Non veni pacem mittere sed gladium. (Mt 10,34)
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Das Weltbild der meisten Menschen wird aus vielen kleinen Mosaiksteinen zusammengesetzt. Nicht die großen Ideen, die kleinen verstreuten Zeitungsmeldungen machen Ideologie. So fällt kaum noch einem auf, dass rechtsextreme Gewalttaten immer seltener zweifelsfrei als solche nachgewiesen werden können. Stattdessen häufen sich die Fälle, in denen sie nur vorgetäuscht, und solche, in denen sie nur behauptet werden. Der Zeitungsleser aber, der nicht nachfragt, verbucht sie unter dem Stichwort „Rechte Gewalt“.

Ich spreche von Meldungen wie dieser hier:

Viersen: Skinheads verprügeln Deutsch-Türken

Drei unbekannte junge Männer haben am Nachmittag des ersten Weihnachtstags in Viersen einen 18-jährigen Deutsch-Türken angegriffen und mit Tritten schwer verletzt. Nach Polizeiangaben beschimpften sie ihn wegen seiner ausländischen Herkunft und warfen ihn zu Boden. Das Opfer musste im Krankenhaus behandelt werden und wurde stationär aufgenommen. Nähere Auskünfte zum Tathergang machte die Polizei nicht. Bei den Tätern soll es sich um etwa 18 bis 19 Jahre alte Männer handeln, deren Köpfe kahlgeschoren waren. Sie sollen mit blauen Jeans, mit Springerstiefeln sowie mit grünen und schwarzen Bomberjacken bekleidet gewesen sein. Der Staatsschutz Mönchengladbach leitet die Ermittlungen und sucht nach Zeugen des Vorfalls, der sich gegen 14 Uhr in der Fußgängerzone ereignet hatte.

Quelle: RP ONLINE, Meldung vom 28.12.2009

Nun ja, es kann schon sein, dass das stimmt, aber…

Wie stelle ich mir einen Bayern vor? Mit Lederhose. Und wie einen Franzosen? Mit Baskenmütze. Und wie einen Neonazi? Genau: „18 bis 19 Jahre alte Männer … Köpfe kahlgeschoren …. mit Springerstiefeln sowie mit grünen und schwarzen Bomberjacken“.

Im Gegensatz zu den ehrenwerten Mitarbeitern der Rheinischen Post werde ich stutzig, wenn Menschen genau so beschrieben werden, wie der kleine Max sie sich vorstellt. Und stutzig machte mich auch, dass die Polizei noch drei Tage nach dem mutmaßlichen Vorfall nach Zeugen suchte.

Also fragte ich am 28.12.09 bei der zuständigen Polizei in Mönchengladbach nach Einzelheiten und erhielt die Auskunft:

Die mutmaßlichen Täter wurden bisher nicht ermittelt. Der Inhalt unserer Pressemeldung vom 27.12.09 kann daher zurzeit leider nicht angereichert werden.

Nachdem inzwischen einige Zeit ins Land gegangen ist, habe ich jetzt noch einmal nachgehakt. Die Antwort lautet:

Die Ermittlungen hier im Hause sind eingestellt worden. Weiter führende Hinweise sind nicht eingegangen. Täter konnten nicht ermittelt werden. Der Vorgang wurde an die Staatsanwaltschaft abgegeben.

„Weiterführende Hinweise sind nicht eingangen.“

Wer hätte das gedacht?

[Siehe auch meine Artikel „Jetst alle sterben“, „Jetst alle lügen“, sowie Kewils Artikel „Es stinkt mal wieder!“]

Eine Antwort auf Kleine Rückblende

  • Offenbar haben wir den nächsten Fall à la „jetst alle sterben“: In Worms gab es einen Brandanschlag auf die Synagoge mit dem Bekennerschreiben:
    „Sobald ihr nicht den Palästinensern Ruhe gibt, geben wir euch keine Ruhe.“
    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,695226,00.html

    „Der rheinland-pfälzische Bundestagsabgeordnete der Grünen und Sprecher für den interreligiösen Dialog, Josef Winkler, sagte, … [d]er Anschlag werfe zudem ein Schlaglicht auf das Erstarken rechtsextremistischer Gruppen in der Pfalz und in Worms selbst.“

    Nun, die falsche Nebensatzeinleitung und das falsche „ihr gibt“ lassen natürlich zwingend an deutsche Rechtsradikale denken – und das Palästinenserthema natürlich auch …

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