Non veni pacem mittere sed gladium. (Mt 10,34)
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Wenn man soziale Vorgänge erklären will, die sich auf der Ebene ganzer Nationen und Kulturkreise, womöglich auch global abspielen und sich über Jahrzehnte oder Jahrhunderte erstrecken, dann wird man normalerweise mit einer einzigen Theorie nicht auskommen; man wird mehrere miteinander verknüpfen müssen.

Auf die Frage, warum konservative Positionen aus dem öffentlichen Diskurs westlicher Länder so gut wie verbannt sind, gibt es viele zutreffende (und miteinander kompatible) Antworten. Hier geht es mir um die psychologischen Voraussetzungen, unter denen eine linke Mentalität entstehen und gesellschaftlich dominant werden kann. Politische Überzeugungen können philosophisch von jedem Einzelnen mehr oder minder rational begründet werden, aber sie werden nicht massenhaft auftreten, wenn sie nicht auf einem Unterfutter vorbewusster Einstellungen, also auf einer Mentalität aufbauen.

Ich schlage vor, den Mentalitätswandel, der in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts praktisch überall im Westen um sich gegriffen und zu einer entsprechenden Veränderung der politischen Grundüberzeugungen geführt hat, auf den Begriff „Feminisierung“ zu bringen.

Ich halte es für plausibel, dass in dem Bild, das eine Gesellschaft sich von Gott macht – dem Inbegriff des Guten -, deren eigene Mentalität sich zu einem Leitbild verdichtet. Daher ist es mehr als nur ein Kuriosum am Rande, dass linke Theologen sich allen Ernstes Gott als Frau vorstellen, und wenn nicht dies, so jedenfalls nicht als einen strafenden und fordernden – väterlichen – Gott.

Es zeigt sich eine auffallende Parallele zwischen diesem Gottesbild und den Erwartungen an den Staat, dessen Charakter als Rechts- und Ordnungsstaat, auch als (Grenzen ziehender und sie verteidigender) Nationalstaat mehr und mehr in den Hintergrund rückt zugunsten eines helfenden und fördernden, Wohltaten verteilenden, bei Streitigkeiten vermittelnden und jeden in seinen Schoß aufnehmenden – mit einem Wort: mütterlichen Staates. Der Staat, den die Linke sich vorstellt, gleicht einer gigantischen Mutterbrust. Die entstrukturierte und entdifferenzierte Gesellschaft, die den Kern des linken Projekts ausmacht, gleicht dem nicht strukturierten und nicht differenzierten Säuglingshirn und ist gewissermaßen dessen soziale Objektivierung.

Dass diese Dominanz mütterlicher Leitbilder sich ausgerechnet bei den Kindern der Kriegsgeneration zuerst durchsetzte, liefert einen Hinweis auf die Ursache: Ich vermute sie in den enormen Verlusten an Männern in den beiden Weltkriegen (weswegen Europa wahrscheinlich stärker betroffen ist als Amerika), durch die sehr viele Frauen in die Rolle des Familienoberhaupts gedrängt wurden, weil der Mann gefallen, invalide oder ein psychisches Wrack, zumindest aber lange Zeit abwesend war. Diese Aufwertung der Mutterrolle könnte für die deutliche Feminisierung der Gesellschaft – und für ihren Hang zu typisch linken Problem“lösungen“ mitverantwortlich sein.

Diese Glorifizierung femininer Leitbilder wurde von der Linken bis in die politische Ideologie übertragen. Wer den Niedergang und schließlich die Auflösung unserer Gesellschaft, also den Prozess ihrer Entstrukturierung und Entdifferenzierung aufhalten will, sollte sich darüber im Klaren sein, dass er sich nicht nur mit linken Eliten und deren Ideologie auseinanderzusetzen hat, sondern auch mit einer Kollektivmentalität, die von genau dieser Ideologie durchdrungen ist.

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6 Antworten auf Mutter Staat

  • Aktuell zum selben Themenkreis:
    Emanzipationsextremismus: Der Mann – der Einheitsfeind

  • Ich erlaube mir, zum Thema auf meinen Anfang des Jahres bei Kewil erschienenen Artikel „Feminismus und die Entmännlichung Europas“ zu verweisen:
     
    http://fact-fiction.net/?p=1823

  • Bist Du einverstanden, wenn ich ihn jetzt noch übernehme?

  • Nur zu. Weitere Verbreitung schadet nicht, und die Debatte werden wir schon durchstehen.

  • Das passt auch zur Beobachtung der Infantilisierung. Die Mutter ist ja gerade fuer den Saeugling und das Kleinkind die zentrale Figur. Der Verzicht auf den Vater oder die Abwertung seiner Rolle sorgen auch dafuer, dass das Kind tendenziell auf einer fruehen Entwicklungsstufe stehen bleibt.


  • BRAVO!

    @t THATCHER:
    Habe mir erlaubt ebenfalls zu „zitieren“ 😉

    Hast Du auch ein eigenes Blog..?

    Gruss!

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