung, natürlich.
     
    Aber sonst waren die Kommunisten mega-spießig, um mal diesen Begriff zu verwenden. Schmarotzer, Punks, Hurer und wilde Ehen mochten die Funktionäre gar nicht.

  • Wer schaut sich Werbung an? Und vor allem, wie wirkt diese?
    Ich für mein Teil, und dabei schließe ich gewöhnliche „Verkaufsempfehlungen“ ein, ignoriere und boykottiere Produkte und Ideen, deren Bewerbung in mir Hohn, Spott und Verachtung auslösen. In diesem Fall würde ich das Produkt „Morgenpest“ nicht (mehr) käuflich erwerben.
    Fast ausnahmslos soll Werbung etwas suggerieren, was so nicht vorhanden ist.
    Solche Kampagnen bewerben einen Zustand, der reine Wunschvorstellung und Vision ist. Wäre der Zustand so, wie er auf den Plakaten der Morgenpest gepredigt wird, müssten solche Kampagnen nicht durchgeführt werden. Wenn diese Zustände alltäglich und allgemeingültig wären, würde die Kampagne den Betrachter langweilen.
    „Berlin ist, wo morgens meist gefrühstückt wird.“
    „Berlin ist, wenn man fast täglich duscht.“
    „Berlin ist, wo Menschen durch Lungen atmen.“

  • Eine Lüge wird nicht deshalb zur Wahrheit, wenn man sie tausendfach wiederholt.
    (Nicht nur) Die Berliner kennen ihre Stadt.
    Da helfen auch keine Plakate. Sie vergrößern nur die Kluft zwischen der Journaille und
    deren Konsumenten.
    Wer so offensichtlich lügt, der wird den Preis dafür zahlen.

  • „… sehnt man sich beinahe nach dem alten Kommunistenkitsch“
    You bet! Als westdeutsche Zugereiste, die jetzt seit über vier Jahren in der Ehemaligen lebt, kann ich nur sagen, dass ich mit den stalinistischen Altkadern mehr gemeinsam habe, als mit den links-schwul-rotgrünbunten Paradiesvögeln aus dem Westen.
    Islamiten bei Onkel Erich? Love Parades? Multikulti? Friedensgesülze? Lichterketten? Schwulenehen? Guter Witz! Nein, es war „nicht alles schlecht“!

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