Non veni pacem mittere sed gladium. (Mt 10,34)
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Cicero schreibt:

Bauernland in Sportlerhand
von Ulrich Hottelet

Die Bewerbung Münchens um die Olympischen Spiele 2018 darf nicht daran scheitern, dass einige Bauern um eine hohe Entschädigung für ihre Grundstücke pokern. Ihre Sorge um die Natur scheint nur vorgeschoben, deshalb müssen die Grundstücksbesitzer notfalls enteignet werden.

(Quelle: Cicero.de)

Da bedient sich der angeblich bzw. ehemals bürgerliche Cicero aus dem Phrasenschatz der SED („Junkerland in Bauernhand“), und dies nicht etwa kritisch ironisch, sondern affirmativ: das folgerichtige Ergebnis, wenn man ein solches Blatt einem sozialdemokratischen Chefredakteur überantwortet. Die Forderung nach Enteignungen fließt dessen Schreibsklaven wie von selbst aus der Feder.

Dabei ist die Parole heute so verlogen wie damals: Die Sportler würden heute von Enteignungen so wenig profitieren wie damals die Bauern. Damals profitierte die Partei, heute die globale Sportmafia.

Wäre eine solche Enteignung denn eine im Interesse des „Wohls der Allgemeinheit“, wie es Artikel 14 Absatz 3 GG zwingend vorschreibt?

Gewiss würden viele Menschen wirtschaftlich von den Spielen profitieren (und viele andere darunter leiden). Vielleicht würde auch der eine oder andere Arbeitsplatz geschaffen, der sich nicht gleich nach den Spielen wieder erledigt hätte.

Wer aber aus solchen Gründen der Meinung ist, eine private Großveranstaltung diene dem „Wohl der Allgemeinheit“ im Sinne von Art. 14 GG, der wird schlechterdings kein Argument mehr finden können, wenn internationale Großkonzerne ihre Ansiedlung am Ort von der Enteignung dieses oder jenes Grundstücks abhängig machen. Die Verhandlungsposition des international agierenden Akteurs, der sich ebenso gut hier niederlassen kann wie irgendwo sonst auf der Welt, und der deshalb über entsprechende Erpressungsmacht verfügt, wäre dieselbe wie im Falle des IOC (das letztlich auch nichts anderes ist als ein multinationaler Konzern). Und die Argumente, mit denen beflissene Politiker solchen Forderungen nachgeben und Bürger enteignen würden, wären sogar noch stärker.

Eine Enteignung für Olympia, eine Enteignung zugunsten Privater würde, wenn sie Rechtens wäre, dem Eingriff in das Eigentumsrecht, sprich dem organisierten Diebstahl Tür und Tor öffnen. Im Grunde könnte man dann auch ins Grundgesetz schreiben: „Eine Enteignung ist nur zugunsten von multinationalen Konzernen zulässig, dann aber ohne Weiteres“.

„Bauernland in Sportlerhand“: Wenn es jemals eine Parole gegeben hat, die gerade in ihrer Verlogenheit die perverse Mésalliance von Kapitalismus und Kommunismus illustriert hat, zu der sich das Globalsystem entwickelt, dann ist es diese.

3 Antworten auf "Bauernland in Sportlerhand"

  • Jeder der sich für Enteignungen auspricht sollte unverzüglich enteignet werden.

  • Das ist doch nur konsequent. Seit Jahren arbeitet man doch intensiv daran, den Bürgern immer mehr Freiheit abzunehmen und sie gleichzeitig immer dann alleine zu lassen, wenn sie Hilfe brauchen. Die Interessen von Bauern sind sowieso die allerunwichtigsten – was machen die denn schon? Verseuchte Hennen einkerkern, die verseuchte Eier legen, unglückliche Kühe einsperren, die saure Milch geben und Genmais anbauen, der darüber bestimmt auch nicht erfreut ist. Bauern sollte man alle totschlagen, dieses Pack! Sportler dagegen sind gut, sie verdienen viel Geld, wenn sie Kunststückchen vorführen, deshalb sind Sportpromoter und -Manager noch guter.
     
    Das witzige ist ja, dass es eben nicht die bösen Konzerne mit einem Boss a la M. Burns an der Spitze sind, sondern diese halb-halb Modelle (IOC ist ein gutes Beispiel dafür) und Aktiengesellschaften. Hier sehen wir den umgedrehten Effekt: Während niemand von diesen Verbrechern mehr persönliche Verantwortung übernehmen muss sorgt unser Staat dafür, dass diese Akteure sich immer mehr Freiheiten herausnehmen können. Dass alle unsere Politiker als „Nebentätigkeit“ in fünf bis zehn Aufsichtsräten solcher Unternehmen sitzen ist nur noch eine Fußnote wert und zudem allgemein bekannt.

  • In Garmisch gehts auch um den Golfplatz. Im Alternativvorschlag soll dieser als Gründstück für das olympische Dorf herhalten. Das Grundstück ist an die US-Truppen verpachtet, die wiederum den Platz dem Golfclub L&GC zur Nutzung überlassen. Der L & GC Werdenfels (Land- und Golfclub) ist in einer misslichen Lage, da die US-Truppen das Grundstück für Olympia zur Verfügung stellen könnten, ohne dass der Club eine Entschädigung verlangen könnte. Für den Golfclub wäre die Verhinderung Münchens Bewerbung oder Enteignung der Bauern die beste Lösung. Also macht man PR.
    Die Fronten sind hier nicht ganz so eindeutig wie manche Medien-Fritzen dies darstellen.

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