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Bresson11 134x130 Robert Bresson   Der katholische AvantgardistVor ein paar Wochen habe ich auf diesem Blog auf den Film „Der Teufel, möglicherweise“ (1977) von Robert Bresson verwiesen. Wie es der Zufall will, zeigte das Filmmuseum Wien diesen März eine komplette Werkschau der Filme des schwierigen Meisters.[weiter, noch 2,108 Wörter]


Martin Lichtmesz auf Sezession im Netz
Kategorie(n): Schönes
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2,147 Wörter | Keine Kommentare

Zum Originalartikel: Robert Bresson – Der katholische Avantgardist

5 Antworten auf Robert Bresson – Der katholische Avantgardist

  • Ein Fremder aus Elea

    Naja, die Ähnlichkeit zu Tarkowski ist offensichtlich, beide filmen Szenen ab, wobei Tarkowski aber mehr die Natur in den Mittelpunkt stellt und Bresson Menschen.

    Dieses Herangehen erfordert selbstverständlich, daß man ein Auge für das hat, was man abfilmen möchte. Wahrscheinlich fiele mir es leichter, es so wie Bresson zu machen, Tarkowskis Auge für das Spielen des Seegrases im Bach fehlt mir etwas, das Interessante an Menschen zu bemerken ist einfacher.

    Übrigens kannte ich einen Professor für Mathematik, welcher nicht nur äußerlich wie Bresson aussah, sondern auch so gesprochen hat und aufgetreten ist. Ich sehe da kein Programm und keine Positionierung, es ist einfach ein bestimmte Mischung aus Gelöstheit, Anteilnahme, Einsicht und Selbstbewußtsein: etwas klar zu erkennen und im Modus persönlicher Unwichtigkeit einerseits und Beherrschung seines Faches andererseits zu operieren.

    Mir fehlt der Rahmen dazu, die Kultur, in welcher ich mich als kleiner Teil sinnhaft einbezogen fühlen könnte. Es gibt da kein Vertrauen darauf, daß die eigenen Anstrengungen Teil sinnhafter Projekte sind. Eher die Ahnung des Gegenteils. Das Heil wächst nicht in den bestehenden Strukturen heran, sondern vielmehr wird sich die Welt ihr ursprüngliches Recht verschaffen und alle Ver- und Entstellungen abschütteln.

    Nun, sieht man ja irgendwo auch an Bresson, was seine Hoffnung betraf, daß die Cinematographie eine Kunstform darstellen könnte, welche den Menschen hülfe, ihre tiefsten Tiefen zu finden, die hat sich sicher nicht erfüllt. Er sagte, er glaube fest daran. Das Feste an diesem Glauben ist aber nur die Einsicht in die Möglichkeit. Möglich ist es freilich, aber wer will das schon?

    Ver- und Entstellung sind systemrelevant. Die Menschen werden doch ständig dazu angehalten, sich eine Persönlichkeit zuzulegen, es ist in diesem Umfeld nicht sinnvoll ihre Natur aufzuzeigen, denn es ist von vornherein Spartenprogramm. Und deshalb sollte man sich von diesem Umfeld frei machen.

    Ich bin dankbar für einen Film wie Au hasard, Balthazar. Dankbar dafür, daß da eine Darstellung ist, welche einen erreicht. Große Hoffnungen verbinde ich aber nicht damit. Würde ich das Skript zu so einem Film schreiben wollen oder würde ich schlicht sagen: Agnus Dei, qui tollis peccata mundi?

    http://www.youtube.com/watch?v=eFYB8ZRvtv4

    Wohl letzteres. Der Reinheit unverlustig in allem Leid. Auch das reicht.

    Meine Gedanken gehen eher in eine andere Richtung. Könnte man nicht sagen: „4 Gänge Menü: 1,50€. Zu bezahlen in Silber Philharmonikern.“ Was würde das Finanzamt dazu sagen? Ist schließlich offizielles Zahlungsmittel… Die ganzen Steuern können sie dann gerne auf den Preis haben. Meinetwegen auch 75%.

  • ML

    Interessanter Kommentar, Fremder. Jedoch könnte Bressons und Tarkowskijs Stil trotz gewisser geistiger Verwandtschaften nicht verschiedener sein, und „Szenen abfilmen“ klingt wohl doch zu sehr nach Semmeln backen. Zu einer derart ausgeklügelten Stilisierung gehört aber aber schon weitaus mehr dazu, als etwas bloß „abzufilmen“, nämlich eine durchgearbeitete Gestaltung der Wirklichkeit. Es reicht nicht, eine Kamera vor einen Baum hinzustellen, und zack hat man einen „magischen Realismus“ wie Tarkowskij oder eine „nüchterne Registrierung“ wie Bresson. Nichts ist im Film so schwer zu erlangen wie „Natürlichkeit“ oder „Wirklichkeit“. Das scheinen viele Leute nicht zu verstehen, weil sie naiverweise annehmen, daß eine Kamera doch „die Wirklichkeit abbilde“. Die multiplen Regengüsse und Windstösse zum rechten Timing,die gleichzeitigen Wetterstimmungen, plus Aktionen der Schauspieler und Tiere und die umherschweifenden Kamerabewegungen im Raum bei Tarkowskij verlangen einen extremen Grad an „Künstlichkeit“ und Artistik vor der Kamera.

    • Ein Fremder aus Elea

      Ich würde sagen, es erfordert ein Auge für diese Dinge. Wenn man das hat, krieg man mit etwas Übung auch die Kameratechnik hin. Man muß genau wissen, was man einfangen will, wie es dann schließlich eingefangen wird, darin steckt vielleicht nochmal wieder ein kreatives Element, eine Überraschung.

      Ich habe mal ein Paar Photos von einer Russin auf Flickr gesehen, das war sehr gut, es ist, denke ich, wirklich eine Frage des Talents und der Hinwendung. Was soll man darüber groß schreiben?

      Jetzt mal bei Bresson… ich habe schon so einige „Modelle“ in meinem Leben getroffen. Da müßte man nur die Kamera draufhalten, die schwitzen ständig ihre Persönlichkeit aus. Aber natürlich macht diese ganze Selbstdarstellung à la Facebook die Menschen insgesamt uninteressanter. Nichtsdestotrotz halte ich dieses Vorgehen für nicht allzu schwierig. Ich will etwas zeigen, ich suche mir ein paar Leute, an welchen das, was ich zeigen möchte, schon natürlicherweise klebt und dann manövriere ich sie durch eine exemplarische Handlung.

      Gott, das kann vielleicht nicht jeder machen, aber man wird noch in jedem Dorf jemanden finden, der das machen kann. Ich will Bresson nicht irgendwie schlecht machen. Aber der Grund, warum sein Ansatz verwaist ist, ist keineswegs, weil sonst niemand das nötige Talent hätte. Der Grund ist trauriger. Hätten wir andere Lehrer, gäbe es haufenweise solche Filme schon von Schülern. ’s will niemand sehen…

  • ML

    Nein, so funktioniert das nicht, das ist nur sekundär eine Frage der Beherrschung einer Technik.

    • Ein Fremder aus Elea

      Es wäre auszuprobieren. Ich sage ja auch, daß es in erster Linie eine Frage des Auges und nicht der Technik ist.

      Hmm… öhh… geht in eine andere Richtung… aber, nun, ich, zum Beispiel, kann immerhin sowas komponieren: http://bereitschaftsfront.blogspot.com/2013/04/walzer-fur-wf.html

      Gehört nicht viel dazu, aber ich wäre generell dankbar, wenn Menschen sich auf eine Art, welche sie halbwegs beherrschen, künstlerisch ausdrücken würden. Und so meine ich das auch mit Bresson. Es gibt bestimmt viele Leute, welche gut genug darin wären, etwas Menschliches einzufangen, um dem Publikum, und sei es nur eine Schule oder eine Gemeinde, einen Dienst zu erweisen, ein Gewinn für es zu sein.

      Kunst sollte nicht unnahbar sein, von Perfektion und Professionalität leben. Das wäre ein Irrweg. Freilich wird man auch ein wenig filtern wollen, aber es vieles möglich, beispielsweise sollten die meisten Kirchengemeinden in der Lage sein, die Hälfte ihrer Lieder innerhalb einer Woche für den jeweiligen Gottesdienst zu schreiben. Wäre doch schön.

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