„Europagegner“

Beim Übersetzen von Fjordmans Text „Deutschland und die Moslems“ ist mir wieder einmal aufgefallen, mit welcher Selbstverständlichkeit auch und gerade EU-Gegner aus einer europäischen Perspektive denken.

Vor hundert Jahren war Nationalismus noch eine Lehre, die vor allem dazu diente, sich vom Nachbarn abzugrenzen und ihn zu bekämpfen. Heute sind Nationalisten Leute, die die Nation und den Nationalstaat schlechthin erhalten wollen, die einander dabei grenzüberschreitend unterstützen, und die für die Probleme anderer europäischer Völker eine Sensibilität aufbringen, die den Ideologen der EU schon deshalb fremd bleiben muss, weil die nicht einmal die Probleme ihrer eigenen Völker begreifen.

Ich konzediere gerne, dass fünfzig Jahre europäischer Zusammenarbeit ihren Teil dazu beigetragen haben, den Nationalismus zu entgiften und den europäischen Krieg fast schon aus dem Bereich des Vorstellbaren zu verbannen.

Auf das entsprechende Zugeständnis der veröffentlichten Meinung, dass EU-Gegner keine „Europagegner“ sind, werden wir wohl bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag warten dürfen. Mit diesem Zugeständnis fiele nämlich die Säule der EU-Ideologie, wonach die Zustimmung zur Auflösung des europäischen Nationalstaates das Kennzeichen wahrer Loyalität zu Europa sei.

Europa wird an dem Tage gerettet sein, an dem das Wort „Europagegner“, gemünzt auf Menschen, die die europäische Kultur zu erhalten suchen, auf den zurückfällt, der es ausspricht.

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