Non veni pacem mittere sed gladium. (Mt 10,34)
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Da ich häufig pro-israelische Artikel schreibe und Antisemitismus vehement kritisiere, bleiben inhaltliche Übereinstimmungen mit jenem Spektrum nicht aus, das sich selbst „antideutsch“ nennt.

In meinen Ohren ist diese Bezeichnung freilich eine Selbstbezichtigung: Ich halte Patriotismus für eine ganz selbstverständliche Tugend und befinde mich damit in Übereinstimmung mit den Wertvorstellungen aller Zeiten, Völker und Kulturen seit Adam und Eva. Ausgenommen natürlich diejenigen Völker und Kulturen, die wegen ihres Selbsthasses untergegangen sind. Ausgenommen auch diejenigen Milieus linker Akademiker, die ihrem eigenen Volk dasselbe Schicksal bereiten wollen.

Daher klingt für mich kaum etwas abwegiger, ja abartiger, als wenn ein Deutscher seinen eigenen politischen Standort mit dem Wort „antideutsch“ umschreibt – das ist für mich so, als würde er sich als begeisterter und ideologisch gefestigter Kinderschänder offenbaren.

Ist aber der Wunsch, das eigene Volk möge nicht existieren, schon als solcher bizarr genug – und eine darauf gerichtete Politik eine solche des Völkermordes -, so möchte man seinen Anhängern doch wenigstens mehr Intelligenz wünschen. Es wäre jedenfalls intelligent, wenn sie diejenigen ihrer Anliegen, die per se nicht verwerflich sind (insbesondere ihre Solidarität mit dem Judentum im Allgemeinen und dem Staat Israel im Besonderen), nicht dadurch kompromittieren würden, dass sie den Eindruck erwecken, es gebe einen notwendigen inneren Zusammenhang zwischen einer projüdischen und einer antideutschen Einstellung, und wer mit dem Judentum sympathisiere, müsse zwangsläufig ein Feind Deutschlands sein.

Diese Denkfigur nämlich war und ist die Grundlage von deutschvölkischem Antisemitismus. Man kann den moralischen Konsequenzen dieser verbrecherischen Völkermordideologie nicht dadurch entgehen, dass man als Deutscher einfach die Seiten wechselt. Wenn Patriotismus überall auf der Welt in Ordnung sein soll, nur in Deutschland nicht, dann läuft dies darauf hinaus, das deutsche Volk für lebensunwert zu erklären, mindestens aber für ein Volk minderen Rechts. Statt an der Vernichtung des jüdischen an der des eigenen Volkes zu arbeiten ist aber keinen Deut moralischer oder weniger menschenverachtend. Der geistige Landesverrat, der darin liegt, Deutschfeindlichkeit als positiven Wert darzustellen, ist nicht einfach eine private Marotte, sondern bedeutet, eine genozidale Ideologie zu propagieren.

Der Begriff Völkermord ist nämlich nicht etwa eine quantitative Steigerung von Massenmord – auch wenn beides oft Hand in Hand geht -, sondern bezieht sich auf die Zerstörung des sozialen und kulturellen Zusammenhangs, der ein Volk konstituiert. Die direkte Tötung von Menschen ist daher nur eine von vielen Arten, ein Volk zu töten. Es gibt aber wirksamere Methoden, und zu diesen Methoden gehört, durch autorassistische Propaganda sein Selbstwertgefühl und seinen Selbstbehauptungswillen zu unterminieren.

„Antideutsch“ sind aber selbstverständlich nicht nur die, die sich ausdrücklich so nennen – das sind höchstens die ehrlicheren. Antideutsch sind auch die politischen und Medieneliten, die die übrigen Formen von ethnischer Kriegführung gegen die eigene Nation propagieren oder praktizieren. Die Liste ist unvollständig: Man kann das Volk ethnisch ausdünnen (lassen), man kann „Antidiskriminierung“ (also Diskriminierung von Einheimischen) betreiben, man kann Kriminelle, Extremisten und religiöse Fanatiker ins Land holen, man kann zusehen, wie der soziale Zusammenhalt in immer neuen Wellen von deren Kriminalität weggespült wird, man kann die Souveränität des Nationalstaats nach außen und des Rechtsstaats nach innen unterminieren, man kann die Institution der Familie erst verunglimpfen und dann zerstören, und man kann diejenigen, die sich gegen all das wehren, als Rechtsradikale verleumden und sie an den Rand der Gesellschaft drängen, und sogar über diesen Rand hinaus.

Nur weniges davon, um es mit Brecht zu sagen, ist in unserem Lande verboten.

59 Antworten auf Viele Arten zu töten

  • Ja Manfred, da kann ich dir nur kopfnickend zustimmen. Man muss doch nicht zum Antideutschen mutieren, um Israel zu verteidigen. Man kann sehr wohl auch ein Deutscher Patriot sein und Pro-israelisch, Pro-jüdisch sein. Man kann auch ein Deutscher Patriot jüdischen Glaubens sein und Pro -siehe oben sein. Man kann auch Jude sein und gleichzeitig Antijüdisch und Pro-Deutsch. Siehe „Die Tochter“ Galinski, Abraham Melzer und andere merkwürdige Gestalten des jüdischen Gruselkabinetts. Manche schaffen es auch Antideutsch und Antijüdisch zu sein. Oft zu finden im Linksradikalen Spektrum und in der Islamofaschozone.
    Doch die übelste Sorte ist oft in der Führungselite unseres Landes zu finden.Die irren Professoren und Politiker. Sie hören Haydn, Wagner oder Bach und gehen mit E.T.A Hoffmann, Lessing oder Kant zu Bett ( zweifel tun sich mir da aber nicht nur bei den Politikern auf). Schwärmen also von der überlegenen Deutschen Kultur und reisen nach Afrika, Asien oder Gaza, um dem „dummen Wilden“ teilhaben zu lassen an seiner deutschen Weisheit und ihm einen Brunnen zu bauen oder ihn politisch mal richtig aufzuklären.Oder er bietet Workshops an, wo der „Primitive“ lernt wie man ein Protestplakat richtig herstellen tut. Man bewundert und staunt mit einer gottgleichen Arschruhe, wie die Mesnchenrechte in diesen Ländern mit Füssen getreten werden (beschneidungen von Frauen, hängen von Schwulen, steinigen von Ehebrechern, auspeitschen von Liebespaaren, einsperren von politisch unerwünschten, verfolgung von „rassisch und/oder religiös Minderwertigen“ Menschen etc. und tun das als merkwürdige Folklore ab. Gleichzeitig lassen sie diese Folklore in Europa zu, indem sie körperlich hier angekommenen Einwanderern, aber geistig in ihrer Heimat zurückgebliebenen, alles erlauben was hier nicht erlaubt sein darf. Diese Schwachmaten Reisen wirklich mit dem Motto: „Am Deutschen Wesen soll die Welt Genesen“ in die abgelegensten Orte der Welt und fühlen sich wie ein stolzer überlegener Ausserirdischer, der gerade einen Planeten mit primitiven Leben entdeckt hat. Aber gleichzeitig lassen sie ihre Kultur und Zivilisation in der Heimat „primitivisieren“, um dann wieder zu Hause vom hohen Ross der alteingesessenen Bevölkerung zu erklären das man sich ja bitte nicht so anstellen soll, da der Migrant noch etwas Zeit braucht um sich an uns zu „gewöhnen“. Solange darf er seine Schwester morden, Schwule in der Stadt jagen, Rabbiner verprügeln, Frauen als Huren titulieren und die Sozialkassen als selbstbedienungsladen sehen. Diejenigen aber, die in Deutschland auch geistig abgekommen sind, werden als Spielverderber gesehen und gemieden, auch von unserer „Führungselite“.

  • uuups,…..die in Deutschland auch geistig ABGEKOMMEN 😯 sind, werden als Spielverderber gesehen ….

    soll „angekommen“ lauten.
    Sorry, aber der Rechtschreibteufel 👿 ist ein guter Kumpel geworden, leider.

  • Der Begriff „antideutsch“ wird mir auch zugeschrieben – wie vielen anderen Bloggern auch. Meisetens von rechtsradikalen. Dabei bin ich in der CSU.

    Das ist Unsinn.

    Meistens handelt es sich hier um eine Zuschreibung, die von außen erfolgt.

    Wenn ich einen deutschen Pass habe und hier geboren bin, kann ich mich schlecht als „Antideutschen“ bezeichnen. Ich finde die Bezeichnung „deutsch“ aber auch idiotisch, wenn man darunter nur Goethe und Kant subsummiert und alles Schlechte ausklammert. Dann kann man es getrost vergessen.

    Der Begriff „antideutsch“ wird genauso überstrapaziert wie die Antisemitismus-/Antirassismusdebatte auf Achgut zurzeit. Ich kann’s nicht mehr hören.

    Man muss aber auch jedem deutschen Linken zugestehen (ich bin keiner), dass er mit Patriotismus seine Probleme hat, wenn die BRD in der Nachfolge des NS-Staates steht und sich noch genügend Geister hier herumtreiben, die das Wort „deutsch“ für nationalistische Zwecke missbrachen, so wie auf dem von dir verlinkten Blog PI.

    So charmant finde ich es nicht, wenn dort fast tagtäglich Leute anderer Hautfarbe (virtuell vorerst) an die Wand gestellt werden.

    Im Übrigen: Die Diskussion um den Papst und seine Apologeten, die sich in der Pius-Affäre bis heute noch nicht klar geäußert haben, ist an Widerlichkeit kaum noch zu übertreffen.

    Ich meine die Diskussion, die von katholischer Seite aus geführt wird.

    So einfach ist das.

    Grüße
    Bernd

    ————-
    P.S.: Ich habe zur Islamkritik vor Monaten einen Beitrag geschrieben. Vielleicht beschreibt er am besten, wie ich denke:

    Antideutsch oder wachsam gegenüber Leuten, die auf einen rechtsradikalen Mitnahmeffekt aus sind?

    Ich sage, ja – diese Leute sind auf einen Mitnahmeffekt aus.

    Wenn mir das als „antideutsch“ ausgelegt wird, dann lass ich mich gerne so titulieren.

    http://castollux.blogspot.com/search?q=schwarzbraun

  • Den einen oder anderen Tippfehler bitte ich zu entschuldigen.

  • Ohne mich selbst als „antideutsch“ zu bezeichnen oder diese Richtung mehr verteidigen zu wollen, als sie es verdienen mag, möchte ich doch darauf hinweisen, dass Du offenbar überhaupt nicht weißt, was „antideutsch“ bedeutet. Der gemeine „Antideutsche“ propagiert nicht nur nicht den Untergang des „deutschen Volkes“ – von der Forderung zum Genozid einmal ganz zu schweigen -, sondern fühlt sich vielmehr der Kritik einer spezifischen Ideologie verpflichtet. Du wirst zudem wenig „Antideutsche“ finden, deren Ziel die Vernichtung eines „Volkes“ darstellt, da eben dieser Begriff „Volk“ in der Regel abgelehnt wird. Die von den „Antideutschen“ kritisierte Ideologie ist zudem keinesfalls auf Deutschland allein beschränkt und wird folglich – wie du ja selbst gewissermaßen einräumst – auch auf andere Kontexte angewendet (etwa: den islamischen Antisemitismus).

    (PS: Auf Deinen Kommentar werde ich in angemessenerem Umfang antworten, jedoch fehlt augenblicklich die Zeit dazu)

  • „man kann die Institution der Familie erst verunglimpfen und dann zerstören“

    Wie soll das funktionieren? Wird irgendjemandem verboten, zu heiraten und/oder (auch zwanzig) Kinder in die Welt zu setzen?

  • der nationale Minderwertigkeitskomplex der Deutschen ist wahrscheinlich schon seit Jahrhunderten ein Thema.

    Man fragt sich natürlich, warum auch so selbstbewusste Nationen wie Frankreich und Großbritannien vor diesen Siamesischen Zwillingen PoliticalCorrectness&Islamisierung kapitulieren?

    Ich oute mich mal als „Multikulturalist“ – denn, wer in seiner eigenen Sprache und Kultur verwurzelt ist, der kann sich tatsächlich offen auf fremde Kulturen und Menschen einlassen. Das ist immer wieder schön und im Wortsinn „bereichernd“.
    Dummerweise ist Deutschland auch das Land der Kriecher und ‚Nach-Unten-Treter‘, die sich jeder noch so verquasten Ideologie an den Hals werfen, um andere schikanieren zu dürfen. Die PoliticalCorrectness passt leider zu einigen schlechten Eigenschaften der Deutschen :-(

  • Nach meiner Ansicht ist Patriotismus in Bezug auf den Staat dasselbe wie ein gesundes Selbstbewusstsein auf der Ebene des Individuums. Jeder weiß, dass man ein solches Selbstbewusstsein im Leben braucht, dabei aber nicht überheblich sein andererseits aber auch keine Minderwertigkeitskomplexe haben sollte. Auf der Ebene des Staates sehe ich Nationalismus als Entsprechung zur Überheblichkeit und die in diesem Artikel kritisierte Haltung („antideutscher“ Deutscher) als diesen zur Zeit wohl typisch deutschen nationalen Minderwertigkeitskomplex. Man meint fast, da wäre in gewissen Hirnen ein Vorzeichenbit gekippt – vom einen Extrem zum anderen.

    Elektronen, Protonen und Neutronen organisieren sich zu Atomen, die wieder zu Molekülen, die zu Zellen, die Zellen zu Organismen und die zu Völkern. Immer entsteht eine neue Qualität dadurch, dass sich eine Quantität der niedrigeren Organisationsstufe dadurch zu einer höheren Einheit zusammenfindet, dass sie den gleichen Regeln folgt. Alle Zellen eines Organismus‘ beispielsweise haben die gleiche DNS, und für alle Staatsbürger eines Staates gelten dieselben Gesetze. Dazu gehört aber auch noch ein Zusammengehörigkeitsgefühl, das Bewusstsein der Gemeinschaft, eben der Patriotismus, ohne das die Organisationseinheit „Staat“ wieder in ihre individuellen Einzelteile zerfällt. Deshalb halte ich die Besorgnis, die aus diesem Artikel spricht, für völlig gerechtfertigt.

  • Man muss aber auch jedem deutschen Linken zugestehen (ich bin keiner), dass er mit Patriotismus seine Probleme hat, wenn die BRD in der Nachfolge des NS-Staates steht und sich noch genügend Geister hier herumtreiben, die das Wort “deutsch” für nationalistische Zwecke missbrachen

    Solange sich auf diesem Planeten Menschen befinden, die nun mal in irgendwie weniger oder mehr losen Gemeinschaften existieren, wird es Individuen oder Gruppen geben, die eine irgendwie geartete Gruppenzugehörigkeit als Merkmal zur Selbstüberhebung definieren.

  • Um den richtigen Einwand von mr. moe zu ergänzen:
    Antideutsche lehnen den Begriff „Volk“ zumindest in dem Sinne ab, wie er in obigem Artikel verstanden wird. Der Autor gerät notwendigerweise dahin, „antideutsch“ im elementaren Sinne, d.h. als die feindselige Zuschreibung von außen zu verstehen. Und aus diesem Mißverständnis heraus geht der ganze Text vollständig am Thema vorbei.

  • Wieso macht man es sich mit dem Begriff „Patriotismus“ immer so unnötig schwer? Murmel hat den Begriff mit dem (gesunden!) Selbstvertrauen eines Individuums verglichen, sehr einleuchtend, wie ich finde.
    Ich setze den Begriff in Beziehung zur eigenen Familie. Die eigene Familie ist ist für jeden schließlich etwas Besonderes und prägt einen Menschen mehr als irgendeine andere Familie. (Das kann sogar im negativen Sinne sein). Wer das leugnet, kann auch leugnen, dass die Sonne im Osten auf- und im Westen untergeht. Klar kann man das machen, aber man muss dann auch damit leben, dass man dann für plemplem gehalten werden kann.

    Ich sage nun nicht nur, ich liebe meine Familie – ich sage sogar: Ich liebe sie mehr mehr als die Nachbarsfamilie oder gar als irgendeine Familie irgendwo auf der Welt!! Ich sage damit nicht, meine Familie ist die wertvollste auf der Welt und hat daher das Recht, andere zu unterdrücken. Wer das reflexartig unterstellt, muss sich fragen lassen, ob er nicht von sich auf andere schließt.

    Ich finde es nicht nur vollkommen normal, seine Familie mehr als andere Familien zu lieben, sondern im evolutionären Kontext überlebenswichtig. Und ich habe überhaupt kein Problem damit, den Begriff „Familie“ durch den Begriff „Volk“ zu ersetzen und ebenso nicht, statt von „Familienliebe“ von „Patriotismus“ zu sprechen.
    Das -in meinen Augen alberne – Problem sollen sich doch andere ans Bein binden. Ich habe höchstens Mitleid mit Leuten, die weder eine Verbundenheit zu ihrer Familie noch zu ihrem Volk empfinden. Sie sind – wie es ausgerechnet bei Michael Crichton heißt, bloß Blätter, die nicht wissen, dass sie Teil eines Baumes sind.

    Ärgerlich macht es mich allerdings, wenn Leute wie Claudia „Fettima“ Roth oder der abge“hanfterte“ Ströbele oder der „Deutsche-verdünnen“ (hat bei ihm auch nicht dauerhaft geklappt 😉 ) Joschka Fischer ihre eigene Germanophobie 😆 – so nachvollziehbar diese in Bezug auf ihre eigenen Personen auch ist- zum Maßstab einer Politik machen, die mittelfristig das Leben meiner Familie und meiner Kinder unerträglich machen wird.

  • @ Mr. Moe, MPH:

    Ich habe in diesem Blog schon manchen Kommentar gelesen, über den ich mich geärgert habe, aber noch keinen, von dem ich mich derart verhohnepiepelt fühlen musste wie von Euren beiden.

    Es kommt nicht im Mindesten darauf an, was Antideutsche selber unter „antideutsch“ verstehen, weil man an dem semantischen Gehalt des Wortes nun einmal nicht vorbeikommt. Ich glaube, Jeder, der auch nur halbwegs geradeaus denken kann, würde sich veralbert fühlen, wenn sich z.B. einer selber „Judenhasser“ nennen, dabei aber hinzufügen würde, dies bedeute keineswegs, dass er Juden hasse. Wenn sich einer selber „antideutsch“ nennt, dann bedeutet das mindestens eines: dass er Deutschfeindlichkeit für eine öffentliche Tugend hält!

    Diese Vorstellung ist weit verbreitet, und nicht etwa nur in den Kreisen, die sich selber „antideutsch“ nennen. Mr. Moe, Du hast ganz richtig verstanden, dass Dein Artikel „In eigener Sache und in aller Kürze“ (http://zeitungfuerdeutschland.wordpress.com/2009/03/10/in-eigener-sache-und-in-aller-kurze/) der Anlass für diesen Beitrag war, und dabei ganz konkret dieser Satz:

    „…in der F.A.Z. steht der deutsche Mob Schulter an Schulter, ganz wie im Sommer ‘06 oder in Stalingrad anno 1942/43.“

    Der bezog sich auf Leute, die sich mit Erika Steinbach solidarisieren. Ich selbst gehöre auch zu diesem Personenkreis, aber darauf es mir hier nicht an. Worauf es mir hier ankommt, das ist die Selbstverständlichkeit, mit der die Worte „deutsch“ und „Mob“ in einem Atemzug genannt werden (noch dazu garniert mit einer Gleichsetzung von 1943 mit 2006). Wer so formuliert, muss sich gefallen lassen, ein Deutschenhasser genannt zu werden.

    (Selbstverständlich bist Du beileibe nicht der einzige, der so formuliert. Formulierungen dieser Art findet man täglich, stündlich, in allen möglichen Publikationen. Deutschfeindlichkeit ist geradezu eine eigenständige Ideologie geworden! Du hast nur sozusagen das Pech gehabt, dass ich Deinen Blog lese, und deshalb war gerade Dein Artikel der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte – es hätte genauso gut irgendein anderer Tropfen sein können. Es geht also nicht um Dich als Person, und ich hätte mich auch jetzt nicht ausdrücklich auf Deinen Artikel bezogen, wenn Du den Zusammenhang nicht selber hergestellt hättest.)

    Wenn das Wort „deutsch“ schon per se moralisches Unwerturteil implizieren soll – und genau das ist der Fall, wenn es in einem solchen Zusammenhang verwendet wird -, dann wird es genau in dem Sinne, genau auf die Weise und genau in dem Zusammenhang verwendet, in dem man früher „jüdisch“ gesagt hätte.

    Ich bin jedenfalls nicht bereit, diesen autorassistischen, kriminellen Dreck noch länger zu tolerieren, oder so zu tun, als hätten Hasspredigten gegen das eigene Land in irgendeiner Form etwas mit Aufklärung oder Liberalität oder Weltläufigkeit oder Toleranz zu tun. Es ist linksfaschistischer Ideologiedurchfall, und genau das muss man ihn auch nennen!

    Selbst wenn ich Euch Eure stinkefaule Ausrede abkaufen würde, es gehe nicht speziell gegen Deutschland, sondern „nur“ um die Ablehnung des Begriffes „Volk“, würde das die Sache nicht besser machen, höchstens noch schlimmer. Ich erspare es mir, noch einmal ausführlich darzulegen, dass man solche Begriffe nicht „ablehnen“ kann, ohne auf die Zerstörung dessen hinzuarbeiten, wofür sie stehen, also der Nationen (Ich habe jetzt keine Lust, auf die gegenseitige Beziehung der Begriffe „Volk“ und „Nation“ einzugehen). Ich erspare es mir auch, noch einmal ausführlich zu begründen, warum die Zerstörung der Nationen gleichbedeutend mit der Zerstörung unserer Zivilisation überhaupt ist. (Wer es nachlesen will:

    http://www.korrektheiten.com/2009/01/20/wir-werden-dekonstruiert )

    Der Selbsthass der westlichen Nationen – nicht nur der deutschen –, aus dem diese Dekonstruktionsversuche resultieren, wird natürlich nicht das Konzept „Volk“ als solches erledigen, sondern nur diejenigen Völker, die sich in linker Ideologiescheiße suhlen.

    Ein kleiner Nachtrag noch: Was glaubt Ihr eigentlich, warum es eigens eine Antivölkermord-Konvention gibt – wo doch der Mord überall auf der Welt verboten ist? Etwa weil die Diplomaten gerade nichts Besseres zu tun hatten? Nein, weil diese Konvention ein anderes Rechtsgut schützt, nämlich nicht das individuelle Leben, sondern die Existenz jenes sozialen Zusammenhangs, den man „Volk“ nennt, und den die Antideutschen für nichtexistent bzw. für entbehrlich halten – ganz in der linken Tradition, wonach so ziemlich alles entbehrlich ist, was das Zusammenleben von Menschen überhaupt ermöglicht: Familie, Religion, Autorität, Staat, Eigentum. Und eben Volk und Nation. Das, worauf man zielt, wenn man sich „antideutsch“ nennt, ist die Zivilisation schlechthin!

  • kleines Zitat:

    Sie haben 1964 als Endpunkt Ihrer Unter­suchung gewählt. Sind gewisse Topoi der Fußball-Volksgemeinschaftsideologie nicht dennoch bis in die heutige Zeit lebendig ­geblieben?

    Das ist bei solchen diskursiven Prozessen gar nicht anders möglich. Man muss sich nur die ­Figur des ehemaligen Bundestrainers Sepp Herberger anschauen, der sich ja auch aus dem Ruhestand immer wieder zur Wort meldete und durchaus in den siebziger Jahren noch Versatzstücke der Volksgemeinschaftsideologie bemühte. Die erleben immer wieder eine Renaissance. Nehmen wir die WM 2006 in Deutschland. In der Selbstdarstellung einiger Spieler war wieder dieses fast schon zwanghafte Kleinreden der eigenen Leistung zugunsten des Mannschafts­gedan­kens auszumachen. Die Volksgemeinschafts­ideologie stirbt 1964 sicherlich nicht aus, aber es gibt zwei entscheidende Faktoren, die sie nachhaltig schwächen: die Einführung der Bundesliga und damit die endgültige Akzeptanz des Professionalismus in Westdeutschland sowie die Berufung Helmut Schöns zum Bundestrainer – ein Ideengeber, der eine völlig andere Auffassung des Fußballs vertrat. Er stellte das Indi­viduum in den Mittelpunkt und rückte von diesem ideologischen Mannschaftsgedanken ab. Gerade die Position des Bundestrainers darf man in Deutschland ja nicht unterschätzen.

    http://jungle-world.com/artikel/2009/10/32821.html

    „In der Selbstdarstellung einiger Spieler war wieder dieses fast schon zwanghafte Kleinreden der eigenen Leistung zugunsten des Mannschafts­gedan­kens auszumachen.“

    „fast zwanghaftes Kleinreden der eigenen Leisuntg zugunsten des Mannschaftsgedanken“ = teamdienliche („mannschaftsdienlich“ sollte man nicht sagen!) Bescheidenheit, die es der deutschen Mannschaft bei ihrer damaligen Qualität erst ermöglichte, den 3. Platz zu erreichen; selbiges für EM 2008!

    natürlich wieder der Vergleich NS 1936 und WM 2006. Stoff für tolle kritische Dissertationen wider den völkischen Zeitgeist, die die Welt nicht missen darf!

  • Der Selbsthass der westlichen Nationen – [bei weitem] nicht nur der deutschen –, aus dem diese Dekonstruktionsversuche resultieren, wird natürlich nicht das Konzept „Volk“ als solches erledigen, sondern nur diejenigen Völker, die sich in linker Ideologiescheiße suhlen.

    Außerhalb des Westens (und Osteuropas) wird das Konzept „Volk“ teilweise mit einer derartigen Vehemenz vertreten, die man sich hierzulande niemals selbst ernsthaft wünschen kann. Es aber für „nichtexistent“ zu erklären ist für mich zuviel der Törichtkeit.

  • Bislang hatte ich die „Antideutschen“, weil sie eben pro-amerikanisch, pro-isrelisch und anti-islamisch sind, für den einen Teil der Linken gehalten, die sich nicht völlig den Blick auf die Realitäten verstellt haben, allerdings ohne selber irgendwelche ihrer Texte gelesen zu haben, und war deshalb über Manfreds harsche Kritik an den „Antideutschen“ etwas überrascht.
    Nachdem ich mir nun zwei „antideutsche“ Aufsätze (s. u.) zu Gemüte geführt habe, bin ich es nicht mehr. Stattdessen finde ich es nun verblüffend, wie es kommen kann, dass Leute, die in ganz ähnlicher Weise wie wir Konservativen den Islam und die Multikulti-Linke kritisieren, in ihrem ideologischen Grundansatz uns noch viel konträrer gegenüberstehen als alle anderen linken Richtungen. Aber die Wege der linken Ideologien sind mehr als wundersam! Die Antideutschen wollen nämlich in noch viel radikalerer Weise sämtliche kollektiven Identitäten („Selbstzuschreibungen“) beseitigen, Staat, Geld, Politik, Nationen, Kulturen, als die übrigen Linken, denen sie vorwerfen, weiterhin in diesen Kategorien zu denken und zu handeln und somit sich nicht von dieser „Deutschen Ideologie“ gelöst zu haben, die sie als ein besonders hässliches Amalgam von Kapitalismus, Antisemitismus und Staatsfetischismus definieren, in dessen direkter Nachfolge sie die moderne Ausprägung des Islam sehen (über die Hitler- Obermufti von Jerusalem-Schiene), und die Rechtspopulisten, und das postnazistische Deutschland allgemein, und die Multikulti-Linke (jeweils in abnehmender Intensität). Demgegenüber sehen sie sich als die Einzigen, die eine politische Theorie verfolgen, deren Ziel die Schaffung einer allein auf der Basis der Vernunft (!!!) basierten Gesellschaft von gleichen, freien Einzelnen ist, die alle historischen, ökonomischen, strukturellen und anthropologischen Bedingtheiten hinter sich gelassen haben. Die Frage, ob so etwas möglich ist, wird allerdings nicht gestellt. – Soviel hier mal als kurze Zusammenfassung für alle, die sich diese beiden unverdaulichen Aufsätze nicht selbst antun wollen.

    Die „Antideutschen“ sind also offensichtlich die reinste Ausprägung des gegenwärtigen linken Utopismus und die Radikalität ihres ideologischen Ansatzes ist in seiner absoluten Leugnung aller Bedingungen, denen alle Versuche von Menschen, sich eine politische Ordnung zu geben, unterliegen, nicht mehr zu übertreffen.

    Aus diesem Grunde sind die beiden Aufsätze dann allerdings wirklich lesenswert.

    Noch eine Assoziation, die mir gerade kommt: der freie Einzelne — Tim K.?

    http://www.isf-freiburg.org/isf/beitraege/dahlmann-antideutsch.html

    http://www.redaktion-bahamas.org/
    (falls URL nicht zum Aufsatz verlinkt: „Islamkritik und Politik im Namen des Volkszorns“
    ist der Titel des Aufsatzes.

  • Ich habe in diesem Blog schon manchen Kommentar gelesen, über den ich mich geärgert habe, aber noch keinen, von dem ich mich derart verhohnepiepelt fühlen musste wie von Euren beiden.

    Darf man fragen, warum? Sowohl MPHs als auch mein eigener Kommentar beziehen sich direkt auf deinen Artikel und sind weder beleidigend noch unhöflich oder anderweitig verwerflich. Deine Empörung kann ich daher nicht nachvollziehen.

    Es kommt nicht im Mindesten darauf an, was Antideutsche selber unter „antideutsch“ verstehen, weil man an dem semantischen Gehalt des Wortes nun einmal nicht vorbeikommt. Ich glaube, Jeder, der auch nur halbwegs geradeaus denken kann, würde sich veralbert fühlen, wenn sich z.B. einer selber „Judenhasser“ nennen, dabei aber hinzufügen würde, dies bedeute keineswegs, dass er Juden hasse.

    Einmal ganz unabhängig davon, dass nicht jeder, den Du als „antideutsch“ brandmarkst sich selbst als solcher bezeichnen wird (wie Du selbst ja auch schreibst), so dass dein „Judenhasser“-Vergleich unsinnig ist: Du beanspruchst hier die Deutungshoheit darüber, was „deutsch“ ist. Ich wage zu behaupten, dass der Begriff „deutsch“ für „Antideutsche“ – im Gegensatz etwa zu dem Begriff „Apfel“ – kein konkreter Begriff ist, der etwas überzeitlich Gegebenes bezeichnet, sondern ein abstrakter Begriff, der sich auf ein ideologisches Konstrukt bezieht. Für die religiösen unter uns: Äpfel gab es auch im Paradies, „Deutsche“ hingegen nicht! (bitte nicht gleich wieder genozidal verstehen! ;)). Dass du das wahrscheinlich völlig anders siehst, ist mir klar. Daraus folgt jedoch nicht, dass alle, die eine andere Meinung haben, notwendigerweise im Unrecht sind. Ich will damit lediglich andeuten, dass dein „semantisches Argument“ auf der Annahme beruht, dass der Begriffsinhalt des Begriffes „deutsch“ eindeutig zu bestimmen ist.. Ansonsten habe ich weder Zeit noch Lust über Sinn und Unsinn „antideutscher“ Positionen zu debattieren, geschweige denn als allzu großer Verteidiger solcher – teils: real existierenden, teils: von dir postulierten – Positionen aufzutreten.

    Deutschfeindlichkeit ist geradezu eine eigenständige Ideologie geworden!

    Durch das Ausrufungszeichen wird dieser Satz auch nicht richtig.

    (Auf deine Kritik an meinem Satz habe ich an entsprechender Stelle geantwortet. Dass ich diese Diskussion nicht als Kritik an meiner Person auffasse, versteht sich von selbst.)

  • kann mir das Einsetzungsverfahren, der Zuspitzung wegen, mal nicht verkneifen:

    „Einmal ganz unabhängig davon, dass nicht jeder, den Du als “antijüdisch” brandmarkst sich selbst als solcher bezeichnen wird (wie Du selbst ja auch schreibst), so dass dein „Deutschenhasser“-Vergleich unsinnig ist: Du beanspruchst hier die Deutungshoheit darüber, was “jüdisch” ist. Ich wage zu behaupten, dass der Begriff “jüdisch” für “Antijüdische” – im Gegensatz etwa zu dem Begriff “Apfel” – kein konkreter Begriff ist, der etwas überzeitlich Gegebenes bezeichnet, sondern ein abstrakter Begriff, der sich auf ein ideologisches Konstrukt bezieht. Für die religiösen unter uns: Äpfel gab es auch im Paradies, “Juden” hingegen nicht! (bitte nicht gleich wieder genozidal verstehen! ;)). Dass du das wahrscheinlich völlig anders siehst, ist mir klar. Daraus folgt jedoch nicht, dass alle, die eine andere Meinung haben, notwendigerweise im Unrecht sind. Ich will damit lediglich andeuten, dass dein “semantisches Argument” auf der Annahme beruht, dass der Begriffsinhalt des Begriffes “jüdisch” eindeutig zu bestimmen ist.. Ansonsten habe ich weder Zeit noch Lust über Sinn und Unsinn “antijüdischer” Positionen zu debattieren, geschweige denn als allzu großer Verteidiger solcher – teils: real existierenden, teils: von dir postulierten – Positionen aufzutreten.“

    klingt nicht nett, oder?

  • Mr. Moe,

    die Beleidigung besteht nicht darin, dass Du ausfallend geworden wärst, sondern darin, dass Du mich verhöhnst, indem Du Dir offenbar einbildest, ich könnte zwischen Klarstellung und Ausrede, zwischen notwendiger Differenzierung und sophistischer Haarspalterei nicht unterscheiden. In dieser Hinsicht ist Dein letzter Kommentar schlicht eine Unverschämtheit!

  • Ach ja, und weil es gerade

    („‚Deutschfeindlichkeit ist geradezu eine eigenständige Ideologie geworden!‘ Durch das Ausrufungszeichen wird dieser Satz auch nicht richtig.“)

    so passend ist, ein Auszug aus einem neuen Essay, der soeben auf PI erschienen ist:

    „Joschka Fischer (»Ich entdecke mehr und mehr, wie sehr ich doch Marxist geblieben bin.« Fischer 1998) verrät die politische Absicht, die hinter der Politik der massiven Einwanderung stand, an einer aufschlussreichen Stelle seines Buches „Risiko Deutschland“ (1994):

    „Deutschland muss von außen eingehegt, und innen durch Zustrom heterogenisiert, quasi “verdünnt” werden.“

    [Das Zitat müsste allerdings in der indirekten Rede stehen, wie aus diesem Artikel hervorgeht, M.]

    Im Klartext: der Obergrüne traute seinem eigenen Volk so wenig an demokratischem Geist zu, dass er es per demographische, gleichsam homöopathische Verdünnung durch massive Immigration politisch kaltstellen wollte. Ein in der Geschichte Europas vermutlich einmaliger Vorgang, ebenso die Tatsache, dass eine solche Politik vom Wähler nicht abgestraft, sondern 1998 mit dem Sieg der rot-grünen Koalition unter dem Marxisten Schröder („Ja, ich bin Marxist!“) vom deutschen Wähler sogar belohnt wurde. Auch Jürgen Trittin, erster grüner Umweltminister und wie Schröder und Fischer Alt-68er und Anhänger der Frankfurter Schule, verrät in einem Interview der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, (2. Januar 2005, S. 6):

    “Noch nie habe ich die Nationalhymne mitgesungen und werde es auch als Minister nicht tun.“

    Und die junge Politikelite linker couleur scheint von ihren alten Kadern gelernt zu haben, dass eine antideutsche Polit-Haltung zu Höherem qualifiziert. Franziska Drohsel, November 2007 Bundesvorsitzende der Jusos und ehemaliges Mitglied der vom Verfassungsschutz als linksextrem eingestuften „Rote Hilfe e.V“, gab im August 2008 vor laufenden Kameras folgendes politisch korrekte Statement ab:

    „Deutsche Nation ist etwas, dass ich überhaupt gar nicht positiv beziehe, was ich politisch sogar bekämpfe!“ (Quelle: Cicero online, August 2008)

    Dies alles sind typische Äußerungen von Werte-Relativisten, die längst an führenden politischen, juristischen und gesellschaftlichen Positionen sitzen und ihre deutschfeindliche Ideologie in die Tat umgesetzt haben. Mit fatalen Konsequenzen für Deutschland und Europa.“

    (http://www.pi-news.net/2009/03/islam-sieger-des-westlichen-werte-relativismus/)

    Aber sonst ist Deutschfeindlichkeit natürlich keine Ideologie!

  • Aepfel gab es im Gan Eden auch noch nicht. Im Text Bereshit ist immer nur von Frucht (פרי) die Rede. Der Apfel wurde erst durch die Vulgata eingefuehrt, weil Apfel auf lat. „malum“ so schoen zu boese auf lat. „malus“ passt.

  • Manfred,

    wenn ich Dich recht verstehe, dann entsprechen Antideutsche in etwa den „Alibijuden“ (wie ich meine Serie genannt habe, bzw. den antisemitischen Juden, wie Yaakov Lozowick dasselbe Phaenomen und dieselben Personen nennt.

    Fast immer, wenn ich einen Beitrag in dieser Serie schreibe, verweise ich auf mildernde Umstaende: den psychischen Druck, dem Juden ueber die Jahrhunderte ausgesetzt waren und sind.

    Koennten auch fuer Antideutsche mildernde Umstaende aehnlicher Art angefuehrt werden?

    Ich erinnere auch noch einmal an Spengler und dessen Ansatz, dass die Japaner als Volk die Niederlage 1945 vielleicht nicht ueberlebt haben… Die niedrigen Geburtenraten sorgen fuer ein langsames Aussterben. Sieht es in Europa so viel anders aus?

  • „wenn ich Dich recht verstehe, dann entsprechen Antideutsche in etwa den “Alibijuden”“.

    Ja, der Vergleich ist ziemlich treffend.

    Bevor ich aber auf Deine Fragen eingehe, würde ich gerne wissen, was es mit Spengler und den Japanern auf sich hat, an die Du „noch einmal“ erinnerst. Ich habe in Deinem Blog gesucht, aber keinen Bezug zu diesem Thema gefunden.

    Deswegen bin ich etwas in Verlegenheit: Welchen Spengler meinst Du? Etwa Oswald? (Aber der hat das Ende des Zweiten Weltkrieges doch gar nicht mehr erlebt.)

  • Auch in Israel macht man sich übrigens Sorgen um die demographische Entwicklung in Europa:

    If you ever wanted to see Paris or Rome before you die, but haven’t had a chance to do so, you might want to hurry. Soon enough, most of what we now think of as Western Europe will be transformed into a branch of the Muslim world, which is sure to make it an even less welcoming place for Americans, Israelis and for Jews. […] An increasingly Islamified Europe will prove ever more hostile to Israel and America, and this trend will only intensify as the Muslim population there continues to grow. […] This makes it far less likely that Israel and the US can count on Europe – if they ever really could – at times of crisis in the decades ahead. Just pick an issue, from the war on terror to Palestinian statehood, and you’ll see what I mean.

    http://www.jpost.com/servlet/Satellite?cid=1167467696394&pagename=JPost%2FJPArticle%2FPrinter

    „Birthrate up for Jews, down for Muslims“

    http://www.jpost.com/servlet/Satellite?cid=1192380751772&pagename=JPost%2FJPArticle%2FShowFull

    „The average fertility rate among Jewish women rose from 2.7 in 2005 to 2.8 in 2006.“

    Es fragt sich, warum diese doppelt so hoch ist als in Europa. Gibt der Staat Israel höhere finanzielle Anreize für die Familiengründung? Scheint mir kaum glaublich! Über die Gründe mag jeder selbst spekulieren, im israelischen Sozialstaat würde ich sie jedenfalls nicht verorten.

  • Manfred,
    sie meint mit Sicherheit diesen ausgezeichneten konservativen Kommentator der Asia Times:

    http://www.atimes.com/atimes/others/spengler.html

  • Lieber Manfred,

    wie so oft ein treffender Artikel zur rechten Zeit! Dazu ist mir gerade Folgendes vor die Füße gefallen:

    Aus Schumachers doppelter Loyalität zur deutschen Nation und zum demokratischen Sozialismus – die Gewichte dieser beiden zentralen Orientierungsgrößen waren stets ziemlich gleichmäßig verteilt – läßt sich das Grundgerüst seiner politischen Überlegungen und seiner praktischen Aktionen vor und nach 1945 konsequent und überzeugend ableiten.Diese innere Konsequenz macht einen wesentlichen Teil der Faszination der historischen Gestalt des ersten deutschen Oppositionsführers aus. Mit ungewöhnlichem Temperament, zäher Entschlossenheit und polemischem Talent hat er in allen politischen Konstellationen an diesen Grundüberzeugungen festgehalten, öffentlich und mit wenig taktischer Rücksicht für sie gekämpft und sie in praktische Politik umzusetzen versucht. Die „preußische Revolverschnauze“ wie man ihn als Stuttgarter Reichsbannerführer auch tituliert hat, kuschte vor keinem innen- und außenpolitischen Gegner, machte es aber auch den Anhängern besonders in der Nachkriegszeit nicht immer leicht.

    Den Vorwurf, den man ihm vor allem nach dem Desaster des Nationalsozialismus machte, er sei ein Nationalist, wies er zurück, insistierte aber mit großem Selbstbewußtsein auf der Legitimität einer nationalen Politik. „Unerträglich aber ist die Methode, jeden Versuch deutscher Selbstbehauptung als Nationalismus verdächtigen zu wollen,“ erklärte er im Sommer 1951. „Man kann nicht dem deutschen Volk als einzigem Volk in der Welt das Recht verwehren, seine Interessen zu wahren. Ganz besonders dann, wenn viele Zumu-
    tungen aus hemmungslosem Nationalegoismus anderer Völker entstehen.“

    Schumacher gehörte zu den bewaffneten Verteidigern der Demokratie (Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold) und saß für seine republikanischen Überzeugungen zehn Jahre im KZ. Wie konnte die SPD nur so auf den Hund kommen?

    Nach der allenfalls ein wenig tröstlichen Reminiszenz an Schumacher, meine besorgte Frage: wo ist denn die bürgerliche Mitte, die sich gegen sowas wehren sollte?
    Ist sie bereits so zerrieben?

    Das islamkritische Spektrum scheint sich, auch in meinen Augen, zu radikalisieren und in feindliche Lager zu zerfallen. Die Exmuslime und mit ihnen verbundene, hiesige Linke pflegen eine mehr oder weniger offene kommunistische Gesinnung und haben sich mittlerweile von allen anderen organisierten Islamkritikern distanziert (beispielsweise auch von PaxEuropa), während auf PI die Grenzen zum Neonazitum durchlässiger zu werden scheinen, immer mal wieder zum Patriotischen Forum Süddeutschland verlinkt wird, die Probewegungen bejubelt werden, die ihrerseits einige Ex-NPD’ler beherbergen. Hemmungen mit Neonazis zusammen Politik zu betreiben hat man keine großen mehr.

    Pro-Köln bewirbt den kommenden Antiislamisierungskongress etwa mit dem völlig abgedriftetet EX-CDUler Nitzsche, dier hier dem PFS ein Interview gibt:

    [Link nicht mehr gültig, M. 17.01.2011]

    Markus Beisicht ist auch nicht zimperlich:

    http://www.netz-gegen-nazis.com/lexikontext/beisicht-markus

    „Der Pro-Köln-Vorsitzende Markus Beisicht belegt dies in einem Interview in der NPD-Zeitung Deutsche Stimme: »Uns geht es in erster Linie um die Großmoschee als Symbol der Überfremdung, der Parallelgesellschaft und der türkischen Masseneinwanderung. (…) Solche politischen Steilvorlagen nicht zu nutzen (…), ist Verrat an der einheimischen Bevölkerung«. So wird versucht, an Ängste und Vorurteile anzuknüpfen und diese rassistisch zuzuspitzen. Botschaften wie »Mach mich nicht an, Mehmet!« sprechen hier eine deutliche Sprache.“

    http://www.nadir.org/nadir/periodika/aib/archiv/81/10.php

    Ist mir jetzt etwas peinlich, auf die Antifa verlinken zu müssen, aber das Interview von Beisicht für die scheint nicht mehr online zu sein. Persönlich ist mir in Erinnerung geblieben, dass vom Islam nicht groß die Rede war.

    Was tun, wen wählen? Diese Fragen stellen sich immer drängender.

  • Korrektur: Interview von Beisicht für die Deutsche Stimme…

  • Ja, ich meine den Essayisten bei Asia Times. Ich hatte Dir den Link mal in einem Kommentar gesetzt, fand ihn aber gestern abend auch nicht wieder.

    Der gesammelte Spengler ist hier:
    http://www.atimes.com/atimes/others/spengler.html

    Das Thema Lebenswille und Ueberleben einer Nation taucht bei ihm immer wieder auf.

  • „Was tun, wen wählen?“

    Eine sozialstaatskritische Partei. Da würde sich bis auf Weiteres die FDP anbieten.

  • @ Ruth:

    Ich habe den Text jetzt gefunden, den Du verlinkt hattest („Israel, the hope of the muslim world“; Ich hatte ihn in meinem Gedächtnis sozusagen unter dem falschen Schlagwort abgespeichert, nämlich als Anti-Appeasement-Essay), und dazu gleich noch einen zweiten:

    http://www.atimes.com/atimes/Middle_East/IK20Ak01.html
    http://www.atimes.com/atimes/Front_Page/GC08Aa02.html

    (Ich habe beide Texte auch in die Linksammlung unter „Interessantes aus Netz und Blogosphäre“ aufgenommen.)

    Spengler argumentiert, unter dem Eindruck der Niederlage im Zweiten WK bzw. Kalten Krieg sei der Lebenswille Deutschlands, Russlands und Japans nach 1945 zusammengebrochen, das Verschwinden dieser Völker daher nur eine Frage der Zeit. Der Logik nach gilt dieses Argument für ganz Europa, weil zu den Verlierern des Weltkrieges und des Kalten Krieges auch noch die Staaten gerechnet werden müssen, die das Trauma der deutschen, später sowjetischen Besatzung erlebt haben.

    Ich werde mich mit den Texten Spenglers (auch den übrigen) eingehend auseinandersetzen. Wenn auch nur ein Teil seiner Überlegungen zutreffen sollte, dann wären die theoretischen und praktischen Konsequenzen derart schwindelerregend, dass ich jetzt keinen Schnellschuss abfeuern werde. Ich muss das erst einmal verarbeiten.

    Nur auf Deine Frage nach den exkulpierenden Gesichtspunkten möchte ich natürlich sofort eingehen:

    Ich habe die Großzügigkeit immer sehr bewundert, mit der Du bereit bist, Deinen „Alibijuden“ mildernde Umstände zuzugestehen. Bewundern kann ich aber nur solche Eigenschaften, die ich selbst nicht habe, in diesem Falle also die Großzügigkeit.

    Mr.Moe hat mir in seinem Blog das Wort „Volksverräter“ in den Mund gelegt (bzw. meine Einstellung zu deutschfeindlichen Deutschen mit diesem Wort umschrieben). Ich würde diesen Ausdruck zwar selbst nicht verwenden, aber im Grunde trifft er den Nagel auf den Kopf.

    Ich werfe niemandem seine Gefühle vor. Wenn man aber schon nicht von alleine das Richtige tut, dann kann man wenigstens aus Einsicht das Falsche unterlassen:

    Wenn intelligente Menschen sich dümmer stellen, als sie sind; wenn zum Beispiel angebliche Islamkritiker mutwillig ignorieren, was immer offensichtlicher wird, nämlich dass der Djihad gegen den Westen mindestens zur Hälfte in Form ethnischer Verdrängung stattfindet, aber nur funktioniert, wenn dem eigenen Volk der Selbstbehauptungswille fehlt; und wenn diese bornierte Ignoranz offensichtlich ideologisch motiviert ist, dann gebe ich kein Pardon.

    @ ts:

    Die FDP??? Das ist doch nicht Dein Ernst, oder? Die FDP mag liberal sein, aber doch nicht in dem Sinne, dass sie an der Erhaltung der offenen Gesellschaft arbeitet, sondern in dem, dass sie einer Ideologie namens „Liberalismus“ frönt, die wie jeder linke Ismus seine Anhänger mit ganzen Hunderschaften von Tabus umzingelt. Mit dieser Ideologie im Kopf kann man lediglich diejenigen Angriffe auf die Freiheit abwehren, die direkt vom Staat ausgehen. Das ist bei der Islamisierung gerade nicht der Fall.

  • @ Manfred

    Mit dieser Ideologie im Kopf kann man lediglich diejenigen Angriffe auf die Freiheit abwehren, die direkt vom Staat ausgehen. Das ist bei der Islamisierung gerade nicht der Fall.

    Das Problem ist mir durchaus bewußt, allerdings ist die FDP die einzige sozialstaatskritische Partei in Deutschland. Von der liberalen Ideologie à la „Überwachungsstaat“ halte ich selbst gar nichts.

    Und vieler der Übel, über die heute in „Integrationsdebatten“ geredet wird, schiebe ich dem Sozialstaat zu. Rechte Parteien reden immer von Abschiebung usw. Ich muß sagen, daß mir das mißfällt, ich halte es auch überhaupt nicht für realistisch, damit irgendetwas zu bewegen – auch wenn ich natürlich für die Abschiebung Krimineller, wo es möglich ist, bin. Dieser Sozialstaat ermöglicht den Nicht-Integrationswilligen doch erst, sich von der Gesellschaft abzukapseln. Wären sie ökonomischen Zwängen unterworfen, würden sich viele sehr schnell integrieren oder auch ohne weitere Hilfe das Weite suchen. Beides wäre wünschenswert.

    Eine Islamisierung oder wie man das nennen mag findet doch nur deswegen statt, weil man Nicht-Integrationsbereiten gestattet, ein Leben lang zu nehmen, aber nichts zu geben, ferner Familienzuwachs aufgrund von Kindergeld allein aus finanziellen Gründen für erstrebenswert halten und und und. Da sind eindeutig wir schuld.
    Ich halte auch wenig bis nichts von „Anti-Islamisierungskongressen“, mit irgendwie gearteter kritischer Aufklärung (mag sie treffend sein oder nicht) oder was weiß sonst was, wird doch nix Wesentliches erreicht. (Das ist übrigens auch der Fehler der hochmütigen Antideutschen!) Das einzige Mittel, das schnell spürbar Erfolge zeitigen würde, wären Kürzungen und teilweise radikale Streichungen im Sozialbereich. Ich halte es auch nicht für einsichtig, Nicht-Staatsangehörige z.B. bei Arbeitslosigkeit für längere Zeit an den sozialen Fleischtöpfen teilhaben zu lassen. Wird doch in anderen Ländern auch nicht gemacht, wieso bei uns?

    Ich rege mich übrigens auch genauso über 30-jährige Hartz4-Empfänger auf, die immer schon in der Arbeitslosigkeit lebten und es für selbstverständlich halten, von den Steuergeldern der anderen zu leben.

  • das doppelt Zitat ist Mist, der Text unter deinem ist meiner ..

  • hier noch ein Beispiel, das zeigt, daß man mit einem Sozialstaat nach westeuropäischem Modell auf Dauer jede zivilisierte Gesellschaft kaputt kriegt:

    Neuer Traumberuf in GB: alleinstehende Teenage-Mami

    Teenage Mother

    Anstatt auf der Schule etwas zu lernen und sich irgendwann selbst zu ernähren, ziehen es viele Teenage-Girls im Verrückten Königreich vor, ein uneheliches Kind (oder mehrere)zu kriegen. Damit winkt ein Sozialwohnung und Sozialhilfe. Arbeiten braucht man bis auf weiteres nichts mehr. Manche dieser alleinstehenden Mütter sind das bereits in der fünften Generation! Ein Ex-Minister beschwerte sich nun über diese Sorte Verfall der Gesellschaft, Kollegen geben ihm Recht. Im Vereinigten Königreich ereignen sich 50% der Teenager-Schwangerschaften im untersten Drittel der Gesellschaft, im obersten Drittel sind es nur 14% (Wiki). Bei diesen Zahlen dürften aber auch Abtreibungen ein Rolle spielen.

  • Man muss aber auch jedem deutschen Linken zugestehen (ich bin keiner), dass er mit Patriotismus seine Probleme hat, wenn die BRD in der Nachfolge des NS-Staates steht und sich noch genügend Geister hier herumtreiben, die das Wort “deutsch” für nationalistische Zwecke missbrachen, so wie auf dem von dir verlinkten Blog PI.

    So charmant finde ich es nicht, wenn dort fast tagtäglich Leute anderer Hautfarbe (virtuell vorerst) an die Wand gestellt werden.

    Zwölf Jahre dauerte das „1000jährige“ Reich, dessen Ende mittlerweile 64 Jahre zurückliegt.
    Nicht nur die „BRD“ sondern auch die „DDR“ waren die Erben der Nazidiktatur. Während die „faschistische BRD“, um im DDR Jargon zu bleiben, die NS Zeit aufgearbeitet hat, bezeichnete sich die DDR als „antifaschistisch“ und lehnte damit jegliche Verantwortung für Naziverbrechen und jegliche Form der Wiedergutmachung (soweit das überhaupt möglich ist) ab. (Vergl. Die Deutschland-Akte, Prof. Dr. Wolffsohn)

    Dass die linken Kommunisten keine Probleme mit DDR-deutschem Patriotismus hatten und noch immer haben, ist eine Tatsache. Man höre sich die Lieder der FDJ an oder einen Teil der Reden der heutigen „Führer“ der Linken.

    Wenn behauptet wird, dass sich „hier“ noch genügend Geister herumtreiben, die das Wort „deutsch“ für nationalistische Zwecke missbrauchen und in dem Zusammenhang den Blog PI erwähnen, ist das schlicht eine böswillige Lüge.

    Ich möchte an einen Ausschnitt der Rede von Henrik Broder erinnern, die er vor dem Innenausschuss des Bundestages hielt:

    „Wenn ich Ihnen in aller Demut und Bescheidenheit eine Empfehlung geben darf: Überlassen sie die Beschäftigung mit dem guten alten Antisemitismus à la Horst Mahler den Archäologen, den Antiquaren und den Historikern. Kümmern Sie sich um den modernen Antisemitismus im Kostüm des Antizionismus und um dessen Repräsentanten, die es auch in Ihren Reihen gibt.“ .

    Das ist Klartext.

    Bei PI lese ich regelmässig. Noch habe ich dort nicht erlebt, dass Menschen anderer Hautfarbe „virtuell“ an die Wand gestellt wurden. Die Behauptung ist unzutreffend, falsch und rassistisch.
    Richtig ist, dass es manchmal grenzwertige Beiträge gibt, meistens von „Besuchern“ am Wochenende, die sonst keine Kommentare schreiben, sondern Böswilliges verfassen, um es zu kopieren und bei linken- oder Antifablogs einzustellen. Das ist Fakt.

    Herr Dahlenburg, nehmen Sie Ihre rote, mindestens aber rosarote Brille ab, dann sehen Sie die Farben Aller klarer.

  • @ Monalisa:

    Ich glaube, dass Schumacher schon zu seiner Zeit eine jener krassen Ausnahmen war, die die SPD von Zeit zu Zeit hervorbringt (Helmut Schmidt ist auch so eine Ausnahme, Willy Brandt war eine andere), die aber im Grunde nicht zur Partei passen. Die SPD ist weltweit die einzige Partei, die es fertigbringt, für das bornierteste Mittelmaß (Hermann Müller, Erich Ollenhauer, Rudolf Scharping, Kurt Beck) so etwas wie erotische Gefühle zu empfinden. 😀 Man muss also eher staunen, dass es einen Kurt Schumacher je gegeben hat.

    Auf Deine anderen Fragen gehe ich in meinem nächsten Artikel ein.

  • Manfred,

    Du findest die Haltung von PI (in dubio pro reo) positiv, waehrend ich immer noch von der Seite beobachte und mir nicht schluessig bin. Gleichzeitig bist Du sehr scharf gegen Menschen, die anti-deutsche, linke Klischees verwenden. Wenn es darum geht, moeglichst geeint den Gefahren entgegenzutreten, sollte Toleranz in beide Richtungen praktiziert werden.

    Natuerlich ist es emotional viel schwieriger, dem „Verraeter“ gegenueber grosszuegig sein als dem klaren Feind. Verrat wird auf jeden Fall als gefaehrlicher empfunden, ob er es wirklich ist, darueber moechte ich mal nachdenken.

  • „Wenn es darum geht, moeglichst geeint den Gefahren entgegenzutreten, sollte Toleranz in beide Richtungen praktiziert werden.“ – Das ist theoretisch richtig, und theoretisch ist das genau die Position, die ich in „Drei Blinde und ein Elefant“ vertrete. (Es ist übrigens auch die Position von PI: Die verweisen auf alles, auch auf linke und antideutsche Seiten, wenn es nur islamkritisch ist.).

    Ich gebe auch gerne zu, dass ich in meinem Zorn wenig Gedanken an die politische Opportunität einer Polemik gegen die Antideutschen verschwendet habe. Ich glaube allerdings, dass die Ursache für die Intensität dieses Zorns (gerade im Unterschied zu Deiner Großzügigkeit den Alibijuden gegenüber) vor allem im politischen Umfeld zu suchen ist:

    Es gibt zwar Israelis respektive Juden, die das Geschäft des Feindes betreiben, aber damit sind sie Ausnahmen und Außenseiter in einer Nation, die an ihrem Selbstbehauptungswillen keinen Zweifel lässt. Ich könnte mir vorstellen, dass Du weniger großzügig mit den Alibijuden umgehen würdest, wenn zwei Drittel Deiner Landsleute so denken würden wie Uri Avnery und Du Dir den ganzen Tag deren Gesülze als gesellschaftlichen Standard anhören müsstest. Das ist aber ungefähr die Situation, die hier existiert.

    Es gibt eben nicht nur die paar tausend Antideutschen (die Blogs unter so schönen Titeln betreiben wie „Deutschland von der Landkarte streichen“ – steht bei Lizas Welt auf der Blogroll und hat selbstredend nichts mit genozidaler Deutschfeindlichkeit zu tun). Die sind doch nur die Spitze des Eisbergs. Es gibt auch Leute wie die zitierten grünen und sozialdemokratischen Spitzenpolitiker, es gibt Spitzenmanager wie Thomas Middelhoff, der von sich sagt, er sei „Amerikaner mit deutschem Pass“, es gibt andere Mitglieder der „Elite“ die allen Deutschen zur Auswanderung raten, und es gibt viele, viele Millionen Deutsche, die nicht auf die Idee kommen, dass daran irgend etwas merkwürdig sein könnte. Mit solchem Dreck, der in jede Ritze dieser Gesellschaft eingedrungen ist, kriegt man auf die Dauer jedes Volk kaputt.

    Und ich bin es jetzt einfach leid! Du kannst Dir überhaupt nicht vorstellen, wie ich die Schnauze voll davon habe, in einer Gesellschaft zu leben, in der jeder Sonnenanbeter darauf bestehen darf, „Solarist“ genannt zu werden, weil er sonst beleidigt ist und eine Terrororganisation gründet, das Wort „deutsch“ aber mit größter Selbstverständlichkeit als Schimpfwort verwendet wird. Ich kann all diese Idioten nicht mehr sehen, denen jeder Eingeborenenstamm im laotischen Dschungel wichtiger ist als das eigene Volk, und ich weiß nicht, wie krank eine Gesellschaft eigentlich sein muss, in der man als Menschenrechtsaktivist gefeiert wird, wenn man für das tibetische Volk und gegen dessen Überfremdung durch Chinesen kämpft, aber als angeblicher Faschist geächtet, wenn man dasselbe für das eigene Volk tut. Irgendwann muss einem ja mal der Kragen platzen!

    Was glauben diese Schwachköpfe eigentlich, was aus Europa wird, wenn die einheimischen Völker und Nationen sich auflösen? Eine gigantische Landkommune von glücklichen Ökosofties? Bilden die sich ein, dass dann alle Menschen Brüder werden oder was? So viel Torheit ist einfach nicht glaubwürdig!

  • „Deutschland von der Landkarte streichen“

    Auf sowas kann man sachlich überhaupt nicht eingehen. Da hilft nur noch die nicht mehr gutmeinende psychologisch-soziologische Brille, die sich sonst die Linken immer aufsetzen. Meist hat die Brille, die Linke so gern aufsetzen, auch noch diffamierenden Charakter. (Abgesehen davon: ich finde die abartigen und geisteskranken Deutsches-Kulturgut-Zerstörungs-Bejubler, meistens Hartzer, manchmal auch nichtsnutzigen „Berufen“, bei denen jeder Cent Steuergeld ein Verlorener ist, nachgehend, die allein dessen Existenz für nichtbewahrenswert, eigentlich insgeheim für zerstörungswürdig halten, um keinen Deut besser als die ebenso abartigen und geisteskranken Dresden-Beweiner, die keine Träne für das Zerstörte, das die Nazis hinterließen übrig haben)

    Konservative müssen eben lernen, Linke in der Öffentlichkeit häufig mit der eben gleichen Brille zu betrachten, das, was sie vertreten, wenn berechtigt, als pathologisch zu bezeichnen und schließlich das, was als pathologisch erkannt wurde, dann ausschließlich sarkastisch oder auf der Meta-Ebene behandeln.

  • Ich verstehe schon, Manfred, dass Du den Eindruck hast, mit dem Ruecken zur Wand zu stehen. Ich bin aber nicht sicher, ob diese Einschaetzung wirklich so zutrifft. Sicher die sog. Eliten haben bestimmte Mantren im Diskurs durchgesetzt und es ist schwierig, gegen diese Denkmuster anzukommen. Ob sie aber wirklich die Meinung in der Bevoelkerung widerspiegeln, wage ich zu bezweifeln.

    Du empfindest die deutsche Gesellschaft als krank, ich wuerde ihre Selbstheilungskraefte nicht unterschaetzen. Vielleicht sollte man mehr darueber nachdenken, was denn die deutsche Idee/der deutsche Mythos ist? Was macht Deutschland aus? Zusaetzlich zu Geographie und Sprache?

  • Ich verstehe und unterstütze Manfreds Empörung voll und ganz. Diejenigen, die die Gesamtlage zusammenschauend erfassen, sind eine sehr geringe Minderheit in Deutschland, und wohl jeder kann von Erfahrungen mit Mitbürgern berichten, die völlig konform mit der „herrschenden Meinung“ sind und gewissermaßen in gutem deutschen Gleichschritt auf den Abgrund zumarschieren.

    Man kann es an den Wahlergebnissen gut erkennen. Wer die Lügenfassade intellektuell durchschaut, der erkennt zwangsläufig, dass alle „etablierten“ Parteien einen sehr weitgehenden Konsens praktizieren, was Zuwanderung, Multikulti, EUdSSR und auch Deutschenfeindlichkeit angeht. Keine Partei wagt es, Zuwanderungsbeschränkung zu fordern. Keine Partei wagt es, Wählern das „Deutsche“ als etwas Positives zu präsentieren – es sei denn, es handelte sich um die NPD. Kein Politiker, der noch Karriere machen will, begehrt gegen die integrationistische und nationalstaatsfeindliche Leitlinie der FDJ-Sekretärin auf. Und niemand macht sich stark für härtere Strafen gegen ausländische Gewalttäter, die Deutsche aus keinem anderen Grund terrorisieren als dem, das sie „deutsche Kartoffeln“ und „Schweinefresser“ sind – während Deutsche, die auch nur im Verdacht stehen, einem Ausländer ein Haar gekrümmt zu haben, sich auf einen Hubschrauberflug zum Generalbundesanwalt nach Karlsruhe freuen dürfen. Die Konsequenz dieser Erkenntnis wäre doch wohl, dass bei normalem Verstand weder die CDU/CSU noch die SPD noch die FDP, geschweige denn Grüne oder die Linkspartei (die allerdings den Lissabonvertrag ablehnt) als wählbar erscheinen. Und dennoch sind es in absoluten Zahlen Millionen, die diesen verräterischen Organisationen immer wieder neu ihr Vertrauen schenken.

    Ich erlebte vor ein paar Wochen eine geradezu militant ausgeprägte Form der Ignoranz seitens eines CDU-Apparatschiks, der zwar gewisse Mißstände eingestand, aber sofort auf stur schaltete und alle Besorgnis als Ausfluss eines „Irreseins“ bezeichnete – und seine Verräterpartei, die für die allermeisten Mißstände verantwortlich ist, verteidigte, als wäre sie sein Augapfel. Diese Partei arbeitet in Köln, wahrscheinlich aber auch bundesweit, lieber mit der lokalen Antifa-Miliz zusammen, als das Deutsche Volk vor der Islamisierung zu schützen.

    In manchen Momenten glaube ich, dass die CDU seit 1945 nichts anderes ist als eine gigantische Mogelpackung, die konservativ erscheinen, aber nicht sein soll. Die die konservativen und patriotischen Kräfte binden soll, um sie von oben her zu täuschen, sie gerade nicht nach oben kommen zu lassen, und um alle tatsächlich konservativen Bewegungen, die sich eventuell bilden könnten, mit allen Mitteln zu zermalmen. Man bedenke, dass die Parteien damals alle vom Alliierten Kontrollrat genehmigt werden mussten, der natürlich nicht an einer Kraft interessiert war, die echte deutsche Interessen vertreten würde. Man bedenke auch, dass alle CDU-Bundeskanzler ausgesprochene Transatlantiker waren, denen die Westbindung im Zweifelsfall näher lag als die deutsche Einheit – und Kohl, der sie schließlich erreichte, dafür bereit war, alles andere, was sonst noch im deutschen Interesse gelegen haben könnte, aufzugeben.

    Solange derartige Subjekte die Deutungshoheit über Geschichte, Bildungseinrichtungen und Medien behaupten, sehe ich keine Chance, dass wir, die wir Bescheid wissen – und uns das auch eingestehen, statt den Kopf in den Sand zu stecken und zu denken „Es wird schon irgendwie gutgehen“ -, irgendwann mehr als 5% werden. Und wenn das doch passieren sollte, dann würde unter uns sofort der Spaltpilz gezüchtet, der die islamkritische Szene gerade zerfrißt, oder unsere Meinung als Verbrechen eingestuft. Dieses ganze System „Bundesrepublik Deutschland“ ist ebenso bösartig wie genial-lückenlos ausgedacht.

  • @ Ruth:

    Nun, es kann ja nicht schaden, diesen Selbstheilungskräften ein wenig nachzuhelfen 😉 , indem man das gesellschaftlich dominante linke Weltbild nicht einfach vornehm philosophisch als Irrtum analysiert, sondern als den kriminellen Irrsinn brandmarkt, der es ist.

    Die Frage, was Deutschland ausmacht, lässt sich natürlich nicht in der Kürze eines Kommentars beantworten, höchstens anreißen. Überhaupt muss man bei hochinteressanten, aber auch sehr abstrakten Fragen wie dieser aufpassen, dass man weder in seichtes Feuilleton noch in ideologisierende Geschichtsmythologie abgleitet. Dies vorausgeschickt, glaube ich aber doch in aller Vorsicht sagen zu können, dass man den Kern der deutschen Nationalidentität in ihrem Hang zum Universalismus und in den daraus resultierenden Widersprüchen, Problemen und Gefahren suchen sollte:

    Wir sind wahrscheinlich das einzige Volk, das den ersten eigenen Staat – der ja kein deutsches, sondern ein „römisches“ Reich sein sollte – nicht nach sich selbst benannt hat, und mit dessen politischer Identität von Anfang an der Anspruch verbunden war, im eigenen Staat zugleich eine abendländische Friedensordnung, im Grunde das Abendland schlechthin zu verkörpern. Die eigene Existenz als Nation als Mittel zu einem höheren Zweck aufzufassen und sich damit auf eine sehr vertrackte Weise gleichzeitig für überflüssig wie für unentbehrlich zu erklären, dieser Hang zum Universalismus als Basis einer nationalen, also partikularen Identität – das ist deutsch.

    (Ich sollte hinzufügen, dass die Spannung zwischen universellen Werten und partikularen Völkern bis zu einem gewissen Grade ein Kennzeichen der abendländischen Kultur überhaupt ist, weil sie in der jüdisch-christlichen Ethik angelegt ist: Die Universalität dieser Ethik kollidierte mit der Partikularität erst des Volkes Israel, dann der Kirche, später in säkularisierter Form mit der der Nation und des Nationalstaates. Bei den Deutschen aber sorgte die von Beginn an religiös-universalistische Aufladung der eigenen Nationalidee dafür, dass auch die Widersprüche jüdisch-christlicher Ethik ungefiltert auf die politische Ebene durchschlugen.)

    Es war nur folgerichtig, dass das Reich sich immer mehr zu einer Art von religiösem Mythos ohne politische Substanz verflüchtigte. Damit wurde auf der Ebene des politisch Konkreten die Gefahr sichtbar, die in dieser, wenn man so will, „dialektischen“ Identität angelegt war, nämlich die Gefahr der Selbstauslöschung. Der Dreißigjährige Krieg und mit ihm die Ausrottung ungefähr der Hälfte unseres Volkes war (nicht nur, aber auch) die Quittung dafür, dass die Deutschen ihre nationale Identität von Anfang an mit religiösem Universalismus aufgeladen (und politisch den Boden unter den Füßen verloren) hatten.. Er war zugleich die Urkatastrophe, die psychologisch und kulturell den Boden bereitete für den späteren Versuch, sich bewusst als politische Nation, also als Nationalstaat, zu konstituieren. Das Pendel schlug aus von der Selbstauslöschung zur Selbstbehauptung, aber wiederum blieb die religiöse Überhöhung erhalten und auch der Universalismus, wenn auch in der pervertierten Form eines imperialistischen Projekts. Nachdem dies 1945 wiederum zu einer Katastrophe geführt hat, schwingt das Pendel jetzt wieder in die Gegenrichtung, auf die Selbstauslöschung zu.

    Was Deutschland also ausmacht, ist die religiöse Selbstdefinition und daraus resultierend die Unfähigkeit der Nation, ein pragmatisches Verhältnis zu sich selbst zu finden. (So gesehen, sind die Antideutschen, indem sie das Verhältnis zum eigenen Land zur Ideologie, ja zur Religion erheben – statt einfach zu sagen „Ich hab’s nicht so mit dem Nationalen“ – das Deutscheste, was es gibt.). Sie richtet sich nicht in der Spannung zwischen zwei Prinzipien ein, wie es etwa die Angelsachsen tun, sondern treibt immer eines von beiden auf die Spitze und fällt von einem Extrem ins andere. Da ich weiß, dass die Nation auf dem Selbstvernichtungstrip ist, kämpfe ich so energisch dagegen an, ungefähr wie ein Segler, der sich weit nach Steuerbord lehnt, wenn er merkt, dass das Boot nach Backbord zu kentern droht.

  • @ Thatcher

    Man bedenke auch, dass alle CDU-Bundeskanzler ausgesprochene Transatlantiker waren, denen die Westbindung im Zweifelsfall näher lag als die deutsche Einheit

    Was hätten sie denn während des kalten Krieges tun sollen?

  • Dieses ganze System “Bundesrepublik Deutschland” ist ebenso bösartig wie genial-lückenlos ausgedacht.

    Och nö.

  • Manfred,

    koennte Thatcher nicht auch als „anti-deutsch“ aufgefasst werden, angesichts seiner Einschaetzung der Bundesrepublik, wie oben von ts zitiert?

    Ich meine, dass die deutsche Mythologie starke anti-westliche, anti-moderne Element hat. Sie war immer schon nostalgisch. Die Erklaerung zum Heiligen Roemischen Reich Deutscher Nation kennst Du natuerlich?

    Im Buch Daniel werden vier Weltreiche erwaehnt, danach kommt die Apokalypse. Verschiedene Zaehlungen sind moeglich, aber im fruehen Christentum war man sich ziemlich einig, dass das Roemische Reich das vierte sein muesse. Nachdem auf seinen Untergang keine Apokalypse folgte, musste es weiterbestehen…

    Ich stimme Dir zu, dass Stillschweigen oder gar Mitmachen bei verlogener politischer Korrektheit den Selbstheilungskraeften sicher nicht hilft. Aber Deine Schaerfe ist vielleicht doch ein bisschen konterproduktiv und koennte verhindern, dass ueber Deine Argumente ernsthaft nachgedacht wird.

  • Zur relativen Geeintheit in Israel:

    Vielleicht ist Israel inzwischen geeinter in seinem Selbstbehauptungswillen als Deutschland (dessen pure Existenz ja nicht auf dem Spiel steht und ueber dessen Essenz keine Einigkeit besteht), aber was haben wir durchgemacht, um dahin zu gelangen! In den Jahren des Olsoprozesses bis hin zur Wahl Ariel Sharons im Januar 2001 war die israelische Bevoelkerung tief gespalten und die verschiedenen Lager warfen sich gegenseitig vor, das Ende des Staates zu verursachen. Die Juden in der Diaspora, die diesen Lernprozess nicht unmittelbar mitgemacht haben, haben die Spaltung auch bis heute so nicht ueberwunden, wie z.B. an JStreet deutlich wird.

    Ich wuensche Deutschland keinen vergleichbaren Lernprozess!

  • @Thatcher

    Dieses ganze System “Bundesrepublik Deutschland” ist ebenso bösartig wie genial-lückenlos ausgedacht.

    Von wem denn?

    Nee, nee, wir sind schon selbst schuld. Wir haben uns im Selbstekel von unserer Herkunft und unserer Kultur abgewandt. Wir haben aufgehört Christus zu folgen, wir gehen keine stabilen Partnerschaften ein, bekommen kaum noch Kinder und haben selbst (für mich gilt das) mehr oder weniger aktiv an antideutschen Ressentiments mitgestrickt. Und bei all dem sind wir inzwischen weiter denn je davon entfernt zu begreifen, was die Nazis erfolgreich und möglich machte und was demgegenüber eine wehrhafte Demokratie ausmacht.

  • Nach dem Zitat von Thatcher sollte es natürlich nicht kursiv weitergehen, hmpf.

  • Ich muss mich jetzt leider sehr, sehr kurz fassen, weil ich kaum Zeit habe (und bitte jetzt schon um Entschuldigung, falls ich die kommenden Kommentare erst morgen freischalten kann).

    Nur ganz kurz zu der Frage:

    „koennte Thatcher nicht auch als “anti-deutsch” aufgefasst werden, angesichts seiner Einschaetzung der Bundesrepublik, wie oben von ts zitiert?“ –

    Erstens: Ich glaube nicht, dass jede Kritik an Deutschland, den Deutschen oder der deutschen Politik bereits deutschfeindlich oder antideutsch ist. Ich selber bin damit schließlich oft genug hart ins Gericht gegeangen – ich erinnere an meine Artikel zu Harald Welzer oder zur deutschen Außenpolitik.

    Zweitens: Ich erinnere daran, dass der Sinn des euro-atlantischen Bündnissystems (NATO/EG) von Beginn an umschrieben wurde mit den Worten „to keep the Russians out, the Americans in, the Germans down.“ Und ich weise darauf hin, dass Konrad Adenauer schon in den zwanziger Jahren mit den Franzosen direkt gegen Deutschland konspiriert hatte (Wer es genauer wissen will: Henning Köhler, „Adenauer und die Rheinische Republik“). Das nur als Hinweis. Bis morgen dann!

  • Manfred, Deine Interpretation von Adenauers Frankreichpolitik finde ich schon etwas gewagt. Ich wuerde davon ausgehen, dass Adenauer Deutschlands Wohl an erste Stelle setzte, wie es seiner Verantwortung als Kanzler entsprach. Dass Du Deutschlands Interessen anders definiert haettest, tut dem keinen Abbreuch.

  • @ Ruth:

    Wiederum leider nur ganz kurz: Ich habe von Adenauers Politik in den zwanziger Jahren gesprochen. Damals verhandelte er mit den Franzosen über die Abspaltung des Rheinlandes von Deutschland. Das hätte ihn damals mit Sicherheit als Landesverräter ins Gefängnis gebracht, wenn es bekannt gewesen wäre.

    Die spätere Politik der Westbindung dürfte in den fünfziger Jahren alternativlos gewesen sein. Ich halte es aber für eine offene Frage, ob die Erhaltung und Stärkung von Strukturen, die unter anderem dazu geschaffen wurden, „to keep the Germans down“, heute noch das Nonplusultra deutscher Außenpolitik sein können.

  • Ja Manfred, ich hatte schlampig gelesen und wollte mich gerade korrigieren.

    Welche Allianzen waeren denn heute Deiner Meinung nach in Deutschlands Interesse? Russland kann es wohl nicht sein, oder?

  • Manfred,

    auf die Gefahr hin, Dir jetzt endgueltig auf die Nerven zu gehen:

    Ich bin zu Deinem Text „Grauzone“ zurueckgegangen und habe erstmalig das Link zu Kewils Text „Wie erkennt man Neonazi-Denke?“ angeklickt. Dort lese ich:

    „Witzigerweise werden von den Neonazis eher die Amis als die Russen angegriffen. Sicher, die Vertreibung von 12 Millionen Deutschen aus Polen und der Tschechei wird von den Neonazis nicht verschwiegen und meist gegen die Polen in Stellung gebracht. Aber irgendwie wird man den Eindruck nicht los, als ob dem klassischen neonazistischen Denker die stalinistischen Russen lieber sind als die kapitalistischen Amerikaner! Dabei gibt es überhaupt nichts daran zu deuteln, daß es den Menschen in der amerikanischen Zone hundertmal besser ging als in der SBZ! Der Neonazi nimmt das einfach dumpf nicht zur Kenntnis!

    Ganz im Gegenteil! Er beklagt die Umerziehung in den Westzonen der Nachkriegszeit, Stalin, die GPU, das DDR-Marionettenregime werden ausgeklammert, dafür Adenauer und seine Minister und Beamten als willige Hampelmänner von Truman oder Eisenhower dargestellt! Aber die ersten Regierungen und Parteien der BRD bestanden durchaus noch aus Männern, die meisten Kriegsteilnehmer oder Kriegsopfer, und nicht aus feigen Memmen oder Kuscheltieren. Der Rechtsradikale nimmt das einfach nicht zur Kenntnis!

    Demnach waere Thatcher nicht anti-deutsch zu nennen, sondern rechtsradikal.

  • Ruth, vielleicht überlegst Du Dir lieber doch erstmal, wie Du mich denn einordnen willst, und schweigst solange.

  • „Russland kann es wohl nicht sein, oder?“
    😆
    Nein, natürlich nicht. Es geht auch nicht unbedingt um einen Wechsel der Bündnispartner, sondern der Strukturen. Ich glaube, dass die europäischen Staaten sich in die Lage versetzen müssen, ihre Interessen selbst zu verteidigen, dass die EU dazu wenig bis nichts beiträgt, und dass die NATO als ein Bündnis zweier gleichstarker Partner – Amerika und eine wie auch immer geartete europäische Militärorganisation – weitaus besser funktionieren würde als in ihrem gegenwärtigen Zustand (ein Hund mit 27 Flöhen). Ein solches Konzept steht und fällt aber mit dem Willen Deutschlands, als Großmacht zu agieren. (Wobei ich nicht behaupten will, dass meine Gedanken zu diesem Thema ausgereift wären – im Moment ist das nicht meine Baustelle).

  • @ Ruth,

    ich habe Deine Kritik bisher ganz sachlich und fair gefunden, und ich bitte Dich, einfach bei diesem Stil zu bleiben. Ich möchte nicht, dass hier die Kommentatoren übereinander herfallen, und ich glaube nicht, dass es uns großen Erkenntnisgewinn verschaffen wird, Etiketten auf Meinungen zu kleben oder gar auf die Kommentatoren selbst. Da die Wahrheit niemals rechtsradikal (oder linksradikal oder konservativ oder liberal oder sozialdemokratisch) ist, muss die erste Frage immer lauten: Stimmt diese Behauptung? Und nicht: Ist sie rechtsradikal?

    (Eine Ausnahme mache ich nur bei dezidiert und offensichtlich antisemitischen Äußerungen, und zwar aus dem einfachen Grund, dass man über die nicht diskutieren kann, ohne die dahinterstehende Frage zu legitimieren, ob das jüdische Volk ein Lebensrecht hat.)

    Thatcher ist nicht rechtsradikal! Ich kann mich auch nicht erinnern, dass er sich jemals pro-stalinistisch oder auch nur russophil geäßert hätte. Was den Zusammenhang mit Kewils Text angeht, so habe ich in „Die Grauzone“ zwar geschrieben:

    „Ich stimme ihm [Kewil] ausdrücklich zu, dass alle Neonazis so schreiben, wie von ihm dargestellt“

    um dann aber hinzuzufügen

    „… er hat, anders als manche Kommentatoren meinten, keine Tabuliste aufgestellt, wonach alle, die in irgendeiner Form ähnlich argumentieren, deswegen automatisch schon Nazis sein müssten.“

    Deswegen kannst Du Kewil hier nicht als Kronzeugen zitieren. Man muss Thatchers drastischen Stil ja nicht mögen – ich selbst schätze ihn – , aber man ist nicht gleich rechtsradikal, nur weil man bestimmte Wahrheiten ausspricht, die vielleicht unbequem sind. So, wie ich auch kein Antideutscher bin, nur weil ich den Nationalsozialismus ein nationales Kollektivprojekt der Deutschen genannt habe. Diese Aussage ist wahr, wenn auch nicht die (ganze) Wahrheit. Ich halte es für ein fruchtbares Vorgehen, zuerst eine starke These zu formulieren und dann evtl . notwendige Einschränkungen und Differenzierungen vorzunehmen, nicht umgekehrt. Man läuft sonst Gefahr, sich um jede klare Aussage herumzudifferenzieren. Wer das liebt, mag die „Zeit“ lesen. 😀

    Es ist nun einmal eine Tatsache, dass nach dem Zweiten Weltkrieg alles getan wurde, um Deutschland so weit zu entmachten, wie es bei einem Land dieser Größe überhaupt möglich ist. Es ist eine Tatsache, dass das Grundgesetz den Föderalismus bis an den Rand der Handlungsunfähigkeit treibt; dass wir als einziges Land der Welt das Recht auf Kriegsdienstverweigerung und das Verbot des Angriffskrieges in der Verfassung stehen haben (es geht selbstverständlich nicht darum, ob Angriffskriege etwas Gutes sind, sondern welche politischen Folgen es haben muss, wenn der Bundeskanzler stets mit einem Bein im Gefängnis steht). Wir sind das einzige Land der Welt, dessen Armee von Verfassungs wegen als Parlamentsheer definiert ist; wir waren (bis zur Wiedervereinigung) das einzige Land, das nicht souverän über den Einsatz seiner Armee entscheiden konnte; wir sind der UNO beigetreten, ohne auf der Streichung der Feindstaatenklausel zu bestehen (welche besagt, dass die UNO uns die Rechte aus ihrer Charta verweigern kann) usw. Dies alles geschah auf der Basis eines Geschichtsbildes, wonach die Größe Deutschlands das Hauptproblem Europas gewesen sei (In Wahrheit war sie – vor Hitler – allenfalls das Hauptproblem Englands und Frankreichs; wenn die Geschichte eines gezeigt hat, dann dass Europa nur die Wahl zwischen der Vorherrschaft seines Zentrums – also Deutschlands – und der seiner Peripherie – also Amerikas und Russlands – hatte.) Es ist eine Tatsache, dass diese Geschichtsideologie eine der Westallierten, nicht so sehr der Russen war. Es ist eine Tatsache, dass es in Deutschland spätestens ab Fritz Fischers Geschichtsmachwerken „Griff nach der Weltmacht“ und „Krieg der Illusionen“ mit dem Aufkommen der Achtundsechzigerbewegung zum vorherrschenden Geschichtsbild wurde (Auch hier bin ich selbstverständlich nicht gegen jede Kritik an Deutschland, das wäre ja lächerlich. Wenn aber Mächte, die den Imperialismus auf eine bis dahin ungekannte Spitze getrieben hatten und selber Ambitionen auf deutsches, österreichisches und vor allem osmanisches Gebiet hegten, den davon betroffenen, offensichtlichen Status-quo-Mächten, die Schuld am Ausbruch des Ersten Weltkriegs, gar noch die Alleinschuld, in die Schuhe schoben, so war dies an Dreistigkeit kaum zu übertreffen, und die Historiker, die dies unterstützten, mussten schon gewaltig in die Trickkiste greifen, um es halbwegs plausibel zu machen, und bewegten sich dabei hart am Rande der Geschichtsklitterung), und wie ich gezeigt habe, wurde es spätestens mit Joschka Fischer zur Leitlinie deutscher Außenpolitik. Auch die Europäische Union verdankt einen erheblichen Teil ihrer Dysfunktionalität der Tatsache, dass man Deutschland möglichst viele Kompetenzen wegnehmen wollte. Da man dies Jahrzehnte nach dem Krieg aber nicht mehr zugeben konnte, mussten alle europäischen Staaten Eingriffe in den Kern ihrer Souveränität hinnehmen – dadurch sah es mehr nach Gleichberechtigung aus.

    Das alles kann man sagen, weil es wahr ist. Das ist weder antiwestlich noch antiamerikanisch und schon gar nicht antidemokratisch oder rechtsradikal. Es muss vielmehr gesagt werden können, wenn man eine ernsthafte und rationale Debatte über deutsche Politik führen will.

  • Thatcher

    Kennen Sie den Film “ Germany made in USA“, er wurde ausgestrahlt von Phoenix und beschreibt das, was Sie sagen, sehr schön. Als Zusammenfassung darf man wirklich sehr skeptisch sein, ob jemals etwas von Deutschen entschieden werden konnte. Es spricht nicht gerade für demokratische Freiheit, wenn ein deutscher KanzlerIn, vor Amtseid in die Vereinigten Staaten reisen muss, zu welchem Zweck auch immer. :mrgreen:
    Ich weiss nicht mehr, wo ich es gelesen habe, aber dort wurde behauptet, dass Deutschland noch bis zum Jahr, ich glaube es war 2090,
    alles mit den ehemaligen Alliierten absprechen muss. Es wäre interessant zu erfahren, ob das wirklich so ist.
    Vielleicht weiss es jemand und schreibt hier darüber.

  • Manfred, ein wunderbarer Spruch.
    “to keep the Russians out, the Americans in, the Germans down.”
    Schrecklich schön.

  • Nun, die Wahrheit siegt am Ende immer. Zwar muss sie sich eine Zeitlang wüste Beschimpfungen und Etikettierungen gefallen lassen, aber sie kann sich Zeit lassen, während die, die anstelle der Wahrheit die Lüge etablieren wollen, immer gegen die Uhr arbeiten. Die Wahrheit setzt sich von allein durch gegen die Lügen, eben weil sie die Wahrheit ist. Und wenn nicht ich die Wahrheit herausfinde und verkünde, weil man mich mund- oder ganz tot macht, so tun es andere an meiner Stelle, und es ist immer noch die unverwüstliche Wahrheit. Es lebe die Wahrheit! Es sterbe die Lüge!

    @submarine: Ich kenne diesen Film; man kann ihn sich bei GoogleVideo oder in 5 Teilen auch bei YouTube ansehen. Keinem Land der Welt wurde nach einem verlorenen Krieg so übel mitgespielt wie Deutschland. Ich verstehe langsam, warum die Deutschen bis zum Schluss Hitler die Treue hielten und er in ihren Augen sogar im Verlauf des Krieges immer legitimer wurde: Die Deutschen ahnten, was ihnen nach der Niederlage blühen würde. Man soll Kriege, wenn sie schon losgehen, auch gewinnen – egal welche Regierung man gerade hat. Daraus folgt auch, dass ein Krieg nur dann geführt werden soll, wenn er existentiell wichtig für die Nation und das Interesse anders gar nicht zu befriedigen ist. Manche Supermacht scheint dagegen ihre Kriege leichtfertig als routiniert-zynisches Tagesgeschäft zu sehen; da verrohen die Sitten dann schnell.

    Und an diejenigen, die meinen, sie dürften den Künder dieser Dinge in die „Rechtsradikalen“-Schublade stecken: Wenn ein NPD-ler sagt, dass 2 und 2 gleich 4 sind – ist die Rechnung deshalb falsch? Und wenn ein NPD-ler in bezug auf die BRD einige Wahrheiten ausspricht, hat er dann automatisch Unrecht? Manche verhalten sich mitunter so, als würden sie das ernsthaft annehmen. Ich sehe mich inzwischen gezwungen, zwischen dem Deutschen Volk und „seinem“ Staat BRD deutlich zu unterscheiden – obwohl ich weiß, dass z.B. die NPD das auch macht. Deswegen will ich doch keine Juden vergasen, himmelherrgottnochmal! Und weil ich das nicht will, brauche ich mich auch nicht ins Bockshorn jagen lassen wie ein konditionierter Hund. Es ist mir einfach Wurst, wenn so jemand mir das unterstellt und mir mit solchen Etiketten Angst einjagen will – es fällt auf ihn/sie selbst zurück. Alle, die zwecks Auslösung des konditionierten politischen Reizes, auf den sie selbst kollektiv konditioniert wurden, „Verschwörungstheorie!“ oder „rechtsradikal!“ kreischen, sind, wo ich die Tatsachen kenne, in meinen Augen nur geistig gleichgeschaltete Büttel eines lügnerischen Systems, die sich selbst disqualifizieren.

    Noch absurder ist es allerdings zu vermuten, ich sei „antideutsch“, nur weil ich die BRD und ihre erlogenen Legenden sehr kritisch sehe. Ehrlich: In diese Schublade hat mich noch nie zuvor jemand zu stecken versucht. Antideutsche richten ihre Aversion, wie der Name sagt, gegen das ganze Volk und nicht nur gegen den Staat.

    Schaut mal in das Personendokument eines Bürgers eines beliebigen Landes (außer Deutschland) unter „Nationalität“, und ihr werdet dort den Namen eines Staates finden. Im deutschen Personalausweis steht da aber nur „deutsch“. Wir sind also Staatsangehörige des Staates „deutsch“, nicht der „Bundesrepublik Deutschland“, wie man naiverweise vermuten würde. Gibt es nun einen Staat, der „deutsch“ heißt, oder sind wir alle staatenlos? Ich lege meine Hand dafür ins Feuer, dass das so beabsichtigt ist und bedeutet, dass die Bundesrepublik Deutschland NICHT der rechtmäßige Staat des Deutschen Volkes ist (das würde auch zum umfassenden Ausschluss des Volkes von allen wirklichen Entscheidungen passen; nicht einmal der fast machtlose Bundespräsident darf in einer Volkswahl bestimmt werden) und dieses folglich das Recht hat, sich einen anderen zu geben – wozu es zur Zeit aber nicht in der Lage ist.

    Die „Verschwörungstheorien“ besagen, dass der Kanzlerkandidat vor seiner Vereidigung in die USA reisen muss, um dort die sogenannte „Kanzlerakte“ zu unterzeichnen, die einem Geheimen Staatsvertrag entspräche. Daraus soll hervorgehen, dass es bis zum Jahr 2099 sowohl einen Souveränitätsvorbehalt der Alliierten als auch eine Medienhoheit der Alliierten über deutsche Zeitungen und Rundfunkanstalten gebe und dass ferner die Goldreserven des Reiches gepfändet seien. Diese Version beruht aber auf einem Schreiben, das höchstwahrscheinlich eine Fälschung ist. Dennoch gibt es zwischen den politischen und wirtschaftlichen Eliten genügend dubiose Verstrickungen, die eine Bindung der deutschen Regierung an alliierte Interessen auch anderweitig sicherstellen können.

    Ein paar unbequeme Tatsachen:
    Der alliierte Souveränitätsvorbehalt leitet sich aus der Fortgeltung wesentlicher Teile des Überleitungsvertrages von 1955 im „2+4-Vertrag“ von 1990 her. Dieser Vertrag verdient höchste Aufmerksamkeit, denn er gründet sich auf Artikel 23 GG, der zum Zeitpunkt des Inkrafttretens des 2+4-Vertrages gar nicht existent war! Außerdem werden als Bezeichnung für den zu schaffenden Staat die Bezeichnungen „Bundesrepublik Deutschland“ und „Das vereinte Deutschland“ alternierend verwendet, so dass nicht einmal klar ist, ob die heutige Bundesrepublik mit dem „Staatsfragment“, das von 1949 bis 1990 in Westdeutschland bestand, überhaupt identisch ist. Dabei handelt es sich garantiert nicht um Schlamperei; nicht in einem so eminent wichtigen Vertrag! Aber Helmut Kohl war so begierig, durch die Unterzeichnung dieses Vertrags als „Kanzler der Einheit“ in die nachkriegsdeutsche Geschichte einzugehen, dass er nicht nur über diese „Unebenheiten“ hinwegsah, sondern auch noch die Oder-Neiße-Linie als neue deutsche Ostgrenze anerkannte – was er nicht hätte tun müssen. Dass auch die Aufgabe der Währungssouveränität (in Gestalt der Deutschen Mark) und die Aufnahme einer großen Anzahl krimineller arabischer Einwanderer während der ’80er Jahre auf sein Konto gehen, muss ich hier nicht extra erwähnen; vor diesem Hintergrund ist die Kanonisierung dieses Mannes äußerst fragwürdig.

    Auch 64 Jahre nach Kriegsende und 20 Jahre nach der Wiedervereinigung ist also die Nachkriegszeit immer noch nicht vorbei, weil das Besatzungsregime im Stillen tatsächlich fortbesteht. Rechtlich ist es nämlich so, dass es immer noch keinen Friedensvertrag gibt, der den II. Weltkrieg offiziell beendet, und die Feindstaatenklausel, die sich auf das Deutsche Reich bezieht, immer noch in Kraft ist, d.h. wenn sich anstelle der BRD (bzw. dem „vereinten Deutschland“ des 2+4-Vertrages) das souveräne Deutsche Reich wieder erheben sollte, würde der Krieg an der Stelle weitergehen, wo er 1945 unterbrochen wurde. Vertrackt und fatal für unser Volk. Man soll Kriege eben nicht verlieren!

  • @ Thatcher

    Auch 64 Jahre nach Kriegsende und 20 Jahre nach der Wiedervereinigung ist also die Nachkriegszeit immer noch nicht vorbei,

    Das ist Realität. Realität ist auch, dass Deutschland zwar einen „Verfassungsschutz“ hat, aber keine Verfassung. Richtig müsste es dann doch heissen „Grundgesetzschutz“ . 👿

  • @ Thatcher: Es gibt auch die genau umgekehrte Lesart:

    http://www.uni-kassel.de/fb5/frieden/themen/Befreiung/polen-grenze.html

    Demnach ließe Deutschland das Deutsche Reich bewusst nicht sterben, um eine Art Reservestaat im Kleiderschrank hängen zu haben, den man sich bei Bedarf überstreifen kann und für den kein Vertrag der Bundesrepublik gelten würde. Demnach hätte Deutschland tatsächlich zwei Staaten: die real existierende Bundesrepublik und das als Rechtsfiktion fortexistierende Deutsche Reich, das man aber jederzeit wieder aufleben lassen könnte. Die Oder-Neiße-Linie wurde gegen den Willen der Alliierten nicht anerkannt (wobei ich mich ernsthaft frage, wozu dieser Vorbehalt gut sein soll – die politische Integrität der Nation ist mir allemal wichtiger als die geographische Ausdehnung ihres Staates, welches Staates auch immer).

    Ähnlich beim Euro: Dessen Einführung war tatsächlich der Preis für die Wiedervereinigung. Zugleich aber wurde er zu einem Klon der D-Mark. Dass die EZB ihren Sitz in Frankfurt hat, ist mehr als ein Symbol. Die Philosophie, der Geldwertstabilität höchste Priorität zu geben und sie durch die Unabhängigkeit der Zentralbank zu sichern, ist eine deutsche Philosophie, über die die Franzosen am liebsten täglich abkotzen würden. Man kann die Einführung des Euro als Teil der „Europäisierung“ Deutschlands sehen, man kann sie aber auch mit ebenso guten Argumenten als Beginn einer deutschen Vorherrschaft über Europa betrachten.

    Ich sage das nur, um deutlich zu machen, wie sehr es eine Frage der Lesart und Interpunktion ist, was man aus an sich unstrittigen Fakten macht, und dass es nicht immer gut ist, sich auf eine Lesart festzulegen. Unter Umständen stimmen nämlich beide, und es ist eine Frage der weiteren politischen Entwicklung, welche Lesart im Rückblick der Historiker in hundert Jahren als die „richtige“ gelten wird.

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