Non veni pacem mittere sed gladium. (Mt 10,34)
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VirOblationis nimmt in Deutschland kontrovers die geistigen Wurzeln der angelsächsischen Deutschfeindlichkeit unter die Lupe:

Deutsche waren bei vielen Völkern unbeliebt, nicht zuletzt bei den Engländern. Schauen wir uns die letztgenannten an Hand eines Beispiels näher an! In einem Artikel(JF 3/2011, S. 16) über Rudyard Kipling heißt es, daß er im eigenen Lande und desen weltumspannenden Kolonialiperium um 1900 so weithin anerkannt wurde, daß er fast als nationales Symbol galt. So dürfte Kiplings Charakterisierung der Deutschen als Tiere während des 1. Weltkriegs mehr sein als eine persönliche Entgleisung, vielmehr das wiedergeben, was viele seiner Landleute gedacht haben: „There are only two divisions in the world to-day–human beings and Germans…”

(…) Wo finden wir im Abendland ein Vorbild solchen Denkens, das die Menschen in zwei von Geburt an verschiedene Gruppen einteilt? Der Blick richtet sich auf Calvin, dessen Praedestinationslehre von ewiger Erwählung der einen und ewiger Verwerfung der anderen ohne deren Verdienst bzw. Verschulden ausgeht; es gibt niemals ein hinüber oder herüber.

Den ganzen Artikel lesen: Angelsächsischer Calvinismus und seine Folgen.

18 Antworten auf Angelsächsischer Calvinismus und seine Folgen

  • http://anundaussichten.wordpress.com/2011/05/23/rudyard-kippling-only-two-divisions-in-the-world/

    „VirOblationis“ und wohl auch Manfred sehen in Kiplings Auspruch einen näheren Zusammenhang zum Calvinismus der Angelsachsen an sich. Ganz falsch wird das nicht sein, wenn man an das Kriegsgebet im amerikanischen Kongress zum 1. Weltkrieg denkt (zu finden in: Franz Uhle-Wettler, „Gesichter des Mars“ – darauf werde ich bei Gelegenheit noch eingehen). Die generelle Vermischung von Gut und Böse, Wahrheit und Unwahrheit, Freund und Feind scheinen bei den Calvinisten und Angelsachsen im Ganzen wohl üblich. Aber ist das denn etwas so besonderes, nur weil wir Deutschen im ungünstigeren Falle zu objektivistisch und im günstigeren Fallle so analytisch sind, daß wir davon nicht betroffen sind. Wenn schon Analyse, dann sollte man aber auch feststellen, daß es sich um ein eher durchschnittliches Phänomen handelt, zu finden überall in der Welt. Spielt hier etwa die alte deutsche enttäuschte Liebe zu den Briten eine besondere Rolle? – Bei mir jedenfalls nicht.

    Für die besondere calvinistische Prägung Kiplings und damit die Verbindung von Calvinismus und Haß, besonders gegen lutherische oder römisch-katholische Deutsche, spricht schon das Elternhaus des kleinen Joseph Rudyard, dessen Eltern beide aus Pfarrer-Familien kamen. Degegen spricht allerding der Tod seines Sohnes im Kampf an der deutsch-Britischen Front. Aus dem Times-Zitat geht nicht hervor, ob er seine Äußerung vor oder nach dem Tod seines Sohnes 1915 verfaßt hat. Ein Zusammenhang ist allerdings überhaupt nicht auszuschließen.

    Eine reine Entgleisung wird sein Deutschenhaß wohl kaum gewesen sein, eher ein gesammtenglisches Phänomen. Na und? Der Neid auf uns Deutsche ist doch bis heute spürbar. Die Briten waren eben niemals wirkliche Spitze. Und das wissen sie.

    Was kümmert es die Deutsche Eiche, wenn sich ein Inselaffe an ihr kratzt? Dazu noch ein klemmschwuler?

    Imaugedesbetrachters (http://anundaussichten.wordpress.com)

  • Eine allgemeine Deutschfeindlichkeit der Briten, kommt mir eher ein bisl als an den Haaren herbeigezogen vor. Kipling war sicher ein klarer Befürworter des britischen Imperialismus und so Deutschfeindlich wie er war, war er auch gleichzeitig frauenfeindlich.

    Seine Popularität verdankte er aber eher seinen Kinderbüchern, hier mal das “Dschungelbuch” an erster Stelle genannt!

    Wenn seine Meinung Volkes Meinung gewesen sein soll , dann bitte ich die Autoren mal um Erklärung wie es sein konnte das kaum 70 Jahre vor seiner Geburt in vielen englischen Häusern und Stuben, ein Bild vom alten Fritzen hing. In Erinnerung und Bewunderung für die preußischen Leistungen im siebenjährigen Krieg, welche insbesondere Frankreich banden (Balance of Power) und damit die englische Dominanz in Nordamerika und Indien sicherten.

    Erst mit der deutschen Wirtschaftskonkurrenz Ende des 19. Jahrd., wurde von der angelsächsischen Presse im Dienste der eigenen Wirtschaft propagandistisch ein solches Deutschen-Bild erzeugt.
    Das Imperien sich von der Natur Ihres Selbstbildes heraus, immer als überlegen betrachten liegt wohl in der Sache bergündet.

    • Hinzuzufügen ist außerdem noch, dass seit 1714 die englischen Monarchen aus dem Haus Hannover stammten, seit Georg I., dessen Sohn (Georg II.) und Enkel (Friedrich Ludwig,
      Prince of Wales) ebenfalls noch in Hannover das Licht der Welt erblickt hatten.Diese, wie auch deren Nachfolger auf dem englischen Königsthron waren allesamt mit deutschen Prinzessinnen verheiratet und zugleich in Personalunion Kurfürsten und später Könige von Hannover. Diese Personalunion endete erst mit dem Beginn der Regentschaft von Königin Viktoria, da in Hannover eine weiblich Thronfolge ausgeschlossen war (Statt dessen wurde ihr Onkel, Ernst August, König von Hannover). Dass Viktoria wiederum mit einem Deutschen, Prinz Albert von Sachsen – Coburg – Gotha verheiratet war, dürfte zum Allgemeinwissen zählen. Angeblich soll auch die Königsfamilie untereinander Deutsch gesprochen haben. Im übrigen war auch Kaiser Wilhelm II. mütterlicherseits ein Enkel von Königin Viktoria. Das Verhältnis zwischen Briten und Deutschen änderte sich in der Tat erst mit dem Erstarken Deutschlands nach der Reichseinigung von 1871. Plötzlich stand ein ernstzunehmender Konkurrent auf dem Plan. Dass das ganze schließlich mit in den Ersten Weltkrieg mündete, ist bekannt. Letztendlich war die Abneigung gegen alles Deutsche so groß, dass das englische Königshaus den Namen „Sachsen – Coburg – Gotha“ ablegte und sich in „Windsor“ (bis heute) umbenannte.

  • Auch der Autor des immer noch sehr lesenswerten Meisterwerkes „Psychologie der Massen“ (Psychologie des Foules), Gustave Le Bon, sah das ganze deutsche Volk als Todfeind Frankreichs und befürwortete extreme Maßnahmen. Kann man bei Wikipedia (jedenfalls in der frz. Version) nachlesen, und in dem Meisterwerk selber klingt es auch an. Er meinte, das Sendungsbewusstsein, die Welt an ihrem Wesen genesen zu lassen, sei nicht von ein paar Politikern erzeugt sondern werde von Generation zu Generation immer wieder repliziert. Es ist wohl auch das Bewusstsein, dass Merkel mit ihrem Geschwätz über faule Südeuropäer für sich (und ihre Pläne einer Europäischen Wirtschaftsregierung) nutzbar zu machen versuchte.

  • Geradezu genozidalen Antigermanismus findet man natürlich bei Ilya Ehrenburg, Theodore Kaufmann und anderen weniger bekannten Autoren, die aber auch auf der von Kipling, Le Bon und vielen anderen begründeten Tradition aufbauen. Die jüdischen Wurzeln solcher Autoren aufzuzeigen (s. http://age-of-treason.blogspot.com/2011/05/whos-to-blame-for-anti-white-governance.html) dürfte zu kurz greifen. Ebenfalls zu kurz greift die Einsortierung in „antideutscher Rassismus“ auf „Deutschland Kontrovers“. Zumindest müsste man auch hier „Rassismus“ in Anführungsstriche setzen, denn Le Bon redet aus sehr guten Gründen von „race“ (Volk) als Substrat, das sich von Generation zu Generation repliziert und eine stabilisierende Basis für die ansonsten sehr kapriziöse „Psyche der Menge“ bildet.

    • Man sollte Kaufmann aber auch nicht größer machen, als er war. Er war ein unbedeutender, kleiner Wicht. Ein Büroangestellter und Verkäufer. Argyle Press war ein EinMann Unternehmen. Wenn man schon in der Richtung argumentieren will, dann doch besser mit Henry Morgenthau, der war immerhin wirklich wichtig.

  • Offenbar hatte die Angst vor den Deutschen um 1900 eine reale Basis, war also weder primär calvinistisch noch jüdisch. Das Kalkül der „antideutschen Rassisten“ war schlichtweg realistisch. Nach 1945 kämpften die Europäer nicht mehr untereinander um die Weltherrschaft, aber von der damaligen Konstellation ist noch immer, wie von Le Bon vorhergesagt, einiges übrig geblieben.

  • Daß im Konfliktfall die eigene Position auf jede Weise gerechtfertigt, die des Gegners delegitimiert wird, wäre wohl nichts besonderes, und der calvinistische Auserwähltheitsglaube mag dem noch einen besonderen Drall geben.

    Aber die Seelenlage besonders unserer westlichen Nachbarn scheint auf ihre Art nicht weniger psychotisch zu sein als unsere.

    Ich denke manchmal, dieser Antigermanismus hat deshalb so infernalische Formen angenommen, weil er kompensatorischen Funktionen erfüllt:

    Das 19. Jahrhundert war für die Engländer die Zeit eines irritierenden Niederganges. Zu Anfang noch einsam an der Spitze der Handels- und Seemächte, die einzige wirkliche Weltmacht, gerieten sie zunehmend unter den Druck der übrigen sich industrialisierenden Länder – nicht nur Deutschlands, sondern auch Frankreichs, Rußlands, Japans und allen voran der USA. Auf dem amerikanischen Kontinent hatten sie um die Mitte des Jahrhunderts nichts mehr zu melden. Seit dem Krimkrieg und dem Sepoy-Aufstand verbreitete sich die Überzeugung, daß Indien und die asiatischen Besitzungen auf lange Sicht nicht gegen die russische Expansion gehalten werden könnten. Als dann 1892 Rußland und Frankreich zueinander fanden, war die Isolierung Britanniens komplett. Es schien nur noch übrig zu bleiben, sich einem der kontinentalen Machtblöcke anzuschließen. Und daß die Entscheidung dann in der bekannten Weise ausfiel, lag nicht daran, daß Deutschland als besonders bedrohlich angesehen wurde, sondern im Gegenteil daran, daß die Engländer glaubten, sich unter keinen Umständen mit dem russisch-französichen Block anlegen zu dürfen.

    Es gibt eine Schule britischer Historiker (z.B. Keith Wilson), derzufolge das Gerede von der „German menace“ seit 1900 geradezu eine Autosuggestion der englischen politischen Klasse war, um sich die nicht mehr vorhandene Entscheidungsfreiheit wenigstens einreden zu können.

    Seit 1945 ist dieses Narrativ von dem „heroischen Widerstand gegen die deutsche Weltgefahr“ bekanntlich zum vorherrschenden Legitimitätsdiskurs geworden. Und den Europäern erlaubt es zudem, sich darüber hinwegzutäuschen, daß sie die Weltkriege eigentlich mitverloren haben. (Da standen sie nun vor den Trümmern ihrer Herrlichkeit. Das mußte doch schließlich einen Sinn gehabt haben … Die könnten sich ja sonstwohin beißen, müßten sie zugeben, daß sie ihre heutige Lage ihrem Kampf gegen den falschen Feind zu verdanken haben …). Deshalb ist es wohl auch von eigentlich „rechten“ Positionen aus zu verführerisch, sich an dieses Narrativ anzuschließen.

    Es ist übrigens auch bemerkenswert, wie oft westliche Islamkritik mit diesem absurden Deutschenhaß einhergeht. Im „Brussels Journal“ schrieb vor einigen Jahren ein Kommentator – unter allgemeinem Beifall – daß es legitim sei, alle Muslime aus Europa abzuschieben, so, wie schließlich auch die Polen und Tschechen 1945 das Recht gehabt hätten, alle Deutschen aus ihren Ländern „auszuweisen“, da diese sich „illoyal“ verhalten hätten…

    Jedenfalls sollten wir uns keine Illusionen machen: es gibt keine „Solidarität der weißen Rasse“. Antdeutsche Affekte sind mindestens im angelsächsischen Raum jederzeit abrufbar. Und zwar unabhängig davon, was die Deutschen tatsächlich tun. Es reicht schon, wie der Fall Lawrence Auster zeigt, daß ein harter angelsächsischer „Realist“ mit der Realität nicht klarkommt.

  • # imaugedesbetrachters

    Dazu noch ein klemmschwuler?

    Bereichern sie ihren Wortschatz: Was ist ein klemmschwuler?

  • Das Narrativ von der Gelben Gefahr kam auch ungefähr damals auf. Kiplings Kollege Jack London sah die Gefahr, dass Japan 400 Millionen Chinesen unterwerfen und zu einer (wirtschaftlich und militärisch) schlagfertigen Armee machen würde. Schon Napoleon sagte „Quand la Chine s’eveillera, la terre tremblera“. In den letzten 20 Jahren wird das ohne die Japaner wahr, und an der entsprechenden Feindesrhetorik herrscht kein Mangel. Insbesondere die EU legitimiert sich seit geraumer Zeit durch die Konkurrenz zu China u.a., dem gegenüber man mit einer Stimme sprechen müsse. Auf chinesischer Seite wird auch nicht immer alles unternommen, um diese Positionierung zu meiden.

    • Im Gedenken an den China-Kenner Kurt Georg Kiesinger

      14.03.1988

      NACHRUF
      KURT GEORG KIESINGER †

      Er fühlte sich als „Weltkind in der Mitten“: ein schwäbischer Schöngeist, ein charmanter Plauderer, der am Abend bei einem Viertele und einer „Erbprinz“-Zigarre gerne Anekdote an Anekdote reihte.

      Den britischen Journalisten Neal Ascherson erinnerte Kurt Georg Kiesinger an die Kindergeschichte von Ferdinand, dem Stier, der lieber an Blumen schnuppert als mit seinen Artgenossen kämpft.

      Das Regieren war für Kiesinger, von 1966 bis 1969 Bundeskanzler der ersten und bisher einzigen Großen Koalition aus CDU/CSU und SPD, eine „mühsame Plackerei“. Dennoch: Es hat sich wohl gelohnt. Dem „Kabinett der Köpfe“, dem so eigenwillige Männer wie Willy Brandt und Gerhard Schröder, Karl Schiller und Franz Josef Strauß, Hermann Höcherl und Herbert Wehner angehörten, gelang etwas, woran Wirtschaftswunder-Mann Ludwig Erhard mit seinem CDU/CSU-FDP-Vorgänger-Kabinett gescheitert war. Es legte einen ausgeglichenen Haushalt vor und verabschiedete ein Stabilitätsgesetz, das heute fast vergessen ist.

      Die Verdienste strichen „Plisch“ und „Plum“ ein, Schiller und Strauß. Kiesinger war geachtet, bewundert auch, galt aber, wie einer seiner Regierungssprecher, Conrad Ahlers, formulierte, als „wandelnder Vermittlungsausschuß“. Ahlers hatte dieses Wort nicht böse gemeint.

      Zu unterschiedlich waren die Interessen der beiden großen Parteien, zu hoch die Erwartungen der Wähler, die in diesem Bündnis mehr sehen wollten als eine Koalition auf Zeit: Die Aussöhnung des deutschen Volkes sollte es sein, der ehemalige Pg. Kiesinger Hand in Hand mit dem Antifaschisten Brandt.

      Die Vergangenheit hatte Kiesinger schnell eingeholt. Er war, Rechtsanwalt in Berlin, 1933 als 29jähriger in die NSDAP und 1940 in den Auswärtigen Dienst eingetreten.

      Kiesinger, von seiner Partei zum Nachfolger des gescheiterten Ludwig Erhard erkoren, wollte, noch vor seiner Wahl zum Bundeskanzler, aufgeben, als seine bräunliche Vergangenheit durchschimmerte. SPIEGEL-Redakteur Conrad Ahlers rettete ihn. Er fand in der Dokumentation des SPIEGEL ein Papier aus dem Jahre 1944. Zwei untergebene Referenten hatten Kiesinger bei der SS denunziert, er hemme „nachweislich die antijüdische Aktion“ der AA-Rundfunkabteilung, plädiere für politische Gespräche mit England und gehöre zu denen, die „der Außenpolitik des Führers entgegengesetzt sein könnten“.

      Die Diskussion um Kiesingers Vergangenheit verstummte dennoch nicht. Vor allem die Jungen begehrten auf, die 68er. Die außerparlamentarische Opposition verzieh ihm weder die braunen Jahre noch die Notstandsgesetze. Kiesinger hat die rebellischen Jungen nie verstanden, er wollte es wohl auch nicht. Beate Klarsfeld ohrfeigte ihn öffentlich – auf dem CDU-Parteitag 1968 in Berlin.

      In der Außenpolitik hielt die Große Koalition nicht das, was von ihr erwartet wurde. Kiesinger, ob seiner rhetorischen Begabung „König Silber-Zunge“ geheißen, hatte als junger CDU-Abgeordneter Konrad Adenauers Westpolitik verteidigt. Dennoch hielt ihn der Alte rigoros aus seinem Kabinett fern: „Sie haben eine viel zu dünne Haut.“

      Als Kanzler reparierte Kiesinger die von Erhard beschädigten Beziehungen zu Paris und Washington; in der Ost- und Deutschland-Politik aber wollte er nicht von den alten CDU-Träumen lassen.

      Die DDR blieb für Kiesinger ein „Phänomen“, dennoch wechselte er mit Willi Stoph, dem DDR-Ministerpräsidenten, erste Briefe und bot Verhandlungen über menschliche Erleichterungen an.
      Unentwegt warnte er vor roten und gelben Gefahren: „ICH SAGE NUR CHINA, CHINA, CHINA.“

      Bei der Bundestagswahl 1969 sah es über Stunden so aus, als werde er der Sieger. Schon feierten ihn seine Anhänger, doch am Schluß fehlten ihm sieben Mandate an der absoluten Mehrheit. Kiesinger, der die FDP aus den Parlamenten katapultieren wollte, ging ins Bett.

      Willy Brandt und Walter Scheel machten noch in der Nacht, gegen den Widerstand des Kiesinger-Freundes Wehner, die sozialliberale Koalition klar. Was wirklich blieb: Kiesinger hatte die SPD regierungsfähig gemacht und in einer Nacht die Macht der Christen-Union verspielt.

      Kiesinger zog sich grollend in seine schwäbische Heimat zurück; wehmütig erinnerte er sich an die „schönste Zeit“ seines Lebens, an die Jahre als Ministerpräsident Baden-Württembergs, als Universitätsgründer und Naturschützer, in denen er seinen wirklichen Leidenschaften frönen konnte, den „drei R“: reden, reisen, repräsentieren.

      Seine Memoiren, oft angekündigt, wurden nicht fertig. Kiesinger glaubte bis zuletzt an sich und wurde darüber 83 Jahre alt.

      DER SPIEGEL 11/1988

  • Die calvinistische Prädestinationslehre erinnert doch irgendwie an … DEN ISLAM !
    Manfred hatte das ja auch an einer Stelle angedeutet in Bezug auf die calvinistische Tugendrepublik in Genf.

  • Interessant das bei dieser Debatte niemand auf die Idee kommt, das diese vermeintliche Deutschenfeindlichkeit, entstanden zu einer Zeit der Wirtschaftskonkurrenz und Massenpropaganda lediglich vielleicht auch nur ein Produkt der englischen Eliten sein könnte im Rahmen den Staatsdoktrin der „Balance of Power“!

    In einer Demokratie kann man nicht so einfach einen Krieg erklären, den muss man massenphyschologisch vorbereiten.

    Letztendlich weißt alle neuere Geschichtsschreibung, auch die politisch Inkorrekte, daraufhin.

  • Nun sollen es die Calvinisten sein?
    Ein Freund erklärzte mir mal: „Selbst die Engländer, die so manchen religiösen Wahn gewohnt waren, schlugen drei Kreuze, als sie das Pack auf der Mayflower davonsegeln sahen.“
    Natürlich sind Calvinisten – wie die meisten religösen Fanatiker – zumeist wenig sympatischer als famatische Moslems.
    Aber warum am Brunnen rumstochern, wenn man zur Quelle gehen kann?
    In meinen naiven Jugendjahren spekulierte ich gerne durch, ob es möglich wäre, auch ohne Jude zu werden, eine christliche Lehre nach deren Leitlinien zu entwickeln, also möglicht noch auserwählter (= privillegienbehafteter) zu werden als jene. Denn das hatte ich erkannt: als braver Christ ist man gegenüber denen heutzutage stets der Verlierer.
    Dieses Problem dürfte viele Christen zu allen Zeiten umgetrieben haben.

    Mir scheint, man diskutierte gerne die Gefahren von Satelliten, die gemeinsam um ein schwarzes Loch kreisen. Die Satelliteen heißen mal Faschismus, Islam, Nazismus, Multikulti, Kommunismus, Sozialismus, … oder Calvinismus. Wesen und Wirken des schwarzen Loches und die Möglichkeiten ihm zu entkommen zu beleuchten wird peinlichst vermieden. Natürlich ist ein Zusammenstoß mit einem der anderen Satelliten gefährlich, doch die größte gefahr ist das schwarze Loch selbst.

    Was die Deutschen dazu bringt, den Juden desto williger zu lauschen und zu glauben, je gemeiner diese zu ihnen sind, wird mir ein ewiges Mysterium bleiben.
    Ich stehe zu meiner „Perversion“, lieber jenene Juden zu lauschen und glauben, die den Deutschen nachweislich freunschaftlich gesinnt sind. Einer der größten von ihnen, der in meinem Herzen bereits einen Ehrenplatz hat, ist Arthur Trebistch. Seit ich sein Buch „Deutscher Geist oder Judentum“ von 1921 (als Hörbuch) „gelesen“ habe, sind mir alle diese Diskussionen, „Welchen Anteil hat dieser oder jener Satellit an unserem Unglück?“ etwas schal.
    Ich lege Trebitschs Werke allen ans Herz, die wirklich begreifen wollen, was in der Tiefe unser/Europas Schicksal bestimmt. Laut Wikipedia scheinen sie in der ‚brd‘ nichtmal verboten zu sein – wohl weil Trebitsch Jude war?

  • Hartmut Pilch:
    „… das Sendungsbewusstsein, die Welt an ihrem Wesen genesen zu lassen, sei nicht von ein paar Politikern erzeugt sondern werde von Generation zu Generation immer wieder repliziert.“

    Genaus das ist es, was ich am „deutschen Wesen“ auch stets äußerst widerwärtig fand.

    Es ist der Typ des Oberlehrers, des bediensteten Besserwissers, der mit seinem Weltverbesserungsfimmel in der ganze Welt herumnervt. Da die anderen Völker archaisch egoistisch Politik betreiben, glaub(t)en sie den Deutschen ihre edlen Absichten oft nicht und witterten eine ganz hinterhältige Masche.

    Selbst Hitler hatte den deutschen „Objektivitätsfimmel“ als Grund für den verlorenen Krieg erkannt: wo die anderen gemeinste Propaganda betrieben, suchte die „deutsche“ Presse auch den Feind zu verstehen …
    In einem Gespräch sagte er auch mal (sinngemäß): „Diese Menschheitsfreunde bekunden, es gut mit Allerwelt zu meinen. In Wirklichkeit geht es ihnen wohl eher darum, daß die Welt es gut mit ihnen meine.“

    Wann immer ich Anwandlungen solcher Weltrettungsfantasien begegne, rufe ich aus: „Hört auf, die Welt retten zu wollen. Ihr könnt euch doch nichtmal selber retten!“

    Es stimmt: „Wer Menscheit sagt, will betrügen.“ …

  • Interessant das bei dieser Debatte niemand auf die Idee kommt, das diese vermeintliche Deutschenfeindlichkeit, entstanden zu einer Zeit der Wirtschaftskonkurrenz und Massenpropaganda lediglich vielleicht auch nur ein Produkt der englischen Eliten sein könnte im Rahmen den Staatsdoktrin der “Balance of Power”!

    In einer früheren Diskussion kam dieser Punkt durchaus schon einmal zur Sprache. Ich hatte damals dazu diesen Link …

    http://www.scribd.com/doc/19457501/Germaniam-esse-delendam-Deutschland-muss-vernichtet-werden-Germany-must-perish

    … gepostet, in dem die Hintergründe der englischen Kriegsvorbereitungen durch die damalige Elite dargestellt werden.

  • Engländer:

    Das ist keine philosophische Rasse – diese ENGLÄNDER: Bacon bedeutet einen Angriff auf den philosophischen Geist überhaupt, Hobbes, Hume und Locke eine Erniedrigung und Wert-Minderung des Begriffs »Philosoph« für mehr als ein Jahrhundert. Gegen Hume erhob und hob sich Kant; Locke war es, von dem Schelling sagen durfte: »je méprise Locke«; im Kampfe mit der englisch-mechanistischen Welt-Vertölpelung waren Hegel und Schopenhauer (mit Goethe) einmütig, jene beiden feindlichen Brüder-Genies in der Philosophie, welche nach den entgegengesetzten Polen des deutschen Geistes auseinanderstrebten und sich dabei unrecht taten, wie sich eben nur Brüder unrecht tun. – Woran es in England fehlt und immer gefehlt hat, das wußte jener Halb-Schauspieler und Rhetor gut genug, der abgeschmackte Wirrkopf Carlyle, welcher es unter leidenschaftlichen [719] Fratzen zu verbergen suchte, was er von sich selbst wußte: nämlich woran es in Carlyle fehlte – an eigentlicher Macht der Geistigkeit, an eigentlicher Tiefe des geistigen Blicks, kurz an Philosophie. – Es kennzeichnet eine solche unphilosophische Rasse, daß sie streng zum Christentume hält: sie braucht seine Zucht zur »Moralisierung« und Veranmenschlichung. Der ENGLÄNDER, düsterer, sinnlicher, willensstärker und brutaler als der Deutsche – ist eben deshalb, als der Gemeinere von beiden, auch frömmer als der DEUTSCHE: er hat das Christentum eben noch nötiger. Für feinere Nüstern hat selbst dieses englische Christentum noch einen echt englischen Nebengeruch von spleen und alkoholischer Ausschweifung, gegen welche es aus guten Gründen als Heilmittel gebraucht wird – das feinere Gift nämlich gegen das gröbere: eine feinere Vergiftung ist in der Tat bei plumpen Völkern schon ein Fortschritt, eine Stufe zur Vergeistigung. Die englische Plumpheit und Bauern-Ernsthaftigkeit wird durch die christliche Gebärdensprache und durch Beten und Psalmensingen noch am erträglichsten verkleidet, richtiger: ausgelegt und umgedeutet; und für jenes Vieh von Trunkenbolden und Ausschweifenden, welches ehemals unter der Gewalt des Methodismus und neuerdings wieder als »Heilsarmee« moralisch grunzen lernt, mag wirklich ein Bußkrampf die verhältnismäßig höchste Leistung von »Humanität« sein, zu der es gesteigert werden kann: so viel darf man billig zugestehn. Was aber auch noch am humansten Engländer beleidigt, das ist sein Mangel an Musik, im Gleichnis (und ohne Gleichnis –) zu reden: er hat in den Bewegungen seiner Seele und seines Leibes keinen Takt und Tanz, ja noch nicht einmal die Begierde nach Takt und Tanz, nach »Musik«. Man höre ihn sprechen; man sehe die schönsten Engländerinnen gehn – es gibt in keinem Lande der Erde schönere Tauben und Schwäne – endlich: man höre sie singen! Aber ich verlange zu viel…

    Friedrich Nietzsche,
    Jenseits von Gut und Böse
    -Völker und Vaterländer

  • Die So-tun-als-ob-man-sein-Licht-unter-den-Scheffel-stellt -Attitüde kaschiert in Wahrheit eine eitle Form von Hochmut.
    Gerade die Engländer pflegen diese Haltung, die oft auch als „stoisch“ mißverstanden wird.

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