Non veni pacem mittere sed gladium. (Mt 10,34)
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Das Jüdische Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus lädt für den 11.Juli in Berlin zu einer Diskussionsveranstaltung mit dem Journalisten Ulrich Sahm ein. Der Titel der Veranstaltung lautet:

Aktuelle Formen der Israelfeindschaft – Boykott – Blockadebrecher – Massensturm der Grenzen – einseitige Staatsausrufung

Die Veranstalter umreißen das Thema wie folgt:

„Klassische“ Kriege sind aus der Mode geraten. Die palästinensische Intifada und Selbstmordattentate „funktionieren“ nicht mehr richtig. Zaun, Mauer und andere israelische Maßnahmen zeigen Wirkung. Anstelle der „warfare“ ist nun die „lawfare“ getreten. Weltweit wird in Universitäten, im Internet, in der UNO und auf anderen Wegen gegen Israel „gekämpft“. Dieser „unbewaffnete“ Kampf soll Israel delegitimieren, mit Boykottaufrufen Israels Wirtschaft schädigen und mit Massenaufmärschen Israels Grenzen überrollen.

Dies ist offensichtlich der Fall. Die arabisch-islamische Strategie, Israel einzukreisen und von seinen Lebensadern abzuschneiden, musste zahnlos bleiben, solange nur die islamische Welt selbst sich daran beteiligte. Sie würde für Israel zur tödlichen Bedrohung, sofern Europa sie unterstützen sollte, und in der Tat zielt die muslimische Unterwanderungsstrategie in Europa nicht zuletzt darauf ab, genau dies zu erreichen.

Für diese Formen des Kampfes gegen Israel gibt es kaum Gegenmittel. (…) Für den Bestand Israels und das Ansehen des Staates selbst bei „guten Freunden“ und „Verbündeten“ bedeutet dieser ausgeklügelte Propagandakrieg eine echte Gefahr, der Israel fast hilflos ausgeliefert ist.

Auch dies ist korrekt. Die Frage lautet aber doch: Warum gibt es kein Gegenmittel? Warum ist es möglich, Israel zu delegitimieren und mit Boykottaufrufen zu überziehen?

Was tut Israel denn so Furchtbares? Es unterhält eine kampfstarke Armee („Militarismus“!), heißt nur solche Einwanderer willkommen, die zum eigenen Volk gehören („Rassismus!“), sperrt Angehörige eines Volkes, das regelmäßig Terroristen hervorbringt, mittels eines Zauns vom eigenen Staatsgebiet aus („Apartheid!“) und weigert sich, Millionen von Moslems die Einwanderung zu erlauben („Islamophobie!“).

Kurz und gut, Israels Politik zielt auf die Erhaltung der politischen, ethnischen, religiösen und kulturellen Identität des eigenen Volkes ab, und wird mir genau denselben diffamierenden demagogischen Schlagworten beantwortet, die Europäer mit vergleichbaren politischen Ansichten sich zuziehen. Die Prinzipien, die dieser Politik zugrundeliegen, sind also genau die, die man uns mit gewaltigem gewaltigem Aufwand an globalistischer, liberalpazifistischer Multikultipropaganda auszutreiben versucht. Das Ergebnis sieht genau so aus, wie ich es in einem Brief an meine israelische Bloggerkollegin Lila beschrieben habe:

Ihr beschwert Euch zu Recht, dass die Deutschen, und erst recht andere europäische Völker, zu wenig Verständnis für Eure Situation aufbringen und Euch mit Ratschlägen traktieren, deren Verwirklichung für Israel auf den nationalen Selbstmord hinausliefe. Nun frage ich Dich: Wie soll eigentlich ein Volk, das wie besessen an der Selbstauflösung und am eigenen Untergang arbeitet, Verständnis für ein anderes haben, das um seine Existenz kämpft? Wie soll ein Volk, das den deutschen Charakter Deutschlands nicht für erhaltenswert hält (und dies sogar als Ausdruck einer besonders hohen politischen Moral betrachtet), eine Politik unterstützen, die darauf abzielt, den jüdischen Charakter Israels zu bewahren? Und was sollen Völker, die ihre eigenen Länder der muslimischen Masseneinwanderung öffnen, davon halten, dass Ihr den Palästinensern das „Rückkehrrecht“ verweigert, statt sie ans Herz zu drücken, um mit ihnen Multikulti zu spielen?

Die Propaganda, die Boykottaufrufe, die Delegitimierungsstrategie der Palästinenser gegen Israel könnten niemals verfangen, wenn die Völker Europas nicht dazu dressiert worden wären, die Selbstbehauptung westlicher Nationen als etwas „Böses“ zu betrachten und aus Furcht vor der Nazikeule ihre existenziellen Eigeninteressen preiszugeben. Wer diese Dressur betreibt, delegitimiert Israel.

Unter diesen Umständen sollte es erstaunen, dass es — nicht nur, aber eben auch nicht zuletzt — gerade jüdische Organisationen sind, die diese Ideologie besonders engagiert propagieren und gegen Andersdenkende mit besonderer Häufigkeit und Aggressivität die besagte Keule schwingen. Man erinnere sich nur an den Auftritt von Michel Friedman, der mit dem Habitus des Chefanklägers in einem nordkoreanischen Schauprozess Thilo Sarrazin in die Nazi-Ecke zu drängen versuchte, nur weil dieser zutreffend davor gewarnt hatte, dass Deutschland sich abschafft. Was soll man daraus schließen, wenn nicht dies: dass Friedman will, dass Deutschland sich abschafft?

Dass sie dadurch Israel das Wasser abgraben, wird von diesen Leuten vielleicht nicht gewollt, aber billigend in Kauf genommen. Die von antisemitischer Seite als Vorwurf geäußerte Vermutung, Juden und jüdische Organisationen seien vor allem loyal gegenüber Israel, wird damit zwar widerlegt, aber auf eine Weise, dass man sich wünschen würde, sie wäre wahr, weil diese Organisationen dann wenigstens irgendjemandem gegenüber loyal wären.

Die Wahrheit ist schlimmer: Die Wahrheit ist, dass diese Leute alles andere eher tun werden, als ihren Kampf gegen die Fortexistenz der Völker Europas und ihrer Kultur einzustellen — lieber opfern sie Israel und nehmen in Kauf, dass ihre dortigen Glaubensbrüder von den Arabern „ins Meer getrieben“ werden. Als Kollateralschaden sozusagen. Man muss ja Prioritäten setzen.

29 Antworten auf Wer delegitimiert Israel?

  • Hervorragende Analyse. Und ich glaube, man kann daher behaupten, daß die linke Israelfeindlickeit tatsächlich nicht viel mit Antisemitismus zu tun hat.

  • Erst heute erklärte mir ein bekennender jüdischer Zionist, das Judentum beruhe auf universellen Werten und betrachte es als eine Sünde, nicht alle mühsalbeladenen Menschen der Welt in Deutschland willkommen und für eine große Bereicherung zu halten. Für Israel müsse man allerdings eine Ausnahme machen, da dies die Heimstätte der schon immer verfolgten Juden sei und dies nur bleiben könne, wenn diese sie nicht mit den geburtenstärkeren Arabern teilen müssten. D.h. irgendwie hatte er einen Weg gefunden, seine jüdische Identität universalistisch zu verkleiden und als etwas ganz anderes als die Identitäten europäischer Völker darzustellen. Er schien wohl auch deshalb selber zu glauben, was er sagte, weil fast nie jemand den Finger in diese Wunde gelegt hatte.

  • Lektüreempfehlung dazu:

    Arthur Schopenhauer,
    Parerga und Paralipomena II
    IX. Zur Rechtslehre und Politik
    § 132

  • Laut Wikipedia ist Loyalität die „innere Verbundenheit und deren Ausdruck im Verhalten gegenüber einer Person, Gruppe oder Gemeinschaft. Loyalität bedeutet, die Werte des anderen zu teilen und zu vertreten […].“
    Insofern tut man als Außenstehender vielleicht manchem Unrecht, wenn man ihn der Illoyalität bezichtigt, weil man sein Verhalten Dritten gegenüber mittelbar für schädlich hält. Definitiv illoyal wäre es, wenn das Handeln den Wertvorstellungen der Gemeinschaft und ihrem selbstwahrgenommenen Interesse zuwiderliefe oder wenn der Handelnde selbst überzeugt wäre, gegen das langfristige Interesse seiner Gemeinschaft zu handeln. Aber als Außenstehender kann man möglicherweise nicht immer beurteilen, ob dies tatsächlich der Fall ist.
    Hier ist ein Link zum zweiten Teil eines wie ich finde wirklich bemerkenswerten Vortrags des französischen Ökonomen, Autoren, ehemaligen Beraters von François Mitterrand und ehemaligen Präsidenten der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung Jacques Attali vor einer Studentenorganisation.
    http://www.dailymotion.com/video/x94b7w_atalli-peuple-juif-2-2_news
    Insbesondere ab der achten Minute wird dargelegt, wie ein sichtbares, koordiniertes Engagement jüdischer Personen und Organisationen bezüglich der Etablierung des Islams in Europa [hier geht es hauptsächlich um Frankreich, kurzzeitig auch um England] grundlegend für eine Verbesserung der jüdisch – muslimischen Beziehungen und damit langfristig für einen Frieden im Nahen Osten ist. Wer den ganzen Vortrag gehört hat, kann schwerlich den Eindruck davontragen, dem Globalisten und Panhumanisten Attali sei das Fortbestehen Israels und seines Staatsvolkes gleichgültig.
    Zuletzt ist hier noch ein ganz konkretes Beispiel dafür, dass ein ausgeprägtes Engagement für die Erhaltung der eigenen Identität mitnichten auf Kosten universalistischer, humanitärer Werte gehen muss.
    http://www.jpost.com/DiplomacyAndPolitics/Article.aspx?id=227332

    • Vielen Dank für den Link zu Attali. Für die, die Französisch können: Hört Euch das an. Der Bezug zu Israel ist gar nicht so zentral, eher eine Nebenbemerkung: Wenn wir französischen Juden die Interessen der Moslems fördern, tragen wir zum Frieden zwischen Israel und den Palästinensern bei. Was für ein Quatsch! Faule Ausrede und Gewissensberuhigung nach dem Motto „Jaja, irgendwie kriegen wir die Interessen Israels darin auch noch unter“. Bestätigt meine Analyse eher, als sie zu widerlegen.

      Zentral ist vielmehr die Aussage, Juden müssten, und zwar als jüdische Gemeinschaft, „um jeden Preis“ andere Minderheiten, insbesondere die Muslime, fördern, weil sie selbst davon am meisten profitierten. Kein Wort, keine Silbe, kein Gedanke über die Interessen der Franzosen. Ist das zum Kotzen!

      • Kein Wort, keine Silbe, kein Gedanke über die Interessen der Franzosen. Ist das zum Kotzen!

        Aus dem englischen Wiki:

        Early Life

        Jacques Attali was born on November, 1st 1943 in Algiers (Algeria), with his twin brother Bernard Attali, in a jewish family.

        Vielleicht nimmt er es selber gar nicht wahr, aber seine innere Loyalität zu seiner jüdischen Identität scheint größer zu sein als seine innere Loyalität zu seiner französischen Identität.

        • @ Leser 7.7. 2011/ 4.45 h:

          Lesen Sie zur jüdischen Loyalität den o.g. Text (1.17 h) von Schopenhauer. Der ist zwar gegenwärtig nicht opportun, gilt jedoch nach wie vor.

      • Attali ist auch ein typischer Vertreter des „ortlosen“ Philosophierens (siehe Sander, Auflösung aller Dinge).

  • Es will und will nicht in meinen Kopf, Manfred, warum folgendes nicht stimmen soll: Israel ist nicht wie andere, europäische Nationen. Israel hat seinen Staat auf Kosten eines anderen Volkes errichtet, das nun erbittert darum kämpft, sein Land zurückzubekommen. Schon von daher geht mir jegliche Empathie für den Existenzkampf Israels ab, auch, wenn ich im Zweifelsfall ihm den Sieg wünsche. Ich kann das lediglich strategisch betrachten. Das Gerede vom „hilflosen“ Israel will ich auch nicht mehr hören, nicht wenn es Atomwaffen hat, in den USA eine mächtige Lobby existiert und die deutsche Regierung sich ihm quasi unterworfen hat.

    Was die „besagten Leute“ betrifft, so sind sie natürlich „loyal“ gegenüber Israel, aber nehmen offenbar einfach nicht wahr, daß sie im Endeffekt gegen die Interessen Israels handeln. Sie sind wie der Skorpion in der Parabel vom Skorpion und Frosch: „Es ist meine Natur.“ Es ist fast schon eine Faustregel, daß die Juden sich immer auf seiten der Minderheiten schlagen, nie für die Mehrheiten. Das ist wohl in erster Linie eine psychologische Sache. Und: braucht Israel Europa denn wirklich?

    • Europa ist Israels wichtigster Handelspartner. Gewiss könnte es zur Not auch allein gestützt auf die USA überleben, aber auch deren Unterstützung ist nicht auf Ewigkeit sichergestellt. Die Muslime denken sich jedenfalls etwas bei ihrer Boykott- und Delegitimierungspolitik.

      Was nun die These angeht, dass der Staat Israel auf Kosten eines fremden Volkes – der Araber, denn „Palästinenser im heutigen Sinne des Wortes gibt es frühestens seit Gründung der PLO – gegründet worden ist, so hat dieses selbe Volk Dutzende von Völkern mit Waffengewalt unterworfen, zwangsarabisiert und – islamisiert. Wenn heute vom Atlantik bis zum Euphrat Arabisch gesprochen wird, so ist dies das Ergebnis von Jahrhunderten Gewalt und Unterdrückung, mit dem ein Gebiet größer als Europa arabisch gemacht wurde. Aus dieser Landmasse ist diesem Volk nun ein Gebiet kleiner als Hessen abgetrotzt worden, ebenfalls mit Gewalt. Wo ist das Problem? Dass ein Staat mit Gewalt gegründet worden ist, ist kein Argument gegen seine Legalität oder Legitimität. (Ein solches Argument wäre höchstens, wenn er sich nicht mehr mit Gewalt behaupten könnte, weil zur Staatlichkeit im völkerrechtlichen Sinne unabdingbar die Fähigkeit gehört, das eigene Territorium effektiv zu kontrollieren.)

      • Dann gehe ich noch weiter zurück, wie es die Israelis auch tun, und lese im Alten Testament nach, daß die alten Hebräer, von denen sie abzustammen behaupten, im selben geographischen Raum auch nicht gerade zimperlich mit anderen Völkern umsprangen. Die Polen können dasselbe von den deutschen Ordensrittern sagen, und darauf verweisen, daß die Slawen früher als die Germanen in Schlesien gesiedelt haben, und Ostpreußen auch einmal einem ausgerotteten Volk gehört hat. Da sind wir also wieder beim alten „Might makes Right“ angelangt, wie es auch in Jalta nicht anders praktiziert wurde.

        So mag die Weltgeschichte gehen, bitte – aber wenn man von hier aus argumentiert, bewegt man sich schon auf einer ganz anderen Ebene als das übliche sentimentale Geflenne über das arme, kleine, verfolgte Israel und die unter Naturschutz stehenden Juden. Soviel Zynismus bringe ich hier leider nicht auf. Ich kann kein Mitleid mit diesem Staat haben, der an einer Suppe würgt, die er sich selber eingebrockt hat. Daß wir nun mit Israel in einem Boot sitzen müssen, macht die Lage nur noch prekärer, zumal weit und breit kein Israel-Unterstützer in Sicht ist, der sich ernsthaft um unsere Lage kümmert. Diese Allianz ist mindestens so fatal wie die Deutschlands mit Italien im WKII. Nein, von mir wird kein Flaggenschwenken kommen, und von mir aus können sie Israel delegitimieren soviel sie wollen. Da bin nun ich wieder nicht überzeugt, daß der Fall Israels auch automatisch den unseren bedeuten würde.

        • @ ML (89 comments)8. July 2011 at 11:09

          Es ist, vor allem anscheinend für uns Deutsche, schwierig, nicht permanent Moral und Politik zu vermengen, ich weiß. Ein erster Schritt auf dem Weg zur Selbsterkenntnis kann das Buch von Thorsten Hinz sein. Die Beispiele, die Sie gebracht haben „Dann gehe ich noch weiter zurück, wie es die Israelis auch tun…“ und die Manfred gebracht hat „… so hat dieses selbe Volk Dutzende von Völkern mit Waffengewalt unterworfen…“, zeigen doch nun überdeutlich, dass es, zumindest auf diesem Gebiet keine universelle Moral gibt und geben kann, sondern natürlich nur eine Siegermoral. (Naiv wäre es freilich, nicht anderen gegenüber, z.B. Besiegten, auf genau dieser Sichtweise einer universellen Moral zu bestehen – aber seien Sie sich sicher, zumindest im angelsächsischen Raum kann ich diese „deutsche Naivität“ nicht erkennen)

          Und es geht auch nicht darum, ob „der Fall Israels auch automatisch den unseren bedeuten würde“, sondern darum, dass, solange Israel noch nicht gefallen ist, es unser natürlicher Verbündeter ist. Oder übernehmen Sie deren, für uns in diesem Falle vorteilhafte, Propagandatätigkeit? Allein Manpower mäßig dürften Sie damit einigermaßen überfordert sein 😉

        • Denn der HERR, dein Gott, wird dich segnen, wie er dir verheißen hat; so wirst du vielen Völkern leihen, und du wirst von niemanden borgen; du wirst über viele Völker herrschen, und über dich wird niemand herrschen.

          5. Mose 15, 6

          • @Georg Mogel
            Wollen Sie mit dem Zitat aus Bibel sagen, dass Israel Deutschand sowiel Geld geliehen hat, so dass daher Israel jetzt über Deutschland herrscht?

    • @ ML:

      Sprechen sie dann auch den USA, Australien, Kanada und Neuseeland das Existenzrecht ab?

  • Manfred, haben Sie letztens Hebron besucht?

  • Der Artikel ist hervorragend, der Argumentationsleitfaden politisch sehr gut durchdacht und von hohem Wert als Grundlage für jede diesbezügliche Diskussion. Ebenso die Darstellung der Interessengegensätze der Israelis und der Diasporajuden. Wer es immer noch nicht begreift, wer unsere strategischen Partner sein können und müssen, begreift`s in dem Leben nicht mehr.

    Allerdings schätze ich es nicht so ein, dass Juden, sei es in Israel, oder in der Diaspora, tatsächlich Israel opfern würden (außer vielleicht die antizionistische radikal-orthodoxen Neturei Karta um Ahron Cohen, die diese Ansicht aber aus rein religiösen Gründen vertritt). Ganz einfach deshalb, weil die Wiederauferstehung Israels auch für den globalistischsten, universalistischsten und assimiliertesten Juden eine Bedeutung hat, bis weit in hinein in die eigene Identität. Die Existenz Israels ist für jeden Juden eine Frage weit über die politische Dimension hinaus (genau dies ist ja auch letztlich der Vorwurf – und, wenn man so will, „Alternativ-Vorschlag“ für das evolutionäre Weiterbestehen des jüdischen Weltberufs – den die oben erwähnte antizionistische Neturei Karta anbietet). Wenn dem aber so ist, wie ich behaupte, dass die Existenz Israels inzwischen grundlegend und untrennbar verknüpft ist, mit der persönlichen Identität fast jedes Juden, dann ist genau hier die Achillesverse der jüdischen Organisationen. Und in den dadurch entstandenen Auseinandersetzungen zwischen globalistischer und nationaler Sicht, nicht nur zwischen Israel und den Diasporajuden sondern auch innerhalb der jüdischen Organisationen, sehe ich langfristig eine Chance zur Zurückdrängung der globalistischen Multikultipropaganda aus dieser Ecke.

    • Wahre Worte. Zum Teil ist auch unsere Wahrnehmung, speziell in Deutschland gestört. Wo nur Typen vom Schlage Friedman und Kramer das Sagen haben, kann man schnell einen falschen Eindruck bekommen.

  • Historische Verantwortung

    „Gerade an dieser Stelle sage ich ausdrücklich: Jede Bundesregierung und jeder Bundeskanzler vor mir waren der besonderen historischen Verantwortung für die Sicherheit Israels verpflichtet. Diese historische Verantwortung Deutschlands ist Teil der Staatsräson meines Landes. Das heißt, die Sicherheit Israels ist für mich als Bundeskanzlerin nicht verhandelbar. Und wenn das so ist, dann dürfen das in der Stunde der Bewährung keine leeren Worte bleiben.“

    Bundeskanzlerin Merkel in ihrer Rede vor dem israelischen Parlament am
    18.3. 2008

    Eine derart weitgehende Verpflichtungserklärung Deutschlands für Sicherheit und Existenz eines f r e m d e n Staates („Teil der Staatsräson“) ist in der Geschichte souveräner Staaten einmalig und der besonderen Beziehung der „BRD“ zu diesem Staat der Juden geschuldet.
    Bemerkenswert auch, daß die gesamte politische Elite des gegenwärtigen deutschen Staates danach trachtet, immer mehr staatliche Kompetenz, bis hin zum Budgetrecht des Parlamentes, an eine nicht demokratisch legitimierte „europäische“ Institution abzutreten, und mittelfristig die Selbstauflösung Deutschlands -sowohl staatsrechtlich, als auch durch faktenschaffende „Umvolkung“- als Nationalstaat anstrebt. Merkel und die Verantwortlichen nehmen in eidbrüchiger Weise ihre historische Verantwortung für das ihnen anvertraute Deutschland nicht wahr. Nicht Israel, sondern dieses Rest-Deutschland wird, für jedermann ersichtlich, in seiner Existenz durch die unter fremdem Dirigat stehenden eigenen Machthaber auf das Schwerste bedroht.
    Ein ungeheuerlicher Vorgang, der sich vor aller Augen und ohne ersichtliche Gegenwehr hier abspielt!

    • Das heißt, die Sicherheit Israels ist für mich als Bundeskanzlerin nicht verhandelbar.

      Es ist doch vernünftig, dass die Bundeskanzlerin keine Verhandlungen über die Sicherheit Israels führen will.

      Und wenn das so ist, dann dürfen das in der Stunde der Bewährung keine leeren Worte bleiben.

      Doch, dass sind leere Worte. Schließlich hat der Bundestag einstimming Israel dafür abgewatscht, als es sich gegen die Blockadebrecher verteidigt hatte. Aber selbst wenn es ernst gemeint wäre, dann ist es trozdem nicht „einmalig“, denn es gibt den Nato-Vertrag mit 27 anderen Ländern, inklusive der Türkei.

      • @ Lupos 8.7. 2011/ 12.05 h und 16.13 h:

        Deutschland kommt in den Büchern Mose nicht vor.
        Ihre Fähigkeiten zur Exegese sollten nicht brachliegen.

  • 7. Mai 2011, der Höhepunkt des Jahres für meine Stadt: der Grundstein für die neue Moschee (DITIB) wird gelegt. In der Baugrube stehen: der Oberbürgermeister(CDU), der katholische Pfarrer (im Meßgewand!, mit dem Ausspruch „Gott ist der Vater aller Menschen!“, der evangelische Pfarrer und DER RABBINER!, ein promovierter Mensch.
    Das das alles vom Vorsitzenden des Moscheevereins ausgeschlachtet wird, liegt auf der Hand, da ich diesen zudem für etwas einfach gestrickt halte, ist nicht auszuschließen, daß er an dieses Szenario selbst glaubt.

  • Da ich zum ersten Mal hier kommentiere, will ich vorausschicken, dass ich von diesem Blog und wie von den Kommentatoren mit Ernst und Passion gerungen wird, sehr beeindruckt bin.

    Gesetzt, dass „Leute“ wie Friedman, man kann ihm auch Broder zur Seite stellen („Was ich völlig im Ernst gut finde ist, dass diese demografische Struktur Europas nicht mehr zu halten ist. Je eher die Europäer das einsehen, desto besser. Einige Städte sind schon recht farbig und nicht mehr «arisch» weiss, und dagegen kann man überhaupt nichts sagen. …Ich würde gerne das weisse Europa aufgeben, aber ich würde ungern das demokratische Europa aufgeben“), den Kampf gegen die Völker Europas und ihre Kultur einstellen würden, wären dann Strom und Bäche vom Eise befreit, würden die Quellen für Kraft und Selbstbehauptung wieder sprudeln, würden die Schöße wieder fruchtbar werden?

    Ein Vergleich: Rabbi Lau über das jüdische Überleben (http://www.youtube.com/watch?v=YVWjNOoWLWI). Der Rabbi stellt fest „the battlefield is every place where a Jew exist“ und bittet den Herrn „to protect our State, our National Home, … the Jewish people to be immortal so the chain will be always unbroken.“ Ist dieser Enthusiasmus nicht Lichtjahre von uns, den Deutschen, Franzosen et al, bei denen ich keinen Enthusiasmus feststellen kann, entfernt? Der komparative Vorteil der Juden ist die Einheit von Volk, Nation und Religion. Welchen Enthusiasmus könnten denn wir mobilisieren, auf welche Kraftquelle könnten wir zurückgreifen? Wahrscheinlich habe ich auf Ihrem Blog, Manfred, das eine oder andere übersehen, aber ich habe den Eindruck gewonnen, dass Sie als Kraftquelle die christliche Tradition Europas mit den jüdischen Wurzeln anzapfen wollen. Weht dort noch der Geist? Durch das Christentum mit dem unaufhebbaren Antagonismus zwischen dem Alten und Neuen Bund sind wir auf die Juden fixiert und von ihnen verzaubert (spirituell kolonisiert), das Christentum ist – ich will zuspitzen – eine Danaergabe der Hebräer. Der französisch-sephardische Philosoph Albert Caraco hat geschrieben:

    „… der von der jüdischen Hypothek befreite christliche Glaube wird sich unweigerlich auflösen und der, der sich weigern wird zu brechen – ob er will oder nicht-, in einen gemäßigten Judaismus münden: Unsere berühmten katholischen Progressisten leiten diese Rückkehr formal ein. So halten wir uns auf dem Fels, und mit dem Schlüssel in der Hand wird der Judaismus, der während des Exils keine Altäre und Priester hatte, mit Priestern – dem wiedererrichteten Tempel – und mit Altären versehen sein, er wird somit wieder Universalität erlangen, das Erbe des Islam und der Kirche einsammelnd, wie es schon Maimonides voraussah.
    … Ah! Was für ein Trümmerfeld sich vorbereitet! Welche erstaunlichen Stöße und schrecklichen Erschütterungen! Wieviel Stoff zu Gelächter für für die, die seit so vielen Jahrhunderten weinen! JETZT WIRD ES EINE LUST ZU LEBEN, WIR JUDEN WISSEN, WAS DA KOMMEN MUSS, WIR SIND DAS SCHICKSAL SELBST, DAS ALLE GEGNER TRIFFT, DIE WELT IST ENG, AUF DASS KEIN FEIND ENTWEICHE, KEIN STERN IST DA, WELCHER DIE HENKER BIRGT.“ (Brevier des Chaos)

    Um unser Schicksal adäquat zu beschreiben, müßte man eine Lehre des Verfalls, der Verwesungsprozesse einer Kultur, entwickeln. Ich befürchte, wir Europäer werden keine andere Chance haben, als uns aus dem jüdisch-christlichen Alptraum herauszuarbeiten und mit oder ohne einen Gott einen Enthusiasmus zu wecken „to protect our people to be immortal so the chain will be always unbroken“.

    Ich hoffe, ich bin hiermit nicht zu heftig in die Diskussion eingestiegen. Wenn doch, bitte ich um Verzeihung.

    • In den letzten/nächsten Tagen/Wochen hatte/habe ich wenig Zeit zum lesen und kommentieren.

      Hier allerdings möchte ich Ihnen unbedingt zustimmen. Ohne das Dreieck Staat (als Herrschaftsinstitution) religiöse und ethnische Identität/Homogenität ist kein Volk auf Dauer zu halten.

      Staat? Tot.
      Religion? Tot.
      Die Ethnie? Fast Tot.

      Das Deutsche ist nicht zu halten.

      Bei den Juden und Israel dürfte die Lage ganz ähnlich sein. Der im wesentlichen jüdisch geprägte Universalismus macht im Spiel über Bande Israel erhebliche Schwierigkeiten. Entweder gewinnt Israel, dann muß der Universalismus verlieren. Oder es verliert Israel.
      Der Gegner ist nicht das Arbertum bzw. der ISlam sondern der Universalismus. Aber einen gemeinsamen Antiuniversalismus-Universalismus kann ich beim besten Willen nicht sehen.

      Ich sehe allerdings keinen Grund für ein Sitzen mit Israel in einem Boot, gar ein identisches Interesse, das für ein Bündnis ausreichte.
      Der Universalismus ist der Feind. Gegen den Universalismus würde ich mich auch mit dem ärgsten Taliban verbünden. Die Masseneinwanderung nach Deutschland ist natürlich die Folge des Universalismus. Auf dieser Welle reiten die Türken und Araber ganz smooth ins Land und an die Macht. Selbst vertreten tun sie das nur so lange es nutzt.

      Ich finde es schade, daß das Niveau der Diskussion bei diesem Thema deutlich gesunken ist. Dogmen, die unbegründet bleiben, wie bspw. von Lupos, sind das Gegenteil von Niveau. Das gilt auch anderherum, habe ich hier aber nicht gelesen.

      • @ Meyer 12. July 2011 at 18:54, dessen Kommentare ich im Großen und Ganzen durchaus schätze.

        Den Vorwurf, „daß das Niveau der Diskussion bei diesem Thema deutlich gesunken“ sei, halte ich zumindest für gewagt bei einem Kommentar in dem Punkte enthalten sind, die uns hinter bereits gewonnen strategische Überlegungen zurückwerfen.

        Ich möchte aber zuerst auf einige andere Behauptungen in Ihrem Kommentar eingehen:
        1. Ohne Staat sei ein Volk auf Dauer nicht zu halten.
        Dies widerspricht völlig der von jedem feststellbaren Tatsache, dass die Juden mindestens 2.000 Jahre ohne staatliche Organisation als Volk überleben konnten.
        Mir geht es jetzt aber nicht um eine Diskussion um exakt dieses Phänomen und ein „wie, warum, wodurch“, dies könnte man zu einem anderen Zeitpunkt besprechen. Mir geht es um die Aufforderung, gerade an uns, permanent darum bemüht zu sein, die Wirklichkeit genau so zu sehen, wie sie nun mal ist. Und sie sich nicht zurechtzubiegen. Wichtig ist zu Beginn jeder Analyse eine schonungslose Sammlung der Fakten.
        2. „jüdisch geprägte Universalismus “ auch dies ist eine Aussage, die so nicht stimmt. Der Universalismus ist keine ursprünglich jüdische Weltsicht, sondern eine (alt)griechische. Entstanden aus der „Übersetzbarkeit“ der antiken Götter und der Notwendigkeit einer geistig/philosophischen Antwort auf die Herausforderung in Folge der Ausdehnung des griechischen Herrschaftsraums nach Alexander. Ein Stichwort dazu z.B. Oikumene. Im Gegensatz dazu ist es das Kennzeichen der jüdischen Religion, dass sie eben nicht für jeden offen ist, sondern (mit Einschränkungen) grundsätzlich nur für die eigene Ethnie.
        Auch hier geht es mir nicht um „Korinthenkackerei“, und auch nicht um die auch mir bewusste Tatsache, dass der Universalismus von den Juden in der Diskussion mit uns als geeignete geistige „Waffe“ übernommen wurde. Sondern darum, die Realität – in diesem Falle, unseren eigenen Beitrag zum „Universalismus“ – so zu sehen, wie sie ist. Ich betone nochmal, anders sind sinnvolle Strategien nicht zu erarbeiten, sondern höchstens ein utopisches Wunschdenken!
        3. „Entweder gewinnt Israel, dann muß der Universalismus verlieren. Oder es verliert Israel. Der Gegner ist nicht das Arbertum bzw. der ISlam sondern der Universalismus.“
        Beide Einschätzungen sind, m.M.n. nicht nur völlig falsch und durch keinerlei realistische Einschätzungen zu belegen, sondern bestenfalls ungeprüfte Behauptungen. Allerdings solche, die uns nicht weiterbringen sondern nur schaden!

        Israel ist als Nation und Staat, aufgrund gemeinsamer Interessenlage, unser Verbündeter. Wer dies nicht begreift, sollte sich einfach mal hinsetzen und in aller Ruhe nachdenken.
        Die Diasporajuden bzw. deren Organisationen handeln (dies als generelle und damit durchaus auch teilweise hinterfragbare Aussage), aufgrund ihrer Interessenlage, gegen unsere Interessen.
        Das Judentum ist, wie grundsätzlich jede „Ideologie“/Religion die über eine starke Erinnerungskultur verfügt, unter memetischen Gesichtspunkten zu betrachten. Anders sind die Phänomene, denen wir uns gegenübersehen, in ihrer Gesamtheit, nicht zu verstehen. Und damit auch keine Strategie möglich, die zu einer grundsätzlichen und radikalen Änderung führen soll.

        Zur Darstellung der Memetischen Sichtweise möchte ich noch eine kurze Zusammenfassung eines Artikel von Susan Blackmore anfügen:
        „Nur Menschen haben Sinfonien komponiert, fahren Auto, … Nur wir denken über den Ursprung des Universums nach. Das Problem hiermit ist, dass all dies für das reine Überleben überflüssig erscheint. Steven Pinker (MIT/Cambridge): „Was die biologischen Ursachen und Wirkungen angeht, ist Musik nutzlos.“ Die klassische (darwinische) Evolutionstheorie kann solchen Luxus nicht leicht begründen. Kaum ein Wissenschaftler wird die darwinische Theorie aufgeben wollen. Doch so lange diese Theorie nicht erklärt, warum wir Menschen so viel Kraft in Sachen setzen, die überflüssig sind …? wo sollen wir dann nach einer Antwort suchen?

        Ich sage: bei den Memen. … Es ist verlockend, Meme einfach als „Ideen“ zu betrachten. Richtiger ist aber, dass sie eine Form von Information darstellen. … Die Vorstellung, dass es Meme gibt und dass sie evolvieren, ist nicht neu. Aber erst in jüngster Zeit sind sie als eine Triebkraft der menschlichen Evolution im Gespräch. … Dawkins erklärt, er habe mit dem neuen Begriff nichts Weltbewegendes im Sinn gehabt. Seine Leser sollten nur verstehen, dass Gene in der Evolution nicht alles sind. Tatsächlich aber steckt in der Idee Sprengstoff. Sind Meme wirklich Replikatoren, dann wetteifern sie wie Gene miteinander darum, kopiert zu werden – um ihrer selbst willen. … Sollte … Dawkins darin Recht haben, dass Meme selbst auch Replikatoren sind, dann … verfolgen Meme ihre eigenen egoistischen Ziele und replizieren sich wann immer möglich. Sie formen in dem Fall unseren Geist und unsere Kultur. … Nach Dawkins gilt Gleiches für die Weltreligionen. Von den unzähligen kleinen Kulten mit charismatischen Führern, die in der Menschheitsgeschichte jemals auftraten, waren nur einige wenige zum Überleben gerüstet – weil sie Kopier-Anweisungen enthielten, denen Drohungen und Lockungen zur Durchsetzung verhalfen. … All dies sind Meme (oder Zusammenschlüsse von Memen), denn sie werden von einer Person zur anderen übermittelt, und sie ringen in den engen Grenzen des Gedächtnisses und der menschlichen Kultur miteinander um ihr Überleben. …
        Aus der Perspektive der Meme ist jeder Mensch eine Vervielfältigungsmaschine für Meme, ein Vehikel zu ihrer Verbreitung, eine Gelegenheit für sie, sich zu vermehren, und eine Ressource, um die sie konkurrieren. … Diese neue Sichtweise ist gleichzeitig überwältigend und bestürzend. … Ich glaube, dass die Memetik sehr viel dazu beitragen wird, unsere … Kulturen und Gesellschaftsformen zu erklären. Wir Menschen unterscheiden uns von allen anderen Tieren deswegen, weil nur wir irgendwann in grauer Vorzeit das Vermögen erlangten, andere in großem Umfang nachzuahmen. Diese Errungenschaft rief neue Replikatoren auf den Plan: die Meme. Sogleich begannen diese, sich zu vermehren und uns als ihre Kopiermaschinen zu benutzten, ganz ähnlich, wie die Gene die Kopiermaschinerie der Zellen verwenden. … Als nun jeder auf Nachahmung zu setzen anfing, wurde der zweite Replikator sozusagen auf die Welt losgelassen. Das veränderte die menschliche Evolution für immer, denn die Meme begannen, die Herrschaft zu übernehmen.„ aus „Die Macht der Meme“ von Susan Blackmore

  • Sehr guter Beitrag, der nur allzu wahr ist! Ist es nur die eigene Dekadenz, die uns zum kollektiven Selbstmord treibt?

    • Dekadenz ist nur ein Symptom. Was die europäischen/weißen Völker zum kollektiven Selbstmord treibt, dürfte wohl ein Wechselspiel zwischen ihrer evolutionsbiologisch bedingten Neigung zu Individualismus und moralischem Universalismus einerseits sein, und wirkmächtigen, zerstörerischen Ideologien andererseits, die diese Neigung gezielt ausnutzen. Diese Ideologien zapfen unseren (unter bestimmten Bedingungen ja durchaus vorteilhaften) Individualismus der an, um ihn auf ein solches Maß zu übersteigern, dass er unsere kollektiven Identitäten, insbesondere unseren Zusammenhalt als ethnische Gruppen aufzulösen beginnt. Und indem man uns von unserer moralischen Verkommenheit überzeugt, werden wir dazu gebracht, uns selbst zum Ziel altruistischer Bestrafung zu machen (die eine typische Konsequenz von moralischem Universalismus ist).

      Ich empfehle in diesem Zusammenhang, Kevin MacDonald zu lesen – insbesondere seine „Culture of Critique“-Reihe. Mir hat das die Augen geöffnet. In gewisser Weise beschreibt MacDonald nämlich die gleichen Phänomene wie Manfred in seinen Texten zur Metaideologie von Liberalismus und Marxismus – nur eben aus einer anderen, nämlich evolutionspsychologischen Perspektive, die den Vorteil hat, empirisch sehr gut fundiert zu sein (was bitte aber nicht als Kritik an Manfreds Werk gewertet werden soll, da es natürlich in der Natur der Sache liegt, dass Ideologiekritik auf einer eher abstrakten Ebene stattfinden muss).

      Einen entscheidenden Unterschied gibt es freilich schon noch: MacDonald ist einer der wenigen Akademiker, die ganz offen den Elefanten ansprechen, den wir im Zimmer stehen haben.

      Es stehen einige Vorträge von ihm im Netz, die auch jenen Lesern, die keine Lust darauf haben, sich durch seine Trilogie durchzuackern, klar machen sollten, was ich meine:

      http://www.youtube.com/watch?v=7Dk02loB8cE

  • sorry, aber OT…

    die ZEIT lässt gerade die intellektuelle Hose voll runter – mit Zwei Meldungen auf derselben Seite:

    Nr. 1:
    „Der Verteidigungsminister weist Kritik an der geplanten Panzerlieferung nach Saudi-Arabien zurück. Stattdessen betont er die stabilisierende Rolle des autoritären Regimes.“

    Nr. 2:
    „Der Westen muss seine Berührungsängste mit islamistischen Parteien ablegen. Sie gehören zu den Gewinnern des Arabischen Frühlings, schreibt N. Müller im Gastbeitrag.“

    Wenn man bedenkt, daß wahrscheinlich die Hälfte der Redaktion nicht zwischen saudisch und islamistisch unterscheiden kann, ist das doch sehr erstaunlich…

    Mein Votum: 12cm …

  • Mein Votum: 12cm …

    Auch wenn du nett sein möchtest … wir sollten nicht übertreiben! 😆

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