Non veni pacem mittere sed gladium. (Mt 10,34)
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Der Bundespräsident hat zum 27. Januar, dem Holocaust-Gedenktag, eine Rede in Auschwitz gehalten, und wie üblich bei solchen Gelegenheiten, quoll die Rede von Masochistenpathos über:

Auschwitz liegt auf polnischem Boden. Eine ganz große Zahl von Opfern waren polnische Staatsangehörige. Polen und seine Bewohner haben unendlich unter der deutschen Besatzung und dem nationalsozialistischen Rassenwahn gelitten.

Der Name Auschwitz steht wie kein anderer für die Verbrechen Deutscher an Millionen von Menschen. Sie erfüllen uns Deutsche mit Abscheu und Scham.

Es ist keine billige Aufrechnung zu fragen, warum nach einem Jahrhundert der Massenschlächtereien, von denen der Holocaust nur eine war, ausschließlich deutsche Staatsoberhäupter solche Reden halten.

Wir tragen hieraus eine historische Verantwortung, die unabhängig ist von individueller Schuld.

Wer die Kollektivschuld-These vertreten will, möge das tun. Er möge dann aber auch dazu stehen und sich nicht hinter wolkigen Phrasen wie „Verantwortung“ verstecken.

Wir dürfen nie wieder zulassen, dass solche Verbrechen geschehen. Und wir müssen die Erinnerung wach halten. Denn das Wissen um das geschehene Grauen, die Erkenntnis dessen, was Menschen fähig waren, anderen Menschen anzutun …

… um Erinnerung geht es, nicht um historische Aufklärung, in der man versuchen würde, den Nationalsozialismus zu erklären, wie man auch andere historische Epochen erklärt. Eine solche Aufklärung, also eine Historisierung des Nationalsozialismus, würde, wie bei anderen historischen Themen auch, dazu führen, dass immer neu gefragt wird und die Antworten immer wieder am neuesten Stand der Erkenntnis gemessen werden. Das geschieht gerade nicht. Die „Erinnerung“ bleibt gleichsam eingefroren  im Aggregatzustand immergleicher stereotyper Phrasen. Wer debattieren wollte, müsste denken und würde dann zwangsläufig von der vorgestanzten Phraseologie abweichen. Der letzte deutsche Politiker, der das versucht hat, war Philipp Jenninger, der diesen Versuch mit dem Verlust seines Amtes bezahlte.

… sind Mahnung und Verpflichtung für die gegenwärtigen und kommenden Generationen, die Würde des Menschen unter allen Umständen zu wahren und niemals mehr andere zu verfolgen, zu erniedrigen oder gar zu töten, weil sie anders sind in Glaube, Volkszugehörigkeit, politischer Überzeugung oder sexueller Orientierung.

Indem man nicht nach Ursachen fragt, indem man nicht davon spricht, in welches Bedingungsgeflecht die Deutschen der dreißiger und vierziger Jahre verstrickt waren, indem man zugleich alle geschehenen Verbrechen pauschal „den Deutschen“ anlastet – als habe es nicht identifizierbare Entscheidungsträger gegeben – benennt man selbstredend trotzdem „Ursachen“:

Ursache war demnach der böse Wille „der Deutschen“, die kollektiv und aus purem Hass auf Menschen, die „anders sind in Glaube, Volkszugehörigkeit, politischer Überzeugung oder sexueller Orientierung“ diese verfolgt, erniedrigt und ermordet hätten. Dass die Deutschen ganz andere Gründe gehabt haben könnten, Hitler zu unterstützen, kommt gar nicht erst in den Blick. Und es soll offenbar auch nicht in den Blick kommen: Nicht im Manuskript, wohl aber in der gesprochenen Rede mahnt Wulff die Deutschen sogar, für die Verbrechen der Nationalsozialisten „ewig einzustehen“.

Zuerst immunisiert sich die Rede gegen Kritik durch ein moralisches Pathos, dessen erkennbare Funktion die ist, Kritik von vornherein mit dem Makel des „Unmoralischen“ zu belasten – in diesem Zusammenhang fällt dann auch noch das Wort „ewig“ , mit dem sich der Bundespräsident endgültig als Hohepriester einer Religion zu erkennen gibt, deren wesentlicher Inhalt die kollektive Selbstverfluchung ist. Die Worte, mit denen das Matthäusevangelium die Jerusalemer Juden zitiert – „Sein Blut komme über uns und unsere Kinder!“ – werden von Wulff (wie von unzähligen anderen deutschen Nachkriegspolitikern) sinngemäß auf das eigene Volk angewandt.

Ein Bundespräsident repräsentiert aber nicht das deutsche Volk, weil er von diesem nicht gewählt worden ist (und gerade dieser Präsident wäre auch nicht gewählt worden, wenn man das Volk gefragt hätte). Deshalb ist er nicht einmal befugt, für das jetzige deutsche Volk irgendwelche Verantwortung zu bekunden, geschweige denn dessen Nachkommen eine „ewige Verantwortung“ aufzubürden. Er repräsentiert einen Staat, und zwar einen, der nicht durch einen souveränen verfassunggebenden Akt des deutschen Volkes gegründet worden ist, sondern durch den Willen der Besatzungsmächte – weswegen seine Verfassung bis heute „Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland“ heißt, und nicht etwa „Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland“, und weswegen er in Artikel 146 GG diesen Mangel auch offen zugibt. Ein Bundespräsident repräsentiert die politische Klasse – und niemanden sonst – einer Republik, die, gemessen an ihrem eigenen Maßstab, der Volkssouveränität, ein illegitimes Staatswesen ist.

Die freilich repräsentiert er so vollkommen wie nur irgend möglich. Die Verfluchung des deutschen Volkes, die hier in den Rang einer Religion erhoben wird, soll von den Deutschen verinnerlicht werden – dies geht aus Reden dieser Art deutlich genug hervor und ist Konsens der politischen Klasse. Sie sollen ihr eigenes Volk nicht für erhaltenswert halten, sie sollen sich nicht dazu bekennen, sie sollen sich nicht an ihren eigenen nationalen Interessen orientieren. Sondern an den Interessen „Europas“, d.h. seiner herrschenden Eliten, an den Interessen „der Menschheit“ – womit es wieder herrschenden Eliten überlassen bleibt zu definieren, was dieses Interesse gerade erheischt -, und nicht zuletzt an den Interessen derer, die „anders sind in Glaube, Volkszugehörigkeit … oder sexueller Orientierung“, und zu deren Interessen jedenfalls nicht gehört, dass das deutsche Volk das 22. Jahrhundert erreicht.

Die gestanzten Phrasen sind also nicht etwa Produkt geistiger Impotenz, sondern eines politischen Programms. Insofern erübrigt sich auch die ansonsten naheliegende Frage, ob Christian Wulff eigentlich über die geistigen Voraussetzungen verfügt, um Zitierenswertes über die deutsche Geschichte zu sagen. Er kann seine Funktion viel leichter erfüllen, wenn er über diese Voraussetzungen gerade nicht verfügt.

Das Gift, dass uns seit Jahrzehnten in Gestalt von Worten wie „Scham“, „Schuld“, „Verantwortung“, „Erinnerung“, „Nie wieder!“ eingeträufelt wird, zielt darauf ab, aus dem Volk eine bloße „Bevölkerung“ zu machen, eine Masse von Einzelnen, die sich nicht mehr wehrt, wenn selbsternannte Eliten über ihr Schicksal entscheiden.

50 Antworten auf Nicht in unserem Namen!

  • Manfred,
    ich kann bei diesem Thema nicht so ruhig bleiben wie Sie, ich muß mich deshalb kurz fassen. Ich bin nach dem Krieg geboren und erkenne keine Schuld an. Ich trage aber Verantwortung und könnte schier kotzen wegen Wulff und seiner Brüder und Schwestern im Geiste.
    Wulff ist zur zeit wohl der Champion auf der nach oben offenen Skala der Inkompetenz im politischen Geschäft

  • Gerade WEIL ich deutscher Patriot bin, erkenne ich die Verantwortung an, die sich auch für mich aus dem Holocaust ergibt. Gerade WEIL ich diese Verantwortung anerkenne, kämpfe ich gegen kollektivistische Ideologien wie den politischen Islam. Wulff hat in Auschwitz die richtigen Worte gesprochen, aber er hat sie nicht verstanden.

  • @ Alkibiades und Rösch:
    Was meinen Sie denn beide damit, wenm Sie sagen, Sie würden „Verantwortung“ tragen oder anerkennen.
    „Verantwortung“ ist ein moralischer Zuschreibungsbegriff, d.h. der einem Subjekt bestimmte Pflichten zuschreibt und es ihm zugleich in moralischer Hinsicht zuschreibt, wenn er diese Pflichten verletzt. „Verantwortung“ kann insofern prospektiv gemeint sein (ich bin dafür verantwortlich, bestimmte Pflichten nicht zu verletzen) oder retrospektiv (ich in dafür verantwortlich, wenn ich diese Pflichten nicht eingehalten habe).
    Das bedeutet aber, dass die Begriffsverwendung von einer „Verantwortung der Deutschen für den Holocaust“ sinnlos ist. Retrospektive Verantwortung kann nur haben, wer selbst Pflichten verletzt hat (hier: allgemeine Menschenpflichten wir deijenige, nicht zu morden). Eine retrospektive Verantwortung kann es für den Holocaust also nicht geben.
    Die prospektive Verantwortung kann wiederum keine spezifisch „deutsche“ sein, weil aus Volkszugehörigkeiten keine speziellen Pflichten folgen können. Spezielle Pflichten können nur aus etwas folgen, wofür man sich selbst entschieden hat (z.B. für die Elternschaft oder dafür, Arzt zu werden). Für die Volkszugehörigkeit entscheidet man sich nicht; also können daraus keine speziellen Pflichten folgen.
    Nur für allgemeine Pflichten, die aus dem Umstand des Menschseins folgen, kann man unabhängig von eigenen Entscheidungen im prospektiven Sinn verantwortlich sein. Diese Pflichten (z.B. Morde zu verhindern) sind aber dann eben keine speziellen Pflichten, die nur Deutschen zukämen.
    Insofern ist mir einfach nicht klar, was Sie – oder Wulff – eigentlich meinen, wenn Sie davon sprechen, dass Sie „Verantwortung“ wegen der NS-Verbrechen tragen, da dies in keiner denkbaren Verwendung des Verantwortungsbegriffs irgendeinen Sinn ergibt.

  • Ich kann für meinen Teil auch keine Verantwortung für die Geschichte meines Volkes (ob positiv oder negativ) übernehmen. Verantwortung kann ich nur für das übernehmen was ich gestalten und entscheiden kann, also für mein Leben im hier und jetzt. Allenfalls kann ich für die Geschichte in Haftung genommen werden, sie studieren und begreifen wollen und Schlüsse aus ihr ziehen. Ausserdem verbindet die gemeinsame Geschichte auch ein Volk.
    Verantwortung heißt doch, die Fragen die mir das Leben stellt zu beantworten.
    Der gläubige Christ setzt dann noch die Rechenschaft vor Gott dazu, im Wissen, dass seine Schuld vergeben ist, ein anderer (Christus) sie getilgt hat.
    Die aus Judentum und vom Christentum übernommene Erbsündenlehre, die durch die Befähigung zur Selbstkritik durchaus ihre Berechtigung hat, ist vom säkularisierten Staat als Doktrin übernommen worden. Erbsünde, ohne Möglichkeit der Vergebung, ist eine entsetzliche und für Menschen und Völker tödliche Ideologie.
    Kurz zusammengefasst:
    Gott vergibt, der Bunte Präsident nie. (ewig;  Ewigkeit = Zeitlos, Raumlos, über alle Dimensionen, göttlicher Zustand)
    Mir läuft bei dieser Rede ein kalter Schauer über den Rücken. Ist der Mann nur dumm, oder brandgefährlich. Ich glaube schon an das Letztere.
     
     

  • Irgendwie fuehl ich mich ans angelsaechsische Gewohnheitsrecht erinnert. Es gibt einen Praezedenzfall ueber den geurteilt wurde und der zukuenftig bindend ist, vorausgesetzt es wird festgestellt, dass er sich als anwendbar erweist. So hab ich als Laie jedenfalls das englische Rechtssystem immer verstanden.
    Man bekommt den Eindruck, dass das Hauptargument gegen den Holocaust ist, dass er von Deutschen begangen wurde und dies ist eine erstaunlich schwache Argumentation wenn man wirklich aehnliches fuer alle Zukunft verhindern will.
    Allerdings haette die Mehrzahl der deutschen Politiker sich an Wulffs statt vergleichbar verhalten. Der Rede selbst kann man kaum widersprechen sie ist gewollt unverfaenglich. Leider bleibt der unschoene Eindruck, dass sich hier ein Politiker selbst erhoehen will indem er sein Volk erniedrigt.
    Nur ein paar Gedanken ohne wirklichen roten Faden.

  • @Rucki:

    „Erbsünde, ohne Möglichkeit der Vergebung, ist eine entsetzliche und für Menschen und Völker tödliche Ideologie.“

    Hervorragend auf den Punkt gebracht.

  • Die auch von Wulff wieder einmal mit viel Tremolo vorgebrachte Ermahnung, der Judenmord dürfe „nie vergessen werden“, ist geradezu eine Albernheit: Die Gefahr, daß er vergessen werden könnte, besteht überhaupt nicht. Wohl aber besteht folgender Zustand, den ich für gefahrvoll ansehe. Wir kennen nämlich derzeit drei Klassen von Genoziden:
    (1) den Völkermord an den europäischen Juden; er darf unter Androhung schwerer Strafen nicht geleugnet werden;
    (2) Genozide, die derzeit selten bestritten werden, aber straflos geleugnet werden dürfen, wofür das Genozid an den Armeniern das bekannteste Beispiel ist;
    (3) Genozide, die so zu nennen den wütenden Protest der politischen Klasse, wenn nicht gar Strafverfolgung auslösen: die Vernichtung des Deutschtums Osteuropas, die weitgehende Vernichtung der nordamerikanischen Indianer, die von den Regierungen zu verantwortenden, wenn nicht in Tat und Wahrheit angestrebten Hungerkatastrophen nach der Unterwerfung Schottlands, im Irland des 19. Jahrhunderts oder im Stalinschen Holodomor der Ukraine usw. – Beispiele, die bei aller Unterschiedlichkeit nichts desto weniger den von der UNO-Konvention definierten völkerrechtlichen Straftatbestand des Genozids erfüllen, jedoch Staaten anzulasten wären, die immer noch von der bevorrechtigten Stellung als Siegermächte des zweiten Weltkriegs zehren.

    Man erinnere sich des Wutschreis, den der angesehene österreichische Staats- und Völkerrechtler Felix Ermacora 1991 mit seinem Rechtsgutachten für die Bayerische Landesregierung auslöste, das zu dem Ergebnis kam, daß die Ermordung bzw. Vertreibung der Deutschböhmen aus der 1945 restituierten Tschechoslowakei den völkerrechtlichen Straftatbestand des Völkermords erfüllt; siehe Felix Ermacora, Die sudetendeutschen Fragen, Rechtsgutachten, München (Verlag Langen Müller) 1992.

    „Übereinkommen über die Verhütung und Bestrafung des Völkermordes“ („Convention on the Prevention and Punishment of the Crime of Genocide, CPPCG“) am 9. Dezember 1948 von der Generalversammlung der Vereinten Nationen als Resolution 260 A (III) beschlossen und am 12. Januar 1951 in Kraft getreten.

    [Verzeihung, Dr. Heger, aber die von Ihnen gesetzten Verweise greifen nicht auf eine Quelle im Netz zu, ich musste sie daher streichen. M.K.-H.]

  • @Manfred:
    Nur zur Richtigstellung: Die Worte „Sein Blut komme über uns und unsere Kinder“ finden sich
    nicht im Johannes- sondern im Matthäusevangelium (Kap. 27, Vers 25).
    Und da wir gerade bei der Bibel sind: „…der da heimsucht der Väter Missetat an den Kindern bis ins dritte und vierte Glied…“ (also der Enkel und Urenkel), aber das wird wohl nicht reichen, dann diese Generationen sind ja inzwischen herangewachsen bzw. wachsen derzeit heran). Gott vergibt (also irgendwann einmal), die politisch(e) – (korrekte) Klasse nie. Noch in
    hundert Jahren und noch mehr haben also unsere Nachkommen öffentliche Buße zu tun, sich an die Brust zu schlagen und auszurufen: „Mea culpa, mea culpa…“
    Siehe 2 Mos, 34,7; 4 Mos. 14,8; 5 Mos. 5,9;
     

     

  • Sorry, recte: 4 Mos. 14,18.

  • Laut FAZ hat Wulff gesagt:

    „Wir müssen die Erinnerung ewig wach halten“, sagte er in unmittelbarer Nähe der Gaskammern, und: „das ist der besondere Auftrag, der sich an die Deutschen richtet, hierfür ewig einzustehen.“

    Also eine kleine Korrrektur (nicht für die Verbrechen einstehen, sondern für die Aufrechterhaltung der Erinnerung), mit der er sich zum zweiten Mal in der Rede von der Kollektivschuldzuweisung distanziert, wohl wissend, dass dies zu weitverbreitetem Widerspruch geführt hätte, was aber in keiner  Weise berührt, was Manfred über diese Art der Erinnerung sagt.

    Da das deutsche Volk ja praktisch aufgelöst ist und es nur noch eine Bevölkerung in Deutschland gibt, ist eine Forderung, das deutsche Volk müsse eine Kollektivschuld auf sich nehmen, ja auch eigentlich gegenstandslos.

    Diese Forderung aus dem Munde eines unserer Politiker, die Einnerung für „ewig“ wachzuhalten, ist übrigens auch umso lächerlicher, wenn man den sonst üblichen Zeithorzont der Politiker von maximal vier Jahren bedenkt. Das einzige, was für ewig sein wird, ist die Nichtexistenz des deutschen Volkes, wenn es erst mal verschwunden ist.

    Und was ist mit all den gefallenen, ermordeten, gefolterten, heimatvertriebenen  Deutschen, die ja auch einen erheblichen Teil des deutschen Volkes ausmachen? Deren Nachkommen könnten ein Interesse daran haben, die Erinnerung „ewig“ wachzuhalten. Indem diese – offensichtlich, weil sie Deutsche sind – nicht erwähnt werden, wird hintenrum doch wieder dem deutschen Volk eine Kollektivschuld zugeschrieben.

    Und wie ist es damit, dass Hitler, als es dem Ende zuging, das ganze deutsche Volk für genozidwürdig erklärt hat, wie all die anderen „Untermenschen“ auch, und auch alles in den letzten Monaten dafür getan hat, was ihm noch möglich war?

    Ja, mit der Wahl Wulffs ist es wohl auch so wie mit der Wahl der amerikanischen Präsidenten: man macht den geistig unbedarftesten der Kandidaten zu obersten Erfüllungsgehilfen der herrschenden Ideologie.

    Falls die Politikerkaste es nun überhaupt noch nicht gemerkt hat, dass diese permanente Propagierung der Alleinschuld der Deutschen immer weniger akzeptiert wird und schließlich auch eine Wirkung haben könnte, die das Gegenteil der beabsichtigten ist (und dass die Demütigung der Deutschen zumindest ein Grund für die Akzeptanz der Nazis war, ist ja doch eigentlich etwas, was nicht generell bestritten wird), wird es jetzt wohl Zeit, dass man das deutlicher zum Ausdruck bringt!

    Wenn der Holokaust zu Deutschland gehört, ja, dann gehört auch der Islam zu Deutschland – aber so hat es Wulff wohl nicht gemeint.

  • Und wie ist es damit, dass Hitler, als es dem Ende zuging, das ganze deutsche Volk für genozidwürdig erklärt hat, wie all die anderen “Untermenschen” auch, und auch alles in den letzten Monaten dafür getan hat, was ihm noch möglich war?

    Die Testamentsvollstrecker sind heute an der Macht. Sozusagen Vollstreckung des Führerbefehls.
     

  • „… dass diese permanente Propagierung der Alleinschuld der Deutschen immer weniger akzeptiert wird und schließlich auch eine Wirkung haben könnte, die das Gegenteil der beabsichtigten ist …“

    Bei mir ist dies längst der Fall: Der Wille, dann zu aufrecht zu stehen, wenn andere kriechen, steht bei mir längst am höchsten; selbst dann, wenn die Wahrheit dran glauben sollte. Die daraus zwingende Schlußfolgerung, habe ich schon länger gezogen und vor Kurzem emotional auch vollzogen.
    Ich weiß, wer sich innerlich einmal soweit emanzipiert hat, für den gibt es kein zurück mehr.

  • als präsident der türken und moslems sollte er sich lieber um deren verbrechen an christen und juden kümmern, da hat er einoge genozide abzuarbeiten.

  • Die Worte des Ehebrechers und BuPrä Wolff bedeuten auch, daß die Juden auf ewig für die Ermordung Gottes verantwortlich zu machen sind. So gesehen hätten sie, wenn es denn stimmen würde, nur eine gerechte Strafe bekommen.
    Es stimmt aber nicht.
    In keiner Hinsicht.

  • Die Worte, mit denen das Johannesevangelium die Jerusalemer Juden zitiert – “Sein Blut komme über uns und unsere Kinder!”

    Richtiger waere die Formulierung, die vom Mathaeusevangelium den Jerusalemer Juden zugeschrieben werden.
    Dieses vorgebliche Zitat hatte zur Entstehungszeit mit hoher Wahrscheinlichkeit den Zweck, die roemische Buerokratie zu entlasten, mit der sich das junge Christentum gerade zu arrangieren begann.
    In der weiteren Geschichte wurde es kontinuierlich verwendet, um Gewalt gegenueber Juden zu rechtfertigen.

     

    • @ Ruth:

      Richtiger waere die Formulierung, die vom Mathaeusevangelium den Jerusalemer Juden zugeschrieben werden.

      Schuettelface hat mich auch schon darauf aufmerksam gemacht, dass ich mich im Evangelisten geirrt habe. Danke euch beiden – das kommt halt davon, wenn man versucht, aus dem Gedächtnis zu zitieren. Ich werde es gleich mal ändern.

      • Über die Historizität des Zitats wird es nie letzte Sicherheit geben. Mir kommt eine solche Selbstverfluchung allerdings unplausibel vor; das wäre ja geradezu ein Schuldkult avant la lettre! 😀

  • @ Ruth
    „Dieses vorgebliche Zitat hatte zur Entstehungszeit mit hoher Wahrscheinlichkeit den Zweck, die roemische Buerokratie zu entlasten, mit der sich das junge Christentum gerade zu arrangieren begann.“

    Gibt es dazu einen wissenschaftlichen Standpunkt in der Theologie?
    Sollte es den nicht geben, hat das zwar keinerlei Bedeutung für die Behauptung selbst. Diese erscheint mir aber völlig unbelegt. Bei etwas mehr an Tatsachen, sprich Quellen, auf die sie sich stützt, wäre sie ein interessanter Ansatzpunkt.

  • „Dieses vorgebliche Zitat hatte zur Entstehungszeit mit hoher Wahrscheinlichkeit den Zweck, die roemische Buerokratie zu entlasten, mit der sich das junge Christentum gerade zu arrangieren begann.“

    Das ist reichlich unhistorisch gedacht. Zur „Entstehungszeit“ kann man von einem beginnenden Arrangement des jungen Christentums mit der römischen Bürokratie nicht reden. Zu der Zeit war umgekehrt der Einfluß jüdischer Gemeinden auf diese Bürokratie ungleich höher.

    Es handelt sich aber nicht nur um eine leichtfertige Behauptung, sondern auch um eine leichtfertige Beschuldigung, insofern dem Autor unterstellt wird, diese Selbstverfluchung erfunden zu haben. Selbst wenn man von einem unbekannten Autor ausgeht, über dessen Vertrauenswürdigkeit man nichts weiß, spricht der prima facie Beweis für den Autor. Wer ihm Flunkerei unterstellt, muß schon etwas mehr vorbringen als die oben zitirete freihändige Verdächtigung. Von einer Unwahrscheinlichkeit des Geschehens kann jedenfalls für die antike Welt keine Rede sein.

  • Die Formulierung „Sein Blut komme über uns und über unsere Kinder!“ muß im Zusammenhang gelesen werden um sie zu verstehen. Vollständig lautet der Text (Mt. 27,22-25):
     
    „22 Pilatus spricht zu ihnen: Was soll ich denn mit Jesus tun, der Christus genannt wird? Sie sagen alle: Er werde gekreuzigt! 23 Er aber sagte: Was hat er denn Böses getan? Sie aber schrien über die Maßen und sagten: Er werde gekreuzigt! 24 Als aber Pilatus sah, dass er nichts ausrichtete, sondern vielmehr ein Tumult entstand, nahm er Wasser, wusch seine Hände vor der Volksmenge und sprach: Ich bin schuldlos an dem Blut dieses Gerechten. Seht ihr zu! 25 Und das ganze Volk antwortete und sprach: Sein Blut komme über uns und über unsere Kinder!“
     
    Das ganze war also eine Antwort auf Pilatus der sagte, daß er Jesus für unschuldig hielt. Somit enthoben die Juden Pilatus quasi von seiner Verantwortung in dieser Angelegenheit. Vorher steht dort übrigens noch, daß die Hohepriester und die Ältesten (also die berühmt berüchtigten Eliten) das Volk überredeten statt Jesus den Verbrecher Barrabas zur Freilassung zu verlangen. Es gab damals anscheinend die Sitte das einmal im Jahr ein Gefangener (wahrscheinlich jeweils ein Todeskandidat) freigelassen wurde. Als Pilatus dem Volk die Wahl zwischen Barrabas (der nach der Bibel ein Verbrecher war) und Jesus (den Pilatus für unschuldig hielt) ließ hoffte er wohl, daß das Volk Jesus verlangen würde. Denn wer verlangt schon, daß ein Verbrecher freigelassen wird. Er machte eben nur die Rechnung ohne die Elite der Juden die Jesus unbedingt tot sehen wollte.

    • @ Neo:

      Du meinst also, der Ausspruch ist ungefähr zu verstehen als: „Wenn der unschuldig ist, fressen wir einen Besen“ (bzw. lassen sein Blut über unsere Kinder kommen)? Interessant, so hatte ich das noch gar nicht gesehen.

      @ Rudolf Stein:

      Das dürfte einer der Gründe sein, warum unsere Integrationsideologen von Neubürgern (die in der Regel auch alles andere als stolz sind) kein Bekenntnis zum deutschen Volk verlangen. Wenn diese Menschen sich tatsächlich als Deutsche verstehen würden, würden sie den Schuldkult zweifellos ablehnen und ihn damit insgesamt auch für die einheimischen Deutschen in Frage stellen.

  • Die historische Verantwortung jedes einzelnen Deutschen für die Verbrechen des 3. Reiches ist ein schönes Programm. Aber ist es auch zu verwirklichen? Fragen Sie mal die 3. Generation nach 1945. Ich behaupte, dass der überwiegende Teil dieser jungen Leute ungläubig dreischauen wird, wenn Sie sie danach fragen. Und erst diejenigen, die gestern noch in Anatolien lebten und uns heute stolz ihren neuerworbenen Pass präsentieren, der sie als neue deutsche Staatsbürger ausweist. Hat man ihnen eigentlich erklärt, dass sie mit der deutschen Staatsbürgerschaft auch die historische Verantwortung für den Judenmord im 3. Reich zu übernehmen haben? Wohl kaum. Also haben wir auf unserem Staatsgebiet  Staatsbürger,  die für den Judenmord historische Verantwortung tragen müssen (weil ihre Urgroßeltern zwischen 1933 und 1945 in Deutschland lebten) und andere, deren Urgroßeltern zwischen 1933 und 1945 in Anatolien lebten. Das ist die Gnade des außerdeutschen Geburtslandes. Ich nenne es Apartheit.

  • Das ist nicht die einzige Stelle im NT, an welcher der direkte Gegensatz, in der Jesus zum altmosaischem Glauben steht, deutlich wird. Und Jesus ist logischerweise die Basis der christlichen Kultur. Wer von einer jüdisch-christlichen Kultur spricht, will eine Verbundenheit propagieren, die es weder der religiösen Basis, noch der kulturellen Entwicklung nach gibt.

    Es hat einen reinen politischen Zweck. Wen dazu eine Lüge notwendig ist, sollte man indiziell den Zweck bezweifeln. Worin ist der Vorteil der Christenheit, speziell der lutherischen, die nach wie vor in Deutschland bestimmend ist? Ich denke hierbei handelt es sich um eine Instrumentalisierung der „westlichen“ Welt für zwecke, die außerhaöb dieser liegen.

    In welchem neocon think tank auch immer, in welchem dieses Neusprech wieder erfunden wurde, der Zweck schimmert doch durch, wie aus dieser stilisierten Verbundenheit Sympathien und Unterstützungen zu geriert werden soll, die wohl kaum tatsächlich in unserem Interesse liegt. Dann wäre die ganze „Spindoctorei“ nicht nötig.

  • @Manfred:
    Im Judentum ist die Anbetung eines anderen Gottes als Jahwes oder Gotteslästerung eine der schlimmsten Sünden die ein Jude überhaupt begehen kann. Darauf stand laut dem Gesetz der Tod. Nachdem Jesus nun vor dem Hohen Rat sagte, daß er der Sohn Gottes sei gab es für dieses Gremium nur zwei Möglichkeiten. Wenn sie ihm glaubten mußten sie sich ihm unterwerfen, denn mit ihm sprach dann quasi Gott selbst zu ihnen, wenn sie ihm nicht glaubten mußten sie ihn zum Tode verurteilen, denn dann hatte er die Sünde der Gotteslästerung begangen. Man entschied sich für die zweite Variante. Für die Juden war Jesus von diesem Augenblick an, umgangssprachlich gesagt, so schuldig wie der Teufel.
     
    @Meyer:
    Die religiöse Verbundenheit zwischen Judentum und Christentum ist tatsächlich existent. Das sagt übrigens schon das Selbstzeugnis der Bibel. In Jesaja 7,10 heißt es: „Darum wird der Herr selbst euch ein Zeichen geben: Siehe, die Jungfrau wird schwanger werden und einen Sohn gebären und wird seinen Namen Immanuel nennen.“ Das gesamte 53. Kapitel in Jesaja handelt übrigens von Jesus und seiner Kreuzigung.
     
    Auch Paulus, der durch seine Briefe quasi dem Christentum Gestalt verlieh hat immer betont, daß Juden und Christen letztlich gemeinsam an einen Gott glauben. Wer das nachlesen will, der lese den Römerbrief. In diesem Brief ist das Christentum so wie es von der Bibel her gedacht ist präzise beschrieben.
     
    Was die kulturelle Entwicklung angeht, so gebe ich allerdings durchaus zu, nahmen Judentum und Christentum tatsächlich unterschiedliche Wege.

  • @ Neo

    1. Es ist mir nicht klar, wie Sie Ihr unten (zu mir Gesagtes) mit dem oben (zu Manfred Gesagtem) in Einklang bringen wollen?

    2. Es ist mir ebenfalls nicht klar, wie Sie das zu mir Gesagte mit dem Glaubensbekenntnis in Einklang bringen wollen?

    3. Ist mir unklar, wie Ihr Gesagtes mit Luhters Aussagen über das religiöse Judentum, also dem mosaischen Glauben in Einklang zu bringen sein soll?

    4. Ist mir unklar, wie Sie das Gesagte mit Augustinus Dreieinigkeitslehre in Einklang bringen wollen?

    5. Außerdem ist mir unklar, wie Sie das NT, das sich im Wesentlichen mit dem Konflikt Judentum versus Jesu als DER Messias beschäftigt, unterschlagen wollen?

    6. Es ist mir auch unklar, wie sie Paulus Aussage als „ersten Theologen“ mit dem bisherigen in Einklang bringen wollen? Judentum läßt sich immer als reiner Glaube oder als Kultur oder als Nation verstehen, ganz im Belieben des Äußernden oder des Übersetzers.

    7. Ist der Kernstreit zwischen Jesu als Messias oder nicht schon trennend genug zwischen Juden und Christen, so ist es die Dreifaltigkeitslehre noch zudem. Daß die darauf basierenden Moralvorstellung abweichen, ist in jeder zweiten amerikanischen Komödie zu bewundern.

    8. Die auch von Ihnen so gesehene kulturelle Trennung ist letztendlich die politisch wirksame. Auf die habe ich abgestellt. Daß es zwischen Juden und Christen zudem noch einen unüberbrückbaren religiösen Gegensatz gibt, bereitet, wie zuvor gesagt, die Basis für diese Trennung.

  • @Neo

    Tatsächlich halte ich den Hohen Rat für seinen Justizmord nicht als entschuldbar. Selbst wenn man seinen Unglauben für entschuldbar halten würde, bleibt die Tatsache, daß er nicht nur sich mit einer eigenen Verurteilung nicht begnügt hat, sondern ein dann auch vollstreckbares Todesurteil seitens der römischen Behörden durchsetzte – und das mit üblen, auch nach seinerzeitigem Recht illegalen Tricks und politischer Erpressung.

    Betreffend die „religiöse Verbundenheit zwischen Judentum und Christentum“ muß man eine Doppeldeutigkeit des Wortes „Judentum“ vermeiden. Natürlich, so wie Jesus dem jüdischen Volk entstammte, gilt auch, daß das Christentum auf den „Schultern“ des alttestamentlichen Judentums sitzt bzw. letzteres auch bestätigt. Wenn wir heute jedoch von Judentum sprechen, so meinen wir im allgemeinen das nachchristliche Judentum, das sich als Gegenentwurf zum Christentum konstituierte und von diesem scharf absetzt. Hier von „Verbundenheit“ zu sprechen ist eher ein Euphemismus.

  • Ja: „bestätigt“. Und mit seiner Messianität auch beeendet!

    • Meyer: Es ist doch Unsinn, so zu tun, als hätte das Christentum aus irgendeinem anderen Boden als dem jüdischen hervorgehen können, und als gebe es keine gemeinsame Basis. Das Christentum geht mit dem jüdischen Erbe bereits seinem Selbstverständnis nach völlig anders um als etwa der Islam mit Judentum und Christentum zusammen. Vergleiche Angehörige beider Religionen einerseits mit Muslimen andererseits, und Du wirst feststellen, dass wir auch dort eine Sprache sprechen, wo wir unterschiedlicher Meinung sind.

      Und was das „tonangebende“ Luthertum angeht, so ist vom Glauben Martin Luthers im heutigen Protestantismus so wenig übrig geblieben, dass man sich ernsthaft fragen muss, ob die typisch protestantische Geringschätzung des sozialen Aspekts von Religion – also von Institution, Ritual, Dogmen etc. – nicht von Anfang an verfehlt war. Der Protestantismus ist gerade einmal so alt wie das Judentum zur Zeit der babylonischen Gefangenschaft war, und ich glaube nicht, dass er das Alter erreicht, das es heute hat.

  • @Meyer:
    Zu 1: Das was ich zu Manfred gesagt habe ist lediglich eine Erklärung zum mosaischen Gesetz.
    Zu 2-4: Wenn wir über das Christentum reden sollte eines klar sein. Sowohl das Glaubensbekenntnis als auch Luthers Aussagen als auch die Aussagen von Augustinus müssen sich an der Bibel messen lassen, nicht umgekehrt.
    Zu 5: Der Messias wird schon im alten Testament angekündigt. Aus diesem Grund warten die Juden (so sie ihre Religion ernst nehmen) bis heute auf den ihnen Verheißenen. Jesus war nach seinem Selbstzeugnis dieser Messias. Da sie ihn nicht angenommen haben warten sie eben heute noch.
    Zu 6: Wenn von den Juden im Sinne der Bibel gesprochen wird, so ist meist eine Synthese aus Religion, Nation und Kultur gemeint. Wenn Sie damit besser leben können, können sie Paulus Aussagen auch nur auf die Religion beziehen. Als Pharisäer kannte sich Paulus übrigens recht genau im alten Testament aus. Das war schon deshalb ganz praktisch, weil das neue Testament wie wir es heute kennen damals noch nicht existent war.
    Zu 7: Auch wenn ich es mir damit recht einfach mache, werde ich mich bestimmt nicht auf eine Diskussion über Moralvorstellungen einlassen die über Jahrhunderte tradiert und immer wieder angepasst wurden. Meine Diskussionsgrundlage in dieser Angelegenheit ist die Bibel.
    Zu 8: Wir sollten Politik und Religion trennen. Zwar haben die beiden „Welten“ zuweilen einen recht engen Kontakt, doch muß man die Sache nicht komplizierter machen als sie ist.
     
    Nochmal zu den Punkten 2-4:
    Ich kann nicht sehen, wo das Glaubensbekenntnis der Bibel in ihrer Gesamtheit widerspricht. Zu Luther sollte man wissen, daß einige seiner Aussagen die speziell gegen die Juden gerichtet waren sich im Licht der Bibel nicht halten lassen. Ich bin aber gerne bereit mich mit Ihnen über bestimmte Aussagen Luthers zu unterhalten.
     
    Die Dreieinigkeitslehre ist zugegebenermaßen recht unübersichtlich und es haben sich schon viele daran die Zähne ausgebissen. Wenn man das Zeugnis der Bibel (auch des alten Testaments) nimmt, ist es am einfachsten anzunehmen, daß Gott in seiner Gesamtheit aus drei Aspekten besteht: Gott Vater, Gott Sohn und Gott Heiliger Geist. Jeder dieser Aspekte ist in der Lage selbstständig (doch im Einklang mit den anderen beiden Teilaspekten) zu handeln. Das kommt zum Beispiel am Anfang des Johannes-Evangeliums zum Ausdruck wenn es dort heißt:
    „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. Dieses war im Anfang bei Gott. Alles wurde durch dasselbe, und ohne dasselbe wurde auch nicht eines, das geworden ist.“
     
    Ich würde Ihnen übrigens empfehlen vor einer weiteren Diskussion zumindest die Kapitel 1-11 des Römerbriefes zu lesen. Wie ich schon sagte ist dieser „Brief“ eine Kurzabhandlung über die Grundlagen des christlichen Glaubens. Sollten Sie sich schon intensiver mit der Bibel (also der Quelle des christlichen Glaubens) beschäftigt haben, so können Sie mir auch durchaus Stellen angeben die anscheinend dem alten Testament widersprechen. Ich bin dann gerne bereit auch auf dieser Basis Rede und Antwort zu stehen.
     
    @Dr. Christoph Heger und Meyer:
    Wenn ich von einer Verbindung zwischen Judentum und Christentum spreche beziehe ich mich ausschließlich auf die Bibel. Wir müssen bedenken, daß das Judentum nach der Zeit Jesu sich, wie Sie auch schon anmerkten, bewußt im Gegensatz zum Christentum weiterentwickelte. Die gemeinsamen Wurzeln können deshalb naturgemäß nur in der Zeit vor dem Bruch liegen. Bitte verzeihen Sie mir wenn ich diese Vorbedingung stillschweigend voraussetze.

  • @ Neo

    Ich bitte meine folgende kurze Antwort nicht als respektlos zu nehmen. Ich finde Ihre Bibelkenntnisse hervorragend, meine scheinen da nicht heranzukommen.
    Aber unser Dissens ist ein anderer, als es aussieht. Denn Sie selbst sprechen das deutlich aus, was ich meine. Die Divergenz zwischen Judentum und Christentum ist Jusu Leben und seine Messianität selbst. Also nicht unbedingt das ganze NT versus das NT, wohl aber die Evangelien, also der Kern des Glaubens, berichten von diesem Leben und diesem historischen Konflikt. Zweitens gibt es heute (noch?) kein sola-scriptura-Cristentum. (Das wäre nichts anderes als die logische Fortführung Luthers.) Es gibt nur das „griechische“, „römischen“ und altaktholische sowie das reformierte und lutherische Bekenntnis. Luthers gedanklicher Ursprungspunkt war natürlich das sola scriptura. Sicherlich hat sich die Bibelexegese aber weiterentwickelt.

    Ich stelle (ähnlich Sie) bei der Unterscheidung also nicht auf den Unterschied NT / AT ab, sondern auf den Zeitpunkt Jesu Geburt bis Himmelfahrt. Danach entwickeln sich diese zwei völlig verschiedenen Religionen noch weiter auseinander, bis sie bei den Griechen, Römern und Germanen ankommen, die dieser Religion neue Wendungen geben.
    Wenn zwischen Katholizismus und Lutheranismus bereits ein solch großer und die Menschen (selbst die Atheisten) prägender Unterschied vorherrscht, wie groß ist dieser dann erst zwischen Juden und Christen?
    Sie stellen auf die „reine Lehre“ ab. Nicht zu unrecht – in Ihrer „box“. Ihnen geht es um die Bibel. Mir geht es um die Gründe der Wirksamkeit von Moral, Macht und Politik. Die Religion ist nur ein Ausgangspunkt meiner Einschätzungen, beiweitem nicht der einzige.
    Das Christentum ist auch von einer den Juden verschiedenen Ethnie getragen worden. Auch das ist für meine Schlüsse relevant.
    Nochmal: Ich bestreite kaum ein Wort von dem was Sie sagten. Im Gegenteil. Aber mir ging es nicht um die reine Bibel bzw. NT/AT, sondern um die (heutigen) Auswirkungen.

    @ Manfred
    Daß die Israelis nicht von falsch verstandener christlicher Moral zurückgehalten werden, wenn sie ihre militärischen Operationen durchführen, könne Sie bei den Primitivchristen, die es heute zuhauf gibt, leicht feststellen: den Linken. Der Bewertungsunterschied ist wohl das, worauf ich hinaus will. Niemand hat die Morallehren des Chrsitentums so (unrefliektiert) verinnerlicht wie die (weibliche) Linke. In Gaza und der Westbank stoßen Gedanklich die (post-) christliche Gedanken-, Lebens- und Moralwelten mit der jüdischen und recht zutreffenden Vorstellung der Nützlichkeit zusammen. Das Ergebnis können wir in der Berichterstattung von ARD bis ZDF betrachten.
    Und darauf kommt es mir an: Der Unterschied ist gewaltig. Der Unterschied in den Moralvorstellung ist aus meiner Sicht genauso groß zwischen Juden und Christen, als zwischen Juden und Moslems. In diesem Punkt herrscht Äquidistanz. In der Religion sicherlich auch.
    In der Intellektualität sicherlich nicht. Hier sehe ich die wesntliche Ähnlichkeit. Und zwar in gegenseitig befruchtender Weise. Darin fällt der Islam völlig aus.
    Aber auch der Vergleich zwischen beliebigen Philosophen, jüdisch oder christlich geprägt, dürfte doch recht leicht den einen oder anderen ausmachen lassen. Auch die Verwobenheit der Ashkenasim mit der (ost-) europäischen Kultur ist nicht wegzuwischen. Aber im Bewußtsein dieser Faktoren steht dann heute wirksam noch etwas zwischen uns: Der Holocaust. Dieser Begriff umfaßt mehrere Phänomene. Der historische und der Gegenwärtige. Das Trennende wird nicht wegen des (historischen und aktuellen) Holocaustes als Ursache, sondern als Katalysator, deutlich. Aber alleine dieser (siehe Umfrage der NY-Times) wird ewig zwischen uns stehen.

    Also unsere „gemeinsame Sprache“ bei „unterschiedlicher Meinung“ beruht auf unserer vergleichbaren Intellektualität. Verbindet das wirklich? Hat es Franzosen und Deutsche 1914 ausreichend verbunden oder Polen und Russen? Nein. Jeweils war das Trennende relevanter. Das Interesse überwiegt vor kultureller Ähnlichkeit, die ich ja überdies bestreite, zumindest in Tiefe und Wirksamkeit. So war es im Dreißigjährigen Krieg, so wird es immer sein. Ich schließe in diese Art der kulturellen Siegfriedlinie, als was ich diese Versuche von unserer Seite ausgehend ansehe, aus o.g. gründen nicht ein. Fehlendes Interesse unsererseits, fehlende Sympathie andererseits. Von anderer Seite ausgehend, sehe ich einfachste Instrumentalisierung. Das trägt nicht. Sie erkennen unser fehlendes Interesse und wollen es über die „jüdisch-christliche“ Chimäre erledigen, also Enheitsgefühl, wo keine Einheit ist. Das widerstrebt mir politisch-analytisch. Das widerstrebt mir sympathisch. Selbst bei einem Franzosen, ohne gegenläufiges Interesse, springt mir das Unterscheidende schon ins Gesicht. Beim Jüdischen?

    Zu den heutigen Protestanten, und auch den Katholiken, der Unterschied ist kleiner, als man denkt, braucht man nichts zu sagen. Der Katholizismus ist geistig nicht tragfähig. Der Protestantismus ist kultisch nicht tragfähig.
    Ob man in eine katholische oder evangelische Kirche kommt, immer das gleiche: alte Weiber.
    Das ist alles ganz einfach: Will ich Männer in den Bänken sehen, brauche ich auch Männer vor dem Altar, für alte Weiber, alte Weiber, auch wenn sie gerade erst das Vikariat hinter sich haben!
    Was ein echter Pastor erzählt ist dabei zweitrangig. Wie er es erzählt ist einzig relevant. Wer predigen kann, wie Orson Wells, kann Rambo zum Pazifisten machen, zumindest solange die Predigt andauert.

    An dem Tag, wo ein männlicher Pastor wieder Kanonen segnet, ist dessen Kirche rappelvoll. Versprochen.

    Um dabei zu bleiben. Als Gregory Peck seinen Harpunieren den Moby-Dick-Eid abnimmt: Das ist Religion (!), die evangelische Kirche um die Ecke nur ein Mißverständnis. Die Katholen nicht minder.

  • @hegel68
    Lesen Sie bitte genauer: Ich übernehme nicht Verantwortung für den Holocaust, sondern ich erkenne die Verantwortung an, die sich aus ihm für mich ergibt.
    Näheres dazu hier: http://roesch.alfahosting.org/wordpress/?p=2397

  • @Meyer:
    Das Sola Scriptura-Christentum gibt es durchaus noch. Zu nennen wären hier die sogenannten Evangelikalen die sich zumeist bemühen eben nach der reinen Lehre zu gehen und weniger nach der mehr oder weniger begründeten Tradition. Das funktioniert mal mehr und mal weniger gut. Was die „etablierten“ Kirchen angeht gebe ich Ihnen durchaus recht. Viele Pfarrer glauben das was sie Sonntags predigen selbst nicht. Am Ende kommt dann meist von der Kanzel verkündigte linke Politik heraus.

    Was die Auswirkungen des Christentums in Bezug auf Moral, Macht und Politik angeht wird es in der Tat schwierig. Als Verfechter der Trennung von Religion und Politik sage ich zu diesem Thema: Es sollte durchaus Christen geben die Politik machen, aber es sollte bitte niemand versuchen eine christliche Politik zu machen. Das endet im besten Fall in wenig tragfähigen Kompromissen und im schlimmsten Fall im Desaster. Die Aufgabe der Politik ist es die Rahmenbedingungen dafür zu schaffen, daß Menschen aller Weltanschauungen friedlich zusammenleben können.

    Eine christliche Politik entspricht übrigens ohnehin nicht der „reinen Lehre“. Das was die üblichen Verdächtigen aus kirchlichem Lager von der Politik fordern mag in einer idealen Welt funktionieren. Aber die haben wir nun einmal nicht. Es ist einfach weltfremd Maßstäbe die im zivilen Leben funktionieren auf die Welt der Staaten zu übertragen. Politik sollte sich weniger nach irgendwelchen mehr oder weniger christlichen Maßstäben richten, sondern eher nach den alten Maßstäben von Ehre und Billigkeit. D.h. konkret, daß Kriege eben durchaus erlaubt sind. Schließlich hat der Staat die Aufgabe seine Bürger zu beschützen. Selbst gezielte Tötungen von Terroristen halte ich durchaus für gerechtfertigt.

    Sie sehen, ich gehe an die Sache weit pragmatischer heran als unsere Kirchenleute.

    P.S.: Knappe Antworten halte ich übrigens absolut nicht für respektlos. Wenn man ein Thema in kurzen Worten abhandeln kann (oder einem auch nur die Worte im Moment fehlen) soll man das durchaus tun. Wenn ich lange Reden haben will kann ich mir auch Bundestagsdebatten anhören.

  • Ihr Pragmatismus freut mich Da stehen Sie mit Luther in guter Tadition.
    Die Evangelikalen wollte ich unterschlagen. Allerdings gestehe ich denen gerne zu, zu versuchen nach den Worten der Bibel zu leben. Gelingen wird das nicht, weil es keine Bibel ohne Interpretation gibt. Und da ist bisher an Luther und seinen Kerngedanken noch nicht vorbeigekommen.

    Trotz Ihres PS, wird es jetzt unerträglich kurz: Ich bin sosehr „Pragmaktiker“, daß ich meine, daß die Religionsfreiheit nicht über dem inneren Frieden steht. Kann es diesen Frieden nur dann geben, wenn die Menschen einen einheitlichen Glauben haben, dann muß er erzeugt werden, daß wäre dann n o t w e n d i g. Und ob es so ist, halte ich eher für eine Frage nach der conditio humana und neige dazu zu sagen, daß Religionsverscheidenheit eigentlich schädlich ist. Wie sich das auf die Religionsfreiheit auswirkt, ist dann die zu klärende Frage.

  • Herr Rösch. Ich habe Ihre Seite gelesen. Nur leider kein einziges Argument gefunden.

    Nehmen Sie diese „Verantwortung“ und machen Sie damit, was Sie wollen. Die Verantwortung, die Sie mir nachwerfen wollen, prallt an mir ab und bleibt liegen, wenn nicht jemand kommt und Sie aufhebt. Über solche Stöckchen springe ich nicht. Und wer das doch möchte, bitteschön. Charaktertest? – Durchgefallen.

  • Um Ihrer Beriffsverwirrung mal etwas auf die Sprünge zu helfen:

    Verantwortlichkeit ist in der Wirkung identisch mit der Schuld. Schuld ist nur eine Form der Verantwortlichkeit.

    Letztendlich geht es im Zivilrecht bei diesen Begriffen immer um die volle Haftbarkeit. Und genau diese ist es, die ich völig ablehne. Denn bei der Haftbarkeit ist das Aufrechnen allerdings erlaubt. Und dann müssen sich diejenigen die die Haft einfordern auch das entgegenhalten lassen, was ihre Helfer so angerichtet haben, um „zu helfen“. Berlin, Köln, Dresden, Hamburg (es folgen nun alle deutschen Städte),
    Rheinwiesenlager, Vertreibung, Mord und Vergewaltigungen.

    Ihre Rechnung geht nicht auf. Weder begrifflich, noch tatsächlich.

  • Herr Rösch,
    nur zwei Anmerkungen zu Ihrem Versuch einer „semantischen Klarstellung“:

    1.) Sie schreiben, Schuld „beschreibt den direkten Kausalzusammenhang zwischen dem Handeln eines Menschen und einer daraus resultierenden Folge, während “Verantwortung” eine Verbindung auf einer deontologisch-ethischen Ebene meint und damit erst die Grundlage bildet für das mögliche Entstehen von Schuld.“
    Das ist im Prinzip richtig, trifft aber nur das, was in der Philosophie die „prospektive Verantwortung“ genannt wird. Dabei geht es letztlich um die Zuweisung der Pflichten, die eine Person hat (und das ist in der Tat die Voraussetzung für die Zuschreibung von Schuld als Pflichtverletzung). z.B. bedeutet „Die Eltern sind verantwortlich für das Wohl ihres Kindes“ dann: „Die Eltern haben bestimmte Pflichten, für das Wohl ihres Kindes zu sorgen.

    Es gibt aber noch den Begriff der „retrospektiven Verantwortung“, manchmal auch „Handlungsfolgenverantwortung“ genannt, der in der Tat dann mit dem Schuldbegriff mehr oder weniger identisch ist, diesen aber unter einem anderen Aspekt betrachtet, nämlich dem der Pflichtwidrigkeit der einer Person zuschreibbaren Handlung. Z.B.: „A trägt die Verantwortung für den von ihm begangenen Diebstahl“.

    Die Crux beim Verantwortungsbegriff ist, dass im Zusammenhang mit dem Holocaust meist kein Politiker – Wulff schon gar nicht – klar macht, in welchem Sinn er von Verantwortung redet. Und diese Unklarheit scheint mir gerade gewollt zu sein und das ist es auch, was diesen Groll erzeugt, weil viele Leute eben denken, es sei Verantwortung im zweiten Sinn gemeint.

    2.) Sie begründen die Verantwortung im ersten Sinn betreffend den Holocaust folgendermaßen: „Wer verstanden hat, wie es zur Entstehung der nationalsozialistischen Diktatur und damit zu der Ermordung von Millionen Menschen kam, erwirbt damit die Verantwortung, das in seiner Macht stehende zu tun, um eine Wiederholung dessen, auch vor einem anderen ideologischen Hintergrund, in Zukunft auszuschließen.“

    Nun kann man darüber streiten, ob einem alleine aufgrund eines besonderen Wissens Verantwortung (im Sinn zusätzlicher Pflichten) zuwachsen kann und ob man überhaupt in dem Sinn „aus der Geschichte lernen“ kann, den Sie unterstellen.

    Aber selbst wenn beides der Fall wäre, wäre immer noch zu konstatieren, dass diese Verantwortung dann jedem zukäme, der das entsprechende Wissen besitzt, dass sie also nicht an eine bestimmte Nationaliät gebunden wäre.
    Wulff redet aber nun gerade von einer Veranwortung (d.h. einem Pflichtenkanon), die alleine Deutschen zukommen soll. Das bedeutet aber, Wulff kann gar nicht das gemeint haben, was Sie mit „Verantwortung“ meinen, sondern offenbar eben doch Verantwortung im Sinn der Handlungsfolgenverantwortung. Damit wäre dann Ihr Versuch, Wulffs Aussagen zu retten, gescheitert.

  • Ich habe leises Bauchgrimmen, wenn hier wieder einmal Christen aussagen wollen, was dem Judentum wesentlich sei (und dann gleichzeitig den Gottesnamen phonetisch ausschreiben!)

    Ob der Jesus-Prozess historisch war oder nicht, laesst sich nicht mehr feststellen.

    Die Evangelien wurden mehr als ein Menschenalter nach Ereignissen schriftlich niedergelegt. Mit der „Entstehungszeit“ meine ich die Entstehungszeit der Evangelien, nicht des Christentums. Ich halte es weder fuer ahistorisch noch unplausibel, dass die Entlastung der roemischen Buerokratie auf Kosten der Juden zu diesem Zeitpunkt politisch sinnvoll war.

    Sind die hier dikutierenden Theologen davon ueberzeugt, dass das Neue Testament direkt durch den Heiligen Geist diktiert wurde? Wenn jede textkritische Lektuere unmoeglich wird, macht Diskussion natuerlich keinen Sinn.

  • „Ich habe leises Bauchgrimmen, wenn hier wieder einmal Christen aussagen wollen, was dem Judentum wesentlich sei (und dann gleichzeitig den Gottesnamen phonetisch ausschreiben!)“

    Da ich kein Jude bin, fühle ich mich an die Gebräuche des Judentums auch nicht gebunden. Die Sitte den Namen Gottes weder zu schreiben noch auszusprechen hat vor allem mit 2. Mose 20,7 zu tun. Dadurch wollten die Juden eine mißbräuchliche Verwendung des Namens von vorneherein vermeiden. (Diese Information stammt übrigens direkt von einem Juden.) Wenn Sie Anstoß daran nehmen, daß Christen Aussagen über das Judentum treffen möchte ich doch darum bitten mit mehr als nur Gefühlen zu argumentieren.

    „Sind die hier dikutierenden Theologen davon ueberzeugt, dass das Neue Testament direkt durch den Heiligen Geist diktiert wurde? Wenn jede textkritische Lektuere unmoeglich wird, macht Diskussion natuerlich keinen Sinn.“

    Als Christ muß ich von dem ausgehen was die Bibel selbst über sich aussagt. Die Grundlage des Christentums besteht nicht aus dem was irgendwelche studierten Theologen sagen, sondern aus dem was in der Bibel steht.
    Übrigens treiben nur die Christen dermaßen viel Schindluder mit der Bibel mit dem was Sie Textkritik nennen. Ein orthodoxer Jude würde jedenfalls meiner Einschätzung nach ziemlich verschnupft reagieren wenn Sie ihm z.B. erklären würden, daß Jesaja gar nicht die 66 Kapitel geschrieben hat sondern nur 39. Sie können ja gerne mal zu einem orthodoxen Juden gehen und die Probe machen.

    Wenn ich übrigens davon ausgehen würde, daß der Jesus-Prozeß nicht wirklich geschehen ist, dann könnte ich genauso gut das gesamte NT wegwerfen. Wenn Jesus nur irgend so ein Wanderprediger war, dann ist das was im NT steht völliger Blödsinn. Man könnte bestenfalls sagen, daß es von einem gewissen ethisch-moralischen Wert ist.

  • „Ich habe leises Bauchgrimmen, wenn hier wieder einmal Christen aussagen wollen, was dem Judentum wesentlich sei.“

    Wieso? Wir sprechen ja nicht von Geheimlehren, sondern über öffentliches Wissen. Daß darüber nur Juden sprechen können sollten, ist nicht einzusehen.

    „(und dann gleichzeitig den Gottesnamen phonetisch ausschreiben!)“

    Wie denn sonst? Doch nicht etwa mit dem komischen „G*tt“, das ich öfters lese?

    „Ob der Jesus-Prozess historisch war oder nicht, laesst sich nicht mehr feststellen.“

    Sollte man vielleicht diesen drolligen Revisionismus auch nach § 130 StGB („Volksverhetzung“) strafbar machen?

    „Die Evangelien wurden mehr als ein Menschenalter nach Ereignissen schriftlich niedergelegt.“

    Nein, sie sind vor dem Jahr 70 verfaßt, also vielleicht rund 40 Jahre post festum. Der Korintherbrief noch ein paar Jahrzehnte früher. Ich verkneife mir passende Vergleiche.

    „Ich halte es weder fuer ahistorisch noch unplausibel, dass die Entlastung der roemischen Buerokratie auf Kosten der Juden zu diesem Zeitpunkt politisch sinnvoll war.“

    Ob sie unter Kaiser Nero usw. politisch sinnvoll hätte sein können, darüber kann man ja spekulieren; ich glaube das allerdings nicht. Um aber als Argument gegen die Zuverlässigkeit der Evangelienberichte zu taugen, müßte man ja einmal die Tatsächlichkeit solcher Entlastungsversuche nachweisen. Wieso überhaupt die Berichte der Evangelien die Prozeßführung der römischen Seite entlasten, vermag ich auch nicht einzusehen. Pilatus gibt im Gegenteil ein für die römische Seite höchst peinliches Bild ab.

    „Sind die hier dikutierenden Theologen davon ueberzeugt, dass das Neue Testament direkt durch den Heiligen Geist diktiert wurde? Wenn jede textkritische Lektuere unmoeglich wird, macht Diskussion natuerlich keinen Sinn.“

    So ein göttliches „Diktat“ haben vielleicht – ich weiß es nicht – jüdische Theologen einmal für das AT behauptet. Von christlichen Theologen ist diese Behauptung betreffend AT und NT unbekannt. Dementsprechend gab es biblische Textkritik auch spätestens seit des alten Origines Zeiten. Ich würde die Methode, die Aussage eines Textes allein deswegen für unglaubwürdig zu erklären, weil man ihm eine „Absicht“ unterstellt, allerdings noch nicht für eine textkritische Methode halten; dazu gehört etwas mehr an philologischen und historischen Überlegungen.

    • So ein göttliches “Diktat” haben vielleicht – ich weiß es nicht – jüdische Theologen einmal für das AT behauptet. Von christlichen Theologen ist diese Behauptung betreffend AT und NT unbekannt.

      Meines Wissens ist das Konsens, dass die Bibel vom Heiligen Geist inspiriert ist, wenn auch vielleicht nicht gerade Wort für Wort. Ich kann aber nicht erkennen, warum Nichtchristen im Hinblick auf das NT daran glauben sollten, oder warum es illegitim sein soll, darauf hinzuweisen, dass die Tendenz des neutestamentlichen Berichts ganz deutlich dahin geht, die Römer zu entlasten – was ja umso bemerkenswerter ist, als die Fakten auf keinen Fall einen Freispruch für Pilatus hergeben: Er war der verantwortliche Mann, er hatte die Macht, und er hatte die Entscheidung zu treffen. Dass er sich den Launen eines aufgehetzten Mobs beugte, spricht gegen und nicht für ihn. Es ist die Interpretation der Fakten, die so aufschlussreich ist.

  • Ich sage ja auch nicht, daß es „illegitim“ sei, auf (angebliche) Tendenzen hinzuweisen. Es ist nur im vorliegenden Fall ein Hinweis, der auf äußerst schwachen Füßen steht.

    „… umso bemerkenswerter ist, als die Fakten auf keinen Fall einen Freispruch für Pilatus hergeben: Er war der verantwortliche Mann, er hatte die Macht, und er hatte die Entscheidung zu treffen. Dass er sich den Launen eines aufgehetzten Mobs beugte, spricht gegen und nicht für ihn.“

    Eben! Von daher ist nicht einzusehen, wieso der Bericht der Evangelien den Versuch einer Entlastung der römischen Seite sein sollte.

    Es dürfte auch weniger die Laune eines aufgehetzten Mobs gewesen sein, die Pilatus gebeugt hat – so ein Angsthase war der Mann auch sonst nicht. Entscheidend wird vielmehr die Drohung mit einer Anschwärzung bei dem bekanntermaßen mißtrauischen Kaiser Tiberius gewesen sein („Dann bist Du kein Freund des Kaisers“). Bei den guten Beziehungen, die die herrschende Mehrheit im Hohen Rat und die jüdische Kolonie in Rom mit den römischen Machthabern hatte, wäre ein Hinweis, daß Pilatus einen davididischen Thronprätendenten geschont habe, für ihn wohl tödlich gewesen.

    • Ich halte den biblischen Bericht ja auch für authentisch, aber die Neigung, Pilatus zu entlasten, ist trotzdem deutlich.

      Für authentisch halte ich ihn übrigens nicht erst wegen meines christlichen Glaubens, sondern auch unabhängig davon, weil es zum Hintergrundwissen passt. Ich glaube, die damaligen Jerusalemer Juden sind am ehesten mit heutigen Muslimen zu vergleichen: Flavius Josephus berichtet zum Beispiel, wie einige Jahre später in Jerusalem sich ein Volksaufstand daran entzündete, dass ein römischer Soldat es besonders witzig fand, den Pilgern seinen nackten Hintern zu zeigen; die Reaktion wäre wohl dieselbe, wenn heute ein amerikanischer Soldat dasselbe in Nadschaf oder Kerbela täte. Nun stelle man sich vor, heute käme ein Prediger zum Aschura-Fest nach Kerbela und würde behaupten, er – und nicht Mohammed – sei das Siegel der Propheten, und außerdem sei er Gottes Sohn. Ich glaube nicht, dass er s
      es überleben würde.

      Ruths Bauchgrimmen hat wohl weniger damit zu tun, dass sie um jeden Preis die damaligen Juden verteidigen möchte, sondern dass die Debatte – wie viele dieser Art – eine Tendenz zeigt, „das“ Judentum schlechthin auf eine einzige Dimension zu fixieren, es gleichsam in dem Zustand zu einzufrieren, in dem es zur Zeit Jesu war.

      @ Meyer: So als ob seitdem nicht zweitausend Jahre vergangen wären. Zweitausend Jahre jüdisch-christlicher Auseinandersetzungen, die schließlich nicht immer nur blutig, sondern auch Jahre der wechselseitigen Beeinflussung waren, zumindest hier in Europa. Es ist eben nicht so, dass nach der Kreuzigung Christi, oder nach dem Jüdischen Aufstand beide Religionen einfach ihrer Wege gegangen wären und seitdem auf verschiedenen Planeten existiert hätten. Die Ähnlichkeiten und Gemeinsamkeiten haben nicht nur mit dem gemeinsamen Fundament, dem AT, zu tun (und das ist nicht etwa mit Christi Auferstehung erledigt: Matthäus 5,17: Ihr sollt nicht wähnen, daß ich gekommen bin, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen; ich bin nicht gekommen, aufzulösen, sondern zu erfüllen.), sondern auch damit, dass man einander beeinflusst hat; der kulturelle Hintergrund gehört zur Ausprägung einer Religion immer dazu. Wenn wir noch zweitausend Jahre warten würden, hätte wir irgendwann wahrscheinlich sogar einen „Euro-Islam“. Nur fehlt mir dazu die Geduld.

  • Die Aussage, wir müssten dafür sorgen, dass sich Auschwitz nicht wiederholt, ist auch unlogisch.
    Entweder hat es sich schon in Form von Völkermorden, die alle 3-5 Jahre irgendwo in der Welt statt finden, wiederholt und wir können das nachweislich nicht verhindern.
    Oder aber es ist einzigartig und wird sich folglich auch nicht wiederholen.

  • Ok, ich glaube wir sind zwar ein wenig vom Thema abgekommen von Wulff, Bundesrepublik und Holocaustgedenken hin zu theologischer Auseinandersetzung mit dem Judentum, aber es handelt sich um einen wichtigen Aspekt auf den man eingehen muss. Jedenfalls wenn man verhindern will, dass Toleranz und Verständnis zu Gesäusel mutieren wie sehr Gott den Körperteilen eines Elefanten ähnelt.
    Was ich jedoch nicht nachvollziehen kann, ist wieso mich, auch als Christ der nicht deshalb aufhört Christ zu sein nur weil er sich politisch betätigt, theologischer Disput davon abhalten soll auf politischem Gebiet mit Juden Gemeinsamkeiten zu finden. Es ist doch ein Hauptgrund mich auf Islamkritischen Seiten an der Diskussion zu beteiligen der, dass ich diese Möglichkeit einer auf das Theologische beschränkten Auseinandersetzung beim Islam nicht gegeben sehe.
    Richtig ist, dass Juden in der BRD Christen gegenüber privilegiert sind, insofern man ihnen ab und zu einen Knochen zuwirft und man ihnen gegenüber kritische Personen des öffentlichen Lebens absägt. Dies wäre bei christlichen Vertretern unvorstellbar, obwohl diese weitaus größere Teile der Bürgerschaft vertreten. Jedoch, und dies fällt auch sicherlich einigen Juden auf, handelt es sich hierbei nur um Personen, die rechts, christlich oder konservativ eingestellt sind. Handelt es sich jedoch Gruppierungen die dem Geist der Zeit mehr entsprechen als Juden etwa Homosexuelle, Muslime, Feministen, Umweltschützer, Marxisten etc. zeigt sich schnell wie viel man wirklich gilt. Gerede über eine einflussreiche jüdische Minderheit halte ich vor diesem Hintergrund für lächerlich und finde nichts daran falsch zu sagen dass mich mit Juden viel verbindet. Es bleibt doch dabei, dass uns nun mal auch gemeinsame Feinde verbinden, denen spitzfindige Differenzierungen zwischen Judentum und Christentum herzlich egal sind und die mich als Christ sowie dem Land und der Kultur denen ich zugehöre zur Zielscheibe ihres Hasses machen, während auch der radikalste israelische Siedler und der rechteste IDF-Offizier meine Lebensweise und meine Sicherheit in keinster weise beeinträchtigen. Sicherlich kann ich mich gegen Angriffe wehren, ganz unabhängig davon wie sich Juden in dieser Situation verhalten aber ich muss nicht zwangsläufig auf jegliche gegenseitige Unterstützung verzichten, wenn sie sich anbietet. Dass sich die IDF nicht auf christliche Moral beruft nehme ich ihr in etwa so übel wie den japanischen Streitkräften. Sicher, es ist ungewohnt für Christen, dass sich sowohl Juden als auch Muslime auf biblische politische Anführer berufen können, während es solche Personen im Christentum schlicht nicht gibt. Aber ich halte es für möglich zum Beispiel in König David ein konstruktives politisches Vorbild zu sehen während Mohammed schlicht ein Wiederling ist.

  • 1. In Israel, den IDF, Mose und David historische und politische Vorbilder oder Bereicherungen, an denen man sich orientieren kann, zu erblicken, fällt nicht sonderlich schwer. Und: Ist völlig unabhängig von einer etwaigen Sympathie oder Antipathie, gegenseitigem Interesse oder gar etwaiger kultureller Identität.

    2. Mir ging es in allem, was ich hierzu schrieb, um den Begriff „jüdisch-christlich“ als politisch-psychlogisch wirksame Propanganda herauszustellen. Dieser Begriff ist aus meiner Sicht der Kulminationspunkt dieser Bestrebungen, in die sich die Wulff-Rede nahtlos einfügt. Diese soll eine Einheit zwischen den „westlichen“ Staaten und Israel, bzw. die Auflösung derer Nationen in einen westlichen Einheitsbrei BEWIRKEN, die es weder religös, noch historisch, noch kulturell gibt. NOCH NICHT!
    Einzig könnte man die liberal-demokratische Staatsform und den Intellektualismus als verbindend ansehen. Das macht uns aber nicht zur Einheit und nicht zu Verbündeten.
    Die geistige gegenseitige Befruchtung oder gegenseitige Herausforderung (ohne Spinoza kein Kant) über einige geistesgeschichtliche Phasen, wohl im wesentlichen im Angelsächsischen, später auch im europäischen Raum, bestreite ich nicht, sondern sehe hier auch die Gründe der teilweisen Ähnlichkeit. Dennoch sind selbst atheistisch-linke noch so in der (verabsolutierten) christlichen Morallehre verhaftet (unlösbar und wahrhaft religiös), daß man die Gegensätze sehr gut zu jüdischen Liberalen erkennen kann, die man wohl exemplarisch in der Ha’aretz, WP und NYT findet. Alleine diese (christliche) Selbstverneinung ist dort nicht annähernd so wirksam, wie bei unseren Linken. Die Fremdverneinung (des Christlichen) ist dort allerdings sehr stark. Das letzte sei als Indiz zu werten.

    3. Wenn ich über das jüdische Verständnis der Religion rede, rede ich naturgemäß ohne große (und innere) Kenntnis. Woher auch? – Warum sollte ich nicht versuchen, mich trotzdem anzunähern? Was soll diese Forderung, mich einem fremden Sprachduktus unterwerfen zu sollen? Ich bin nicht mosaischen Glaubens und schreibe Gott oder Jehova sooft und soviel ich will. (Im Übrigen ist der Gedanke hinter dem Verbot „Gott“ auszusprechen, eigentlich richtig – das gehört aber hier nicht hin. Dazu müßte man sich mit der sprachlichen Relativitätslehre auseinandersetzen, die m.E. weitgehend richtig ist und im politischen Propagandakampf à la „Verantwortung“ oder „Holocaust“ täglich und sehr klug verwendet wird. Gibt es ein Wort für etwas, so geht jeder Mensch von dessen realer Existenz aus. Das gilt auch in der Verneinung. Genau diese Art der Stimmungsmache gegen Israel hat zur Zeit des israelisch-libanesischen Krieges und während der zweiten Intifada an der „Berichtserstattung des ö.-r. Rundfundfunks völlig zu recht kritisiert.)

    4. Ich fühle mich mit meiner Familiengeschichte verbunden. Viele (exemplarisch: PI-Leser) haben Ihre Identität scheinbar mit denen der damaligen Opfern gewählt. Genau hingeschaut handelt es sich aber um ein psychisches Phänomen, dem Stockholm-Syndrom. Man identifiziert sich (mit intellektuellen Meidbewegungen) mit dem als völlig übermächtig empfundenen Gegner/Vereinnahmer. Die eigene Tapferkeit scheint als aussichtslos, man akzeptiert intellektuell seine „Bestimmung“ im Ganzen.
    Ein medialer Druck erzeugt psychisch wirksam (und körperlich meßbar) Angst. Auf Angst reagieren Menschen stochastisch absehbar: Erfüllend-dienend, meidend-weglaufend, leugnend-sich-beruhigend und – widerstehend-angreifend!
    Jeder mag sich selbst und sein Umfeld charakterisieren und entsprechend einordnen.
    Ich sehe durchaus den Hollywood-Druck der auf Deutschland aufgebaut wird. Ein Ziel ist es, die Einheit des heutigen Deutschlands mit seiner Geschichte zu zerstören. Wir SOLLEN uns schuldig fühlen, wir sollen mit uns mit den Opfern identifizieren. Man schaue „Band of Brothers“ und die Abweichung der Filmreihe vom Buch. Auf „alternativeright.com“ hervorragend besprochen, ebenfalls mit den psychologisch und politisch zutreffenden Schlüssen.
    Ich reagiere auf diese Hollywood-Anstalten mit Ablehnung bis Zorn. Aber auf die Kuscher und Selbstverleugner, die nach fremder Pfeiffe, wie Marionetten, tanzen, mit totaler Verachtung bis Haß. Und da ca. 20% der Menschen, dabei 40% der Männer (nach anderen Untersuchungen 33% ohne Geschlechtsdifferenzierung), auf diese Versuche grundsätzlich ähnlich wie ich reagieren, ist es nicht sonderlich schwer vorherzusagen, daß das letzte Wort „massen-psychologisch“ noch lange nicht gesprochen ist. Ich bin selbst gleichzeitig nüchtern genug, um mich meinen eigenen Irrationalitäten nicht sinnlos auszuliefern. Und ich weiß, daß das Pendel – ebenfalls irrational – wieder ins Gegenteil schwingen wird.

    Diese Hollywood-Anstalten halte ich übrigens für völlig legitim und gleichzeitig für amoralisch, was nicht weiter schlimm ist. DAS ist Politik. Es ist primitiv-machiavellistisch und dabei völlig der Lehre Machiavellis widersprechend. Wie Machiavelli es voraussagte, wird das, was darauf aufbaut, letztlich die Bundesrepublik, wenn nicht die ganze Nachkriegsordnung, scheitern. Wie er im „Fürsten“ sagte, könnte man das wohl halbwegs „reparieren“. Aber, wie er in den „Discorsi“ sagte, gibt es einen zu guten Gegenentwurf! Und der treibt mich an. Auch über das Christentum spricht er zutreffend.

    • @ Meyer: Ich glaube, ich verstehe jetzt besser, worum es Dir geht. Es stimmt ja, dass der Begriff „jüdisch-christlich“ auch der Versuch ist, Gegensätze und Probleme mit Wortkosmetik zu verkleistern. Solange Du Dich nur dagegen wendest und die Wendung kritisch hinterfragst, stimme ich Dir zu. Man kann nur nicht behaupten, sie sei völlig bar jeder Realität. Im übrigen völlige Zustimmung zu Deinem Kommentar.

  • @ Manfred:

    1. Ich habe ja nun ausdrücklich Dir nicht widersprochen, sondern habe auch schon weiter oben die gegenseitige Befruchtung durchaus gesehen und betont. Daß darauf eine nicht zu verachtende ÄHNLICHKEIT beruht, steht ganz außer Zweifel. Und diese Ähnlichkeit ist auch politisch wirksam, ebenso wie die Unterschiede, die ich versucht habe herauszustellen.
    Ich habe versucht die Interessenlage dahinter zu verstehen. Die verwendeten Mittel sind mir ganz gut bekannt.

    2. Ich „kann“ lakonisch (bis primitiv) oder herleitend (und unübersichtlich/langatmig). Beherrschte ich diese Gegensätze besser zu verbinden, würde man mich wohl besser verstehen. Oder: Ich brauchte zuviel Zeit dazu, weil ich immer wieder nachbessern müßte. Mir reicht die Zeit zum nachträglichen überfliegen schon kaum. Sonst würde ich doch tatsächlich mal überlegen, ein Blog selbst zu versuchen. Aber meine Zeit ist meistens sehr knapp und völlig unplanbar. Und genau jene Blogs, bei denen sich tagelang nichts tut, habe ich aus meiner Leseliste geworfen. Ich bin sicher, andere tun das auch.
    Naja. Und hier liest der ein oder andere sogar, was ich schreibe. So kann man vielleicht doch mal einen Aspekt aufzeigen. Auf einem eigenen, dem x-ten Blog rechts der Mitte, vielleicht mit einer anderen, etwas „renaissanceischeren“ Nuance, wer braucht den schon? Wen erreicht man da?

  • Na, das ist ein großzügiges Angebot. Vielen Dank!

    Es gibt einige Themenkomplexe, zu denen ich etwas beitragen kann. Ich werde wahrschbeinlich mal auf Dich zukommen und Dir etwas anbieten. Da bitte ich um ein wenig Geduld. Es würde sich wahrscheinlich etwas aus dem Bereich Sicherheitspolitik sein. Dein hervorragendes Blog kann nur Antrieb sein, es nicht mit Lakonismen zuzuwerfen. Natürlich haben auch kurze Einwürfe ihre Lebnsberechtigung. MCP/efeder beherrscht das sehr gut. Aber das ist das gesicherte Vorrecht des Hausherren.

    Über den einen oder anderen Kommentator hier (soweit ich deren Blogs nicht längst täglich lese) würde ich mich auch freuen, wenn er diese Chance ergriffe.

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