Non veni pacem mittere sed gladium. (Mt 10,34)
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Vor einigen Monaten habe ich in diesem Blog angekündigt, dass Bat Ye‘ors (Gisèle Littmans) Buch „Europe, Globalization, and the Coming of the Universal Caliphate“, übersetzt von mir, auf Deutsch im Resch-Verlag erscheinen werde. Daraus wird nichts.

Dabei hatte ich zügig gearbeitet und bis Mitte September fast zwei Drittel des Buches übersetzt, als eine E-Post von Bat Ye‘ors Ehemann David Littman bei Resch eintraf. Littman fand, der Verleger solle sich einen anderen Übersetzer suchen:

Ein namentlich nicht genannter Bekannter (nennen wir ihn den Dritten) hatte Herrn Littman unaufgefordert hinterbracht, ein ihm, dem Dritten, bekannter, ansonsten anonymer Vierter, der Germanist sei und in Berlin lebe, habe sich mit meinen Veröffentlichungen beschäftigt. Dieser Vierte behauptete nun

  • erstens, mein Deutsch sei unelegant (Ich weile nunmehr 45 Jahre auf diesem Planeten, aber ich erlebe zum erstenmal, dass jemand die Dreistigkeit hat zu behaupten, ich schriebe schlechtes Deutsch.)
  • zweitens schriebe ich doch sehr kontrovers, und ob es dem Buch nicht doch schaden würde, von einem Autor übersetzt zu werden, der gerne polemisch formuliert (Wir sprechen hier von einem Buch, in dem es von polemischen Formulierungen nur so wimmelt.)
  • drittens machte ich alle Völker außer den Deutschen für den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs verantwortlich (womit der wirkliche Sachverhalt auf den Kopf gestellt wird: dass ich mich nämlich dagegen verwahre, alle anderen Völker außer den Deutschen von der Mitverantwortung für den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs freizusprechen).

Bevor ich auf diese Anschwärzungen eingehen konnte, legte Bat Ye‘or selbst nach und schickte Herrn Resch kommentarlos einige Links, die sie wiederum von einem Unbekannten, wahrscheinlich einem Fünften, hatte, und die wohl die Verworfenheit meiner Gesinnung belegen sollten:

Eine Begründung, warum diese Artikel mich als Übersetzer disqualifizieren sollten, gab die Autorin nicht. Sie hat nicht einmal behauptet, geschweige denn mit Argumenten untermauert, dass irgendetwas daran sachlich unrichtig sei – was ihr als Historikerin doch zweifellos ein Leichtes gewesen wäre, wenn es denn so wäre. Ich bezweifle, dass sie die Artikel überhaupt gelesen hat.

Aufgrund der Antworten, die Dr. Resch und ich ihr schickten, musste sie wissen, dass ihre Informanten sie gezielt getäuscht hatten; dass ich mich mit Nachdruck beim Resch-Verlag für ihr Buch und dessen Veröffentlichung auf Deutsch eingesetzt hatte; und dass ich seit Jahren gegen antiisraelische Propagandalügen zu Felde ziehe – auch dies ein Umstand, den das Denunziantengesindel ihr, der engagierten Zionistin, verschwiegen hatte.

Die Autorin bat, nicht zu einer Entscheidung gedrängt zu werden, weil sie sich um ihren erkrankten Mann kümmern musste. Dies wurde selbstverständlich respektiert.

Vorgestern nun teilte sie ohne weitere Begründung mit, dass sie endgültig ablehnt. Den Verleger, der mich als ehrbarer Geschäftsmann für meine Arbeit selbstverständlich bezahlt hat, gedenkt sie auf den Kosten für das von ihr selbst gekippte Projekt sitzenzulassen.

Ein denkwürdiger Vorgang.

Soziologisch besonders faszinierend ist das Buschtrommelsystem, dessen Funktionsweise hier so eindrucksvoll demonstriert worden ist: dessen Beteiligte, ohne einander zu kennen, einander so weit vertrauen, dass sogar offensichtliche Lügen dieses Vertrauen (und die Bereitschaft zur Befolgung von Ratschlägen) nicht zu erschüttern vermögen. Dieses Vertrauen und diese Bereitschaft basieren offenkundig nicht auf persönlicher Bekanntschaft, sondern auf einem anderen Faktor.

Zwei prominente Zionisten, deren Bücher zu einem nicht geringen Teil aus Klagen über die unfaire Propaganda gegen Israel bestehen, halten Fairness oder auch nur Höflichkeit gegenüber einem Autor nicht für erforderlich, dessen Blog zu einem nicht geringen Teil aus Widerlegungen eben solcher Propaganda besteht, und der im Rahmen der beschränkten Möglichkeiten eines Bloggers gegen die drohende (und von Bat Ye‘or in grellen Farbe ausgemalte) Isolierung Israels anschreibt.

Eine Historikerin, die selber Revisionistin ist und gegen ein etabliertes, politisch-ideologisch verzerrtes Geschichtsbild (die Legende von der „islamischen Toleranz“) ankämpft; die sich wortreich und zu Recht beklagt, dass ihre Gegner sie entweder verleumden oder totschweigen, statt auf ihre sauber begründeten Darstellungen mit Argumenten zu antworten; die die ideologische Funktion islamophiler Geschichtslegenden effektvoll entlarvt; diese selbe Historikerin also nimmt einen ganz sachlichen Artikel über einen historischen Sachverhalt und eine Reihe von ideologiekritischen Analysen zum Anlass, deren Autor als Unperson und Paria zu behandeln, mit dem man nicht zuammenarbeiten könne, weil man sich dadurch in schlechte Gesellschaft begebe – und dies ohne Argument oder Begründung, als blanke Selbstverständlichkeit. Vermutlich entgeht ihr die Ironie, dass sie genau das tut, was sie ihren Gegnern vorwirft.

Da Bat Ye‘or mit keinem Wort begründet, was sie an meinen Artikeln eigentlich konkret auszusetzen hat, muss man davon ausgehen, dass es der Tenor ist: Sie nimmt mir übel, dass ich die Interessen meines eigenen Volkes vertrete. (Verglichen mit dieser Todsünde ist meine Unterstützung für Israel offenbar belanglos.) Dies ist umso bemerkenswerter, als die Autorin sich verbal sehr wohl zum Existenzrecht der Völker Europas bekennt, vor ihrer drohenden Zerstörung durch den Dschihad warnt und sie zum Kampf um ihre Selbstbehauptung auffordert; dies ist immerhin weitaus mehr, als die meisten prominenten liberalen Islamkritiker unterschreiben würden. Ihr tatsächliches Verhalten passt aber denkbar schlecht zu diesen von ihr bekundeten Ansichten.

Dieses Verhalten lässt nur zwei Deutungen zu, die beide für die Autorin wenig schmeichelhaft sind: Entweder legt Bat Ye‘or hier ein Lippenbekenntnis ab, das eine bloß taktische Funktion in ihrem Feldzug gegen den Islam hat (zu dem sie – als aus Ägypten Vertriebene – ein ähnliches Verhältnis pflegt wie die jüdischen Emigranten der dreißiger Jahre zu Deutschland). Oder sie meint das Prinzip als solches zwar ernst, möchte aber speziell die Deutschen davon ausgenommen sehen und kann Deutsche nur als bekennende Autorassisten akzeptieren; dies würde bedeuten, dass hier hier ein tiefsitzendes deutschfeindliches Ressentiment alle anderen Gesichtspunkte, einschließlich derer des Anstands, verdrängt hat.

 

11 Antworten auf Deutschfeindlichkeit. Erfahrungen mit Bat Ye’or

  • Ich hatte es schon die ganze Zeit vermutet, aber allmählich verdichtet sich zur Gewissheit, dass die anonymen Verleumdungen aus der antideutschen Szene lanciert wurden. Wenn ich alles zusammennehme, die Kommentare bei PI
    http://korrektheiten.com/2011/09/27/liberale-und-konservative-islamkritik/#comment-56941
    den Artikel in der Jungle World
    http://korrektheiten.com/2011/10/15/jungle-world-mein-heimlicher-fan/
    und jetzt das, was im Kommentarstrang zu diesem Artikel steht
    http://beer7.wordpress.com/2012/02/02/konservative-kapitalimuskritik-vs-start-up-nation/
    (ich spreche wohlgemerkt nicht vom Artikel selbst),
    dann deutet allein schon (mit Abstrichen allenfalls beim Jungle-World-Artikel) die Gleichartigkeit der Reaktionen, also der immergleiche Stil von Lüge, Beleidigung, Verleumdung und Diskursverweigerung, zu denen auch die Intervention bei Bat Ye’or passt, auf ein abgestimmtes Vorgehen.

    Meine Güte, was für erbärmliche Würstchen das doch sind.

    Es gibt Feinde, die man ihrer persönlichen Integrität wegen respektieren kann, dazu gehören auch viele Islamisten. Und es gibt Feinde, die man nur verachten kann. Hass wäre bereits Zeitverschwendung.

    • Der Artikel selbst ist aber doch nun wirklich der Lacher schlechthin. Offensichtlich geht es bei der ganzen Argumentation um die Beschneidung der Macht konkurrierender Organisationsformen.

      Und auch wenn Israel als Nation durchaus auch eine konkurrierende Organisationsform ist, ebenso wie Finnland, Island etc., so ist es klein genug, um nicht weiter zu stören, im Gegensatz zu den Vereinigten Staaten, Deutschland, Rußland etc.

      Genug Zusammenhalt, damit Betriebe funktionieren, aber nicht genug, um Ressourcen der Weltwirtschaft zu entziehen.

      • Ich finde keineswegs, das der Artikel „der Lacher“ ist, ich finde nur, dass die darin geäußerte Kritik an meiner Position auf einem Missverständnis basiert und deshalb falsch ist.

    • Übrigens hast du drüben bei Ruth ein bißchen zu sehr den Schwanz eingekniffen, würde ich sagen, wenn du behauptest, daß es keine innere Logik gäbe, aus welcher heraus die Entwurzelung vorangetrieben wird, denn Kapitalismus führt nunmal zur Konzentration des Kapitals (ein Punkt, an dem Hayek rumeiert bis zum Geht nicht mehr, aber es nicht fertigbringt, Marx auch nur einen Hauch von Gegenargument entgegenzustellen) und die Konzentration des Kapitals führt dazu, daß diejenigen, welche es konzentriert besitzen, anfangen, den Rest der Menschheit nach ihren Interessen umzuformen.

      • Ich hätte den Schwanz eingekniffen? Ich muss Dir wohl meine Sekundanten schicken. 😀

        Kapitalismus führt nunmal zur Konzentration des Kapitals … und die Konzentration des Kapitals führt dazu, daß diejenigen, welche es konzentriert besitzen, anfangen, den Rest der Menschheit nach ihren Interessen umzuformen.

        Linkssein führt theoretisch auch zum Gulag, trotzdem gibt es so etwas wie Sozialdemokraten. In der sozialen Wirklichkeit ist es immer eine Frage der Rahmenbedingungen, ob die innere Logik einer bestimmten sozialen Struktur tatsächlich auf die Spitze getrieben wird oder nicht. Dass es eine Tendenz zur Kapitalkonzentration gibt, heißt nicht, dass Kapitalismus per se etwas Schlechtes wäre, sondern dass er der Einbindung bedarf.

        • Man kann die Interessen der Reichen schon nicht mehr eindämmen, Manfred.

          Wir leben in einer Oligarchie und werden es so lange, bis sie es verbockt haben werden, möglicherweise also für immer, frustrierte Arme können ja mit Drogen ruhig gestellt werden etc.

          Indes, jede Herrschaft heißt Zwang, wahrscheinlich wird sich die Menschheit die Weltherrschaft nicht gefallen lassen.

          Aber was dann…

          Nun, wie auch immer, einstweilen haben die Reichen gar nichts gegen einen biederen Nationalismus, so lange die betroffene Nation nicht stark genug ist, einen die Interessen der Reichen störenden Gestaltungswillen zu besitzen. China ist das natürlich und ein paar andere Länder auch, aber die werden auch angegriffen und langsam zermürbt. Deutschland ist in diesem totalen Krieg bereits gefallen, könnte man sagen, aber andererseits immer noch unsicheres Terrain.

  • Meine Güte, was für erbärmliche Würstchen das doch sind.

    Es gibt Feinde, die man ihrer persönlichen Integrität wegen respektieren kann, dazu gehören auch viele Islamisten. Und es gibt Feinde, die man nur verachten kann. Hass wäre bereits Zeitverschwendung.

    Das mag alles sein. Aber du machst hoffentlich nicht den Fehler deswegen diese Leute für machtlos zu halten. Sie sind mies … aber viele. Und organisiert – und sind sie … wirklich nur sie – oder vielleicht nur der Vordergrund eines Hintergrundes, der sich noch nicht zeigt. Nichtsdestotrotz ist Offenheit und Öffentlichkeit vielleicht dein wirksamster Schutz. Ich hoffe es jedenfalls.

    • Nichtsdestotrotz ist Offenheit und Öffentlichkeit vielleicht dein wirksamster Schutz.

      So ist es. Und nein, ich mache mir keine Illusionen über ihre Stärken. Sie aber machen sich Illusionen bezüglich ihrer Schwächen. Und diese Illusionen werden ihnen eines Tages buchstäblich das Genick brechen.

  • Schon wieder … ein Teil deines Textes auf den ich mich bezog, steht leider nicht kursiv. Ein Irrtum.

  • Hallo Herr Kleine hartlage…

    Eigentlich gehört diese Nachricht in die die Sparte „Kontakt“, in der zur Zeit aber keine Edite mehr gemacht werden können.

    Ich möchte sie darauf hinweisen, dass sie ein Pariah auf der Kommentarberreich der ZEIT sind, d. h. Kommentare die Verlinkungen auf ihre Seite beinhalten werden gelöscht, mit der Begründung
    „Bitte beachten sie, dass wir auf diese Seite nicht verlinken möchten“ ohne die weitere Angabe von Gründen.

    Ich selbst habe es mehrmals versucht.

    Ohnehin scheint die Zeit eine harte Zensurpolitik zu betreiben.

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