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Was für ein Friedensprozess, Frau Bundeskanzlerin?

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,

sofern es Ihre Absicht war, am Montag einen bVDfI-Tag einzugelegen (bVDfI=besondere Verantwortung Deutschlands für Israel), muss ich Ihnen leider bescheinigen, dass Sie bestenfalls die besondere Verblödung westlicher Politiker in Nahostfragen zur Schau gestellt haben.

Sie haben also Angst, durch israelische Baumaßnahmen in Jerusalem “der gesamte Friedensprozess wieder gestört wird”. Gestatten Sie mir den Hinweis, dass es so etwas wie einen “Friedensprozess” nicht gibt. Ein Friedensprozess, sofern er mehr sein soll als nur eine Gelegenheit zur Selbstinszenierung von zweitklassigen Profilneurotikern aus Europa, setzt die Bereitschaft beider Seiten voraus, die friedliche Koexistenz eines jüdischen mit einem arabischen Staat als Ziel anzustreben – was Israel längst akzeptiert und aktiv versucht hat. Damit ist weder Terrorismus vereinbar noch die Rückkehr der sogenannten Flüchtlinge (oder vielmehr die von deren Nachkommen, deren Bevölkerungsexplosion mit UN-Mitteln systematisch finanziert wurde) nach Israel. Letzteres wäre nichts anderes als das Projekt der ethnischen Unterwanderung Israels und seiner Verwandlung in einen arabisch-muslimischen Staat.

(Mir ist natürlich klar, dass Ihnen nicht einleuchtet, wo hier das Problem liegen soll. Wer – wie Sie – nichts dagegen hat und sogar fördert, dass das eigene Volk von muslimischen Immigranten unterwandert, ruiniert und – darauf wird es am Ende hinauslaufen – im eigenen Land als Volk von Untermenschen unterdrückt werden wird, grübelt wahrscheinlich den ganzen Tag darüber nach, warum die Israelis diesem leuchtenden Vorbild nicht folgen? Nun, vielleicht hängt es damit zusammmen, dass die Juden uns gewisse Erfahrungen voraushaben, die sie nicht wiederholen möchten, die uns aber aufgrund Ihrer göttlichen Politik noch bevorstehen, und dass sie nicht mit jenem masochistischen Selbstbestrafungskomplex geschlagen sind, der unser Volk, aber auch die anderen Völker des Westens, zugrunde richten wird.)

Was nun den Friedensprozess angeht, so wird der so lange nicht stattfinden, wie die Palästinenser glauben, sie könnten Israel – durch Terror, durch Isolation oder durch Unterwanderung – zerstören. Erst, wenn ihnen klar (gemacht) wird, dass dies eine Illusion ist, und dass die Zeit gegen sie arbeitet, nicht für sie, erst dann kann ein Friedensprozess beginnen, der diesen Namen verdient.

Wenn Sie also durchaus den Ehrgeiz haben, sich im Nahen Osten als Friedenstifterin zu betätigen (wozu Sie freilich schon deshalb nicht qualifiziert sind, weil Ihr Geschichtsbild sich wesentlich aus dümmlichen Klischees zusammensetzt und vermutlich zur Hälfte aus FDJ-Schulungen stammt, und weil der Geist der Servilität gegenüber der jeweiligen Vormacht, den Sie anscheinend aus der DDR mitgenommen haben, sich heute in einer Art Merkeldoktrin niederschlägt, wonach Deutschland jede Wendung der USA mitmachen müsse), wenn Sie also zum Frieden in Nahost wirklich beitragen wollen, dann gewiss nicht dadurch, dass Sie Israel unter Druck setzen, Konzessionen allein schon dafür zu machen, dass die Gegenseite sich zu “indirekten Verhandlungen” herbeilässt (Wie hoch wird erst der Preis sein, den sie für direkte Verhandlungen fordern werden?), sondern dann gibt es dazu nur einen Weg, nämlich sich hinter Israel zu stellen und die westlichen Verbündeten aufzufordern, es einem gleichzutun. Nur dann – wenn überhaupt – werden die Palästinenser sich ihren monströsen Traum, die Juden ins Meer zu jagen, aus dem Kopf schlagen. (Und je mehr die Israelis im Westjordanland und in Ost-Jerusalem bauen, desto schneller wird die Gegenseite lernen, dass ihr die Zeit davonläuft.)

Sie müssen das selbstverständlich nicht tun. Nur unterlassen Sie dann bitte auch Ihr peinliches sentimentales Geschwätz von der “besonderen Verantwortung”. Die Kluft zwischen Reden und Handeln schadet unserem Land nämlich viel mehr, als wenn sie einfach Ihren Mund halten würden.

3 Kommentare zu „Was für ein Friedensprozess, Frau Bundeskanzlerin?“

  • Cody:

    http://motls.blogspot.com/2010/03/ramat-shlomo-is-construction-sin.html
    People who are not familiar with the local situation may distinguish the political status of West and East Jerusalem but it is simply a matter of fact that those who matter don’t distinguish it. The boundary between them is a meaningless bureaucratic sleight of hand, a fantasy of the United Nations and the people who want to deny the world as it is.

    Jerusalem can’t become an Arab city without de facto declaring a bloody war to Israel – something that the Palestinians could surely not afford by themselves – because the status quo does assign Jerusalem to Israel. The idea that the Israelis will or should peacefully surrender their rights in that city is preposterous.

    I think that the critical approach is very unconstructive. The other, anti-Israel side prefers to destroy houses while Israel is building them. No one ever criticizes them. The Middle East is spread over something like 10 million squared kilometers and not much is being built on most of it. That’s OK.

    But when a civilized country of Israel, with its 20 thousand squared kilometers – a quarter of a percent of the Middle East – dares to plan a construction of new houses in a region that covers a few squared kilometers on the Eastern side of their holy city, that’s a big problem, isn’t it?

    You know, construction of houses is one of the most natural signs of peace on a given territory. If there’s no construction at explosive places, it just means that people think that the buildings wouldn’t survive. So it’s a very good thing that they plan to build things.

    What the Palestinians (and others) should be doing is to be building, too. At whatever place they can – and they have many of them. They shouldn’t jealously attack someone whose life is much more productive than theirs has ever been. They should do something about their huge unemployment and think positively instead of thinking how to use their excess time to hurt others.

  • Ruth:

    Das hast Du genau auf den Punkt gebracht. Die Auswirkungen sind auch schon offensichtlich:
    Hamas ruft einen Tag des Zorns aus und Abu Ala droht mit der 3. Intifada, waehrend Israel Clinton beweisen soll, dass es Frieden will.
     

  • Ach wäre das eine schöne Welt, wo “nur” die deutsche Kanzlerin ein solches auf den Kopf gestelltes, realitätsverleugnendes Nahost-Bild hat. Doch wie es scheint, gibt es unter den Politstrategen keinen einzigen weltweit, der nicht dauernd von “Friedensprozeß” und “Zwei-Staaten-Lösung” fabuliert – als wenn solche Dinge überhaupt in Betracht zu ziehen wären.
     
    Eine realistische und wahrheitsgetreue Berichterstattung oder Kommentierung kann für den Komplex wohl für immer ausgeschlossen werden, mit Ausnahme israelischer Quellen und dem Untergrund im Netz.
     
    Die Masse bleibt über die Wirklichkeit zwischen Arabern und Israelis in einem Wolkenkuckucksheim aus Lügen und Propaganda.

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    Nach der Lektüre von Rashids neuem Buch kann man viele intellektuelle Platzhalter, etwa die Phrase vom gemeinsamen Kampf gegen den Terror, nicht nur nicht mehr hören, man kann sie vor allem nicht mehr glauben: Terror in diesen Dimensionen gibt es ohne die Unterstützung durch Staaten nicht. So wie die jüngsten Forschungen zum Linksterrorismus der siebziger und achtziger Jahre die entscheidende Rolle östlicher Geheimdienste für Logistik, Finanzierung und Rekrutierung von Terroristen betonen, so macht auch Rashid klar, dass die Taliban ohne den pakistanischen Geheimdienst ISI nie diese seit 2006 zu beobachtende Renaissance erfahren hätten.

    Wenn wir also die Sicherheit Deutschlands am Hindukusch verteidigen, tun wir das mit einem Partner, der ein starkes Interesse daran hat, unser Gefühl der Unsicherheit fortbestehen und zur Panik anschwellen zu lassen. Denn so bleibt der pakistanische Geheimdienst immer gefragt, wie ein Club pyromanischer Feuerwehrleute."

    [Zur FAZ-Rezension hier klicken!]

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