Non veni pacem mittere sed gladium. (Mt 10,34)
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taksim erdogan

Alle europäischen Medien und alle europäischen Regierungen sind sich einig: Der türkische Ministerpräsident Erdogan ist ein brutaler Diktator, der auf das eigene Volk schießt. So ungefähr, wenn auch mit Abstufungen, lautet der Tenor der politischen Stellungnahmen, mit denen wir seit einer gefühlten Ewigkeit bombardiert werden. Es scheint niemanden zu geben, der diese Auffassung hinterfragt, und niemanden, der gewisse Merkwürdigkeiten sowohl in den Ereignissen selbst als auch in der darauf bezogenen Berichterstattung wahrnimmt.

Da ist zum einen der Ablauf der Ereignisse, genauer das groteske Missverhältnis zwischen dem Anlass der Demonstrationen, der Betonierung eines Istanbuler Parks, und der Dramatik der Entwicklung, bei der aus einem lokalen Funken ein landesweiter Flächenbrand bürgerkriegsähnlicher Unruhen geworden ist und eine kommunalpolitische Streitfrage in die Forderung nach dem Rücktritt der Regierung mündete.

Zwar kennen wir solche Abläufe aus der Geschichte, aber dabei handelte es sich jeweils um Demonstrationen gegen Diktaturen, die politische Opposition grundsätzlich unterdrückten und mundtot machten. Wenn unter solchen Umständen eine Demonstration zustandekommt, egal für welches Anliegen, dann liegt es in der Natur der Sache, dass jede Art von Unzufriedenheit sich in ihr artikuliert, und dass das Volk, das sonst keine Stimme hat, die Gelegenheit beim Schopf packt, gleich das ganze Regime loszuwerden. Dies war etwa der Ablauf am 17. Juni 1953.

Die Türkei aber ist keine Diktatur, jedenfalls nicht in dem Sinne, wie es die DDR war. Sie ist gewiss keine Musterdemokratie wie die Schweiz, aber es kann doch nicht ernsthaft davon die Rede sein, dass Opposition dort nicht möglich oder in Wahlen ohne Erfolgschance wäre. Angesichts der rapiden Eskalation und Ausweitung sowohl der Unruhen als auch der in ihnen artikulierten Forderungen ist die offiziöse Version, dass wir es hier mit einem spontan sich vollziehenden Vorgang zu tun hätten, wenig glaubwürdig. Wenn man bedenkt, wie lange der Machtkampf zwischen islamistischen und im weitesten Sinne kemalistischen Kräften in der Türkei schon andauert und mit wie harten Bandagen er geführt wird, dann liegt die Vermutung zumindest nahe, dass hier ein von langer Hand geplanter und wohlorganisierter Versuch vorliegt, das Land unregierbar zu machen und dadurch, d.h. letztlich durch Gewalt, dessen gewählte Regierung zu stürzen. […]

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5 Antworten auf Erdogan, der böse Wolf?

  • Ein Fremder aus Elea

    Hmm, die ganze Sache ist vielleicht ’ne Nummer größer. Dieser Terroranschlag in der Türkei an der Grenze zu Syrien geht auf’s türkische Konto, nicht auf’s syrische, haben die türkischen Kommunisten publik gemacht und seitdem fliegen die Fetzen zwischen denen, die in Syrien eingreifen wollen und denen, die’s nicht wollen.

  • Die Medienwelle, die uns überschwappt, erinnert doch sehr an Frühlinge allerorten, inkl. anti Putin. Wie der national(istisch)e Kurs des Hrn. Erdogan auf Dauer mit US-Nato übereingehen soll, kann man sich schon lange fragen. Richtung EU hat E. klargestellt, dass er sich von dort keine ernsthaften Eingriffe in die Souveränität gefallen lassen will. Und das in Zeiten, in denen offenbar die Weichen für eine neue 1.-Welt-Wirtschaftsordnung, beginnend mit US-EU-Binnenmarkt, gestellt sind. Da wird es sicher manche Überlegung geben, wie man (auch) diesen Herrn umgänglicher machen, notfalls ersetzen kann. Nun stellt E. gern Wachstum -Wirtschaft, Handel, Wohlstand- in der Türkei heraus. Ob er da die erheblichen Zuflüsse aus Westen richtig einkalkuliert hat? Die ersten Abflüsse werden von „Investoren“ schon angedroht.
    Wendet sich E. gerade von der EU ab? Wird ein künftiger MinP sich ihr wieder zuwenden?
    In der Bevölkerung hat E. erheblichen Rückhalt. Wie groß, lassen defizitär berichtende Medien kaum ahnen. Lautstarke Opposition gerade in gr. Zeitungen und gr. Städten gibt es schon lange, lässt aber weder auf übermäßige Unterdrückung noch auf Grundlage im Volk schließen.
    Anschlag: Der mag vom Boden der Türkei ausgegangen sein. Da unten laufen aber gerade ziemlich viele rum… u. beileibe nicht nur solche, die der MinP noch kontrollieren kann. (Auch Deep-State-Strukturen kennen wir selbst – eine Überraschung wäre nur, es gäbe sie dort nicht.) Nicht undenkbar, dass E. von manchem, was in seinem Land vorgeht, den Kanal langsam, aber gründlich voll hat. Zu ihm passen würd´s ja.
    Falls die Unruhen damit zusammenhängen, einen Querkopf namens E. wieder auf Kurs zu bringen, kann das noch ganz außerordentlich spannend werden.
    Gut, dass es den ewigen Gleichtakt von Medien, Politik und Wirtschaft gibt. Das Getrommel macht einen so schön auf das gerade laufende „Wer gegen Wen“ aufmerksam.

  • Sie haben offenbar einen guten Richer, Herr Kleine-Hartlage. Die National-Zeitung hat diese Woche einen entsprechenden Beitrag zu den Unruhen in der Türkei. Komm leider gerade nicht an meine Druckausgabe ran, sonst könnte ich etwas dazu schreiben. Die Welnetzeitung der NZ könnt ihr leicht finden, z.b. gugeln.

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