Non veni pacem mittere sed gladium. (Mt 10,34)
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Pessimisten wie ich hatten seit der Gründung der AfD 2013 befürchtet, sie werde zu einer seichten wirtschaftsliberalen Mainstreampartei verkommen, dabei aber einen erheblichen Teil des oppositionellen Potenzials in Deutschland an sich binden und es damit neutralisieren.

Bernd Lucke – gescheitert

Bernd Lucke – gescheitert

Mit der Abwahl Bernd Luckes als Vorsitzendem der AfD haben vorläufig die Optimisten Recht behalten, und ungeachtet meiner Neigung zur Rechthaberei gönne meinen Freunden in der AfD ihren Erfolg zu sehr, als dass ich jetzt schon nach dem Haar in der Suppe suchen würde. (Erfahrungsgemäß tauchen solche Haare ohnehin früher auf, als irgend jemandem lieb sein kann.)

Mit Bernd Lucke ist zugleich ein Konzept gescheitert, das nicht nur strategisch falsch ist, sondern auch nie den Ruch des Unanständigen loswurde: nämlich das Konzept, eine oppositionell-konservative Basis als Stimmvieh und kostenlose Wahlkampftruppe einzuspannen, sich über ihre politischen Präferenzen aber arrogant hinwegzusetzen; die Stimmen eines oppositionellen Spektrums einzusammeln und mit dessen Widerstand gegen EU-Machtanmaßung und Masseneinwanderung Wahlen zu gewinnen, dabei aber zu wissen, dass man selbst gar nicht daran denkt, irgendetwas Wirkungsvolles gegen diese Dinge zu unternehmen. Wenn die politische Klasse, die ja weiß, wie unpopulär ihre Politik und wie unvermeidlich daher die Entstehung einer Oppositionspartei ist, sich eine solche Partei hätte schnitzen dürfen, wäre genau die Lucke-AfD dabei herausgekommen.

Luckes Ankündigung, eine neue Partei gründen zu wollen, braucht man selbst dann nicht allzu ernst zu nehmen, wenn sie ernst gemeint sein sollte: Für eine rechtsoppositionelle Partei ist Platz und Bedarf – die Lage in unserem Land schreit geradezu danach –, für eine wirtschaftsliberale Partei nicht. Wäre es anders, Lucke und seine Entourage hätten es nicht nötig gehabt, ihre Partei über einer konservativen Basis zu errichten. Sie hatten es nur deshalb nötig, weil sie mit ihrem Vorhaben, die Politik des Establishments im Wesentlichen zu übernehmen und sie nur besser zu managen, nicht einmal den sprichwörtlichen Hund hinter dem Ofen hätten hervorlocken können.

Dieter Stein – dito

Dieter Stein – dito

Dass der Herausgeber der Jungen Freiheit es für richtig hielt, sein Blatt einer solchen Politik als konservatives Alibi zur Verfügung zu stellen und es damit in jeder Hinsicht zu einem Feigenblatt zu machen, stellt seinem politischen Instinkt ein vernichtendes Zeugnis aus. Bei allem Respekt vor seiner wahrlich nicht geringen unternehmerischen Leistung, ein Blatt vom Profil der Jungen Freiheit aufzubauen und gegen alle Widerstände jahrzehntelang am Leben zu erhalten: Dieter Stein ist exemplarisch der Typ Schuster, der nicht bei seinen Leisten bleibt. Das unternehmerische Format, eine Zeitung aufzubauen, ist eine Sache – das intellektuelle Format, sie strategisch sinnvoll einzusetzen, eine völlig andere.

Man darf gespannt sein (und eher bezweifeln), ob er die neue AfD-Führung ebenso engagiert unterstützt wie die alte. Bedenkt man freilich, dass er sich mit seiner an Hofberichterstattung grenzenden Schützenhilfe für Lucke über die Präferenzen seiner Leser mindestens so hochnäsig hinweggesetzt hat wie Lucke seinerseits über die seiner Parteibasis, so illustriert die aufdringliche Selbstprawdaisierung der Jungen Freiheit zu Gunsten der Lucke-AfD die Gültigkeit des Sprichworts, dass gleich und gleich sich gern gesellt, und legt nahe, dass diese Unterstützung auf der Solidarität eines politisch dilettierenden Herrenclubs und dessen Eintracht im Gutsherrendünkel beruhte.

5 Antworten auf Zum Führungswechsel in der AfD

  • Lieber Manfred,
    schön, wieder von Ihnen zu hören!
    Im Internet kursiert eine Stellungnahme von Dipl.-Ing. Dr. Hans Penner, der die Sache auf den Punkt bringt: Herr Lucke hat die Islamkritik nicht verstanden.
    Dasselbe gilt für Herrn Stein und seine JF.
    Ich verstehe es einfach nicht! Ich selbst halte mich mit nur durchschnittlicher Intelligenz ausgestattet und verstehe es, dann müssen es andere doch auch verstehen.
    Es existiert ein Video auf dem Herr Lucke sich weit darüber ausläßt, daß er im Rahmen eines Forschungsaustausches in Syrien auf das Herzlichste empfangen und bewirtet – wohl auch privat – worden sei; dabei hätten ihm seine Gesprächspartner versichert, Gewalt habe nichts mit Islam zu tun.
    Es ist nicht zu fassen!
    Dasselbe gilt für die JF. Die Dinge gipfelten auf einem zwischentag (2012?), als die JF Michael Stürzenberger zu der Diskussion einlud: „Ist der Islam unser Feind?“
    Ja, wer denn sonst?
    Ähnlich Jürgen Elsässer, der manch gute Idee hat und sich bewundernswert einsetzt, nur wenns um den Islam geht, hat er Aussetzer.
    Manfred, verstehen Sie das?

    • Zunächst einmal Verzeihung. dass die Antwort so lange auf sich warten ließ:

      Nicht die JF hatte damals (Oktober 2012) meines Wissens Stürzenberger eingeladen; ich glaube, es war Weißmann, der sich mit Stürzenberger gezielt einen Diskussionspartner aussuchte, von dem er wusste, dass er ihm – Weißmann – intellektuell nicht gewachsen sein würde. Die JF aber hat die mutwilligen Angriffe auf die Islamkritik, die damals urplötzlich von verschiedenen Konservativen (z.B. Weißmann, Lehnert, Scheil) vorgetragen wurden, mindestens mitgetragen, und ich halte es für wahrscheinlich, dass Stein sie auch (mit-?)initiiert hat. Dieser Vorgang, der mir damals so rätselhaft war, gehört, rückblickend betrachtet, zu den Geburtswehen der AfD, die von Anfang an von jeder Anbindung an oppositionelle Bewegungen befreit werden sollte; dementsprechend habe die Lucke-AfD und die JF sich nicht nur von den Islamkritikern, später der Pegida, sondern auch von der Neuen Rechten, insbesondere Sezession und IfS, distanziert, mit denen die JF jahrelang kooperiert hatte. Auf dem vermeintlichen Weg zur Mitgliedschaft im herrschenden Machtkartell konnte Stein derlei peinliche Verwandtschaft nicht brauchen und bekämpfte sie dementsprechend.

      Freilich beruht nicht jede Kritik an der Islamkritik auf derart anrüchigen Motiven. Ich glaube, dass insbesondere bei Elsässer zwei ganz andere Motive bestimmend sind: Erstens lässt sich Islamkritik auch als Ideologie zur Kriegshetze gegen islamische Länder missbrauchen; insofern muss man sich auch als Islamkritiker in der Tat immer wieder selbstkritisch fragen, ob man sich nicht vor den Karren von Interessen spannen lässt, die nicht die eigenen und auch sonst ganz und gar illegitim sind. Zweitens ist es wichtig, immer wieder darauf hinzuweisen, dass die Islamisierung nur eine Sekundärinfektion ist. Die Primärinfektion ist die Tatsache, dass die westlichen Länder von verräterischen Eliten regiert werden.

  • Sehr geehrter Herr Kleine-Hartlage,

    herzlichen Dank für diesen Artikel. Als langjähriger Leser der JF sehe ich das Problem in der Gründungsgeschichte. Die JF hat sich irgendwann von allen national-konservativen Gedanken getrennt und seither gibt es – bei aller journalistischen Güte – in diesem Bereich einen Blindfleck, leider. Das hat m. E. zu dieser „Schützenhilfe“ für die bisherige AfD geführt. Es bleibt zu hoffen, daß die JF hier zu einer offeneren Einstellung zurückfindet, auch der sich nun entwickelnden AfD nach Lucke und Henkel.

    Mit besten Wünschen,
    Laurentius

  • 😯
    Zum einen: Lucke redet diametral das Gegenteil dessen, was er vor einem Jahr und mehr sprach. Entartete Demokratie, Dexit, Einwanderung …). Er wurde vermutlich seitens des Regimes bedroht, durch seine Familie ist er erpreßbar.
    Zum anderen: Können in der Wolle gefärbte Linke den Konservativismus verstehen?

    • Zum einen: Lucke ist sich absolut treu- und gleichgeblieben. Ich finde es geradezu grotesk, wenn ihm immer noch andere Ansichten unterstellt werden als die, die er tatsächlich äußert.

      Zum anderen: Natürlich. Und darüber hinaus versteht man die spezifisch konservative Art von Borniertheit, weil man nicht die blinden Flecken eines in der Wolle gefärbten Konservativen hat.

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