Non veni pacem mittere sed gladium. (Mt 10,34)
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Die aktuelle Ausgabe der „Zuerst!“ enthält unter anderem ein Interview mit mir über die Selbsttötung Dominique Venners. Daraus ein kurzer Auszug:

Frage: Vor allem viele Konservative haben sich geradezu angewidert von Venner abgewendet und davor gewarnt, die Tat des französischen Historikers zu heroisieren. Was ist davon zu halten?

MKH: Solche Konservative sind Teil der Krise, nicht der Lösung. Sie sehen sich als Teil einer Staatselite und betrachten folgerichtig maßvolles, pragmatisches Handeln und das geduldiger Bohren dicker Bretter als höchste politische Tugenden. Was ja auch richtig wäre, wenn sie Staatselite wären. Das sind sie aber nicht, sie sind Opposition. Sie stehen einem Kartell von Machthabern gegenüber, deren Politik eingestandenermaßen auf die Eliminierung ihrer Völker und mit ihnen der europäischen Zivilisation abzielt. Das Denken solcher Konservativer ist so auf den Normalzustand ausgerichtet, dass sie den Ausnahmezustand, in dem wir uns befinden, nicht wahrhaben wollen. Um diese Lebenslüge nicht hinterfragen zu müssen, greifen sie zu derselben Beruhigungspille wie das Publikum, also zu dem Märchen vom „Gestörten“. Die Aggressivität, mit der sie auf Venners Grab herumtrampeln (und die so gar nicht ihrer bürgerlichen Kinderstube entspricht), zeigt die Tiefe ihrer Verstörung. Sie zeigt zugleich, dass sie an der Haltung eines Dominique Venner nicht gemessen werden wollen und es deshalb nötig haben, ihn herabzuwürdigen. Es handelt sich um eine unbewusste und unbestimmte Angst davor, gewogen und für zu leicht befunden zu werden.

Frage: Venners Freitod ist nicht der erste eines „Rechten“. Bereits 1995 setzte sich der Sudetendeutsche Reinhold Elstner aus Protest gegen die Anti-Wehrmachtaustellung selbst in Brand und verstarb. Er wollte „mit dem Flammentod als Fanal ein sichtbares Zeichen“ setzen. Auch hier bezeichneten die Medien Elstner als einen „geistig Verwirrten“. Und im Jahr 2006 nahm sich der evangelische Pfarrer Roland Weißenburg in Erfurt aus Protest gegen die „schleichende Islamisierung“ durch Selbstverbrennung das Leben. Warum schien für sie alle der Freitod der letzte Ausweg?

MKH: Der spektakuläre Freitod ist die Waffe derer, deren Stimme von den Machthabern erstickt wird, typischerweise also eine Waffe gegen Diktaturen, wie in Tunesien, Tibet oder früher der DDR. Die Machthaber im Westen schrecken vor der offenen Diktatur noch zurück – wobei die totalitären Tendenzen immer beklemmender sichtbar werden -, aber sie setzen alles daran, der Gesellschaft die Ohren zuzuhalten, damit die Stimmen derer, die vor dem politisch gewollten Marsch in den Untergang warnen, nicht gehört werden. Das verbindet Venner mit Elstner und Weißenburg.

Was ihn unterscheidet, ist, dass seine Tat viel weniger ein Akt der blanken Verzweiflung war. Sie war kühl kalkuliert und bringt insofern paradoxerweise Hoffnung, zugleich und vor allem aber eine Haltung zum Ausdruck: Alles an dieser Tat ist Symbol. Das beginnt mit der Wahl des Ortes. Die Notre Dame – das ist Frankreich! Und zwar, wenn ich pathetisch sein darf, das ewige Frankreich – im Gegensatz zu seiner zufälligen und historisch jungen politischen Form, der zum Götzen erhobenen République. Symbolisch ist auch der soldatische Stil dieses Freitodes: Soldaten verbrennen und erhängen sich nicht, sie springen nicht von Brücken und nehmen keine Schlaftabletten. Sie erschießen sich, stürzen sich in ihr Schwert oder schlitzen sich den Bauch auf; sie benutzen eine Waffe. Dominique Venner begriff sein Selbstopfer als Teil eines Kampfes. Eines Kampfes, der noch nicht verloren ist, der es aber selbst dann wert wäre, geführt zu werden, wenn wir positiv wüssten, dass wir ihn verlieren: Deus le vult. Diese Haltung stoischer Unbeirrbarkeit kommt in seiner Tat zum Ausdruck und macht ihre Größe aus.

Eine Antwort auf Zum Freitod von Dominique Venner: Interview mit „Zuerst!“

  • Konservativer

    Sehr geehrter Manfred
    Als ich Ende Juni die neue „Zuerst!“ bei meinem Zeitschriftenhändler kaufte und zuhause sogleich damit anfing, das Magazin durchzulesen, war meine Freude groß, als ich darin das Interview mit Ihnen entdeckte. Es ist eine wie ich meine sinnmachende, wertvolle Ergänzung zu ihrem Aufsatz auf der „Sezession im Netz“.
    Wo Manfred draufsteht ist auch Manfred drin, davon kann sich jeder überzeugen, der das Interview mit ihm in der Juli Ausgabe (7/2013) der „Zuerst!“ liest.

    Nachdem ich nunmehr sieben Ausgaben der „Zuerst!“ gelesen habe und mich derweil auf jede neue Ausgabe freue, will ich an dieser Stelle dieses Magazin empfehlen. Ein Monats-Magazin, das regelmäßig Manfred Kleine-Hartlage und z.B. auch den von mir geschätzten und verehrten Günter Maschke zu Wort kommen läßt, kann man in deutschen Blätterwald mit der Lupe suchen und wird trotzdem nur die „Zuerst!“ entdecken.
    Wer auch in den Print-Medien eine Gegenöffentlichkeit will, der muss auch die Publikationen dieser Gegenöffentlichkeit kaufen. Auch unsere Autoren brauchen ein Dach über dem Kopf, müssen essen und trinken, benötigen Kleidung, Möbel und andere Dinge mehr. Wer nach Feierabend recherchieren, lesen, auswerten und schreiben muss, dem bleibt letztlich kaum noch Zeit für die Familie, Freunde und Freizeitgestaltung (Sport, lesen, erholen), was die Lebensqualität insgesamt reduziert. Indem wir die Erzeugnisse unserer Autoren kaufen, tragen wir damit einerseits zu ihrer Professionalisierung, andererseits zur Erhöhung ihrer Lebensqualität bei.
    Manfred: „Von einem Intellektuellen, der von seiner Arbeit nicht leben kann, zu erwarten, dass er das Vaterland rettet, ist so, als würde man von einem Feierabendsportler erwarten, dass er eine Olympiade gewinnt.“

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