Non veni pacem mittere sed gladium. (Mt 10,34)
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Rezension

Dr. Rainer Glagow, Orientalist, sieben Jahre lang stellvertretender Leiter des Orient-Instituts in Hamburg, lange Jahre tätig für die Hanns-Seidel-Stiftung, davon mehrere Jahre in Ägypten, war einer der letzten deutschen Islamwissenschaftler, die den Islam noch mit kritischem und realistischem Blick betrachteten und sich nicht dafür hergaben, sich zu Islampropagandisten zu erniedrigen. Leider ist er im Sommer dieses Jahres verstorben.

„Allahs Weltordnung“, erschienen im Mai dieses Jahres, ist so etwas wie sein Vermächtnis. Eingeleitet wird das Buch mit einer alptraumhaften Vision eines islamisierten Deutschland im Jahr 2071; eine Vision, die nichts anderes darstellt als den logischen Endpunkt der Entwicklungen, die wir bereits beobachten können.

Glagow arbeitet zunächst das Wesen des Islam als einer Religion heraus, die zugleich als Rechtssystem, als politische Richtschnur, als Erkenntnismaßstab und als Grundlage der gesellschaftlichen Ordnung dient; die also alle Lebensbereiche durchdringt und dabei aggressiv auf die Unterwerfung, schließlich Verdrängung nichtislamischer Gesellschaften ausgerichtet ist. Glagows Schlussfolgerungen sind zu hundert Prozent deckungsgleich mit denen, zu denen ich in meinem Dschihadsystem gekommen bin, nur leitet er sie nicht soziologisch her: Er zieht einfach die Summe seiner Erkenntnisse und Erfahrungen als Islamwissenschaftler.

Glagow unterzieht die schwächliche Kapitulation westlicher Gesellschaften, speziell der deutschen, einer beißenden und ausführlichen Kritik. Dem eingefleischten Islamkritiker wird er an dieser Stelle nicht viel Neues sagen, aber Lesern, die sich noch nicht so sehr mit dem Themenkreis „Islam/Islamisierung“ befasst haben, und die Wert darauf legen, sich speziell bei einem Islamwissenschaftler zu informieren, dürfte gerade dieser Abschnitt die Augen dafür öffnen, wie weit diese Kapitulation schon geht, und dass sie die Grundlagen unserer freiheitlichen Rechtsordnung bedroht.

Besonders wichtig scheinen mir aber diejenigen Passagen zu sein, in denen Glagow die tiefe Dekadenz und den Nihilismus einer von der Kulturrevolution der Achtundsechziger ihrer geistigen Wurzeln beraubten Gesellschaft beschreibt. Wichtig ist dieser Abschnitt deshalb, weil eine Islamkritik, die den Muslimen zum Beispiel vorwirft, dass sie das Recht auf Nacktbaden nicht als Menschenrecht anerkennen, keinen Begriff davon entwickeln kann, woran ihr Versuch, Muslime zum westlichen Liberalismus zu bekehren, scheitern wird:

Das Elend der liberalen Islamkritik besteht nämlich darin, dass man von einem liberalen Standpunkt wohl den Islam kritisieren, nicht aber die Islamisierung bekämpfen kann. Der demographische Niedergang der europäischen Völker ist das Symptom einer Krise, die es auch ohne den Islam gäbe, die von ihm bloß sichtbar gemacht und beschleunigt wird; der Islam ist, so gesehen, nicht mehr als ein Katalysator. Die Krise besteht darin, dass das dynamische Gleichgewicht von Freiheit und Bindung, auf dem unsere Zivilisation beruht, einseitig nach der Seite einer hedonistisch-individualistischen Freiheit („Selbstverwirklichung“) gekippt (worden) ist. Die Krise besteht in der radikalen Verdiesseitigung und hemmungslosen Individualisierung. Es handelt sich im Kern um eine moralische Krise; die demographische ist lediglich ein Symptom, allerdings dasjenige, an dem die liberale Gesellschaft – mit oder ohne Islamisierung – zugrunde gehen wird.

Eine solche Gesellschaft würde von den meisten Muslimen auch dann als dekadent und wenig nachahmenswert empfunden, wenn diese nicht noch zusätzlich unter dem Einfluss islamistischer Ideologen stünden. Deren Diagnose, dass sich die westliche Gesellschaft auf dem absteigenden Ast befindet, ist zutreffend. Weil das so ist, sind alle Ansätze, Muslime zu liberalen Quasiprotestanten umzuerziehen, zum Scheitern verurteilt, und mir scheint, dass der Furor der liberalen Islamkritik sich nicht zuletzt aus dem Willen speist, der Alternative zu entgehen, vor die der Islam den Westen unerbittlich stellt:

Entweder wir schaffen es, die liberale Dekadenz abzuschütteln, die wie Mehltau auf den Völkern Europas liegt – dann hat der Dschihad keine Chance. Oder wir schaffen das nicht, dann haben wir keine Chance. Es gibt kein Drittes.

19 Antworten auf Rainer Glagow: "Allahs Weltordnung"

  • „Die Krise besteht darin, dass das dynamische Gleichgewicht von Freiheit und Bindung, auf dem unsere Zivilisation beruht, einseitig nach der Seite einer hedonistisch-individualistischen Freiheit („Selbstverwirklichung“) gekippt (worden) ist. Die Krise besteht in der radikalen Verdiesseitigung und hemmungslosen Individualisierung. Es handelt sicrh im Kern um eine moralische Krise; die demographische ist lediglich ein i, allerdt ings dasjenige, an dem die liberale Gesellschaft – mit oder ohne Islamisierung – zugrunde gehen wird.“
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    Sehr gut auf den Punkt gebracht. (Konservative) Islamkritik führt zur Selbstkritik der abendländischen Kultur. Das Problem dabei: Träger der Dekadenz sind nicht nur die Funktionseliten, sondern das Volk selbst. Das macht die Politisierung sehr viel schwieriger. Und, leider drängt sich mir der Verdacht auf, es könnte es sein, dass der Islam die wichtige Funktion hat, die Europäer wieder Glauben und Stolz zu lehren.
     
     
     

  • Ich finde die Analyse von Glagow  zutreffend.
    Mit eigenen Worten hätte ich unsere Situation wie folgt beschrieben:
    Wir Europäer oder wir Deutschen haben uns entschieden, Gottes Gebote abzulehnen und zu belächeln. Stattdessen eben: Selbstsucht, Geldgier, Sex in jeder Form und auch vor der Ehe, sonntags joggen statt Gottesdienst, Verweichlichung, Kinder nicht zu Gottesfurcht erziehen und auch nicht körperlich züchtigen, Ehescheidung, anstrengungsloses Lernen etc. etc. Das alles und mehr sind die Gründe unseres Untergangs. Er kommt als Folge unserer Gottlosigkeit.
    Die Islamisierung, der Verlust unserer Freiheit, die Bedrohung durch fremde und scheinbar viel primitivere Menschen als wir es sind, ist darum selbst verursacht. Mit diesem Blickwinkel erscheint es mir wie ein Witz, wenn Menschen gottlos leben wollen und der Geißel des Islam oder anderen Katastrophen zu entgehen hoffen. Ich verknüpfe unsere Situation also ausdrücklich mit Gott uns seinem Handeln. Mir erscheint, dass ich dennoch genaus dasselbe gesagt habe wie Glagow.

  • Noch bis vor kurzem erschien mir eine solche Wahl wie die zwischen Pest und Cholera, aber ich musste einsehen, dass es tatsächlich auf eine Selbstreinigung vom liberalen Hedonismus oder ein Verschlungenwerden durch den Islam hinausläuft.
    Tertium non datur!
    Wäre ich jetzt blauäugig und Christ würde ich über die Wiederkehr des Religiösen und der Rute jubeln. Aber das wird es nicht geben, nicht in Deutschland.
    Die Krise des europäischen Christentums ist älter als 68 (vgl. z.B. Nietzsche). Das Christentum hat sich von einer identitätsstifenden, allumfassenden politischen Ideologie der Überlegenheit des weißen Europa zu einem unverbindlichen Angebot im Supermarkt der Lebensentwürfe degradieren lassen. Christentum heute bedeutet naiver Pazifismus, religiöser DiaLüg und so fort. Alles andere wird als „fundamentalistisch“ eingestuft.
    Wir brauchen einen neuen, stabileren Bezug zum Göttlichen und ich sehe leider nicht wo der herkommen könnte. Mittlerweile wünsche ich mir gar eine christliche Renaissance, aber die ist noch weniger in Sicht als eine brauchbare politische Kraft.
     

  • @Kairos:
    es gibt  verschiedene Ausprägungen des Christentums.
    1.
    Die Römisch-Katholische Kirche ist eher Multikulturell ausgerichtet. Das heisst, wir wären in 100 Jahren ein Europa von katholischen Mulatten – immer noch besser als Islam, finde Ich!
    2.
    Die Orthodoxen Kirchen sind eindeutig national ausgerichtet. Das heisst, jede Nation hat ihre eigene Kirche, die sich aber am Kanon der Orthodoxie ausrichtet. Im Endeffekt bedeutet das Kleinstaaterei der einzelnen Konfessionen.
    3.
    Die evangelikalen Kirchen der Anglo-Amerikanischen Welt. Tja, diese Kirchen sind derzeit sehr erfolgreich in der Missionsarbeit, allerdings nur bedingt empfehlenswert, wenn man ein echter Europäer ist, der auch einer bleiben will…
    Kairos, Du hast die Wahl …
     
     

  • @Joachim.
     
    Noch bin ich lutherisch und bin wohl auch zu träge, daran etwas zu ändern.
     
    Ich sehe im Gegensatz zu Kairos keinen Grund, das christliche Fundament zu verlassen. Allerdings, wenn man sich die Kirchen ansieht… und da insbesondere die lutherische… Die kann man schon nicht mehr karikieren, da eine Zuspitzung nicht mehr möglich ist.
     
    Es stimmt schon, die Orthodoxen haben bescheidene Ziele, da geht es im Kern auch nicht um die Nation, sondern ausschließlich um die individuelle Gläubigkeit. Die Lutheraner sehen sich traditionell als übernationale kulturelle Bewegung, sind aber sowas von auf die schief Bahn gekommen, daß es jeder Beschreibung spottet. Und die katholische Kirche verfolgt ebenfalls ein übernationales politisches Programm, allerdings nicht durch eine Ideologie, sondern durch eine Herrschaftsstruktur.
     
    Ich denke allerdings, daß die katholische Kirche nicht sonderlich gut zum nordeuropäischen Menschentypus paßt, und es war im großen und ganzen ein Aufblühen, was sich an das Ende ihrer Herrschaft angeschlossen hat. Das sind indes technische Details und zumindest theoretisch könnte die katholische Kirche sich in diesen Punkten ändern. Praktisch hat sie es allerdings wohl nicht vor.
     
    Ich denke, wenn sich die Lutheraner nicht besinnen, ist es wohl am besten zu den Orthodoxen überzulaufen. Immerhin nehmen sie Gott ernst.

  • @ Kairos
    So ist es. Ich rechne mich zu diesen christlichen „Fundamentalisten“ und würde eine Renaissance begrüßen – sehe sie aber leider nicht. Die Dekadenz ist im Volk selbst, da hat Martin recht. Leider scheint es eine Art zweiten Hauptsatz der Thermodynamik auch für soziale, geistliche und moralische Energie zu geben: einmal verbraucht, ist sie nicht wieder in einen nutzbaren Zustand rückwandelbar, es sei denn, durch noch mehr Energie, die aber dann von außen in das System kommen muss. Das Christentum in seinen jetzigen, statistisch relevanten Formen ist verbrauchte Energie und nicht so ohne weiteres reaktivierbar. Dagegen stehen Bollwerke von Ideologien (Beispiel: Neomarxismus der Frankfurter Schule), Theologien (Beispiel: Textkritik od. „Befreiungstheologie“) und sog. Wissenschaft (Beispiel: Evolutionstheorie), die über Jahrzehnte oder hundert Jahren verinnerlicht wurden und heute für die Mehrzahl nicht mehr hinterfragbar sind. Wer sie in Frage stellt, dem droht ungläubiges und mitleidiges Lächeln. Bestenfalls. Meistens droht der soziale/wissenschaftliche Scheiterhaufen wegen Häresie und Ketzerei.
    Die Erosion arbeitet also stetig seit mehr als Hundert Jahren, wurde in ihrer Endkonsequenz für Europa jedoch verkannt und verharmlost. Jetzt ahnen oder sehen wir, welches Monster aus der Puppe schlüpft. Und müssen den Prozess in wenigen Jahren  stoppen und rückgängig machen, da es sonst zu spät ist.
    Dazu wäre es nötig, dass viele es begreifen, oder wenigstens multipikative Entscheidungsträger an den Schaltpunkten. Beides Fehlanzeige. Begreifen reicht auch nicht, es müssen Gegenkonzepte her und umgesetzt werden.
    Sagen wir es so: Der Stein hat die Tendenz, bergab zu rollen. Die Moral auch. Dazu braucht es wenig Kraft, nur eines Anstoßes. Bergauf fordert es externe Energie und mindestens soviel, wie destruktiv beim Abrollen frei wurde. – Nicht in Sicht.
    Was ist die Konsequenz.  Für die Mehrheit heute gibt es keine Chance. Ob der Islam den Todesstoß versetzt oder etwas anderes, ist da auch schon egal. Falls es der Islam ist – auch er wird auf Dauer nicht überleben. Z.B.weil er parasiär ist und ohne den Befall neuer Wirte bei heutiger Waffentechnik z.B. an den folgenden innerislamischen Konflikten scheitern würde. Er hat eine andere Krankeit als der postchristliche Westen, aber eine ebenso tödliche. Natürlich könnte das noch eine Weile dauern – aber ebensogut könnten sich die Abläufe arg beschleunigen. Als ehem. DDRler hab ich den Zusammenbruch des Kommunismus erwartet, aber mir auch nicht im Traum die dann folgende rasante Realität vorstellen können. Als Christ habe ich Hoffnung. Es wird eine neue Moral geben und auch eine neues Blühen der bisher besten (wenn auch noch sehr mangelhaft umgesetzten) Werte der Menscheit.  Nur nicht mit vielen derzeit lebenden Menschen. Es ist nicht sinnlos, dass in Blogs wie diesem die Wahrheit diskutiert wird. Der Masse wird’s nicht helfen, die liest es auch nicht. Einzelnen kann es schon helfen. Und auf jeden Einzelnen kommt es an.
     

  • Dazu passend die deutlichen Worte eines Vertreters der russischen Orthodoxie.
    http://www.firstthings.com/blogs/firstthoughts/2010/09/14/a-metropolitan-on-the-abyss-that-exists-today/
     

    Many Protestant and Anglican communities refuse to preach Christian moral values in secular society and prefer to adjust to worldly standards.
    Our Church must sever its relations with those churches and communities that trample on the principles of Christian ethics and traditional morals. Here we uphold a firm stand based on Holy Scripture. . . .
    What can these churches say to their faithful and to secular society? What kind of light do they shine upon the world (cf. Mt. 5:14)? What is their ‘salt’? I am afraid the words of Christ can be applied to them: If the salt loses its saltiness, how can it be made salty again? It is no longer good for anything, except to be thrown out and trampled by men (Mt. 5:13).

    The situation leaves Orthodoxy looking at its allies in other ecclesial bodies, especially the Catholic Church, which is a significant statement in itself.

    We are not alone in our concern for the preservation of Christian values. . . . [W]e seek and find allies in opposing the destruction of the very essence of Christianity. One of the major tasks in our inter-Christian work today is to unite the efforts of Christians for building a system of solidarity on the basis of Gospel morality in Europe and throughout the world. Our positions are shared by the Roman Catholic Church, with which we have held numerous meetings and conferences. Together we are considering the possibility of establishing an Orthodox-Catholic alliance in Europe for defending the traditional values of Christianity. The primary aim of this alliance would be to restore a Christian soul to Europe. We should be engaged in common defence of Christian values against secularism and relativism.

     
     
     

  • @Monalisa
    Sie erkennen die Symptome des Verfalls anhand der herrschenden (od. fehlenden) Moral wie andere Kirchen auch. Verfall ist nicht das richtige Wort, im Urtext ist von ‚apostatis‘ die Rede, also von ‚Abstehen‘, ‚Abstand nehmen‘. (2Thes 2, 3) Das setzt ein vorhergehendes Vertrautsein voraus. In der Tat sprechen wir von ’nachchristlicher‘ Zeit, also einem Zustand, der nicht vergleichbar ist mit Europa vor der Christianisierung. Damals waren die Mittel der Wahl hauptsächlich Missionierung (Kyrill, Method, Bonifatius usw.). Missionierung ist aber wirkungslos, wenn ‚Abstand genommen‘ wurde. Die o.g. vorgeschlagenen Rezepte sind noch wirkungsloser: Vereinigung, Meetings und Konferenzen. Vereinigung beim was tun? Das Ziel der Restoration der ‚christlichen Seele Europas‘ erinnert mich an eine Metapher, die ich kürzlich betreffs der Bankenkrise las: Seit 2008 ist das Kreditwesen tot und obwohl es bis zum Platzen vollgepumpt ist mit frischen Blut (Geld) – es bewegt sich einfach nicht. So ähnlich ist es hier, der Tod ist gewöhnlich irreversibel, der Zerfall erfolgt stufenweise. Siehe auch 2 Petrus 2, 23 -24:

    „Denn es wäre ihnen besser, den Weg der Gerechtigkeit nicht erkannt zu haben, als, nachdem sie ihn erkannt haben, umzukehren von dem ihnen überlieferten heiligen Gebot.
    Es ist ihnen aber nach dem wahren Sprichwort  der wahren bildlichen Rede ergangen: Der Hund kehrte um zu seinem eigenen Gespei, und die gewaschene Sau zum Wälzen im Kot.

    Weiter s. auch Matt. 12:45 u.a. In diesen Zustand gibt es keine Chance mehr. Es gibt keine Chance, die Leiche wieder zu beleben. Die fehlende Moral ist nicht die Ursache des Niedergangs, nicht die Krankheit, sondern nur ein Symptom. Die Krankeit ist die Selbstbezüglichkeit, Ichhaftigkeit, Verachtung der Weisheit der Väter (Spr. 19:3):

    Die Narrheit des Menschen verdirbt (stürzt um) seinen Weg, und sein Herz grollt wider den Herrn.

    Wie gesagt, für Einzelne gibt es eine Chance, für die Masse nicht – fürchte ich. Da helfen auch Allianzen nicht,

  • So stimmt es ja nicht, MiKedem, sie sind nicht umgekehrt zum Glauben ihrer Ahnen.
     
    Viele Menschen brauchen ein konkretes Verständnis von Heiligkeit, etwas, das ihnen in der Welt begegnet, dem sie sich anschließen können.
     
    Augustinus spekulierte bereits auf den Fortschritt der christlichen Gemeinschaft, möglicherweise nach „der Geist wird noch vieles offenbaren“. Und dieses Streben ins Unendliche, wie Spengler es nannte, war spätestens seit Karl dem Großen das zentrale Motiv des europäischen Selbstverständnisses.
     
    Es ist dann im Ersten Weltkrieg endgültig zerbrochen. Daß Fortschritt mit Massenschlachtung gleichgesetzt werden mußte, raubte ihm seine Heiligkeit.
     
    Danach beginnt die so genannte Moderne. Es fehlt nun schlicht an einer hehren Idee, welche unsere Geschichte anleitet. Was es noch gibt sind niedrigere Ideen als die des Fortschritts, bürgerliche Rechte z.B. Aber zu diesen kann man nicht wieder hinabsteigen, man muß weiter hinauf.
     
    Bisher ist das nur noch nicht geglückt.

  • @MiKedem
    Aus dem Katechismus der RKK:

    771 „Der einzige Mittler Christus hat seine heilige Kirche, die Gemeinschaft des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe, hier auf Erden als sichtbares Gefüge verfaßt und erhält sie als solches unablässig; so gießt er durch sie Wahrheit und Gnade auf alle aus“ (LG 8). Die Kirche ist gleichzeitig:
    – „die mit hierarchischen Organen ausgestattete Gesellschaft und der geheimnisvolle Leib Christi,
    – die sichtbare Versammlung und die geistliche Gemeinschaft,
    – die irdische Kirche und die mit himmlischen Gaben beschenkte Kirche„.
    Diese Aspektebilden eine einzige, komplexe Wirklichkeit, die aus menschlichem und göttlichem Element zusammenwächst
    http://www.vatican.va/archive/DEU0035/_P2C.HTM

    Ob Europa das noch einmal annehmen wird, weiß ich nicht. Der Metropolit formuliert jedenfalls die gegenwärtige Pflicht der Kirchen und jedes einzelnen hiesigen Christen.

  • @Monalisa. Ehrenbezeugungen dieser Art muß man sich für gewöhnlich verdienen. Es muß doch einen Grund dafür geben zu glauben, daß Jesus Christus die heilige Kirche unablässig erhält. Mir war so, als ob er selbst etwas von Taten gesagt hat, an denen man die Seinen erkennen könne.
     
    Dieses Zeugnis als Bekenntnis einzufordern, wäre kein gutes Zeichen. Ich bekenne mich ja auch nicht dazu, daß mein Schornsteinfeger göttlichen Beistand bei seiner Arbeit habe, bevor er meinen Schornstein gefegt hat.

  • Ich glaube wir brauchen eine neue Religion. Etwas, das auf den Wurzeln unserer Kultur, also auch auf dem Chrsitentum aufbaut, aber etwas unverbrachtes, das in unsere Zeit passt.
    Joachim, ich persönlich werde keiner christlichen Kirche beitreten. Ich bin übrigens Ex- Katholik.
     
    ich habe die Veränderung meiner Haltung zur Religion auf meinem Blog zum Thema gemacht: http://kairostheos.blogspot.com/2010/09/aktualisierung.html

  • @Fremder
    Wie die Kirche diesen Anspruch herleitet, lässt sich im Katechismus und an vielen anderen Stellen nachlesen. Die Grundlagen bilden Bibel und die Zeugnisse des frühen Christentums, schließlich die gesamte Tradition.
    Die Kirche bewirkt zweifellos mehr Gutes als Schlechtes, daher leuchtet mir das mit den „Früchten, an denen ihr sie erkennen sollt“ nicht ein. Sie ist keine unfehlbare Institution, aber in den wesentlichen Dingen verlässlich. So viel Zutrauen zu Gott sollte man schon haben.

  • @Monalisa.
     
    Mir ging es nicht darum abzustreiten, daß die katholische Kirche gute Früchte hervorgebracht hat, sondern darum einzufordern, daß sie sich auf deren Grundlage legitimiert.
     
    Konkret legitimiert sie sich auf dem Versprechen, daß Jesus auf Petrus seine Kirche gründen werde und daß diese nicht vergehen werde. Damit wird diese Stelle faktisch zum höchsten Glaubenssatz, denn darin ist auch enthalten, daß, solange die bischöfliche Tradition ungebrochen ist, alles was die Bischöfe im Einklang mit der Hierarchie der Kirche sagen Gottes Worte sind, selbst wenn sie die Bibel selbst aufhöben, wie auch schon geschehen.
     
    M.a.W., der höchste Glaubenssatz eines Katholiken ist nicht, daß Jesus Christus auf die Welt gekommen ist, um die Menschheit von ihren Sünden zu erlösen oder ähnliches, sondern daß die hierarchisch organisierte bischöfliche Tradition Gottes Wirken und Wollen auf Erden verkündet.
     
    Und alles auf der Grundlage jenes Versprechens, daß auf Petrus die Kriche Christi gegründet werden solle und daß sie nicht vergehen solle.
     
    Natürlich steht da nicht expressis verbis, daß durch die hierarchisch organisierte bischöfliche Tradition sichergestellt werden wird, daß sie nicht vergeht. Nach 2000 Jahren ist der Ast, auf dem die katholische Kirche sich da weiterhangelt, möglicherweise dünner als sie denkt.
     
    Und wenn ich deutsche Jesuiten Pater so reden höre, dann bin ich geneigt zu sagen, daß er bereits gebrochen ist. Und ganz offen, kann durch die Autorität des Papstes alleine noch die Heiligkeit der Lehre verbürgt werden, wenn die Kirche derart grundlegend in Konservative und Reformer gespalten ist, wie es heute der Fall ist?
     
    Setzt nicht Heiligkeit eine gewisse Größe voraus, welche, wenn sie vorhanden wäre, nicht zu Ereignissen wie jüngst um Mixa geführt hätte? So oder so?
     
    Und was mich persönlich betrifft, ich habe keinen Grund mir hinreichend sicher zu sein, um meinen Glauben darauf zu stützen, daß Jesus jene Stelle genau in jenem Sinne, wie sie die katholische Kirche versteht, gemeint hat.
     
    Die Wahrheit des Evangeliums liegt in ihm selbst. So wie wenn einer sagt: „Kuck mal nach oben. Siehst du, der Himmel ist blau!“ Eine Kirche beweist ihren Wert dadurch, daß sie es lebendig verkündet und dadurch, daß sie den Gläubigen dabei hilft, ihr Leben in dem Evangalium gemäße Bahnen zu lenken.
     
    Ersteres tut die katholische Kirche zu meiner Zufriedenheit, letzteres nicht, nicht, daß sie da nichts täte, aber was sie tut, ist nicht genug.
     
    Die lutherische Kirche versagt zunehmend bei beidem. Lebendige Verkündigung ist da bereits die Ausnahme, schon lange nicht mehr die Regel. Und ich denke, ich habe auch noch nie persönlich eine Frau in dieser Hinsicht reüssieren gehört.

  • Wir müssen mit dem arbeiten, was wir haben. Die Kirche war schon in schlechterer Verfassung und hat sich trotzdem erholt. Immerhin gibt es gerade keine zwei oder gar drei Päpste, die um die rechtmäßige Kirchenführung konkurrieren.
    Das Pendel wird auch wieder umschlagen und Benedikt leitet diese Umkehr behutsam in die Wege. Wer weiß, wer danach Papst wird. Möglicherweise ein stockkonservativer Asiate oder Südamerikaner. Da käme mich als Europäerin zwar eine gewisse Wehmut an, aber wir Pflaumen haben es dann auch nicht anders verdient. Andere geben ihre begabtesten und frömmsten Söhne an die Kirche, wir halt kaum noch.
    Dass die Traditionalisten aller christlichen Konfessionen zunehmend zusammenstehen und bereit sind, gemeinsam zu kämpfen, ist heute schon erfreulich. Wenn es sich auch bisher um keine starke gesellschaftliche Macht dabei handelt.
    (Dass die RRK sich auf einen einzigen Satz stützen würde, darauf kann auch nur ein Protestant kommen, übrigens)
     

  • Apropos, die Orthodoxen in Moskau machen es richtig. Und die dortigen „Islamwissenschaftler“ scheinen auch keine solch korrupten Nulpen zu sein, wie unsere.

    Muslims in Moscow may be forced to pray in Orthodox churches because of a lack of mosques, though they would prefer not arrive at such an „extreme“ decision. The warning comes from the imam of the main mosque in the Russian capital Ildar Ayautdinov, responding to citizens‘ protests against the planned construction of a place of Islamic worship in the district of Tekstilschiki. The Orthodox Church says it is ready to accept the Muslim faithful, but scholars of Islam argue that Muslim religious leaders are magnifying the situation which in reality is not so dramatic. […]
    Dmitri Smirnov, head of the Moscow Patriarchate Department for Relations with the Armed Forces, says that „the doors of our churches are open to our Muslim brothers.“ „Even now – he continues – some are Muslims involved in the construction of churches, Sunday schools and the restoration of our religious heritage, such as our Uzbek and Tajik brothers to whom we are very grateful.“
    The archpriest’s words are part of a strategy of tolerance towards the Muslim component, typical of the policy of premier Vladimir Putin concerned about containing separatist forces within the Muslim Caucasus. The Orthodox Church has adapted to the government policy in exchange for recognition of its supremacy at acultural and social level in Russia.
    According to the expert on Islam Roman Silantyev, interviewed by Interfax, the demand for new mosques by Muslims in Moscow is baseless. „It ’s time to end any speculation about discrimination against Muslims in the capital,“ he said. He corrects the mufti Ayautdinov, adding that the actual number of Muslims is estimated „around 400 thousand and there are not four mosques available, but six.“ Besides these, he continues, there are dozens of other small mosques and prayer rooms, which are sufficient for the entire community. According Silantyev, complaints about the shortage of mosques in Moscow „do not arise from the need to take care of the faithful, but by a desire to concentrate all donations in a few places controlled by a one Islamic organization rather than another.“

    http://religionandpolicy.org/cms/index.php?option=com_content&task=view&id=6550&Itemid=537
    Ich könnte mich kugeln vor Lachen. Die Kirche zielt ganz klar auf Mission unter Moslems ab und verkauft es noch als Opfer an die „tolerante Linie Putins“. 😆
     
     

     







     

  • Daß eine sich besonders heftig fortpflanzende Gesellschaft eine besonders altruistische ist, ist einfach unsinnig. Kinder in die Welt zu setzen ist auch eine egoistische Handlung. Von einem Gegen-Geburten-Dschihad für die große Sache brauchen wir erst gar nicht anzufangen.
    Aber eben nicht der vermeintlich so böse Hedonismus schafft Europa ab, lässt es aussterben, sondern der leere Himmel, die Hoffnungslosigkeit. Erkenntnis ist gleichbedeutend mit Hoffnungslosigkeit. Europa stirbt letztlich auf dem Gipfel verbreiteter Hoffnungslosigkeit, da es auf dem Gipfel der Erkenntnis, der Desillusionierung ist. Die Zeit der Märchen ist vorbei.
    Wichtig ist für mich auf jeden Fall, unseren lieben Mohammedanern ganz klar zu sagen: „Auch wenn ihr uns besiegt, also wenn ihr uns endlich totfickt, ihr bleibt doch immer primitive, brutale, dumme, grunzende Schweine – wie euer Vorbild Mohammed.“
     

  • Ich danke für die interessante, vor allem intelligente Diskussion.
    Wie konnte es mit unserem Volk so weit kommen, daß es keinerlei gesunde
    Abwehrkräfte mehr entfaltet gegen seine eigene Zerstörung? Immer wird die
    68er Revolte genannt, was nicht falsch ist, aber kennt man noch die Devise
    des Zeitungskönigs Axel Cäsar Springers? Sie lautete:
    „Ich bin mir darüber klar, dass der deutsche Leser eines auf keinen Fall wollte,
    nämlich Nachdenken, und darauf hab‘ ich meine Zeitung ausgerichtet.
    Mit dieser Zeitung (Bild) werden wir ein  d e u t s c h e s   V o l k   m a c h e n ,
    wie es das in Deutschland noch nicht gegeben hat…“
    Was sagte Kanzler Schröder?: „Alles, was ich brauche, ist: BILD – BAMS und GLOTZE“
     
    Da hört man den Zeitgeist geradezu „Sieg Heil!“ schreien.
     
    Ch r i s t u s   v i n c i t   !

  • @all: Ach ja, die Diskussion über die alleinseligmachende Kirche könnte ewig weitergehen.
    Ein Lösungsvorschlag wäre vielleicht, dass sich jeder bewusst mit seiner Tradition auseinandersetzt, statt kopflos hin- und her zu konvertieren. Letztendlich haben alle christlichen Kirchen ja mehr Einigendes, als Trennendes.
    Kairos hat ausserdem noch ganz richtig angemerkt, dass es natürlich auch keine Verpflichtung zur Kirchenmitgliedschaft geben muss, die christliche Tradition prägt schliesslich auch jeden, der nicht in einer Kirche ist.
    Für mich persönlich bedeutet das, trotz aller kritischen Distanz zum Multikulti-Klerus doch eine Beschäftigung mit meiner katholischen Überlieferung; für mich ist es ein Anker im Leben, kein Bekehrungsziel für Andere.
    Ansonsten habe ich durchaus Sympathien für die Orthodoxie, allerdings bleibt uns nicht genug Zeit, einge grössere orthodoxe Kirche in Deutschland zu etablieren.
    Für Interessierte hier ein Link zur deutschen Orthodoxie:
    http://www.orthodox.de/

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