Non veni pacem mittere sed gladium. (Mt 10,34)
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Einen Tag vor der Zeremonie für die Verleihung des Friedensnobelpreises an den chinesischen Bürgerrechtler Liu Xiaobo wird in China ein konkurrierender „Konfuzius-Friedenspreis“ vergeben. Der taiwanische Ex-Vizepräsident Lien Chan soll die Auszeichnung für seinen Einsatz zur Aussöhnung zwischen China und Taiwan erhalten. Das erklärte der Organisator Tan Changliu der Nachrichtenagentur dpa. Tan zeigte sich überzeugt, dass der Preis mit der Zeit an Anerkennung gewinnen werde. „Er hat eine sehr starke Lebenskraft.“Norwegen sei nur ein kleines Land und eine Minderheit, wenn es um Freiheit oder Demokratie gehe, heißt es in einer Erklärung des Organisationskommitees. China hingegen sei „ein Symbol des Friedens“. Es müsse mit seinen 1,3 Milliarden Menschen „eine größere Stimme in Sachen Weltfrieden bekommen“.

(…)

Der Name des Preises lehnt sich ähnlich wie die chinesischen Konfuzius-Institute in der Welt an den chinesischen Philosophen und Staatsgelehrten an. Ähnlich wie die Konfuzius-Institute, die im staatlichen Auftrag aus Peking weltweit die chinesische Kultur und das Bild eines modernen Chinas verbreiten sollen, könnte auch dieser „Konfuzius-Friedenspreis“ weltweit Anerkennung finden, wurde in Kommentaren in staatlichen Zeitungen argumentiert.

(Quelle: tagesschau.de)

Diese Meldung hat mich inspiriert, dem Preiskomitee einen Offenen Brief zu schreiben:

Sehr geehrte Damen und Herren,

mit Freude und Frohlocken habe ich vernommen, dass es nun endlich mit dem Konfuzius-Preis des Himmlischen Friedens eine würdige Alternative zu jenem unseligen Preis gibt, den offenbar sowieso nur diejenigen bekommen, die ihn nicht verdienen, zum Beispiel Barack Obama.

Freilich hat mich ein wenig betrübt, dass Ihre erlesene Wahl auf Seine Exzellenz, den erlauchten Herrn Lien gefallen ist. Ohne dessen göttliche Verdienste im mindesten schmälern zu wollen, erlaube ich mir den untertänigsten Hinweis, dass es einen Mann gibt, der zwar nicht den pesthauchenden Friedensnobelpreis, wohl aber den gebenedeiten Konfuziuspreis verdient hat, weil er wie kein Zweiter den edlen und erhabenen Prinzipien folgt, die auch dem segensreichen Wirken der Kommunistischen Partei Chinas zugrundeliegen. Ich spreche von besagtem Präsidenten, dem himmlischen Barack Obama:

Barack Obama hat – getreu dem Prinzip „Überholen, ohne einzuholen“ gegen Wikileaks alle Maßnahmen vorbildlichster Planübererfüllung getroffen – Maßnahmen, die die der chinesischen Regierung weit übertreffen, die lediglich ihren Landsleuten den Zugang zu Wikileaks gesperrt hat; Maßnahmen, die selbst den Großen Vorsitzenden Mao erstaunt hätten:

Er hat allem Alten Denken den Kampf angesagt und ist dabei, allen stinkenden Erscheinunsformen westlicher Dekadenz – Unabhängigkeit der Justiz, Meinungsfreiheit, Freiheit der Wirtschaft – ein für allemal den Garaus zu machen.

Er säubert das Internet im globalen Maßstab von aufsässigen und konterrevolutionären Elementen, beginnend bei Julian Assange, getreu der Maxime des Großen Vorsitzenden Mao: „Bestrafe Einen, erziehe Millionen“.

Er folgt der unsterblichen Devise des Großen Vorsitzenden Mao: „Lasst hundert Blumen blühen – dann werft den Rasenmäher an!“

Als wahrer Nachfolger des Genossen Lenin setzt er den erhabenen Gedanken durch, dass jeder gute Kommunist auch ein guter Tschekist sein muss und erzieht die Vorstände ganzer Großkonzerne zu Tschekisten. Durch seine unermüdliche Erziehungsarbeit hat er es geschafft, nicht nur seine Kader, sondern sein ganzes Volk in der gerechten Forderung „Tod den Staatsfeinden“ zu vereinigen.

Getreu den Maximen des Großen Deng verschmilzt er Kapitalismus und Kommunismus zu einer harmonischen Einheit: Er hat Unternehmen wie Amazon, Visa, Master Card und einer Reihe weiterer Internet-Dienstleister die bürgerlich-reaktionäre Ideologie von der Freiheit der Wirtschaft ausgetrieben und sie dazu gebracht, die Erwartungen der US-Regierung beflissener, zuverlässiger und schneller zu erfüllen als jemals ein chinesisches Stahlkombinat die Vorgaben der Partei.

Und all dies tut er nicht nur im eigenen Land, nein, er setzt es im Weltmaßstab durch und verkörpert damit in seiner Person die Speerspitze der Weltrevolution. Ohne Ihnen zu nahe treten zu wollen: Ihr Arm reicht nicht bis Norwegen, aber seiner reicht bis Schweden! Und in viele andere Länder!

O edles und vortreffliches Preiskomitee, gestatten Sie mir nichtswürdigem Wurm die Bitte, den Konfuzius-Preis dem einzigen Mann zu verleihen, der ihn wahrhaft verdient hat:

Ich verbleibe,

im tiefsten Bewusstsein meiner Kleinheit vor Eurem Lichte in den Staub sinkend,

mit neunfachem sozialistischem Kotau

Manfred Kleine-Hartlage

12 Antworten auf Der Konfuzius-Preis

  • Ni haou,
    die gloße Volsitzende Flau Tef-Lon in Bel-Lin befülwoltet Volslag übel Helln Ballack Oba-Ma.
    Lang lebe unsele gloße Volsitzende Tef-Lon.
    Nick-nick.
     

  • Nick, nick!
    Köstlich!

  • Die Grußformel … unter dem Brief – fehlt da nicht eine angemessene Grußformel? Sowas wie ‚Dreifacher Kotau mit neunfachem Stirnaufschlag – ehrwürdige alte Gnadenterasse‘?   😆

    O großmächtiger Leser, ich stehe zutiefst zerknirscht vor dem Licht Deiner Weisheit, übe mich in demütiger Selbstkritik und werde den unverzeihlichen Fehler sofort korrigieren!

  • Auch ich bitte um Auszeichnung des Mannes, der immer kann. Can. Can. Can. Möge der Unaussprechliche ihm  noch hundert Töchter schenken.
     
    Alhamdulillah.
     
    http://www.youtube.com/watch?v=QvCUiHK7AXk

  • Auch ich bitte um Auszeichnung des Mannes, der immer kann. Can. Can. Can. Möge der Unaussprechliche ihm  noch hundert Töchter schenken.Alhamdulillah.www.youtube.com/watch?v=QvCUiHK7AXk

  • köstlich – die neuen Roten Garden scheinen sich auch langsam zu formieren.
    sky-news überträgt schon den ganzen Abend life die Belagerung des Londoner Schatzamtes durch wütende Studenten.
    Das Auto von Charles und Camilla scheint auch lädiert worden zu sein….

  • In der Aktuellen Kamera um 20.00 Uhr wurde natürlich kein Wort darüber verloren.

  • In China ist heute weder untertäniger Ton noch kommunistische Rhetorik üblich.
    Obama wiederum tut nicht mehr als unsere Gerichte und Gesetzgeber auch ständig tun: neue Möglichkeiten zur juristischen Verfolgung von Äußeringsdelikten schaffen, wobei die USA dabei nach wie vor die freiheitsfreundliche Position einnehmen und Europa zwischen USA und (dem insgesamt durchaus auch recht lockeren) China steht.
    In China hatte wohl auch niemand etwas gegen  die bereits erfolgte Friedenspreisverleihung an Obama.
    Dieser Text ergibt für mich keinen Sinn.   Man fragt sich nur, was in den Autor gefahren sein könnte.
     

  • Ich warte ohne schon lange darauf, wann endlich mal jemand in China oder einem der anderen Länder, denen wir unsere Selbstgerechtigkeit so gerne auf die Nerven gehen, mal auf die Idee kommt z.B. Horst Mahler mit einem Preis für Meinungsfreiheit auszuzeichen und ihn im Staatsfernsehen als Dissidenten in Haft o.ä. zu führen. Wäre ein schönes Revanchefoul. Ohne den Fall genau zu kenne, erscheint es mir so, als wäre die Sache mit dem Friedensnobelpreis und seiner politischen Stoßrichtung nicht bedeutend anders gelagert…

  • Liu hat mit brillianten Worten die Pekinger Regierung angeprangert und von ihr Demokratie und Menschenrechte gefordert.    Dabei hat er so viel Echo gefunden, dass der  Staatssicherheitsapparat ihn als gefährlich einstufte und mithilfe des Gummiparagrafen „Subversion der Regierung“ verknackte.
    Nicht zu erkennen ist jedoch, worin die preisgekrönten Leistungen von Liu für den Weltfrieden bestehen sollen.   Peking steht mit niemandem im Krieg und betreibt auch keine Kriegspropaganda.  Ein Vergleich von Liu mit Sacharow oder Ossietzki ist insoweit nicht angebracht.  Andererseits besagt die Erfahrung seit 1989, dass die Lehren von Demokratie und Menschenrechten zu Destabilisierung und Bürgerkriegen führen können.  In Jugoslawien und Ex-UdSSR haben sich Menschenrechts-Aktivisten letztlich nicht mit Ruhm bekleckert.

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