Non veni pacem mittere sed gladium. (Mt 10,34)
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von Martin Lichtmesz

Selbst wenn man in den letzten Wochen Zeitungen und Fernsehen so gut gemieden hat, wie es nur ging, konnte man drei Themen kaum entrinnen: Allerhöchste Priorität hatte natürlich das Befinden diverser Känguruh-Hoden verzehrender Jammergestalten im sog. „Dschungelcamp“ inklusive Intimrotz-Liveticker; die in idiotische Dimensionen hochgeblasene sog. „Debatte“ um sog. „Sexismus“, angestoßen durch ein paar peinliche Anzüglichkeiten, die sich ein alternder FDP-Politiker geleistet hat; und, im Zuge der Kontroverse um die laufende politkorrekte Säuberung von Kinderbuchklassikern, die weltbewegende Frage, ob das Wort „Neger“ nun endgültig zum „dirty word“ erklärt werden soll.

Letztere hat mal wieder in unserem alten Freund Georg Diez die hohepriesterliche Ader stimuliert. Im SpOn verfiel er geradezu in messianische Stimmung und verkündete die Morgenröte Deutschlands, das „freier, schöner und aufgeklärter sein“ werde, wenn

nicht nur Kinderbücher auf das N-Wort verzichten – sondern wir alle.

Inszeniertes Debattainment dieser Art gehört eben genauso wie das „Dschungelcamp“ zum opiatischen Heiße-Luft-Gebläse, mit dem von tatsächlichen Problemen abgelenkt werden soll. Der penetrante Weihrauch-Geruch, der die lächerlich anmutenden Feldzüge gegen „N-Wort“ und „Sexismus“begleitet, verweist allerdings auf ernstere Dinge. Wie ernst, kann man an einem Kommentar der ZEIT-Redakteurin Özlem Topcu ablesen, aus dem zwar bereits unser Gastautor Philip Stein zitiert hat, dessen entscheidende Stelle ich aber hier wiederholen möchte.

„Die weißen Menschen“, so Topcu wörtlich, seien

… irritiert, dass nun andere mit am Tisch sitzen, wenn es um wichtige gesellschaftliche Fragen geht. Rassismus zum Beispiel. Wir leben in heterogenen Gesellschaften, das kann man finden, wie man will, sie werden nie wieder homogen. Das Wir ändert sich, mittlerweile beträgt der Anteil der Menschen anderer Herkunft in Deutschland 20 Prozent. Die neuen Deutschen haben einen anderen Zugang zu Themen, eine andere Geschichte und andere Erfahrungen. Und je mehr von ihnen in öffentliche Positionen kommen, desto mehr werden sich auch Debatten ändern. Ändern müssen. Die Kinderbücher, die Eltern Anna-Lena und Philipp abends vorlesen, hören jetzt auch Can und Mampezi; diese Literatur gehört nicht mehr den Alteingesessenen allein, sondern auch den neu Dazugekommenen.

Unverhohlener kann man kaum formulieren, daß in Deutschland ein ethnisch bedingter Kulturkampf im Gange ist, und der so einnehmend triumphierende Tonfall von Frau Topcu läßt keinen Zweifel, wessen Partei sie hier ergriffen hat, und wen sie am absteigenden Ast sieht. Dieser Sound ist inzwischen kennzeichnend für einen Typus, den ich in diesem Blog des öfteren beschrieben habe (etwa hier und hier); vor allem aber in meinem Kaplaken-Band „Die Verteidigung des Eigenen“. Es sind meistens sich linksliberal gebende Vorzeige-Assimilierte, in akademischen oder medialen Spitzenpositionen wie Topcu, die derart klar aussprechen, wohin die Fahrt gehen soll.

Daß diese Route theoretisch einen für ihre Karrieren und für das Wohl ihrer jeweiligen ethnischen Gruppen günstigen Lauf nimmt, liegt auf der Hand. Wie sieht es aber aus mit der geschmähten „Mehrheitsgesellschaft“, wie Naika Foroutan das nennt, mit den „weißen Menschen“, wie Özlem Topcu sie in Anlehnung an amerikanische Ausdrucksweisen nennt? Topcu prophezeit ihnen hier ausbuchstabiert weitere Konfrontationen, Komplikationen, Fragmentierungen, Spaltungen, Diversifikationen, Dekonstruktionen, Machtkonflikte, Hin-und Hergezerre und Infragestellungen infolge der zunehmenden Besetzung „öffentlicher Positionen“ durch wachsende Migrantengruppen.

Ich gehe einmal davon aus, daß die meisten Menschen aus der Noch-“Mehrheitsgesellschaft“ solchen Aussichten nicht mit übermäßiger Vorfreude entgegenblicken, oder sie übertrieben „spannend“ finden oder gar als „Chance begreifen“, wie die gängige Phrase lautet. Schon gar nicht in Zeiten, in denen die existenzielle Angst und Unsicherheit im Wachsen begriffen sind, das Mißtrauen in die Politik zunimmt und ganze Schichten den ökonomischen und kulturellen Boden unter den Füßen verlieren. Das letzte, was sie nötig haben, sind noch mehr „Debatten“ darüber, was nicht mehr „ihnen allein gehören“ soll.

Die besagten „weißen Menschen“, gerade im guten, dummen Deutschland wollen nun aufrichtig keine „Rassisten“ sein, aber sie stellen sich ihre Zukunft doch lieber so vor, wie in dem auf diesem Blog besprochenen „München schaut hin“-Eígentor-Video: alles bleibt recht „homogen“ und beim Alten, und die Minderheiten und die Schwachen werden von der intakten „Mehrheitsgesellschaft“ edel vor Unbill und Intoleranz beschützt.

Die Nummer wird es aber in Zukunft nicht mehr spielen, teilt uns nun Özlem Topcu mit. Es wird nicht mehr reichen, daß Anna-Lena und Phillipp darauf achten, daß Can und Mampezi nicht mehr von Fritz und Heike gemobbt werden (eine Situation, die ohnehin keine Basis in der Realität mehr hat). Nein, sie müssen sich nun Cans und Mampezis Bedürfnissen anpassen, und ihre „Literatur“ ist dabei noch das mindeste, das nicht mehr „ihnen allein gehören“ soll. […]

Weiterlesen!!! Von Pippi Langstrumpf zu Frantz Fanon.

2 Antworten auf Von Pippi Langstrumpf zu Frantz Fanon

  • Zitat aus diesem belehrend-rechthaberischen, die immanente Hysterie nur mühsam bändigenden Kommentar:
    „Im Moment starren auch hierzulande sehr viele weiße Menschen. Sie verstehen nicht, warum Deutsche, deren Eltern nicht weiß sind, es als kränkend empfinden, wenn sich in alten Kinderbüchern Wörter wie Neger, Mohr oder Zigeuner finden.“
    Hier wird ein Vergleich konstruiert zwischen -natürlich rassistischen- Südstaatlern der Sklavenhalterzeit
    und -natürlich rassistischen- Deutschen der Gegenwart. Und dann kann’s losgehen! „Fehlt nur noch, daß jemand fragt…“, was das mit Logik zu tun hat. Es geht nicht um den Austausch einiger unliebsamer Wörter, sondern um Kulturveränderung mit dem Ziel der Deutungshoheit. Da werden auch Sinn und Notwendigkeit des Begriffs der Leitkultur deutlich.
    Wer sind eigentlich die wahren Rassisten? Diejenigen welche bestimmen, wer Rassist ist.

  • „Es geht nicht um den Austausch einiger unliebsamer Wörter, sondern um Kulturveränderung mit dem Ziel der Deutungshoheit.“ 150-prozentige Zustimmung zu Ihrem ganzen Beitrag, Herr Poenicke!

    Nach meinen Recherchen taucht der Begriff „racism“ zuerst 1938 als Buchtitel bei dem Sexualwissenschaftler und Bolschewisten Magnus Hirschfeld auf. (Lasse mich aber gerne eines Besseren belehren.)

    Zum Thema Rassismus ist m.E. der Vortrag des Negers Dr. Tony Martin aus den VSA hochinteressant, weil es um die Geschichte des Sklavenhandels über den Atlantik geht, und ein Nachfolger der ehemaligen Sklaven selber zu Wort kommt: watch?v=EByk0kVl9zA (auf YouTube)
    Mein absoluter Lieblingsfilm zum Thema Rassimus ist der Kommentar keines Geringeren als Muhamad Ali himself zur staatlichen Reklame zur Beförderung der Rassenvermischung:

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