Gudrun Eussner rezensiert Hamed Abdel-Samad, “Der Untergang der islamischen Welt”:
Man sollte sich nicht täuschen lassen, Hamed Abdel-Samad zeigt auf 234 Seiten, zwei Seiten Angaben zu Weiterführender Literatur inbegriffen, daß er sich als moderner Imam verdingen könnte. Das merkt man nicht gleich, denn geboten werden spannende Anekdoten über die Zustände in der islamischen Gemeinschaft, mit einer Fülle von Material, das einen zunächst auf die falsche Fährte lockt.
Ich lese aus dem Buch nicht heraus, daß er den Islam abschaffen will, sondern daß er befürchtet, daß sich die islamischen Gesellschaften selbst abschaffen. Sein Buch sehe ich als Beitrag zur Rettung des Islam. (…) Er scheint sich nach dem Wiederaufleben der Mutazila zu sehnen. (Seite 87) Die aber haben die islamischen Herrscher und ihre Imame nicht umsonst vernichtet. Islam und Vernunft sind anders als Judentum und Vernunft sowie Christentum und Vernunft nicht kompatibel, der Islam würde zerfallen, und zwar nicht nur als politischer Machtfaktor, sondern insgesamt. Islam im stillen Kämmerlein gibt´s nicht. Wenn der Islam nicht mehr außengerichtet und eroberungsdefiniert ist, dann ist er am Ende. (38)
Hamed Abdel-Samad ist sehr mutig, die Drohungen von radikalen Muslimen sind bereits zu seinem ersten Buch eingetroffen. Unter Polizeischutz hat er auch schon gestanden. Ich attestiere dem Autor Gutwilligkeit bei allem, was er von sich gibt, aber es zeigt sich mir hier eines der Beispiele, was der Islam aus noch so intelligenten Menschen macht, wenn sie sich nicht vollständig von ihm lösen (können).
Quelle: Homepage von Gudrun Eussner.
Ich empfehle die Lektüre der ganzen Rezension (hier klicken), auch wenn ich nicht mit jedem einzelnen Urteil der Autorin übereinstimme.



“Islam im stillen Kämmerlein gibt´s nicht. Wenn der Islam nicht mehr außengerichtet und eroberungsdefiniert ist, dann ist er am Ende.”
Was dann die Frage stellt, was daran schlimm seien sollte zu versuchen, den Islam so auszurichten. Entweder es funktioniert wieder erwarten doch, der Islam ist reformierbar und passt sich mehr oder weniger in die westliche Gesellschaft ein, vielleicht nicht als ein stützendes, aber wenigstens als ein ihn nicht zusätzlich destabilisierendes, Element. Oder es funktioniert nicht und der Islam bricht zusammen. Klingt erst einmal wie eine Win-Win-Situation, oder habe ich dabei etwas nicht berücksichtigt? Das schlimmste was passieren könnte wäre, das es den Islam gar nicht tangiert und er weder reformiert wird noch untergeht, das Problem also nicht gelöst wurde.
Es gibt natürlich noch eine weiter Möglichkeit: Das der Islam nur Pseudo-Reformiert wird, von den meisten so auch praktiziert wird, er also zum Schein entschärft wirkt. Da aber durch das formelle Festhalten im Islam seine heiligen Teste und vor allem dabei auch den Hadithen und der Sunna weiterhin Bedeutung zugesprochen wird, könnten gerade Sinnsuchende sich wieder stärker darin vertiefen und alte Traditionen wiederbeleben wollen. Der Islam würde praktisch nur in einen Dornröschenschlaf fallen. Man hätte dann keine Win-Win-Situation, sondern eher eine Win-Win-”Schein-Win”-Situation.
…und es kommt noch hinzu, daß Abdel Samad die Situation in Ägypten augenscheinlich falsch einschätzt.
Man kann nur hoffen, daß das Militär als Vollstrecker des Willens eines geläuterten Anwar el Sadat und eines Mubarak die Macht in Ägypten nicht so schnell weiter gibt.
Die einzige Alternative wäre eine Diktatur der Moslembruderschaft mit schrecklichen Folgen in der gesamten Region.
Offenbar hat auch Samad-Freund Broder die tödlichen Gefahren für Israel noch nicht erkannt….
“Reformierbar” wäre der Islam nur in Staaten, die ein festes Bild von sich haben und ihn so weit einhegen, daß den Muslimen nur Anpaßung oder Auswamdern bleibt.
Da jedoch die linke Intelligenzja ihre “Werte der Aufklärung” liberalistisch verraten hat, liegen die ‘brd’ bzw. Europa mit breiten Beinen da. Da müßten ja die Muslims noch dümmer sein, als die Europäer!
Sind sie aber nicht: Barbaren hatten schon immer eine feine Witterung für Fäunis; sie werden sie hemmungslos hineinstechen.
Sie wissen, daß das radikale Festhalten am Islam ihr Rammbock ist, der sie, trotz ihrer vielfachen Unterlegenheit, zur Macht bringen wird – denn er ist ihre einzige Chance dazu.