Non veni pacem mittere sed gladium. (Mt 10,34)
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[übernommen von „Vaterland“]

Man kann nur staunen über das Ausmaß an fast schon sträflicher Naivität oder auch nur schlichter Ignoranz, das viele Beurteiler der Syrien-Krise an den Tag legen, vor allem, wenn es darum geht, die Hintergründe für das zähe Tauziehen im Sicherheitsrat

der Vereinten Nationen zwischen Amerika und den westlichen Mächten einerseits, Russland und China andererseits aufzuhellen. Folgt man der Darstellung des Konflikts in weiten Teilen der westlichen Welt, dann scheint es sich lediglich um die Frage zu handeln, ob es gelingt, die syrische Bevölkerung von einem blutigen Diktator zu befreien. Vor allem in Deutschland scheint die Unkenntnis, mit der diese Auseinandersetzung derzeit diskutiert wird, grenzenlos zu sein – bis hin zu einer angeblichen, allerdings nicht bestätigten Anfrage an die russische Regierung, ob sie bereit wäre, Assad im Falle seines Sturzes in Russland Asyl zu gewähren.

Dabei geht es um vollkommen andere Probleme. Die Konfliktlinien verlaufen dort, wo sie von fast allen deutschen Beobachtern nicht einmal mehr wahrgenommen werden, und zwar vor allem deshalb, weil man in unserem Land verlernt hat, in weltpolitischen und geostrategischen Kategorien zu denken. Ob die Syrer, in weltpolitischer Sicht gesehen, derzeit oder künftig von einem Diktator aus dem Hause Assad, von einer demokratischen oder sich als demokratisch inszenierenden Regierung oder auch von einem radikal muslimischen Regime regiert werden, ist aus der Perspektive geostrategischer Erwägungen zuerst einmal gleichgültig.

[Ausschnitt eines FAZ-Artikel von Hans-Christof Kraus]

Kraus hält also die publizistische Zustimmung vieler Journalisten zu den natogeführten Kriegen in Afghanistan, Irak, Libyen und – in Vorbereitung – Syrien unter dem Label Freiheit-Demokratie-Menschenrechte für einen Ausdruck von Naivität, gepaart mit mangelnder geopolitischer, machtstrategischer Bildung.

Ich glaube das aus zwei Gründen nicht:

Erstens, weil die meisten Leserkommentare ablehnend sind gegenüber der Kriegsrhetorik, und den angeblich hehren Zielen, die für diese Kriege ausgegeben werden, keinen Cent Glauben schenken – die Leser liefern ihrerseits eine recht exakte Einschätzung ab vom wirklichen Zweck dieser Kriege. Das hieße aber, folgt man Krauses Einschätzung, dass sie weniger naiv sind als die schreibende Zunft von FAZ, Welt, Zeit, Spiegel etc.

Zweitens gab es noch in allen Kriegen und allen politischen Systemen immer eine schreibende Zunft, die die herrschende Macht publizistisch begleitete und als Sprachrohr fungierte, – heißt, die regierungseigene Propaganda in’s Volk drückte. Anders funktioniert auch keine Kriegspropaganda und kein politisches System dauerhaft.  Schwer vorstellbar, dass Hans-Christof Kraus, der Neuere und Neueste Geschichte an der Universität Passau lehrt, das nicht weiß.

Lustig ist die von Kraus benutzte Sprachformel, man habe in Deutschland “verlernt” in weltpolitischen und geostrategischen Kategorien zu denken. Das wurde nicht “verlernt”, das wurde den Deutschen verboten. Die letzten, die so denken konnten und handelten, fanden sich am Ende vor einem Kriegsgericht in Nürnberg wieder.  Sie führten allerdings auch nicht Krieg im geostrategischen machtpolitischen Interesse der USA oder der Sowjetunion, sondern im eigenen. Und so etwas geht nur gut, wenn man diesen Krieg dann auch gewinnt. Macht schafft Recht – diese Lektion haben wir Deutschen gut gelernt.

Davon abgesehen ist der FAZ-Artikel nicht nur lesenswert sondern auch wert,  in Erinnerung zu bleiben: Und ihr denkt, es geht um einen Diktator.

 

 

Zum Originalartikel bei „Vaterland“: hier klicken!

2 Antworten auf Syrien und die Naiven

  • Dieser Artikel wurde schon einmal auf korrektheiten thematisiert, richtig?
    Und nein, ich halte den Inhalt des Artikels für das Hokuspokus eines Möchtegern-Intellektüllen bzw. eines Schaukelstulstrategen.
    „Großraumordnungen“ oder Schriften über „Großraumwirtschaft“ (wurden in der Tat an „meiner“ westdeutschen Massenuni, wenn sie im Literanhang irgendwo auftauchten, zensiert – kein Witz!) bauen ja stark an den Ufern der Lächerlichkeit. Man denke nur an die Soffjet-Union: damit Rußland ausreichend gepuffert sei, verleibe man sich, wie ehedem die Zaren, angrenzende nichtrussische Gebiete ein. Um aber auch diese im Vorfeld zu schützen, arrondiere man mittels Schaffung von Satellitenstaaten (aka Warschauer Pakt). Dazu platziere man in „Analysen“ einige Male das Wort „Glacis“ (macht Scholl-Latour gerne), und schon muss man bei 1/6 der Landmasse Furcht vor „Einkreisung“ haben!
    …und gab es da mal nicht die „Dominotheorie“, dass Amerika in Gefahr ist wenn Südvietnam in kommunistische Hände fällt? Und wird deutsche Freiheit (welche?) nicht am Hindukusch verteidigt?
    Diese Globalstrategenen sind doch Nullen. Man denke nur an Faschoda 1898: war dieser Zwischenfall der Anfang von etwas? Das Ende? Ein Mittendrin? Richtig ist, er war völlig belanglos; der Hass auf Deutschland war viel stärker als aufgebauschte französisch-englische Gegensätze und „Geostrategie“.
    Tja, man kann an Geostrategie glauben. Oder der Überzeugung sein, dass es sich dabei um eine Luftnummer handelt. Ernährt immerhin den ein- anderen Professor der „Neueren und Neuesten Geschichte“.

  • Ich bin froh und Stolz dass sich hier Deutsche Männer zur Geostrategie äussern und ihre Perspektive vermitteln. Mir ist bewusst welche Ängste und Vermutungen aufgrund meiner Aussage „Deutsche Männer“ nun auftauchen – als Migrant mit Migrationshintergrund muss ich leider kopfschüttelnd darauf verweisen dass die Assoziation „Deutsche Männer“ = „Nazi“ selbst rassistisch ist.

    Machen Sie bitte weiter, das christliche Europa braucht Sie.

    Templarii

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