Non veni pacem mittere sed gladium. (Mt 10,34)
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Der Zufall wollte es, dass ich vor kurzem im Kontext einer Diskussion über den Nahostkonflikt  wieder auf die „Dialektik der Aufklärung“ von Max Horkheimer und Theodor W. Adorno gestoßen wurde, einen Basistext des linken Nachkriegsdiskurses, gerade passend zu meiner Beschäftigung mit den Grundlagen linken Denkens. Es stellte sich als eine ungemein fesselnde Lektüre heraus, viel spannender als vor 20 Jahren, als ich sie das erstemal gelesen hatte. Fesselnd und spannend deshalb, weil sie das dialektische Umschlagen von Aufklärung in Herrschaft, das sie an der bürgerlichen Gesellschaft kritisieren zu müssen glaubt, tatsächlich selbst enthält, ja sogar ein Musterbeispiel dafür ist, wie emanzipatorisches in totalitäres Denken umschlägt!

Ich fasse die Argumentation kurz zusammen (Vergröberungen der überaus komplexen Theorie nehme ich dabei in Kauf, weil es mir nicht darum geht, ein Adorno-Seminar abzuhalten, sondern linke Denkstrukturen herauszuarbeiten; in den linken Ideologiehaushalt ist die „Dialektik“ ohnehin nur in vergröberter Form eingedrungen, in dieser aber umso mächtiger):

Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass Aufklärung nicht nur, wie von Kant postuliert, „der Ausgang des Menschen aus der selbst verschuldeten Unmündigkeit“ ist, sondern wesenhaft ein Moment von Herrschaft enthält: Für das aufgeklärte Denken erweist sich ja die Wahrheit einer Aussage an ihrer Anwendbarkeit, d.h. daran, dass er uns zur Manipulation befähigt; zur Manipulation zunächst der Natur, aber eben auch des Mitmenschen und schließlich der Gesellschaft. Aufklärung ist ein Herrschaftsinstrument und damit ein Instrument der Herrschenden, die es im Zuge monopolkapitalistischer Machtkonzentration immer weniger nötig haben – und es sich auch immer weniger leisten können -, ihre Herrschaft liberal und demokratisch zu bemänteln. Am Ende dieses Prozesses steht der Faschismus – als die nackte brutale Herrschaft über den Menschen, der nur noch Herrschaftsobjekt ist. Der Faschismus ist die letzte Konsequenz der Aufklärung. Dieser Konsequenz kann die Aufklärung nur dadurch entgehen und ihr emanzipatorisches Potential nur entfalten, wenn sie den Herrschaftscharakter gesellschaftlicher Verhältnisse entlarvt und die gegebene Gesellschaft nicht als das Gegebene hinnimmt und auf dem berühmten Boden der Tatsachen bloß interpretiert und damit legitimiert, sondern als das zu Überwindende kritisiert. So weit Horkheimer/Adorno.

Hier werden also Demokratie und Liberalismus als raffinierte Maskerade kapitalistischer Herrschaft, mithin als bloße Vorstufe zum Faschismus, eingeordnet, und die Unterschiede zwischen Demokratie und Faschismus scheinen bloß gradueller, nicht aber qualitativer Natur zu sein. Ein erstaunlicher Standpunkt für zwei Autoren, denen die Unterschiede zwischen Faschismus und Demokratie doch qualitativ bedeutsam genug gewesen waren, um vor dem einen in die Arme der anderen zu flüchten. Zugleich eine Denkfigur, die von Gruppen wie der RAF aus der akademischen Theorie in blutige Praxis übersetzt wurde, und die mitverantwortlich dafür sein dürfte, dass die Linke bis heute außerstande ist, Rechtsradikalismus als solchen zu erkennen, wenn er nicht aus einer „aufgeklärten“ westlichen Gesellschaft erwächst, sondern etwa aus einer islamischen. Logisch: Wenn Faschismus das Ergebnis einer sich selbst ad absurdum führenden Aufklärung ist, dann kann er von nichtwestlichen Gesellschaften definitionsgemäß nicht hervorgebracht werden, mögen deren Ideologien auch noch so antirational, antidemokratisch, frauenfeindlich und antisemitisch sein.

Die Kritik beschränkt sich auf kapitalistische Gesellschaften, der Kommunismus bleibt ausgespart. Und das ist verblüffend, denn wenn es je eine Ideologie gegeben hat, für die Horkheimer/Adornos Rechnung ohne Rest aufgeht, dann ist es gerade der Kommunismus: Der Anspruch des Marxismus, die Bewegungsgesetze der Gesellschaft aufgedeckt zu haben, um auf der Basis dieses Wissens Armut und Unterdrückung durch zielgerichtetes politisches Handeln zu überwinden, ist so aufklärerisch wie nur irgend möglich. Genau dieser Anspruch aber legitimierte die aufgeklärte Elite, organisiert in der kommunistischen Partei, mit totalitärer Gewalt der Gesellschaft die Richtung vorzuschreiben, immer glaubend oder vorgebend, damit die wissenschaftlich überprüfbaren Gesetze der Geschichte zu vollstrecken. Der Kommunismus ist der blinde Fleck bei Horkheimer und Adorno. Und das kann auch nicht anders sein, war doch die marxistische Gesellschaftsanalyse die Basis ihrer Theorie. (Zur Ehre der Autoren sei angemerkt, dass sie über den engstirnigen ökonomischen Determinismus der meisten gelernten Marxisten erhaben waren.)

Sehr erhellend ist in diesem Zusammenhang der Abschnitt über die „Kulturindustrie“: Sie sei ein Mittel, mit dem die Herrschenden das Volk in ihrem eigenen Interesse manipulierten, nicht so sehr durch im strengen Sinne unwahre Informationen, sondern indem das Gesamtangebot, speziell an Unterhaltung, gesellschaftskritische Reflexion unmöglich mache. Dem Konsumenten werde die Freiheit der Wahl bloß vorgegaukelt, damit er sich umso williger an das Gängelband der Herrschaftsinteressen legen lasse. Erhellend ist das deshalb, weil hier idealtypisch und auf höchstem Niveau eine zentrale linke Denkfigur entwickelt wird, nämlich die des „falschen Bewusstseins“. Schon Marx und Engels waren sich darüber im klaren gewesen, dass das, was das Volk von sich aus will, nicht unbedingt identisch ist mit dem, was die Linke für das Volk will, und sie hatten deswegen den „Blitzschlag des Gedankens in den naiven Volksboden“ und die Erziehungsaufgabe der Partei postuliert; das Proletariat sollte befähigt werden, seine Interessen zu erkennen und selbständig wahrzunehmen. Bei Lenin findet sich dieser Gedanke schon radikalisiert: Da das Proletariat von sich aus bestenfalls zu einem gewerkschaftlichen Bewusstsein komme, könne die Diktatur des Proletariats – Voraussetzung für die Entwicklung zu Sozialismus und Kommunismus – nicht durch die Arbeiter selbst ausgeübt werden, sondern durch die Partei, in der die historische Mission der Arbeiterklasse gleichsam objektiviert sei.

Dieser Umschlag von herrschaftskritischem in herrschaftslegitimierendes Denken, zeigt in der Tat eine „Dialektik der Aufklärung“ – aber eben nicht der bürgerlichen und systemimmanenten Aufklärung, die die Autoren kritisieren, sondern der herrschaftskritischen, systemtranszendierenden linken Aufklärung, weil die nur ihre eigenen Maßstäbe, d.h. den Blick durch die Brille der Herrschaftskritik, gelten lässt (weil alles andere ja zum Faschismus führen würde, siehe oben) und deshalb auch in liberalen, demokratischen Gesellschaften nur das Element der Herrschaft erkennen kann. Wer sich – obwohl weder reich noch mächtig – in einer solchen Gesellschaft subjektiv „frei“ fühlt, kann demgemäß nur ein „falsches“, weil bestehende Herrschaftsverhältnisse nicht reflektierendes Bewusstsein haben. Ein äußerst gefährlicher Gedanke, dessen Tragweite den meisten Linken wahrscheinlich gar nicht bewusst ist: Wenn nämlich das, was subjektiv „Freiheit“ zu sein scheint, „objektiv“ Unterdrückung ist, dann spricht kein rationales Argument dagegen, dass das, was subjektiv, z.B. aus der Sicht eines verfolgten Dissidenten, Unterdrückung zu sein scheint, „objektiv“ Emanzipation ist.

So führt der herrschaftskritische Ansatz, der die linke Identität konstituiert, ganz von selbst zu Legitimierung der totalitären Diktatur – dass Teile der Linken diese Schlussfolgerung nicht akzeptieren, ändert daran nichts: Solche Linken sind nur inkonsequent, und werden daher gegenüber konsequenten, d.h. radikalen, Linken stets die schlechteren Argumente haben.

[Und hier noch ein hervorragender Aufsatz zum Thema: Michael Holmes, Zur Kritik der Kritischen Theorie]

25 Antworten auf What’s Left III – „Dialektik der Aufklärung“

  • Selten liest man so brilliante Kommentare von „Querköpfen“, die selber ihre eigene Sicht der Dinge als „politische Korrektheiten“ feilbieten.

    Eine Frage bezüglich des letzten Absatzes Ihrer „Korrektheiten“:

    Können Sie mir verraten, warum der herrschaftsunkritische Ansatz (im Gegensatz zum herrschaftskritischen), der zur Identität von Personen Ihres Formats gehört, nicht „ganz von selbst zu Legitimierung der totalitären Diktatur“ führt?

  • Ihr Kommentar war von meinem Spamfilter abgefangen worden; ich habe das jetzt erst gemerkt und ihn deshalb erst jetzt freigegeben.

    Dass der Begriff „politische Korrektheiten“ eine gewisse Ironie enthält, wird Ihnen nicht entgangen sein.

    Der Gegensatz zum herrschaftskritischen Ansatz ist in meiner Definition (siehe What’s Left II – linkes und konservatives Denken) nicht der herrschaftsunkritische, sondern der funktionalistische. Für beide lassen sich gute Argumente ins Feld führen. Das Problem der Linken ist, dass sie ihre Gruppenidentität (!) über den herrschaftskritischen Ansatz definiert, ja definieren muss, und dass dadurch ein erkenntnisverzerrender Zwang entsteht, gesellschaftliche Verhältnisse prinzipiell als Herrschaftsverhältnisse zu interpretieren, die beseitigt werden müssen, und dies gegebenenfalls auch gegen den Willen derer, die angeblich von der Unterdrückung befreit werden sollen.

    Ein funktionalistischer Ansatz dagegen, also ein Ansatz, der von der Frage ausgeht, welche Voraussetzungen eigentlich gegeben sein müssen, damit die Gesellschaft existieren und sich friedlich fortentwickeln kann, kann durchaus kritisch in dem Sinne sein, dass er Dysfunktionalitäten aufzeigt, wird aber schwerlich ein utopisches Projekt hervorbringen, dessen Verwirklichung totalitäre Gewaltanwendung rechtfertigen würde.

  • Dass der herr.unkr. Ansatz nicht das Gegenteil vom herr.krit. ist, ist mir klar. Meine Frage bezog sich nicht auf den funktionalistischen sondern auf den herr.unkr. Ansatz.

    Falls Sie meine Beiträge als Spam identifizieren (was an anderer Stelle offensichtlich geschieht), erspare ich mir künftig die Mühe, Kommentare zu schreiben.

  • Sie haben mich missverstanden: Der Spamfilter gehört zur WordPress-Software und filtert ohne mein Zutun alles heraus, was aufgrund vorgegebener Kriterien (von den Programmierern vorgegebener Kriterien!) spamverdächtig ist. Das Programm fragt mich dann, ob es sich um Spam handelt und stellt es mir anheim, den Kommentar freizugeben. Genau das habe ich getan.

    Wenn Ihre Frage darauf abzielte, ob ich prinzipiell jede Herrschaftskritik für Teufelswerk halte, lautet die Antwort selbstverständlich „Nein“! Wogegen ich mich nur wende, ist ein Ansatz, der von vornherein alles ausblendet, was an Emanzipation bereits verwirklicht ist, und der deshalb bedenkenlos die rechtlichen, kulturellen und politischen Voraussetzungen attackiert, auf denen eine offene, demokratische Gesellschaft aufbaut.

  • Danke für Ihre Klarstellung. Es ist seltsam, dass, obwohl ich Mitglied, ja Ko-Autor bei WordPress, mein Kommentar als Spam „erkannt“ wird. & Danke auch für die Freischaltung.

    Nein, meine Frage zielt nicht darauf ab, ob Sie Herrschaftskritik prinzipiell für Teufelswerk hielten.

    Ich fragte ganz klar: „Können Sie mir verraten, warum der herrschaftsunkritische Ansatz (im Gegensatz zum herrschaftskritischen), der zur Identität von Personen Ihres Formats gehört, nicht “ganz von selbst zu Legitimierung der totalitären Diktatur” führt?“

    Um die Beantwortung nicht zu überfrachten nehme ich den Teil „der zur Identität von Personen Ihres Formats gehört“ heraus; ich verzichte auf ihn.

  • Da ich nicht mehr zur Seite gelange, auf der Sie behaupten, ich sei ein „arabischer Politologe“, antworte ich hier.

    Ihre letzte Argumentation, die eine Mutmassung darstellt, wäre einsichtig, wenn es nicht andere Möglichkeiten gäbe; wenn sie der Wahrheit entspräche. Dass ich aus dem L. „stamme“ & nicht die schw. Staatsbürgerschaft besitze, obwohl ich in der CH lebe, ist kein hinreichender Grund für Ihre Behauptung.

    Dürfte ich Sie fragen, ob Sie Jude sind? Nach Ihrer letzten Stellungnahme habe ich keinen Zweifel daran, dass Sie die Frage richtig verstehen. Ob diese meine Mutmassung richtig ist wird Ihre Antwort zeigen.

  • Montparnasse, was soll das? Sie können mich meinetwegen auch fragen, ob ich Jude sei; da ich in der Regel die israelische Position unterstütze, wäre die Frage legitim, einfach, weil der persönliche Bezug zu einer der Konfliktparteien eine Hintergrundinformation ist, nach der zu fragen legitim ist.

    Im übrigen ging es bei dabei nur darum, einen Kommentar von Flowerkraut kurz zu erläutern, damit auch Dritte wissen, worauf er sich bezieht.

    Ich stelle fest, dass Sie keinerlei Anstrengungen unternehmen, meine Mutmaßungen richtigzustellen (falls sie falsch sind) oder zu bestätigen.

    Zu Ihrer Frage nach dem „herrschaftsunkritischen“ Ansatz habe ich alles gesagt. Wenn meine Antworten Ihnen nicht genügen, formulieren Sie Ihre Fragen klarer!

  • Ich bin Österreicher. Ich habe mich sehr gewundert über die Kurzschlüssigkeit Ihrer Mutmassung.
    Sind Sie Jude? (2. Versuch.)

    Dass Sie (gelinde gesagt) Skepsis am herr.krit. Ansatz haben, geht aus Ihren Meldungen klar hervor; dass Ihnen der „funktionalistische“ Ansatz kein grosses Kopfzerbrechen bereitet ebenso. Hinsichtlich des „herr.unkr.“ Ansatzes: Wo haben Sie „alles gesagt“?

  • 1. Ich bin protestantischer Christ deutscher Nationalität. 2. Sie hatten Ihre Staatsangehörigkeit bisher nicht genannt, können mir also schlecht vorwerfen, dass ich sie nicht kannte. 3. Sie haben Ihre Fragen immer noch nicht klarer formuliert. 4. Nach Ihrem Verhalten muss ich vermuten, dass Sie hier die Spielchen fortsetzen wollen, mit denen Sie mir schon die Debatte in unserem Diskussionsblog verleidet haben. 5. Ihr Angebot „…erspare ich mir künftig die Mühe, Kommentare zu schreiben“ nehme ich dankend an.

  • ad) Staatsbürgerschaft

    Richtig müßte es heißen: ein österreichischer Politologe mit arabischem Migrationshintergrund. Ganz genau: in Syrien geboren, später in den Libanon übersiedelt und von dort nach Österreich emigriert, wobei Österreich nicht das Wunschziel war. Diese Angaben sind der öffentlich zugänglichen und entlehnbaren DA entnommen.

  • Guck mal Manfred,

    was ich hier http://www.vanityfair.de/blog/politik/2761.html gefunden habe, etwas salopp formuliert, aber witzig.

  • Das ist klasse! 😀

    (Mit dem „Unrechtsstaat“ habe ich ja nur meine Probleme, wenn er dort verwendet wird, wo man einen analytischen Begriff – wie eben „Diktatur“ oder „totalitäres System“ – erwartet)

  • Vielen Dank! Leider habe ich es noch nicht geschafft, es ganz durchzulesen. Ich bin erst bei der Hälfte, aber es ist jedenfalls sehr interessant.

  • Interessant ist nicht zuletzt, dass er die Nazis der Linken zuschlägt. Ich selber bin ja immer noch der Meinung, dass man Links- und Rechtsextremismus analytisch auseinanderhalten kann; ich frage mich nur, ob diese Unterscheidung wirklich noch relevant ist: Islamisten gebärden sich als Globalisierungskritker, Linksradikale streuen Verschwörungstheorien über 9/11, die wiederum von Nazis aufgegriffen und angereichert werden, woraufhin sich die Islamisten bei den Nazis bedienen, deren Antisemitismus wiederum von Linken und Islamisten aufgegriffen wird…

    Nazis loben die DDR (weil dort „Ordnung“ herrschte), Linke loben Islamisten (als „antiimperialistische“ Kraft), und die Islamisten hatten ja schon immer viel für Hitler übrig. So schließt sich der Kreis.

    Ich fühle mich auf Schritt und Tritt an jene Kooperation zwischen Nazis und Kommunisten in der Endphase der Weimarer Republik erinnert, wo Leute zwischen dem Roten Frontkämpferbund und der SA munter hin- und herwechselten, je nachdem, wer gerade die Nase vorn zu haben schien.

    Es scheint einen „Ideologiepool“ zu geben, in dem sich jeder bedient, der den Westen (Demokratie, Aufklärung, Frauenrechte, Freiheit, Vernunft etc.) hasst, und einen Typus von Menschen, denen es egal ist, unter welcher Flagge sie diesen Hass austoben. Das Problem ist, dass die trübe Suppe dieses Pools immer stärker in die Gesellschaft auch des Westens selbst sickert.

  • Vielleicht macht es Sinn, die Unterschiede weniger ideologisch als psychologisch zu sehen.

  • Das waere noch der Link, den ich oben vergessen habe http://shrinkwrapped.blogs.com/blog/2007/09/islam-and-marxi.html

  • Das kann gut sein. Raddatz, um mal etwas Positives über ihn zu sagen, zitiert in seinem Buch psychologische Untersuchungen, wonach der typische Linke aus Familien mit dominanter Mutter und schwachem bzw. nicht vorhandenem Vater komme. Beim typischen Rechtsextremisten (und damit sind bei mir die Islamisten immer mitgemeint) scheint mir das Gegenteil der Fall zu sein.

    Ich selbst verstehe allerdings zu wenig von Psychologie, um mich dazu kompetent zu äußern; außerdem ist eine psychologische Erklärung einer menschlichen politischen Haltung für sich genommen ja noch kein Argument gegen diese Haltung. Aus diesen Gründen konzentriere ich mich lieber darauf, die Ideologien selbst auseinanderzunehmen. Womit ich Deinen eher psychologisch orientierten Ansatz natürlich keineswegs entwerten will: Als Hintergrundwissen sind psychologische Interpretationen auch für mich wichtig.

  • Deinen Kommentar mit dem Link habe ich jetzt erst entdeckt und freigegeben. Ich weiß nicht, warum WordPress jeden Kommentar mit nur einem Link schon einkassiert; eigentlich ist es nicht so eingestellt. Vielen Dank jedenfalls, ich werde es heute noch lesen.

  • Spielst Du gerade mit Deinem Portrait? Manchmal sehe ich Dich, manchmal nicht.

    Auf jeden Fall nett, sich eine Vorstellung machen zu koennen.

  • Ich habe es heute mittag hochgeladen und konnte es auch nicht gleich sehen. Allerdings spiele ich tatsächlich gerne mit meinem Bildbearbeitungsprogramm; der Avatar beruht übrigens auf demselben Foto wie das Kopfbild dieses Blogs.

    Ein hochinteressanter Blog, den Du da verlinkt hast, auch was die Kommentare angeht. Dass Marxismus (in seiner Eigenschaft als Revolutionstheorie) und Islamismus als Hass-Ideologien denselben Menschentyp ansprechen können (Nick Cohen nennt ihn den Nihilisten), das glaube ich allerdings auch. Die Frage ist nur, wie können solche Ideologien einen solchen Erfolg haben? Es gibt ja nicht nur die Kerngruppen von Aktivisten, die diesem Charakterbild entsprechen dürften, sondern in beiden Fällen eine Ausstrahlung bis tief in die – westliche bzw. islamische – Gesellschaft hinein, auch auf Menschen, die persönlich keiner Fliege etwas zuleide tun würden. Nehmen wir als Prototyp einen Noam Chomsky, oder überhaupt die akademische Linke im Westen. Es ist relativ leicht, die ideologischen Wurzeln ihrer Wahrnehmungsverzerrung zu entschlüsseln; aber wie steht es mit den psychologischen Wurzeln dieser Ideologie? Es gibt eine Vielzahl an Deutungen; John Ray z.B., dessen Text Du freundlicherweise verlinkt hast, sieht die Ursache weniger im Nihilismus als im Narzissmus, der befriedigten Eitelkeit dessen, der sich gegen die gesellschaftliche Ordnung stellt und damit Aufmerksamkeit erregt; andere Theorien gehen von einer missglückten Sozialisation aufgrund der Schwäche der väterlichen Bezugsperson aus. Jeder dieser Ansätze hat etwas für sich, aber keiner überzeugt hundertprozentig. Was meinst Du?

  • Hallo Manfred,

    ich bin weit davon entfernt, fuer mich schluessige Antworten gefunden zu haben.

    Mir scheint allerdings, dass ueberhaupt kein Widerspruch zwischen Narzissumus und missglueckter Sozialisation (warum auch immer) besteht. Nach Kohut ist Narzissmus das Ergebnis einer missglueckten Sozialisation. Gut dargestellt (wenn auch sicher vereinfacht) finde ich das in dieser Graphik von Dr. Sanity

    http://i2.photobucket.com/albums/y23/drsanity/PsychologyoftheSelf.gif

    Ueberhaupt habe die Basis meiner psychologischen Ansaetze in ihrem dreiteiligen Essay „Narcissim and Society“ gefunden.

  • Pingback: Max Horkheimer/Theodor W. Adorno: Dialektik der Aufklärung « Manfreds politische Literatur
  • [Und hier noch ein hervorragender Aufsatz zum Thema: Michael Holmes, Zur Kritik der Kritischen Theorie]

    Was ist eigentlich aus Michael Holmes geworden. Seit dem Beitrag erschien keiner mehr von ihm auf achgut!

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