Non veni pacem mittere sed gladium. (Mt 10,34)
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[Dieser Artikel erscheint in meiner Kolumne in der aktuellen Ausgabe des Deutschen Nachrichtenmagazins ZUERST! Aus gegebenem Anlass veröffentliche ich ihn mit freundlicher Genehmigung der Chefredaktion auch hier.]

Seit Monaten wird die erst sechzehnjährige Schwedin Greta Thunberg als „Klima-Aktivistin“ von einem etablierten Massenmedium zum anderen weitergereicht. Sie ist nicht das erste junge Mädchen, das als Gesicht für derlei Kampagnen herhalten darf – denken wir an die achtzehnjährige Emma Gonzalez aus Florida, die im vergangenen Jahr wegen ihrer „Wutrede“ gegen die Waffenlobby zum Star aufgepumpt wurde.

Offenbar verspricht das Establishment sich etwas davon, junge Menschen, vor allem Mädchen, für seine Propaganda zu missbrauchen und seinen eigenen Anliegen dadurch das Image des  „Idealistischen“, „Authentischen“ und „Rebellischen“ aufzukleben. Es scheint unter den Entscheidungsträgern niemandem in den Sinn zu kommen, dass allein der offenkundige Kampagnencharakter dieser Art von Präsentation mindestens zwei der drei Ansprüche dementiert:

Mag der Idealismus der Gretas und Emmas zumindest subjektiv auch aufrichtig sein – ihre Naivität ist durchaus altersgerecht –, so entspricht ihre „Authentizität“ in etwa der einer von kommerziellen Musikproduzenten zusammengestellten Girlgroup, und dies gleich in doppelter Hinsicht: erstens, weil das Establishment – und sonst niemand – darüber entscheidet, wer hochgejubelt wird und wer nicht, zweitens, weil sowohl der sogenannte Klimaschutz als auch die amerikanische Waffengesetzgebung keine authentischen Aufreger sind. Es handelt sich vielmehr um Themen, die von den Medien des Establishments massiv und systematisch propagiert werden mussten, um ihren Weg in die Köpfe der Gretas und Emmas zu finden, die nun von denselben Medien als Verstärker benutzt werden. Was schließlich den Aspekt der „Rebellion“ angeht, so würde eine wirkliche Rebellin niemals das Wohlwollen des Establishments und schon gar nicht die geballte Unterstützung seiner Medien genießen.

Dass gerade eine solche Propagandastrategie überhaupt mit Aussicht auf Wirkung verfolgt werden kann, sagt über die politische Reife des anvisierten Publikums nichts Gutes aus. Offenbar rechnen die Verantwortlichen nicht mit der Frage, was ausgerechnet Halbwüchsige dazu qualifizieren soll, als politische und moralische Autoritäten aufzutreten? Wann sie die Zeit gefunden haben sollen, sich mit den entsprechenden Themen so fundiert zu befassen, wie es erforderlich wäre, um die ihnen zuteilwerdende Medienaufmerksamkeit zu rechtfertigen? Ob ihnen klar ist, dass das bloß gut Gemeinte und das wirklich Gute in der Regel zwei verschiedene Dinge sind?

Die öffentliche Belobigung der Emmas, der Gretas und ihrer Nachahmer ist pures Gift – nicht nur für die Gesellschaft, sondern vor allem für die Betroffenen selbst und für die Millionen junger Menschen, denen sie als Vorbilder präsentiert werden.

Warum sagt ihnen keiner, dass Weltverbesserei selbst dann kein Weg zu einem gelungenen Leben wäre, wenn sie ausnahmsweise wirklich zur Verbesserung der Welt führte? (Was sie aber in der Regel nicht tut, weil sie regelmäßig darauf hinausläuft, Mitmenschen zu einer Lebensweise zu zwingen, die sie sich selbst nicht ausgesucht hätten. Also zum Diktatorverhalten.)

Zweifellos wollen sie gute Menschen sein. Warum verschweigt man ihnen, dass man dies nur dadurch werden kann, dass man mit sich selbst ringt, nicht aber dadurch, dass man diese oder jene politische Meinung hat und schon gar nicht dadurch, dass man deren Gegner verteufelt?

Und wenn man den Hang zur Weltverbesserung schon für etwas Gutes hält: Sollte man ihnen nicht sagen, dass die Verbesserung der Welt mindestens richtige Erkenntnis voraussetzt, diese aber nur um den Preis mühsamer Lernprozesse zu haben ist und es zu dieser Mühe nicht die kleinste Alternative gibt, schon gar nicht in Gestalt moralischer Phrasendrescherei? Dass Rebellion oder auch nur die vielzitierte „Zivilcourage“ etwas ist, wofür man nicht belobigt wird, sondern was einen Preis kostet, und dass man misstrauisch werden sollte, wenn man von den Medien unisono hofiert wird?

Man verschweigt ihnen all das aus einem objektiven und einem subjektiven Grund: Der objektive lautet, dass nichts den Machthabern so zupass kommt wie eine schein-authentische, scheinkritische Scheinrebellion auf der Basis einer Scheinmoral. Der subjektive Grund ist, dass die meisten Journalisten gerade darin und in all den Gretas sich und ihre eigene Jugend wiedererkennen, zu der sie nie eine kritische Distanz gewonnen und seit der sie nichts Grundlegendes dazugelernt haben.

Es ist der Journalismus einer Generation, die nie erwachsen wurde. Sich mit vierzig, fünfzig oder gar sechzig Jahren einzugestehen, dass man seit seiner Jugend am Gängelband der Machthaber gegangen ist – wo man doch so „kritisch“ und „revolutionär“ sein wollte – das tut freilich weh. Da führt man lieber die nächste junge Generation auf den Leim und ins Verderben.

[Dieser Artikel erscheint in meiner Kolumne in der aktuellen Ausgabe des Deutschen Nachrichtenmagazins ZUERST! Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung der Chefredaktion.]

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