Non veni pacem mittere sed gladium. (Mt 10,34)
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Erinnert sich noch jemand an den Herbst 1977, als es landauf, landab kein Kneipengespräch gab, in dem nicht die RAF das bestimmende Thema gewesen wäre, und als ein ganzes Volk auf Terroristenjagd war? Oder an die Tage nach dem 11. September 2001, als man sich über jedes Flugzeug wunderte, das einfach am Himmel seine Bahn zog, statt in irgendein Hochhaus zu fliegen, und als fast Jeder in dem Gefühl lebte, die Erde könne jederzeit unter den eigenen Füßen nachgeben?

Nichts von alldem findet sich heute. Kaum einer spricht auf der Straße über das Massaker von Oslo – es ist einfach eine schlechte Nachricht von vielen. Ich selbst werde von niemandem danach gefragt, ob es irgendeinen Zusammenhang zwischen Islamkritik und dem Anschlag geben könne; dabei könnte ich das sogar verstehen, da die veröffentlichte Meinung doch einige Anstrengungen unternimmt, einen solchen Zusammenhang in die Köpfe zu hämmern.

Aufgewühlt und erschüttert ist allem Anschein nach nur die rechtsoppositionelle Szene selber, bei deren Thesen sich der Attentäter bedient hat, um sie, zusammen mit vielem anderen Material, zu seinem „Manifest“ zusammenzuguttenbergen.

Und die Reaktionen der Politik kommen bisher nicht wesentlich über das übliche Politikergeschnatter hinaus, das immer dann einsetzt, wenn irgendein Ereignis eintritt, das man als Stichwort für dümmliche Interviews verwenden kann, in denen man die eigenen ewigen Lieblingsforderungen wiederholt: Da fordert der eine das Verbot der NPD, ein zweiter die Vorratsdatenspeicherung, wieder einer mehr polizeiliche „Internet-Streifen“ zur Ahndung von Volksverhetzung (Na, dann streift mal schön.). Hat eigentlich schon einer den Inlandseinsatz der Bundeswehr und mehr Sozialarbeiter an den Schulen gefordert? Nein? Kommt bestimmt noch. Ein paar scharfe Sprüche „gegen Rechts“  – das war’s dann aber auch. Die von vielen befürchtete großangelegte Hexenjagd bleibt aus. Gewiss soll man den Tag nicht vor dem Abend loben; im Großen und Ganzen scheint aber zu gelten: Business as usual.

22 Antworten auf Das Erdbeben findet nicht statt

  • Hallo,

    ich fürchte, dass Sie die Implikationen hier leider doch etwas unterschätzen (Auch wenn ich hoffe, dass Sie Recht behalten).

    Natürlich gibt es eine ganze Menge unqualifizierter Ad hoc Stellungnahmen und Schüsse aus der Hüfte- und dass die veröffentlichte und die öffentliche Meinung in Deutschland eminent auseinander klaffen ist ja auch nichts Neues.

    Wenn man die Aussagen der Vertreter der herrschenden Politkaste jedoch genau betrachtet, muss man durchaus besorgt sein. Nach dem üblichen hysterischen Geschnatter wird diese schreckliche Bluttat m. E. (dies zeichnet sich bereits ab) genutzt werden, um die Repression gegen die demokratische, konservative Opposition weiter zu intensivieren.

    Man hat jetzt einen plakativen Grund gefunden, um den islamkritischen Diskurs endgültig mit verfassungsfeindlichem Extremismus gleichzusetzen. Das diese Gleichsetzung eine dreiste und hanebüchene Unwahrheit ist, muss diese Kräfte nicht bekümmern- wenn man alle relevanten Medien beherrscht, gibt es (jedenfalls im öffentlichen Raum) schlicht keine Stimme, die dieser Bewertung widersprechen könnte.

    Definitiv werden die Verfassungschutzbehörden (die ja mittlerweile zu Machtinstrumenten der herrschenden Politoligarchie verkommen sind) nunmehr verstärkt gegen islamkritische, EU- kritische bzw. sonstwie konservativ konnotierte Bewegungen und auch Medien vorgehen- ich bin mir ziemlich sicher, dass in absehbarer Zeit z.B. PI- News massiv unter Beschuss kommen wird.

    Man darf sich durch das Gegacker und das mediokre, intellektuell erbärmliche Erscheinungsbild der Epigonen der linksprogressiven Ideologie nicht täuschen lassen- wenn es darum geht, Ereignisse wie in Oslo für die Stabilisierung der eigenen Meinungshegemonie zu nutzen und dafür die zur Verfügung stehenden medialen und staattlichen Machtmittel konsequent zu nutzen, sind diese Leute leider äußerst geschickt und handlungsfähig.

    David S.

  • Die meisten Leute haben meiner Ansicht nach die Nase vom Thema Islam gestrichen voll. Diskussionen zum Thema arten schnell aus, es wird heftig und beide Seitenb verlieren: das politisch korrekte Gewäsch nehmen immer weniger Leute für voll und der Rassismus/Nazi-Vorwurf trifft immer noch tief. Und tun kann man sowieso so gut wie nichts. Also will man das unschöne Thema am besten gar nicht zur Sprache bringen.

    Auch Veranstaltungen zu Thema Islam werden von immer weniger Leuten besucht und diejenigen, die noch kommen, sind in ihrer Meinung schon stark festgelegt.

    Ich schaue mir seit ca. fünf Jahren die Ergebnisse zu den Stichwörtern „Islam“ und „Muslime“ mehrmals pro Woche an. Die Tendenz ist ganz klar: die beiden Reizwörter werden immer mehr gemeiden. Nur wo es kaum zu vermeiden ist, etwa im Zusammenhang mit Sarrazin, Bahner, Breivik usw. werden sie noch genannt. Dazu kommen Artikel mit Mulktikulkti-Utopien oder „Dialog“-Trallala. Substantielles zum Thema wird in den MSM immer weniger geschrieben.

    Man hat den Eindruck das Establishment will die ganze Diskussion jetzt soweit irgend möglich beenden. Das Volk kriegt die Islamisierung und Zerstörung des deutschen Volkes jetzt einfach aufgedrückt.

  • Klaus Jansen, Chef des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK), forderte gar einen Alarmknopf, mit dem mit dem ein Nutzer, „der im Internet rechtsradikale Inhalte, islamistisches Gedankengut oder Hinweise auf einen Amoklauf entdecke“, die Seite „einfrieren“ und unmittelbar an eine Alarmzentrale weiterleiten könne.

    Wer Internetseiten einfriert, der kocht auch Bücher.

  • Ich darf noch mal auf GLADIO und MKULTRA hinweisen.

    http://de.wikipedia.org/wiki/MKULTRA
    http://de.wikipedia.org/wiki/Gladio
    http://de.wikipedia.org/wiki/Strategie_der_Spannung

    Ted Kaczynski war erwiesenermaßen ein Mindcontrol-Opfer. Breivik hat sich bei ihm bedient.
    Die Akribie und Kaltblütigkeit deutet nur scheinbar auf einen Psychopathen hin – solche können auch erzeugt werden, eben durch Gehirnwäsche.

    „Kaczynski war in seiner Universitätszeit Proband einer von Henry A. Murray geleiteten Persönlichkeitsstudie im Rahmen des vom CIA geleiteten Projektes namens MKULTRA, welches seit den 1950er Jahren systematisch Menschenversuche unter anderem mit LSD durchführte.[3]“
    http://de.wikipedia.org/wiki/Ted_Kaczynski#Kindheit_und_Ausbildung

    Hier ein paar Recherche-Ergebnisse von Webster Tarpley. Es scheint, als hätte es mehrere Schützen gegeben, sowie die schon bei 9/11 auffällige Parallele zu Antiterrorübungen.
    http://tarpley.net/2011/07/24/norway-terror-attacks-a-false-flag/

    Warum das Ganze?

    1) Diskreditierung sämtlicher Freiheitlicher und auf nationale Souveränität/EU-Kritik ausgerichteter Parteien
    2) Diskreditierung der Islamkritik.
    3) (mal wieder) Rechtfertigung für Überwachungsmaßnahmen

  • Haben wir nicht eigentlich auch Sommer? Also dem Kalender nach? Und müßte uns die ‚Klimaerwärmung‘ nicht den Schweiß aus den Poren treiben? Dem Kalender nach, wie gesagt, ist es ja wohl so. Und da ist es eben auch noch so, daß viele Politiker … also eigentlich wohl alle … im Urlaub sind. Nach der Sommerpause kommt vielleicht noch ein bischen ‚Nachbearbeitung‘. Aber falls es in den USA zu keiner Einigung bei der Erhöhung der Schuldenobergrenze kommen sollte, dann wird das Thema ‚Breivik‘ wohl abgehakt sein, denn dann wird die Politik wohl ein paar Probleme bekommen, die ein paar Dutzend abgeschossener Teenager in einem kleinen Land in Nordeuropa als absolut vernachlässigenswert aussehen lassen wird.

  • Ich bin derselben Meinung. Es wird der Linken in Deutschland nicht gelingen dieses Massaker auszuschlachten, weil die Linke mittlerweile bei jeder Nachricht die dazu einlädt totalmobilisiert und den Gegner mit allem attackiert was sie hat und sogar mit dem was sie nicht hat. Wer schon für ein einzelnes Mordopfer eines selbst von der Roten Armee ausgemusterten Gestörten…

    … 18 Betonstelen gegen Rassismus aufstellt (18 Stelen als Symbol für 18 Stiche)
    … eine internationale Krise herbeischreibt
    … sich vor aller Welt und jedem Kanakenverein in Deutschland in den Staub wirft, weil man erst so spät berichtet habe und die politische Relevanz des Falles verkannt habe,

    http://de.wikipedia.org/wiki/Marwa_El-Sherbini

    was soll so jemand machen, wenn der nächste Gestörte 76 Menschen ermordet?

    1368 Stelen aufstellen?
    Den dritten Weltkrieg herbeischreiben?
    Kollektiv Seppuku begehen?

    Unsere Szene ist ja eh schon ausgegrenzt, was soll da noch folgen? Noch mehr Ausgrenzung?

    Ich bin nach wie vor der Überzeugung, daß die Rechte sich auch selbstkritisch mit dem Attentat von Oslo auseinandersetzen muß. Allerdings auch nicht mehr als die Linken sich eigentlich mit dem jeweils aktuellsten Mordversuch in deutschen U-Bahnhöfen beschäftigen sollten, was sie natürlich niemals tun würden.

    • „Ich bin nach wie vor der Überzeugung, daß die Rechte sich auch selbstkritisch mit dem Attentat von Oslo auseinandersetzen muß.“

      Zu diesem Ergebnis kann ich nicht kommen.

      Die Ausgangsfrage muss sein: Gibt es irgend einen auch nur annähernd erkennbaren kausalen Konnex zwischen der konservativen, islamkritischen Szene im Internet (wenn man eine solche überhaupt annehmen will) und der Tat in Oslo? Ich kann keinen erkennen.

      Es handelt sich (nach allem was bisher bekannt ist) um eine Einzeltat und einen psychisch gestörten Einzeltäter.

      Es gibt KEINE einzige islamkritische bzw. „rechtspopulistische“ Organisation oder Internetpräsenz, die zur Gewalt aufruft oder Gewalt gegen unschuldige Zivilisten als gerechtfertigtes Mittel propagiert. Dies wird nun zwar unterstellt- es gibt aber keinen einzigen Beleg dafür (was das linke Medienkartell natürlich nicht im Mindesten interessiert- es geht um Propaganda und nicht um journalistische Redlichkeit).

      Es sind auch nirgends Sympathiebekundungen o. Ä. aufgetaucht.

      Und das ist genau der Unterschied zu islamistischem oder linksradikalem Terror: Dort wird Gewalt von organisierten Gruppen propagiert und wird im Nachhinein regelmäßig Sympathie für begangene Gewalttaten bekundet- NICHTS davon ist im vorliegenden Fall gegeben. Deswegen kann man im vorliegenden Fall nicht zu dem Ergebnis kommen, dass ein kausaler Zusammenhang zwischen der sog. Islamkritik und der Tat in Oslo bestand oder dass solche Taten strukturell in der islamkritischen Bewegung angelegt sind.

      Es gibt schlechterdings nichts, was die islamkritische Szene hätte tun können, um die Übernahme von ideellen Versatzstücken aus ihrem Fundus durch einen (offenbar recht intelligenten) Psychopathen zu verhindern. Genausogut hätte man die Taten von Charles Manson den Beatles anlasten können.

      All das ist m. E. evident. Es nützt zwar nichts, da die mediale Deutung der Zusammenhänge komplett in den Händen von Kräften liegt, die jede Meinung rechts der Mitte ausschalten und mundtot machen will und das Ereignis in Norwegen konsequent dazu nutzt, diesem Ziel näher zu kommen. Wehren können wir uns dagegen letztlich nicht- aber zumindet sollten Rechte und Konservative sich nicht selbst Zerfleischen. Damit ist das Ziel der Gegenseite schon halb erreicht.

      David S.

      • Du hast natürlich recht damit, daß die islamkritische Szene keine Chance dazu hatte die Morde von Oslo zu verhindern. Auch kann man es keinem Autor anlasten wenn er von einem Mörder als Inspiration zitiert wird.

        Nur ist es so, daß unsere Ideologie (wie alle anderen Ideologien auch) Gewalt befürwortet, so diese in einem bestimmten Rahmen erfolgt und sich gegen den richtigen Gegner richtet.

        Ich möchte auf einen Artikel von André Lichtschlag verweisen der darlegt, daß jede Art von politischer Überzeugung notwendigerweise Gewaltausübung für richtig hält:
        http://ef-magazin.de/2011/07/27/3108-gewalt-und-politik-wie-und-wo-hass-entsteht-und-sich-ausbreitet

        Der von Dir bezweifeltete kausale Konnex von Täter zu islamkritischer Internetszene ist sowieso offensichtlich. Der Täter war auf einer islamkritischen Internetseite aktiv (document.no, 75 Kommentare), er war mehrere Jahre Mitglied einer rechten Partei und er hat ein tausendirgendwas Seiten langes „Manifest“ verfasst, daß zu großen Teilen aus Schriften anderer rechter Autoren besteht.

        Wie gesagt: wir Rechten sind nicht für ihn verantwortlich, aber das heißt nicht, daß wir uns nicht dennoch selbstkritisch mit ihm auseinandersetzen sollten.

        Du schreibst, Du fändest keine einzige rechte Organisation die Gewalt gegen unschuldige Zivilisten als legitimes Mittel propagiert.

        http://michael-mannheimer.info/2011/04/09/mein-aufruf-zum-widerstand-gegen-das-politische-establishment-gemas-art-20-abs-4-gg/

        Wirkt das auf Dich sonderlich pazifistisch?

        Was ist denn für dich ein unschuldiger Zivilist? Ein Wache gehender Gefreiter? Ein linker Kommunalpolitiker? Ein Finanzbeamter?

        Wir Rechten sprechen seit Jahren von dem kommenden Bürgerkrieg. Im Grunde ist das Oslo-Massaker nichts anderes als ein Akt des Bürgerkriegs. Irgendjemand, der sich vage einer Seite zuordnet, tötet irgendjemanden, den er vage der anderen Seite zuordnet.

        Dieser Bürgerkrieg wird weder von links noch von rechts „sauber“ geführt werden, weil Bürgerkriege niemals sauber geführt werden. Die Kontrolle darüber obliegt nicht uns.

        Ich bin trotzdem der Meinung, daß wir erst den Balken im eigenen Auge entfernen sollten bevor wir den Splitter im Auge der Linken suchen. Es ist ein Trugschluß zu glauben das Volk näme es uns übel wenn wir dies täten. Die Linken sind nie selbstkritisch. Man darf aber ideologische Panzerung nicht mit Stärke verwechseln.

        Im chinesischen Bürgerkrieg zwischen 1945 und 1949 war eine Seite dafür bekannt Nahrung zu stehlen, Frauen zu vergewaltigen und Massaker zu begehen. Die andere Seite war sehr diszipliniert: sie stahl nicht, sie vergewaltigte nicht, sie behandelte Kriegsgefangene sehr milde. Die erste Seite regiert heute über eine kleine ostasiatische Insel, die andere ist eine kommende Weltmacht.

        • Greg Johnson zum „missing link“ zwischen Islamkritik und Osloer Tat:

          http://fjordman.wordpress.com/2011/07/26/anders-behring-breivik-der-neokonservative-rambo/

          • Zitat aus dem verlinkten Text von Greg Johnson

            „im Kern seines Denkens befindet sich ein intellektuelles (oder wahrscheinlicher moralisches) Versagen, das es möglich macht, das Judentum (und einen seiner Tentakel, die Freimaurerei) zu umarmen, während man dessen Konsequenzen bekämpft („Kulturmarxismus“, die Islamisierung Europas) und den Nationalsozialismus und andere Formen des Euro-Nationalismus verleumdet, die an die Wurzeln des Problems gehen.“

            Antisemitimus und Bejahung des Nationalsozialismus als Merkmale des „echten Counter-Jihadisten“?!

          • Diese Frage muss man stellen: Inwiefern geht der Nationalsozialismus an die Wurzel des Problems welches wir haben? Indem er ein arisches, reinrassiges Kollektiv herbeikonstruiert welches nicht einmal deren Stichwortgeber und Vordenker verkörperten?

            Sozialismus bedeutet immer die Herrschaft einer Bürokraten-Kaste über eine sogenannte amorphe Masse, in der alle gleich sein sollen.
            Von dieser Schiene sollte sich der Nationalismus verabschieden.

        • @John Haase

          vielleicht war meine Aussage etwas unpräzise- das liegt natürlich auch an der Schwierigkeit, den sog. islamkritischen Diskurs von anderen rechten Strömungen abzugrenzen. Was ich meinte ist das Spektrum, welches (um ein paar Bespiele zu nennen) in etwa von PI- News, ProKöln, Wilders usw. gebildet und und definiert wird. Diese Leute haben ja überwiegend eine Gläubigkeit an den Rechtsstaat und die Ideologie Menschenrechte, dass es fast schon rührend ist (wenn man bedenkt, wie der Rechtsstaat sie behandelt). Trotzdem sind DIESE Kräfte gegenwärtig primäres Ziel einer Hetzkampagne – und nicht etwa die „klassische“ rechtsextreme Szene, was beweist, dass das Ereignis in Oslo eiskalt für machtpolitische Zwecke genutzt wird. Der demokratisch- konservative islamkritische Diskurs im og. Sinne hat eine gewisse Resonanz und Wirkmächtigkeit erreicht, die es für das politisch- mediale Kartell notwendig macht, ihn zu vernichten.

          Natürlich weiss ich nicht, auf welchen Seiten sich der Attentäter bewegt hat, ich bleibe aber dabei, dass im oben grob (soweit es eben möglich ist) definierten rechtspopolistisches bzw. islamkritischen Spektrum nirgendwo terroristische Gewalt gegen Unbeteiligte propagiert und gerechtfertigt wird, wie es bei islamistischen Organisationen oder weiten Teilen der Linken der Fall ist. Insbesondere in der linken Szene wurde und wird Terror (etwa derjenige der RAF oder „antikolonialistischer“ Organisationen in der Dritten Welt) regelmäßig schöngeredet und gerechtfertigt bzw. sogar befürwortet.

          Erst wenn Du mir entsprechende Äusserungen im rechtspopulistischen Lager zeigst, würde ich mich Deiner Mahnung zur Selbstkritik anschließen können.

          Die von Dir zitierte, teilweise zu findende Berufung auf das Widerstandsrecht nach Art. 20 IV GG erfüllt diese Voraussetzung m.E. ganz entschieden nicht. Das Widerstandsrecht ist ein Recht des Bürgers gegen den Staat- daraus eine Legitimation für die Ermorderung von Jugendlichen in einem Ferienlager abzuleiten, kann nur ein vollkommen geisteskrankes Gehirn schaffen- und dies wiederum könnte man demjenigen, der sich auf das Widerstandsrecht beruft, in keiner Weise zurechnen.

          Ich bin i.Ü. der Meinung, dass wir die in Art. 20 IV definierte Widerstandslage längst erreicht haben. Spätestens mit der Schaffung der Transferunion im Zusammenwirken mit dem Vertrag von Lissabon ist Deutschland de jure und de facto zu einem unsouveränen Gliedstaat in einem europäischen Bundesstaat gemacht worden- einem Bundesstaat, den eine demokratisch nicht hinreichend legitimierte und zudem von einer immer totalitärer werdenden Ideologie geprägte Burokratie autokratisch regiert. Damit hat eine korrupte Oligarchie es mittels eines (recht geräuschlosen) Staatsstreichs von Oben unternommen, die verfassungsmäßige Ordnung der Bundesrepublik, die die nationalstaatliche Souveränität Deutschlands voraussetzt, zu beseitigen. Dies erfüllt m. E. die tatbestandlichen Voraussetzungen des Art 20 IV GG (instruktiv hierzu sind die Arbeiten von Prof. Dr. Schachtschneider von der Universität Erlangen).

          • Die „klassische“ rechte Szene hat mit Breivik auch wenig am Hut.

            Man lese hier:
            http://www.kreuz.net/article.13608.html

          • Was PI und Konsorten angeht hast Du völlig recht. Die sind bis auf die Islamkritik fast völlig systemkonform, wenn auch sicherlich meist marktwirtschaftlicher und generell einwanderungskritischer als die Bundestagsparteien, was offensichtlich schon ausreicht um ein „Haß-Blog“ zu sein.

            Daß diese Kräfte im Augenblick vorrangiges Kampagnenziel sind ist ebenfalls nicht zu leugnen, ist ja auch verständlich: die rechten Parteien, die in den anderen Ländern Europas in den letzten Jahren Stimmen gewinnen konnten sind sämtlich der „neuen Rechten“ zuzuordnen. Insofern ist klar, daß dem Kampf gegen diese neue Rechte aus Sicht der Linken Vorrang gebührt.

            Ich stimme ebenfalls mit Dir darin überein, daß wir die Widerstandslage erreicht haben, aber wir wissen ja alle was so ein Paragraph im Zweifel wert ist.

            Wenn ich von Selbstkritik schreibe, so meine ich damit nicht, daß wir uns gegenüber dem politischen Feind in irgendeiner Weise rechtfertigen müssten. Unsere Grundrichtung ist korrekt und für das Attentat können wir auch nichts. Nur bin ich generell davon überzeugt, daß jede Gruppe sich damit auseinandersetzen muß was ihre (evtl. irregulären) Fußtruppen in ihrem Namen so Anrichten.

            Ich mag diese Distanziererei einfach nicht.

            Ein paar linke Saboteure legen halb Berlin für einen Vormittag lahm. Reaktion: das waren keine Linken sondern einfach nur Chaoten, außerdem hat die Bahn auch ein wenig Schuld, weil die attackierte Struktur recht einfach zugänglich war, etc.

            Selbstkritik: null. Aus Sicht von Andrea Nahles oder Renate Künast auch klar, die beiden haben den Sabotageakt sicherlich nicht initiiert oder auch nur gut gefunden. Dennoch läßt sich von ihrem Weltbild aus eine Brücke zu demjenigen der Saboteure schlagen, ohne daß man dabei Ideen verbiegen muß. Dies wird aber einfach -wahrheitswidrig- abgestritten.

            Fußballvereine machen das bei Hooligan-Ausschreitungen auch so: „Das sind keine Fußballfans, das hat mit Fußball nichts zu tun etc.“ Warum tragen die Hooligans dann Fußballtrikots und begehen ihre Verbrechen im Rahmen von Fußballspielen?

            Und so ist es eben auch bei uns. Wie gesagt, niemand hätte das Oslo-Attentat verhindern können, niemand hat direkt und unmißverständlich zu Gewalt aufgerufen, niemand hat eine feindliche Gruppe offen als legitimes Anschlagsziel benannt.

            Eine zumindest theoretische vage Gewaltbereitschaft läßt sich in der Szene aber schon ausmachen. (…)

            Wie gesagt: das heißt nicht das wir uns gegenübere irgendjemandem rechtfertigen müßten, erst recht nicht, daß wir eine Mitschuld haben.

            Der Gegner hat definitiv einen Balken im Auge und überhaupt kein Recht auf unseren Splitter zu zeigen. Aber dennoch sollten wir versuchen, selbst diesen kleinen Splitter zu entfernen. Ich halte es nicht für eine Schwäche, wenn man eigene Fehler zugibt und beseitigt, solange man in der entscheidenden Sache hart bleibt.

          • PI und die liberale Islamkritik werden von der Medienkampagne profitieren, wenn sie sich deutlich vom Nationalismus distanzieren.

            http://fjordman.wordpress.com/2011/07/27/eine-verschworungs-theorie/

            Lest doch mal PI, es geht schon los!

    • Anscheinend sitzt der Kater nach Fukushima und Stuttgart21 den Leuten noch in den Knochen, keiner hat mehr Bock auf neue Massenmobilisierungen.
      Viele Leute merken auch langsam, daß die anhaltende Wirtschaftskrise immer ernster wird.

      Oberflächlich wirken viele Deutsche auf mich völlig fatalistisch, was sie wirklich denken?

      • Ich weiß nicht mal ob die Wirtschaftskrise den Leuten so in den Knochen steckt. Ich denke die Propaganda ist mittlerweile einfach zu grob um noch ernstgenommen zu werden. Ich habe gerade ein Interview des Spiegels mit Ernst Jünger von 1982 gelesen.

        http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-14347117.html

        Gar nicht mal sonderlich interessant, aber: der Spiegel wäre heute nicht mehr dazu in der Lage so ein Interview überhaupt zu führen. Erstens sind die Redakteure nicht mehr ausreichend gebildet, zweitens würden sie es nicht schaffen über ihren eigenen ideologischen Schatten zu springen. Früher wurde versucht den Gesprächspartner zu verstehen, heute versucht man ihn in die Enge zu treiben.

        Ein schönes Beispiel ist das Interview des Spiegels mit einem der deutschen Architekten, die das chinesische Nationalmuseum in Peking gebaut haben. Mir würden tausend interessante Fragen dazu einfallen, der Spiegel beschränkt sich auf: „Buhu, die Chinesen sind voll totalitär ey, darf man mit denen zusammenarbeiten?“ Und das über ein ganzes Interview hinweg.

        http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-77962960.html

        Die Journalisten sind Idioten deren einzige Qualifikation die richtige Gesinnung ist. Die Politiker sind Idioten deren einzige Qualifikation…

        Insofern ist Fatalismus angebracht. Diese Gesellschaft wird von Idioten gelenkt. Dies ist für jeden ohne Uni-Abschluss (und für viele mit Uni-Abschluss) offensichtlich. Warum soll man sich da noch aufregen?

        • Diese Gesellschaft wird von charakterlich und intellektuell defizitären Marionetten transformierend verwaltet.
          Es scheint ein schlichtes Faktum zu sein: Wir haben uns als Ethnie evolutionär nicht durchgesetzt. …

        • Und natürlich die archaischer funktionierenden Trittbrettfahrer-Ethien. Ergibt sich die Frage, was passiert, wenn der Wirt abstirbt …

        • ich denke doch, kurz vor der eigenen Geldbörse hört der Idealismus auf – auch in Deutschland.

  • Genau, wieso sollte sich der abgestumpfte Medienkonsument für ein Vorkommnis zwischen Guidos Hitler und dem Abschied von Wini Winehouse (oder wie das Ding heißt), für solch eine undurchsichtige Sache interessieren? Plumps, ins Sommerloch und plumps, wieder raus. Dazwischen ploppt die Bierflasche und knistert die Chipstüte. Willkommenes Ablenkungsthema angesicht dauernd dröger Pleitenachrichten. Jetzt reicht’s aber, genug geweint und Kerzlein gelichtert, nach zwei Wochen wird das nächste Thema durch die Presse geritten!

    Entlarvend sind doch solche Texte:

    Tagesspiegel: 27.07.2011
    Islamkritiker und die Anschläge von Norwegen
    Wohin mit dem Hass?
    Im Internet bestreiten Islamkritiker einen Zusammenhang zu den Attentaten in Norwegen. Doch ihre Rhetorik ist verräterisch. Was die Neue Rechte im Netz indes vermissen lässt, ist die Fähigkeit zur Selbstkritik.
    Von Johannes Schneider

    Vielleicht sollte man im Gegenzug mal nachhaken, wo die Selbstkritik der Multikulti-Fanatiker und Humanimporteure bleibt, die mit ihrem menschenverachtenden Gesellschaftsmodell bislang unauffällige Bio-Bauern wie Breivik in den Wahnsinn treiben.

    Stellt euch niemals dorthin, wo sie euch gern hätten!

  • Das kann ich nur bestätigen! Viele meiner Freunden sind leider nicht so islam-kritisch wie ich und kennen meine Einstellung dazu! Sie erkennen den Arsch und sagen mir, da wird euch aber jetzt ganz übel „mitgespielt“…

    Und das ist mehr, als ich erwartet habe!

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