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Schreiben kostet Zeit. Zeit ist Geld. Kein Geld haben heißt: Keine Zeit haben. Keine Zeit haben heißt: nichts schreiben können! Kapiert?

Jul 102009
 

Im Februar letzten Jahres schrieb ich zum Thema “Doping”

  • über Doper:

… Doper sind meist keine amoralischen Zyniker, sondern legen sich für sich selbst Rechtfertigungen für ihr Handeln zurecht, und die spiegeln sich in ihren Statements.

(…)

“Es hat nie eine positive Dopingprobe gegeben” sagt der, der sein Gewissen damit beruhigt, Doping sei nur, was auch nachweisbar sei.

  • über die Konkurrenten von Dopern:

Und aufschlussreich ist auch die Reaktion auf die Überführung anderer Athleten. Dass Jan Ullrich gedopt war, wusste man spätestens in dem Moment, als Lance Armstrong aufflog, der ihm mehrfach den Sieg bei der Tour de France weggeschnappt hatte. Ein sauberer Jan Ullrich hätte sich empört, statt es, wie Ullrich es tatsächlich tat, ziemlich gleichmütig wegzustecken (und bezeichnend ist wiederum der Kontrast zu der Reaktion etwa von Ricco Groß auf den Rottmann-Perner-Skandal).

  • über dopingverseuchte Verbände:

Schließlich gilt für Funktionäre dasselbe wie für Sportler: Ein Verband, der auf nachgewiesenes Doping beleidigt, verstockt, als verfolgte Unschuld oder mit Winkeladvokatensophistik reagiert, der also Problembewusstsein nicht erkennen lässt, hat auch keines. Solche Verbände bemühen sich auch nicht, Transparenz herzustellen, und unternehmen gegen Doping nur genau das, wozu sie gezwungen werden.

Vielleicht – und ich wäre sehr glücklich darüber -  ist es ja wirklich nur ein Zufall, aber das Verhalten von Claudia Pechstein (“Es hat nie eine positive Dopingprobe gegeben”), Anni Friesinger (unüberhörbares Schweigen) und der Deutschen Eisschnelllaufgemeinschaft (die das vermutete Doping offenbar weniger beunruhigt als mögliche Verfahrensfehler bei seiner Feststellung) stimmt genau mit dem überein, das ich damals rein abstrakt als das zu erwartende Verhalten eines Dopingverdächtigen, eines ebenfalls gedopten Konkurrenten und eines dopingverseuchten Verbandes beschrieben habe.

[Nachtrag 13.03.2010: Offenbar ist Claudia Pechstein zu Unrecht verdächtigt worden, und das, was mir im vorigen Absatz so verdächtig vorkam, sieht wirklich bloß zufällig so verdächtig aus. Ich bitte alle Betroffenen um Verzeihung.]

share save 171 16 Das Schweigen der Anni Friesinger

  8 Antworten zu “Das Schweigen der Anni Friesinger”

Comments (8)
  1.  

    Wie war ich begeistert von den Sportlern – den Leichtathleten, Ruderern, Skifahrern vor allem, den Schwimmern, Turnern und allen anderen.  Viele Jahre habe ich nahezu alle Sportsendungen der Öffentlich-Rechtlichen gesehen, mitgezittert, mitgefiebert, gehofft, gebangt und gejubelt – auch mal geweint.
    Seit einigen Jahren bin ich skeptisch – 10-Kampf ohne Doping? 100 m ohne Mittelchen? die Hürden im Züricher Letzigrund – einfach so? die Streif – wie schafft man das? Biathlon und Langlauf – mörderisch ohne Hilfen?
    Claudia Pechstein, Anne Friesinger,  die Reiter, Radfahrer, Turner, Gewichtheber, Kanuten und Leichtathleten – es ist mir bitter geworden!
    Sarkastisch-realistisch würde ich heute sagen: schreibt die Wettkämpfe doch doppelt aus = gebt neben den Athleten auch das Dopinglabor an oder die Ärzte oder Chemiker oder wen auch immer, der die Erfolge “begünstigt”. Dann wäre die Sache klar und man könnte neben den Sportlern doch auch gleich die Wissenschaftler “ehren”  mit Urkunden und Pokalen, die die Erfolge (erst)  ermöglichen! Mit rechten Dingen, Schweiß und Training geht es doch schon lange nicht mehr zu.
    Ich schaue mir keine Sportsendungen mehr an und pfeife auf Rekorde und Spitzenleistungen. Wenn ich im Radio oder Fernsehen mehr zufällig davon erfahre, setzt reflexartig die Richtigstellung ein: “ALLES NUR GEDOPT!” und ich bin ziemlich sicher, dass das in der überwältigenden Mehrheit der Fälle auch zutrifft.
    Schade eigentlich …
    Bin nur gespannt, wann man endlich auch den hoch bezahlten Tennis- oder Fußballprofis an den Kragen geht und wie in letzter Konsequenz der Wettkampf zwischen Dopern und Anti-Doping-Labors ausgehen wird.
    Wollen wir wetten, dass die Doper gewinnen?
    Es klingt resignativ, aber irgendwie passt es doch in diese Zeit, in der Börsenkurse und Hochleistungssport das alte römische “panem et circenses”  längst übertroffen haben …
    da mag die Anni ruhig schweigen……
     

  2.  

    schreibt die Wettkämpfe doch doppelt aus = gebt neben den Athleten auch das Dopinglabor an oder die Ärzte oder Chemiker

     
    Ja, wie in der Formel 1, wo es neben der Fahrer-WM auch die Konstrukteurs-WM gibt.  :D
    Ich bin nicht ganz so pessimistisch; ich glaube schon, dass man mit ein paar relativ einfachen Faustregeln mit großer Trefferchance unterscheiden kann, wer sauber ist und wer nicht. Dass  die Inseln der Sauberkeit immer kleiner zu werden scheinen, ist allerdings auch richtig (kann aber auch damit zusammenhängen, dass man mit zunehmender Information die Illusionen auch über solche Sportarten verliert, wo man sie bisher noch aufrechterhielt).

  3.  

    Sehr scharfsinnig gefolgert. Ich bin verblüfft. Donnerwetter, das könnte wirklich so sein, wie Sie es ausmalen.

  4.  

    Da muß ich meine Landsfrau jetzt doch in Schutz nehmen.. ;) Als die Meldung über die Pechstein kam, hab ich zu meiner Mutter gesagt: “was sich die Anni wohl jetzt denkt? Sie wird wohl so gscheit sein und ihren Mund halten…”
    Ich hab schon noch in Erinnerung, wie die MSM die Anni damals durchgehechelt haben, weil sie eine (extrem leicht) kritische Bemerkung über Pechstein machte (und wie diese durch kleine, aber spitze Bemerkungen das Spielchen anheizte)…  So intelligent ist sie allemal, jetzt schön still zu bleiben, und die MSM mal ihre Konkurrentin durch die Gossen schleifen zu lassen…

    •  

      @ talmida: Das ist genau der seidene Faden, an dem meine Hoffnung hängt, dass ich mich irren könnte.

  5.  

    Ein Verband, der auf nachgewiesenes Doping beleidigt, verstockt, als verfolgte Unschuld oder mit Winkeladvokatensophistik reagiert, der also Problembewusstsein nicht erkennen lässt, hat auch keines.

    Ein guter Satz, läßt sich auf zahlreiche andere Verbände verschiedenster Art mühelos übertragen!

  6.  

    @talmida: Das gleiche habe ich mir auch bereits gedacht.
    Eine meiner ersten Reaktionen war, was wird wohl Anni F. dazu sagen. Und ich erwartete, dass sie bald vor irgend einem Mikrofon auftaucht, auf Ihrer Homepage Stellung bezieht oder sich sonst wie äußert. Aber andererseits: Was soll sie schon sagen. Noch immer tut die Pechstein ganz unschuldig und der Verband hilft ihr. Was würde es Anni F. helfen, wenn im Fall Pechstein der Schuss für die ISU doch noch nach hinten los geht und die P. womöglich gerichtlich erzwungen in Vancouver startet? Womöglich steht F. dann als die große Unsportliche da. Soll sie sich ihren Ruf wegen einer Doperin ruinieren? Hat sie doch gar nicht nötig. Das Dilemma, das auch Anni F., wie alle anderen fairen Sportler auszuhalten haben, ist doch, dass auch sie unter dem Generalverdacht letztlich zu leiden haben.
    Mein Problem z. B.: Anni beteuert, dass sie voll gegen Doping ist und Doper für Betrüger hält, aber leider gab es schon so viele, die auch so taten und dann doch aufflogen. Ich glaube persönlich, dass Anni F. absolut sauber ist, auch wenn ich für sehr naiv gehalten werde. Es wäre eine sehr große Enttäuschung, wenn sich herausstellen würde, dass sie auch dopt.

  7.  

    Als Sportler bringt man sich doch wirklich um das Erfolgserlebnis (von so etwas wie Ehre gar nicht zu reden – es heißt ja auch schon “Ehrenpreise”), wenn man es nicht durch eigene Anstrengung schafft, sondern durch irgendwelche Zauberpillen und -spritzen. Da sind die Pokale im Regal auch mit einem schalen Beigeschmack verbunden. Wenn man es natürlich nur wegen des Geldes macht, das Sportler-sein … dann hätte man ja auch BWL studieren können. Nur meine Gedanken zum Thema, falls es jemanden interessiert.
    Viele Grüße an alle, die hier lesen. Und danke an Manfred, für seine stets klugen Gedanken!

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