Non veni pacem mittere sed gladium. (Mt 10,34)
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Vielleicht sollte ich von Zeit zu Zeit klarstellen, was dieser Blog soll und wofür er steht; allein schon, um diese regelmäßig auftretenden bedauerlichen Missverständnisse zu vermeiden, die wahrscheinlich daraus resultieren, dass von mir immer noch ein linker Stallgeruch ausgeht; dass also meine Sprache, mein geistiger Habitus, mein Argumentationsstil selbst dann noch irgendwie „links“ wirken, wenn ich mich auf die Seite der Piusbrüder stelle.

Und so kommt es dann, dass ich immer wieder „liberale“ Kommentatoren hier habe, die schockiert sind, was sie hier zu lesen bekommen. So wie „ts“, der meinte, „da driftet ein ursprünglich sehr sehr guter Blog nach rechts ab“.

Hier „driftet“ überhaupt nichts. Dieser Blog geht genau dort hin, wo ich es für richtig halte, und ich pflege mit buchstäblich erschöpfender Ausführlichkeit zu begründen, warum ich es für richtig halte. Ich ziehe dabei nur nach und nach die Konsequenzen aus den Gedanken, die ich von Anfang an, d.h. seit August 2007, in diesem Blog entwickelt habe.

Zunächst ein Zitat aus meinem Essay “What’s left II – Linkes und konservatives Denken“:

Das konservative Menschenbild ist pessimistisch. Es geht mit Hobbes davon aus, dass “der Mensch des Menschen Wolf” wäre, wenn man ihn ließe; und das es deswegen seiner Einbindung in eine Ordnung, d.h. eine strukturierte und differenzierte, auch durch Machtungleichgewichte geprägte Gesellschaft bedarf. Staat, Recht, Hierarchie, Autorität, Sitte, Kultur und Religion bilden demnach eine komplexe Struktur, auf die der Mensch angewiesen ist, wenn er sein Bestes verwirklichen und in einer humanen Gesellschaft leben will. Diese Struktur ist aber jederzeit bedroht durch Ent-Strukturierung, Unordnung, Chaos.

Auf der Ebene der Gesellschaftsanalyse ist für den Konservativen bereits die Existenz von Ordnung als solcher das an sich Unwahrscheinliche und daher Erklärungsbedürftige.

Und noch einmal für die schludrigen Leser:

Auf der Ebene der Gesellschaftsanalyse ist für den Konservativen bereits die Existenz von Ordnung als solcher das an sich Unwahrscheinliche und daher Erklärungsbedürftige.

Kapiert? Wer keine Erklärung dafür anbieten kann, warum unsere Gesellschaft nicht in ihre Bestandteile zerfällt, nicht so aussieht wie während des Dreißigjährigen Krieges, nicht irgendwelchen gewaltdurchtränkten Drittweltslums ähnelt, nicht von Warlords regiert wird, nicht in einem Krieg aller gegen alle zerbricht; wer das alles vielmehr für ganz selbstverständlich hält, kann nicht verstehen, was ich hier schreibe!

Nun, das muss er ja auch nicht. Er sollte sich dann nur mit einem Urteil zurückhalten.

Im Grunde lässt sich alle Soziologie – sofern es denn wirklich eine ist, eine Soziologie nämlich, im Unterschied zu politischer Ideologie – auf die Frage zurückführen, warum Individuen sich normalerweise sozialverträglich verhalten, obwohl das individuell oft ein denkbar schlechtes Geschäft ist. Meine Antwort lautet, dass wir es mit der Wirkung von solidaritätsstiftenden Strukturen zu tun haben – Familien, Clans, Stämme, Nationen, um nur die wichtigsten zu nennen -, die, einmal entstanden, sich selbst stabilisieren, die aber auch, einmal zerstört, nicht zu ersetzen sind, es sei denn durch die Gewalt eines diktatorischen, ja totalitären Staates. Auch diese Strukturen erhalten sich nicht nach Art eines Perpetuum mobile stabil, sondern bedürfen der religiösen Grundierung (Begründung hier).

Es mag auch andere Antworten auf die Frage geben, was das Zusammenleben von Menschen in Gesellschaften ermöglicht. Es mag purer Zufall sein, dass es in allen Gesellschaften zu allen Zeiten (wenn und sofern sie sich nicht im Prozess des Zerfalls befanden) so etwas wie Religion gab, dass Familien- und Clansolidarität als Tugenden galten, dass Patriotismus (bzw. äquivalent die Loyalität gegenüber politisch definierten Großgruppen größer als die Familie, aber kleiner als die Menschheit) hochgeschätzt wurden.

Es mag sein, dass die Existenz dieser Phänomene nichts mit der Überlebensfähigkeit der Gesellschaften zu tun hat, in denen sie auftreten, und dass ihre Universalität daher nicht etwa auf ihrer Notwendigkeit, sondern, nun ja, auf Zufall basiert. Ich kenne nur niemanden, der eine ernsthafte Alternativhypothese vorzuschlagen hätte. Es gibt höchstens Leute, die das Kernproblem geflissentlich ignorieren.

Linke Ideologien erkennt man als solche daran, dass sie der Frage, wie Gesellschaft schlechthin funktioniert, aus dem Weg gehen. (Und noch einmal für die, die schwer von Kapee sind: Es geht nicht um diese oder jene konkrete Gesellschaftsordnung, sondern um Gesellschaft überhaupt, im Unterschied und Gegensatz zum Hobbesschen bellum omnium contra omnes.) Sie müssen ihr auch aus dem Weg gehen, weil sie auf einem Menschenbild beruhen, das den Menschen als zumindest im Prinzip vollkommenes Wesen auffasst, und nun vor dem Problem stehen zu erklären, warum die Wirklichkeit dieser hehren Idee tagtäglich ins Gesicht schlägt. Hier kommen nun die gesellschaftlichen Strukturen ins Spiel. Der Mensch ist vollkommen, aber die Gesellschaft ist schlecht. Deswegen verspricht sich die Linke vom Abbau vorhandener gesellschaftlicher Strukturen das Heil – und dieses Wort ist durchaus religiös zu verstehen.

Das ist die linke Grundidee, und insofern sind alle Ideologien, die auf diesem Gedanken aufbauen, links. Es ist wichtig zu sehen, dass der Liberalismus unter diesen Voraussetzungen eine linke Ideologie ist. Der Unterschied zwischen Sozialisten und Liberalen ist bloß folgender: Die Sozialisten fassen den Kapitalismus als soziale Struktur (und daher als repressiv) auf und wollen ihn deshalb „zerschlagen“, wie eine der Lieblingsvokabeln zumindest der extremen Linken immer noch lautet. Die Liberalen dagegen ignorieren diesen Strukturcharakter und interpretieren Kapitalismus als verwirklichte Freiheit.

(Am Ende landen freilich beide beim Totalitarismus, weil man die gesellschaftlichen Strukturen nicht zerschlagen kann, ohne irgendetwas funktional halbwegs Äquivalentes an ihre Stelle zu setzen, und das wird auch bei den Liberalen der Staat sein – besichtigen lässt sich das in den Ländern, in denen der Internationale Währungsfonds sein Unwesen treiben durfte, und von denen sehr viele dessen Rosskuren nur unter der Knute von Diktaturen durchstehen konnten.)

Beide – und das ist entscheidend – sind Feinde der vorhandenen solidaritätsstiftenden Strukturen: Völker, Nationen, Familien, Religionen, Sitten – das alles steht unter Repressionsverdacht, und tatsächlich sind diese Strukturen repressiv, jedenfalls gemessen am Maßstab des völlig ungebundenen Individuums.

Da beide Ideologien auf empirischen Prämissen basieren, die einfach falsch sind, sind sie nicht nur darauf angewiesen, den Beweis für ihre „Richtigkeit“ in eine Zukunft zu verlagern, in der die Ideologie verwirklicht sein wird. Da ihr Irrtum in einem fehlerhaften Menschenbild liegt, müssen sie die wirklich vorhandenen Menschen umerziehen. Und da die Beschäftigung mit Tatsachen dabei stören könnte, muss man dafür sorgen, dass Tatsachen, die man nicht aus der Welt schaffen kann, wenigstens nicht ausgesprochen werden können.

Natürlich hat der „Liberalismus“, den ich hier skizziere, nichts mit dem klassischen deutschen Apothekerliberalismus zu tun. Traditioneller bürgerlicher Liberalismus ist keine utopistische „Weltanschauung“, sondern besteht im Wesentlichen aus der Idee, dass der Staat die Bürger schützen, aber nicht einengen soll, jedenfalls nicht mehr als nötig. Traditioneller Liberalismus mag religionskritisch, kosmopolitisch und neuen Lebensformen gegenüber aufgeschlossen sein, aber die Religion, die Idee von Volk und Nation oder die Institution der Familie als etwas geradezu Böses aufzufassen, das bekämpft werden müsse, wäre traditionellen Liberalen schon deshalb nicht in den Sinn gekommen, weil ihnen die ganze dahinterstehende Vorstellung von Politik als einer gesellschaftsgestaltenden Kraft zuwider sein musste.

Was wir in jüngerer Zeit aber erleben, ist eine Transformation des Liberalismus von dieser traditionellen Form (die man vielleicht eher als „Liberalität“ umschreiben sollte) zu einem klassisch totalitären linken Ismus. Unter den Verdacht „rechtsradikal“ zu sein, gerät in „liberalen“ Kreisen zwangsläufig, wer Patriot oder für den Papst oder überhaupt für ein konservatives Christentum oder gegen das Adoptionsrecht für schwule Paare ist.

Lieblingsfeind dieser Art von „Liberalen“ ist PI. Selbstredend hat noch niemand methodisch halbwegs sauber den Nachweis zu führen versucht, dass PI tatsächlich rechtsradikal sei – ein solcher Versuch könnte auch nur in einer Riesenblamage enden – man denke nur an Hannes Steins albernes Pamphlet “Politically Correct“ auf der „Achse des Guten“; wer aus Islamfeindlichkeit, Schwulenfeindlichkeit, Gegnerschaft gegen Obama, Solidarität mit dem Papst (!) und mit Israel (!!!) ein rechtsradikales Syndrom zusammenzubrauen versucht, muss schon arg in Argumentationsnot sein.

Ach, das ist gar nicht so? Das bilde ich mir nur ein? Diese „Liberalen“ gibt es gar nicht? Das meinen das nicht so? Die wollen nur spielen? Na, dann machen wir doch mal einen Spaziergang quer durch den Gemüsegarten, und zitieren prominente und weniger prominente Liberale (oder sollte ich englisch liberals sagen?):

Hannes Stein: „jene rechtsradikale Internet-Sekte“

FDP-Spitzenkandidatin Dr. Nivea Visage (Schönheit muss sich wieder lohnen): „Die Seite Politically Incorrect … halte ich für rechtsradikal.“

Kommentator CK: „Sicherlich kann man sich da ideologisch irgendwas zusammenbasteln (bspw. Rassenunterschiede), was aber wohl nur hinken kann und somit macht man sich der Dummheit schuldig. Jemand, der so argumentiert, hat verdient, dass Andere es genau gleich handhaben und erstmal ihn über den Haufen ballern oder einsperren.“

Bernd Dahlenburg: „Sie sprechen niederste Instinkte an, wenn sie in den Foren politische Gegner sophisticated zum ‘physischen Abschuss’ freigeben und sie lehnen sich genüsslich zurück, wenn die Klicks auf ihrer Webseite zunehmen, obwohl sie genau wissen, dass sie ein ‘Mord(s)geschäft’ betreiben, das sich über kurz oder lang (vielleicht für sie) auszahlen wird. Sie betreiben Blogs, die sich ‘israelfreundlich’ gerieren (Hahaha!), aber jeder halbwegs schlaue Mensch erkennt, dass hinter diesen Blogs Antisemiten stecken, die nur so lange still halten, bis ihrer ‘rechten Sache’ zum Durchbruch verholfen ist.“

Lalibertine, die gerne bei den Freunden der offenen Gesellschaft veröffentlicht: „PI ist schlicht ein Naziladen.“

Little Green Footballs (LGF), auf das Lalibertine sich berief: „The pro-fascist German website pi-news.net“, übrigens pikanterweise in einem Artikel, der mit „How do you say liar in German?“ überschrieben war, weil PI wahrheitsgemäß berichtet hatte, dass LGF Fotomontagen verwendet hatte, die als solche nicht ausgewiesen waren, aber den Eindruck erwecken mussten, Pro-Köln-Vertreter würden auf Neonazi-Kundgebungen auftreten.

Der politische Zweck solch bestenfalls willkürlicher Zuschreibungen besteht offenkundig nicht in politischer Aufklärung oder Analyse, sondern einzig und allein darin, dem Andersdenkenden ein Etikett aufzukleben, das, wenn es haften bleibt, den Betroffenen von dem als seriös geltenden Diskurs ausschließt. Die Verbreitung und die eigentümliche Gleichförmigkeit der Verleumdungen deuten dabei auf mehr als nur einen Gleichklang ideologischer Überzeugungen hin. Der Eindruck, dass es sich um eine koordinierte, sogar transatlantisch (LGF) koordinierte demagogische Verleumdungskampagne gegen die gesamte rechte Islamkritik handelt, drängt sich auf.

Bemerkenswert, zumindest für „Liberale“, ist die Besessenheit, mit der die Positionen von Andersdenkenden nicht danach beurteilt werden, ob sie wahr, sondern ob sie überhaupt tolerierbar sind. (Die Feststellung, jemand sei rechtsradikal, ist in Deutschland ja alles andere als eine wertneutrale politische Einschätzung.) Das ist nämlich so ziemlich die letzte Frage, die einem Liberalen früherer Tage in den Sinn gekommen wäre.

Wie aber kommt es, dass ein ehrwürdiger politischer Begriff innerhalb doch sehr kurzer Zeit in sein Gegenteil verkehrt werden konnte? Dass ein Ausdruck, der stets untrennbar mit dem der Toleranz verbunden war, plötzlich als Selbstbezeichnung von Menschen gebraucht wird, die offenbar gar nicht anders können, als in typisch linker Manier den Andersdenkenden zum Faschisten zu stempeln?

Ich vermute, das kommt daher, dass sich unter heutigen „Liberalen“ allzuviele in der Wolle gefärbte Ultralinke, speziell aus dem antideutschen Spektrum tummeln, sich bloß oberflächlich verbürgerlicht haben, heute den Kapitalismus genauso borniert und dogmatisch preisen wie gestern den Kommunismus, dabei ihre stalinistischen Denkstrukturen nie überprüft haben, ihren „Liberalismus“ als Heilslehre auffassen, weil sie ihrem Politikverständnis nach gar nicht auf die Idee kommen können, dass politische Theorien etwas anderes sein könnten als Heilslehren, die einen legitimieren, nach Feinden Ausschau zu halten, mit deren Gedanken man sich allenfalls im Sinne der „Feindaufklärung“ auseinandersetzt, und die, wenn sie sich ausgerechnet „liberal“ nennen, die Kunst des politischen Etikettenschwindels auf die Spitze treiben.

Nein, ich werde nicht ausfallend gegen Liberale. Ich werde ausfallend gegen Leute, die sich „liberal“ bloß nennen; gegen Leute, die Andersdenkende systematisch verleumden; und gegen Leute, die unter falscher Flagge segeln!

24 Antworten auf Liberale und solche, die sich bloß so nennen

  • Der Link unter “Politically Correct“ führt auf Deine Site zurück, sollte eher so sein: http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/politically_correct/

  • Ach ja, auch andere Links in diesem Artikel scheinen immer auf Deine eigene Seite zu zeigen.

  • Vielen Dank für den Hinweis, Pierre Sanft, da hat die Textverarbeitung, in der ich den Artikel erstellt habe, wohl nicht mit der von WordPress harmoniert. Jedenfalls habe ich jetzt alle Links überprüft und korrigiert. (Einige davon führen natürlich tatsächlich auf meine Seite, dort soll es dann aber auch so sein.)

  • Ein guter Artikel. Letztendlich krankt der Liberalismus gerade an demselben Problem wie der Sozialismus: die Reduktion des Menschen auf ein Wirtschaftssubjekt, wodurch andere gesellschaftliche Faktoren wie Demographie, Religion, kultureller Hintergrund oder militärische Aspekte vernachlässigt oder bewusst ignoriert werden.

    Ich denke aber, diesem Vorgang liegt weniger eine „linke Infiltration“ des Liberalismus zugrunde. Vermutlich wirken sich hier Tendenzen aus, die den Wirtschaftswissenschaften und damit dem Liberalismus aufgrund ihrer Entstehungsgeschichte seit jeher innewohnen:
    Prinzipiell gibt es zwei Entwicklungslinien der Wirtschaftswissenschaften: Eine „kontinentale“ und die „angelsächsische“.
    Die kontinentale Tradition kam mit dem Absolutismus auf. Damals kämpften in ganz Europa unzählige Fürstentümer ums Überleben und mussten mit Kriegen, Bürgerkriegen, religiösen und ethnischen Unruhen, Terrorismus und sozialen Problemen fertig werden. Es entstand daher dass, was man als „Arkan-Wissenschaften“ bezeichnete: Eine Lehre von der Staatsführung, wo, von Praktikern wie Macchiavelli oder Lipsius, alle Aspekte der Gesellschaft abgedeckt werden sollten: Bevölkerungsentwicklung, Massen- und Volkspsychologie, Kriegswesen, Diplomatie, „ob ein Fürst lieber geliebt oder gefürchtet sein sollte“, Verrat und auch und vor allem Wirtschaft. Die Wirtschaft war also in dem gesellschaftlichen Gesamtzusammenhang eingebettet. Die Arkanwissenschaften beeinflussten vor allem in Frankreich und Deutschland den wissenschaftlichen Diskurs lange Zeit. Beispiele sind Max Weber und Montesquieu, die bei ihren Betrachtungen Details wie das örtliche Klima oder den konfessionellen Hintergrund berücksichtigten (die angebliche protestantische Arbeitsethik).

    Durchgesetzt hat sich aber, was um 1800 in England und später den USA entstand: die angelsächsische Ökonomie, die auf Adam Smith, David Ricardo etc. aufbaut. Die hat aber nicht zum Ziel, Wechselbeziehungen zwischen Wirtschaft und Restgesellschaft aufzudecken oder Wirtschaftsprozesse für die Gesellschaft zu optimieren, sondern INNERWIRTSCHAFTLICHE Mechanismen und Gesetze zu erkennen. Die außerwirtschaftliche Realität wird sogar bewußt ausgeklammert, um so möglichst einfache („Parsimony“) und universell anwendbare Theorien gewinnen zu können. Auch wird der außerwirtschaftliche Bereich, besonders der Staat, generell als störend und schädlich betrachtet, da er die so erkannten Wirtschaftsmechanismen beeinträchtigt.
    Da England und später die USA lange Zeit die vorherrschenden Wirtschaftsmächte waren, ging man einfach davon aus, dass die angelsächsische Wirtschaftswissenschaft Recht hat (auch weil sie wissenschaftstheoretisch fortschrittlicher war als die kontinentale Tradition).

    Allerdings habe wenigstens ich persönlich immer mehr Zweifel an der Richtigkeit der „angelsächsichen“ Theorie:
    1) Zunächst einmal ist mir keine Wirtschaftsmacht bekannt, die sich jemals wirklich an das „Laissez-faire-Prinzip“ gehalten hätte. Vielmehr haben gerade aufsteigende Wirtschaftsmächte immer sehr stark auf Staatssteuerung gesetzt. Die Amerikaner sorgten durch deftige Schutzzölle dafür, dass der große Eisenbahnboom im 19.Jahrhundert auch wirklich ihrer eigenen Stahlindustrie zugute kam, und nicht der Englischen, die billiger und hochwertiger produzierte. Die Briten erfanden bald darauf das berühmte „Made in Germany“, um die billigen und anfangs minderwertigen deutschen Produkte zu stigmatisieren. Japan und Korea sind berüchtigt für ihre Export- und Importpolitik (das Ausland mit Waren überschwemmen, aber selber nix reinlassen). China betreibt seinen Wirtschaftsaufstieg buchstäblich generalstabsmäßig (etwa mit Strategiepapieren, welche fremden Unternehmen aufzukaufen sind).

    2) Schon die meisten volkswissenschaftlichen Vorlesungen drehen sich zur Hälfte bis zwei Drittel darum, wieso die gerade besprochenen Marktmodelle in der Realität NICHT funktionieren. Meist muss dann doch der Staat eingreifen.

    3) In der Geschichte fällt gerade das klägliche Scheitern der Mächte auf, die sich nach dem liberalen Dogma auf die Wirtschaft konzentriert haben. Egal ob Athen, Karthago, Genua, Venedig, die Hanse oder Holland – irgendwie haben die großen Handelsmächte es nie geschafft, der Welt ihren Stempel aufzudrücken. Stattdessen stanken sie gegen auf dem Papier hoffnungslos unterlegene Hungerleider ab, die statt einer Händlermoral einem Kriegerkodex folgten. Da gewinnt ein schäbiger Emporkömmling wie Rom gegen Karthago, das technisch hoffnungslos überlegen ist, von Britannien bis Indien Handelsbeziehungen besitzt und sich praktisch unendlich viele Söldner zusammenkaufen kann. Beschäftigt man sich mit diesen Vorgängen genauer, fällt auf, dass die „Händler“ unabhängig von Epoche stets die selben Fehler machen: sie bringen selbst nur wenige und meist minderwertige Truppen hervor, müssen also auf Söldner zurückgreifen. Sie gehen Konfrontation nicht nur aus dem Weg (bis es zu spät ist), häufig bauen sie ihre Feinde überhaupt erst auf. In kritischen Augenblicken bringen sie nicht genügend Entschlossenheit und Einheit auf, sondern vergeuden ihre Zeit mit internen Streitereien.
    Auch die Erfolge Großbritanniens und der USA müssen kein Gegenargument sein: beide Länder besitzen neben ihren kapitalistischen auch starke anti-kapitalistische Traditionen und hatten vor allem unglaublich gute Ausgangsbedingungen: Das England von Adam Smith etwa war als Inselnation frei von den Bedrohungen, die sich die Kontinentalmächte ausgesetzt sahen. Es war die mit Abstand führende Seemacht, konnte seinen Bevölkerungsüberschuß in die USA exportieren und nach den Siegen in Asien Volkswirtschaften ausbeuten, die um vieles größer waren als die Eigene.
    Da drängt sich der Gedanke auf, dass es sich bei dem Liberalismus englischer Prägung um ein im Grunde defizitäres System handelt, dass nur unter glücklichen Umständen zum Erfolg werden konnte.

    4) Gerade das heutige Weltwirtschaftssystem legt nahe, dass es eben nicht (nur) auf wirtschaftliche Hintergründe ankommt. Wäre dem so, müssten etwa die rohstoffreichen Länder Afrikas mit ihren Unmengen an billigen Arbeitskräften Wirtschaftsmächte sein – und nicht Fürze wie Singapur, Taiwan oder Korea.

    Ich denke, dass man den heutigen Liberalismus, in Kenntnis seiner Defizite, massiv modernisieren und erweitern muss. Die Gesellschaft ist kein „Überbau“, sondern sie hat außerhalb der Wirtschaft ihre eigene Daseinsberechtigung.
    Leider stehen uns bei der Erneuerung des Liberalismus die Linken im Weg. Es wird zwar eifrig an VWL und BWL herumgeschraubt, aber fast ausschließlich im Bereich Psychologie (Kundenverhalten, Optimieren von Entscheidungsprozessen …). Wenn man zum Beispiel an Weber anknüpfen würde, z.B. den religiös- kulturellen Hintergrund wirtschaftlichen Erfolgs…
    Da müssen noch viele heilige Kühe geschlachtet werden.

  • Niemand kann ja ernsthaft ganz allgemein zB den Wert der Familie als Kitt der Gesellschaft bestreiten. Ich glaube, der Unterschied zwischen Liberalen und Konservativen wird eher deutlich, wo diese Mechanismen weniger offensichtlich sind. Es gab mal einen Richter am US-Verfassungsgericht, der sagte, manche Regeln seien so alt, dass man sich gar nicht mehr erinnern könne, weshalb sie einmal aufgestellt wurden. Deswegen solle man diese Regeln aber trotzdem achten.
    Als Beispiel mag die Diskriminierung von unehelichen Kindern gelten. Was den Einzelfall angeht, wird wohl jeder vernünftige Mensch Mitleid mit dem einzelnen Kind haben. Früher wusste man aber, dass ohne feste Partnerschaft der Eltern ein vernünftiges Aufwachsen von Kindern nur schwer möglich war. Dies geriet dann in Vergessenheit, weil insgesamt die Familien so stabil waren. Man konnte sich kaum vorstellen, wie aus der Richtung einmal Probleme entstehen könnten. Dann wurden uneheliche Kinder gesetzlich besser gestellt und sozial besser angesehen. Das war wahrscheinlich ein Faktor der zur Auflösung der Familienstrukturen geführt hat, deren Konsequenzen erst jetzt langsam deutlich werden.

  • Durch die Ideologie der ‚Political Correctness‘ wurde in den letzten Jahrezehnten eine unfassbare Begriffsverwirrung in den westlichen Gesellschaften verursacht – Babylon läßt grüßen.

    Gut, daß mal einer darauf hingewiesen hat, wie sehr sich totalitäre Denkmuster hinter freiheitlichen Begriffen (etwa: ‚Freunde-der-offenen-Gesellschaft’^^) verstecken können.

    Ja, da hat doch mal wieder die Bibel recht:“An ihren
    Früchten also werdet ihr sie erkennen!“(Matthäus 7/20).

    Um dem Ganzen noch eine Wendung ins Absurde zu geben: ausgerechnet in den SED-Hochburgen Ostdeutschlands pflegen die Menschen privat ganz besonders konservative Ansichten, die in Westdeutschland direkt auf den Scheiterhaufen der Politcorrecten-Inquisition führen.

    Oh Gott, Gaddhafi ist ein Rationalist, verglichen mit uns EuropäerInnen …

    Naja, zum Schluß noch eine tolle Zitatensammlung, die ich bei Wikiquote entdeckt habe – da sind echt schöne Sätze zu finden! Viel SPaß:
    http://de.wikiquote.org/wiki/Tat

  • Hallo und guten Abend der Herr.
    Wahrscheinlich solltes Du den Link, über den ich gerade gestolpert bin, nicht veröffentlichen, aber DAS schlägt dem Fass den Boden aus, bzw. so deutlich wurde mir noch nie vor Augen geführt, wohin Kulturrelativismus in allen seinen Konsequenzen führt.

    Ich habe mal den Begriff „sexuelle Verwahrlosung“ gehört. Das trifft’s wirklich!

    http://rapidshare.com/files/228075351/Steffi_.avi

    Lad‘ Dir das mal runter und schau es dir an. Und zwar solange bis die Kulturbereicherer ins Bild kommen. Keine Sorge es ist nur ein kultureller Schocker. Etwas „schlimmes“ passiert auch nicht – wenn man von der moralischen Verwahrlosung mal großzügig absieht.

    In diesem Sinne: Et jibt nix waddet nich jibt!

  • Also wenn etwas wirklich „links“ ist, dann die Methode, hinter missliebigen Meinungen immer die richtigen Feinde sehen zu wollen. Dass auch du dich nicht darauf beschränken kannst, die Gegenposition zu von Liberalen vertretenen Meinungen (die schlechthin wohl auch keinen Anspruch erheben können, „den Liberalismus“ zu repräsentieren, dazu ist der Begriff zu schillernd), sondern dahinter „Linke“ wittern musst, finde ich schade.

    Wenn aber umgekehrt andere PI als „rechtsradikal“ bezeichnen, stört es dich, weil du es offensichtlich als allzu primitive Etikettierung empfindest.

    Das finde ich inkonsequent: Entweder man macht den Krieg der Etikettierungen mit, oder man verweigert sich ihm. Da dein Blog ja einer der wenigen ist, wo gründlich argumentiert wird (auch wenn ich vielen der Argumentationen nicht zustimme, lese ich sie dennoch oft mit Gewinn), fände ich letzteres passender.

    Und bevor du jetzt einen üblichen Einwand erhebst: Klar ist es dein Ding, was du machst und wie du es machst. Aber das hier ist eine Kommentarfunktion, und die kann naive Geister wie mich dazu veranlassen, ein ehrliches Feedback zu geben.

  • @ Manfred (17:19)
    Klar funktioniert das!
    1) Link anklicken
    2) Es erscheint eine Seite mit 2 Tachometern auf
    3) Auf den linken Knopf „Free User“ klicken
    4) Countdown von ca. 115 Sek. läuft
    5) Nach Ablauf des Countdowns erscheint ein runder Button mit Pfeil – diesen anklicken
    6) Der Download beginnt

    (So oder so ähnlich funtioniert das bei allen Daten-Gräbern, respektieve File-Hostern)

    Gerade noch geprüft – Link funtioniert.

  • @Manfred:
    Die Seite unterscheidet zwischen Free-Usern und Premium-Usern und bevorzugt letztere (denn die bezahlen schließlich). Unten links muss man auf den Button für Free-User klicken, dann muss man etwas warten, bis man den Download starten kann. Der dauert wieder etwas. Um das Medium sehen zu können, braucht man den RealPlayer.

  • @ Rayson: Ich mache keinen Etikettenkrieg mit. Im Unterschied zu den von mir kritisierten „Liberalen“ begründe ich sehr genau, warum ihre Positionen mit dem, was hierzulande als liberal gilt, nichts zu tun haben, und im Gegensatz zu ihnen mache ich meine Argumente überprüfbar und damit kritisierbar, während die systematische Hetze gegen die konservative Islamkritik sich genau dadurch als solche, d.h. als systematische Hetze ausweist, dass sie zwar bei jeder Gelegenheit angebracht (offenbar, damit etwas hängenbleibt), aber niemals inhaltlich begründet wird. Wie das funktioniert, habe ich in dem Aufsatz „Linker McCarthyismus“ beschrieben.

    Du wirst schon entschuldigen, aber wenn ich sehe, welch demagogische Hetze hierzulande gegen PI und transatlantisch gegen Fjordman oder Robert Spencer getrieben wird, dann kann ich mir ausrechnen, wann ich an der Reihe bin. (Ich vertrete ja inhaltlich nichts wesentlich anderes, ich begründe es nur ausführlicher. Wenn PI dasselbe machen würde, gäbe es dort bald genauso wenig Leser wie hier.) Und deswegen werde ich nicht so tun, als ginge mich das nichts an.

  • Oha Thatcher! Dir würde ich das Video auch empfehlen… aber hol dir lieber erst ein Beißholz und nimm Deine Herztropfen. 😯 …Und dann sollte Manfred den Link tatsächlich besser rausnehmen… ❗

  • Die soziologischen Grundlagen einer funktionierenden Gesellschaft, wie sie im ersten Teil des Artikels erneut sehr gut beschrieben sind, waren (vermutlich) von 1870 bis 1918 absolute Selbstverständlichkeit.

    Man kann dies aus Romanen, Erziehungsbnüchern usw. von damals sehr gut herauslesen.

    Was wir jetzt haben, ist oftmals schon das blanke Gegenteil. Selbst in den 70ern galten noch gänzlich andere und weit konservativere Ansichten, man faßt sich an den Kopf, wenn man die Bücher liest. Es ist immens, welche Umerziehung/Gehirnwäsche stattgefunden hat, so daß man mit Jugendlichen überhaupt keine Basis mehr findet, wenn man politische oder soziologische Sachverhalte besprechen will.

    So stehen die hiesigen Essays nahezu als Solitäre da, als Exotenansicht, die nur deswegen noch nicht das Etikett „rechtsradikal“ bekommen hat, weil die mediale Aufmerksamkeit zu gering ist.

    Zur Charakterisierung der Liberalen kann ich nur sagen, ich sehe die dazu passenden Schreiber und Kommentatoren direkt vor mir, wenn ich die Beschreibung lese. Und es trifft wieder mal genau ins Schwarze.

  • @Pandora

    was ist da jetzt die Message? Wird das irgendwann zum Porno? Hab die ersten 5′ von den 40′ angeschaut und keine Lust mehr.

    😯 :sad: 😕

  • Lieber Manfred,

    ich verstehe ein wenig deinen Furor, möchte aber doch etwas Verständnis für die andere Seite wecken. Am besten tue ich das, was du mir indirekt vorschlägst, nämlich im Einzelnen auf deine Argumente einzugehen.

    Am Ende landen freilich beide beim Totalitarismus, weil man die gesellschaftlichen Strukturen nicht zerschlagen kann, ohne irgendetwas funktional halbwegs Äquivalentes an ihre Stelle zu setzen, und das wird auch bei
    den Liberalen der Staat sein

    Beide – und das ist entscheidend – sind Feinde der vorhandenen solidaritätsstiftenden Strukturen: Völker, Nationen, Familien, Religionen, Sitten – das alles steht unter Repressionsverdacht, und tatsächlich sind diese
    Strukturen repressiv, jedenfalls gemessen am Maßstab des völlig ungebundenen Individuums.

    Mir ist rätselhaft, wie du auf diese Aussagen kommst. Kennst du Hayek?

    Was wir in jüngerer Zeit aber erleben, ist eine Transformation des Liberalismus von dieser traditionellen Form (die man vielleicht eher als „Liberalität“ umschreiben sollte) zu einem klassisch totalitären linken Ismus. Unter den Verdacht „rechtsradikal“ zu sein, gerät in „liberalen“ Kreisen zwangsläufig, wer Patriot oder für den Papst oder überhaupt für ein konservatives Christentum oder gegen das Adoptionsrecht für schwule Paare ist.

    Nun, es gibt durchaus Liberale, die den Papst großartig finden. Allerdings hast du recht: Patriotismus, Christentum oder eine Einstellung gegen das Adoptionsrecht für schwule Paare sind keine Merkmale, die Liberale auszeichnen. Als Liberaler wird man die Freiheit des Einzelnen gegenüber allem anderen hochhalten. Man muss deswegen aber als Liberaler nicht notwendigerweise gegen die von dir genannten Institutionen sein, sondern nur da, wo sie eben diese
    Freiheit einzuschränken drohen. Beim Patriotismus und beim Christentum (du weißt hoffentlich, wie ich dazu stehe) ist die Sache eindeutig: Sofern durch dein Eintreten für deine Nation und deinen Glauben kein anderer in seiner Freiheit
    beschränkt wird, gibt es aus liberaler Sicht keinen Grund, irgendetwas dagegen zu haben. Wo aber der Patriotismus zur Benachteiligung allein aufgrund der Nationszugehörigkeit und das Christentum zur Benachteiligung allein aufgrund des
    Glaubens führt, wird der Liberale sich dagegen wenden. Beim Adoptionsrecht für schwule Paare ist die Sache weniger eindeutig, da hier verschiedene Rechte gegeneinander abzuwiegen sind: das des adoptierenden Paares und das des Kindes. Sollte sich durch Forschung herausstellen, dass es für das Kind keinen Unterschied macht, welche Geschlechter diejenigen haben, die es aufziehen, wird man als Liberaler auch hier keinen Grund sehen, dieses Recht zu verweigern. Die
    Frage ist allein, ob die Forschung schon so weit ist, und welchen Fehler man bei unklarer Lage am ehesten zu begehen bereit ist. Aber da schwingt so viel individuelle Ethik mit, dass dies nicht zum liberalen Lackmus-Test taugt.

    Lieblingsfeind dieser Art von „Liberalen“ ist PI. Selbstredend hat noch niemand methodisch halbwegs sauber den Nachweis zu führen versucht, dass PI tatsächlich rechtsradikal sei

    Wenn du so anfängst, riskierst du natürlich eine PI-Debatte auf deinem Blog. Vielleicht wäre das das Schlechteste nicht, da PI selbst eine solche Debatte nie zulassen würde. Und damit kommen wir, was an dieser Stelle unvermeidlich ist, zu
    meiner Kritik an PI. Ich habe nichts gegen Blogs, die einseitig auf die Gefahren der politischen Komponente des Islam aufmerksam machen. Aber ich habe etwas gegen Blogs, die mit manipulativen Mitteln arbeiten, Vorurteile schüren und
    Kommentare löschen, die ihnen nicht nach dem Munde reden. Eine oft geäußerte Kritik an PI sind ja die Inhalte mancher Kommentare, und da lautet die gängige Rechtfertigung, dass die Betreiber des Blogs bei den vielen Meinungsäußerungen
    nicht hinterher kommen, alle richtig zu würdigen. Aus meinen Beobachtungen aber weiß ich, dass dem nicht so ist: PI-kritische und irgendwie als links einzustufende Kommentare werden nämlich sehr kurzfristig gelöscht bzw. neuerdings gar nicht erst zugelassen. Wir können und müssen also davon ausgehen, dass wir in den Kommentarsektionen von PI genau die Meinungen finden, die von den Betreibern gutgeheißen werden.

    Ich mache mir nicht die Mühe, PI als „rechtsradikal“ zu etikettieren. Mir reicht, dass ich dieses Blog nicht mag und als Beleidigung meines Verstandes empfinde. Komischerweise habe ich bei deinen Beiträgen eher das gegenteilige Gefühl, obwohl sie in der Richtung vielleicht der von PI entsprechen.

    Ich vermute, das kommt daher, dass sich unter heutigen “Liberalen” allzuviele in der Wolle gefärbte Ultralinke, speziell aus dem antideutschen Spektrum tummeln, sich bloß oberflächlich verbürgerlicht haben, heute den Kapitalismus genauso borniert und dogmatisch preisen wie gestern den Kommunismus, dabei ihre stalinistischen Denkstrukturen nie überprüft haben, ihren „Liberalismus“ als Heilslehre auffassen, weil sie ihrem Politikverständnis
    nach gar nicht auf die Idee kommen können, dass politische Theorien etwas anderes sein könnten als Heilslehren, die einen legitimieren, nach Feinden Ausschau zu halten, mit deren Gedanken man sich allenfalls im Sinne der „Feindaufklärung“ auseinandersetzt, und die, wenn sie sich ausgerechnet „liberal“ nennen, die Kunst des politischen Etikettenschwindels auf die Spitze treiben.

    Ein langer Satz, aber dadurch auch ein Kennzeichen der Güte deines Blogs… So unrecht hast du da gar nicht, speziell nicht hinsichtlich der Strategie der Antideutschen, aber deswegen muss man das Kind nicht mit dem Bade ausschütten.

    Also: Natürlich gibt es sie, die sich „liberal“ nennenden Gruppen, die selbst alles andere als liberal sind. Aber nicht alle, die Argumente gegen PI finden, gehören dazu. Das ist einfach der falsche Test.

    • Sag mal, rayson, muss man eigentlich Autist sein, um liberal zu sein, oder erleichtert es die Sache nur? Ich bilde mir eigentlich ein, eine ganz klare deutsche Prosa zu schreiben. Ich bilde mir ein, es sei unmissverständlich, wenn ich schreibe:

      Wer keine Erklärung dafür anbieten kann, warum unsere Gesellschaft nicht in ihre Bestandteile zerfällt, nicht so aussieht wie während des Dreißigjährigen Krieges, nicht irgendwelchen gewaltdurchtränkten Drittweltslums ähnelt, nicht von Warlords regiert wird, nicht in einem Krieg aller gegen alle zerbricht; wer das alles vielmehr für ganz selbstverständlich hält, kann nicht verstehen, was ich hier schreibe!

      Nun bitte, wo ist Deine Erklärung?

      Linke Ideologien erkennt man als solche daran, dass sie der Frage, wie Gesellschaft schlechthin funktioniert, aus dem Weg gehen.

      … und stattdessen gleich mit Individualrechten und liberalen Prinzipien anfangen. So wie Du.

      Ich bin sicher, Du wirst es auch jetzt nicht verstehen, weil man ganz offensichtlich einen intellektuellen Defekt haben muss, um sich „liberal“ zu nennen, trotzdem bringe ich es für alle anderen Leser auf den Punkt:

      Es ist ganz und gar irrelevant, nach welchen meinetwegen noch so hehren liberalen Prinzipien eine Gesellschaft funktioniert, die in hundert Jahren mitsamt diesen Prinzipien verschwunden sein wird, weil deren Anwendung mit dem Fortbestand der sie hochhaltenden Gesellschaft nun einmal unvereinbar ist!

      Zumindest dann unvereinbar ist, wenn die Gegengewichte in Gestalt unter anderem von Nation und Religion wegfallen. Selbstverständlich schränken Solidargemeinschaften und die sie tragenden Strukturen die Freiheit des Einzelnen ein, was denn sonst?

      Deine Position, mein Bester, ist folgende: Du findest die Existenz von Völkern in Ordnung, sofern sie keine politische Solidarität fordern, Du findest die Existenz von Nationen in Ordnung, solange sie nicht zwischen Zugehörigen und Nichtzugehörigen differenzieren. Und Du akzeptierst die Existenz von Religion, solange sie nicht die Beachtung von ethischen und sittlichen Prinzipien einfordert. Anders gesagt: Als Folklore ist das alles für Dich tolerierbar, aber in den genau den Punkten, die ihren sozialen Wert und Gehalt ausmachen, sollen diese Strukturen aufhören zu existieren. Aber sonst bist Du nicht ihr Feind, höhö!

      Ganz ehrlich, Rayson, ich habe wirklich Wichtigeres zu tun, als mich mit den dogmatischen Deklamationen von Autisten auseinanderzusetzen, die einen Gedanken jenseits ihrer eigenen Ideologie nicht nur nicht begreifen, sondern nicht einmal wahrnehmen können, dass er überhaupt geäußert worden ist. (Und da verlangst Du, dass PI sorgfältiger begründet? Du, der Du auf solche Begründungen mit Kommentaren reagierst, durch die man sich als Blogger nur verarscht fühlen kann?)

      Ich bitte Dich daher, mich mit weiteren schwachsinnigen Kommentaren zu verschonen.

  • Gewaltig wortgewaltig und doch subtil. Hach, welch ein Genuss zu lesen.

  • Ich werde Dich mit Sicherheit mit weiteren Kommentare verschonen, auch ohne darum von Dir explizit gebeten zu werden, Manfred.

    Du hast Raysons Beitrag kaum gelesen. Du hast nicht versucht, die Grundlagen seines, unseres Denkens zu verstehen. Oder es ist Dir egal, das kann auch sein. Jedenfalls willst Du solche Sachen nicht hören. Aber wenn es um echte Diskussionen geht, dann reicht das einfach nicht, dann ist es nur Fresse aufmachen, ohne reden zu wollen. Zur Diskussion gehört, dass man sich fragt, wie der Andere denkt, und versucht, eine Basis zu finden.

    Als Beispiel will ich das gerade mal mit Dir gemeinsam versuchen. Was nicht zuletzt daran liegt, dass das, was jetzt im Iran geschieht, mich in ähnliche Gedankengänge gebracht hat.

    Vorausgeschickt: Über PI spreche ich deswegen nicht, weil ich diese Site für unreflektiert aggressiv, für unsinnig und auf Klickzahlen gerichtet halte. Dass sie darüber hinaus radikal rechts sein mag, ist eigentlich kein Problem. Radikal (und nicht extrem!) rechte und linke Parteien, Websites und Meinungsäußerungen sind nun einmal Teil unseres Systems, das ich für eines der Besten und Ausgewogensten halte.

    Jetzt aber zu Deinen Argumenten:

    Wer keine Erklärung dafür anbieten kann, warum unsere Gesellschaft nicht in ihre Bestandteile zerfällt, nicht so aussieht wie während des Dreißigjährigen Krieges, nicht irgendwelchen gewaltdurchtränkten Drittweltslums ähnelt, nicht von Warlords regiert wird, nicht in einem Krieg aller gegen alle zerbricht; wer das alles vielmehr für ganz selbstverständlich hält, kann nicht verstehen, was ich hier schreibe!

    Ich habe eine Erklärung, aber die entspricht nicht Deiner: Ich glaube nicht, dass es nur das Volk ist. Ich glaube auch nicht, dass es nur die Familie ist. Weiterhin glaube ich, dass „Clans“ und „Stämme“ in unserer Zeit auch nur irgendeinen Sinn machen. Jedenfalls könnte niemand, den ich kenne, sagen, zu welchem Clan oder Stamm er gehört. Vielleicht ausgenommen der Tatsache, dass ich heute zufällig las, dass ich wohl durch 1700 Jahre Vermischung mich dem Volk oder Stamm der Brukterer zugehörig fühlen sollte – und irgendwie eine Verbundenheit zu anderen „Sachsen“ fühle, die mich regelmäßig lustige Bemerkungen in Richtung der mich umgebenden „Franken“ machen lässt.

    Nein, wirklich, Manfred, wenn wir über das von Dir angesprochene Problem reden wollen, dann sollten wir solche antiquierten Begriffe doch hinwegsehen und uns fragen, was heute wirklich die Zugehörigkeitsgefühle erzeugt, die Stämmen, Sippen und Clans längst verloren gegangen sind. Und weil ich nicht weiß, wieviele Zeichen Deine Kommentarfunktion mitmacht, klicke ich jetzt auch „Senden“ und mache im nächsten Feld weiter.

  • So, nächste Runde.

    Was ich jetzt schreibe, ist meine ganz persönliche Perspektive, kann aber in vergleichbaren Termini auch auf andere Personen in meinem Umfeld, meinem Bekanntenkreis und unter jenen, mit denen ich mir uneinig bin, übertragen werden.

    Warum kein „omnium contra omnes“, warum nicht einmal ein „pars contra toto“?

    Ich bin Mitglied meiner kleinen Familie, bestehend aus Mann und Schwiegermutter, für die ich wie ein Löwe kämpfen würde. Ich bin Mitglied einer Nachbarschaft, von denen ich manche mehr mag und manche weniger, die aber alle meine Nachbarn sind, für die ich Zweifelsfall da bin. Weil sie in meiner Nähe leben.

    Ich gehöre diversen Vereinen an, in denen es zum Teil Sitte ist, jeden Sonntag die Nationalhymne zu singen. Zusammen bilden diese Vereine und viele Menschen um mich herum das Dorf, in dem ich lebe, und für das ich einstehen würde. In diesem Dorf schlafen noch etliche Menschen, ohne am Dorfleben teilzunehmen – trotzdem sind sie für mich wichtiger als andere Menschen.

    Ich lebe in meiner Stadt, deren Menschen mir etwas bedeuten, ob sie nun in Anatolien geboren sind, in Schweden oder in meinem Dorf. Ich lebe in einem Bundesland, das ich liebe. Ich lebe in einem Staat, an den ich glaube, und von dessen Idealen ich überzeugt bin. Die Menschen meines Kontinents teilen meine kulturellen Überzeugungen überwiegend, und sie scheinen mir näher als andere Menschen. Und alle Menschen auf der Welt sind Menschen, mit ähnlichen Empfindungen von Schmerz, von Liebe und den unterschiedlichen Loyalitäten, die ich geschildert habe.

    Von unten nach oben Zuneigungen und Loyalitäten. Schwächer werdend, ja. Aber unten stark und voller Überzeugung. Nun fahre ich 400 Kilometer und treffe dort Menschen, die einem ähnlichen Verein angehören, und sie sind mir näher, als die Bewohner der benachbarten Orte. Wie soll ich da entscheiden? Und darf ich nicht froh sein, nicht entscheiden zu müssen?

    Ich bin nicht deswegen Liberaler, weil ich glaube, dass das Individuum alle sozialen Bindungen ersetzen kann. Auch nicht deswegen, weil ich glaube, dass man alle sozialen Systeme von heute auf morgen durch neue ersetzen könnte. Meine liberale Überzeugung beruht auf der Wissen, dass jede soziale Bindung wertvoll ist, eben weil sie dem „omnium contra omnes“ entgegenwirkt – dass ich aber nicht beurteilen kann, welche Bindungen es sind, die wirken.

    Dass aber „Clan, Stamm, Sippe“ längst erledigt sind, das kann nun jeder sehen. Und wer sich zu diesen bekennt, der versucht, Realitäten des menschlichen Zusammenlebens zu ändern – sprich: Vertreibungen und ethnische Säuberungen zu begründen. Derjenige ist nicht einmal konservativ, sondern lediglich haßerfüllt. Und demjenigen spreche ich meine Kampfbereitschaft aus.

    • Das sind so die Mätzchen, mit denen sogenannte „Liberale“ verfahren:

      Ich beziehe Sippe, Clan und Stamm ein, um deutlich zu machen, dass solche Loyalitäten sich nicht nur auf den modernen Nationalstaat beziehen, sondern auch schon in Zeiten galten, als es den noch nicht gab, nur eben in Bezug auf andersgeartete Einheiten (weil mir sonst, wie es schon wiederholt geschehen ist, der Vorwurf gemacht wird, ich würde unhistorisch denken und anachronistisch heutige
      Verhältnisse in die Vergangenheit zurückprojizieren), und was geschieht? Man unterstellt mir, ich wollte ethnische Säuberungen rechtfertigen! Widerlicher, verlogener und dreckiger gings wohl nicht?

      Eigentlich sollte ich es damit bewenden lassen. Ich bin aber so gnädig, wenigstens kurz auf die anderen Punkte einzugehen:

      „Zur Diskussion gehört, dass man sich fragt, wie der Andere denkt, und versucht, eine Basis zu finden.“ Rayson ist nicht der erste Liberale, der irrigerweise glaubt, mein Blog sei Speaker’s Corner. Wenn er aber glaubt, eine Diskussion führen zu müssen (ich selbst lege keinen Wert darauf), dann sollte er in der Tat das tun, was Du empfiehlst, was er aber nicht tut, nämlich sich mit meinen Argumenten auseinandersetzen. Du selbst tust es übrigens auch nicht, Du versuchst mir nur Dinge in den Mund zu legen, die ich nicht gesagt habe.

      Es geht nicht um Gefühle, sondern um konkrete Solidaritätserwartungen. Weil das so ist, gibt es nichts zu „beurteilen“. Politische Loyalitäten wachsen über Jahrhunderte; in unserem Fall ist ihr primärer Bezugspunkt der Nationalstaat. In einer Demokratie muss das auch so sein, weil Demokratie als kollektive Selbstbestimmung konzipiert ist, und diese setzt einen unterstellbaren Konsens über die Existenz eines solchen Kollektivs voraus, das nicht einfach eine Summe von Individuen ist. Wo es keine Nation gibt, hören die Menschen nicht auf, sich gruppenweise zu definieren, nur dass die Gruppe dann eben nicht das Staatsvolk ist, sondern eine andere, in der Regel eine ethnisch definierte Teilmenge der Gesamtbürgerschaft. Handelt es sich dabei um eine Minderheit, so ist das Mehrheitsprinzip – und das heißt: die Demokratie – nicht mehr zu legitimieren, weil die Minderheit dann mit Fug und Recht argumentieren kann, das Mehrheitsprinzip verletze ihr Recht auf Selbstbestimmung. Natürlich muss es nicht immer und unter allen Umständen der Nationalstaat sein (allerdings nur dann nicht, wenn man die Demokratie zur Disposition stellt), es gibt auch andere Solidargemeinschaften, die Gegenstand politischer Loyalitäten sein können; aus der Geschichte kennen wir zum Beispiel Sippen, Clans und Stämme, deren Existenz man aber nicht erwähnen darf, weil man sonst von sogennanten „Liberalen“ (die keine sind, jedenfalls nicht im traditionellen Sinne, weil linkstotalitäre Demagogen bis vor wenigen Jahren noch nicht die Stirn hatten, sich ausgerechnet „liberal“ zu nennen), als potenzieller Völkermörder verleumdet wird!

      O ja, es gibt also andere Möglichkeiten, Strukturen politischer Solidarität zu etablieren. Wer aber kein „Liberaler“ und daher auch nicht bereit ist, nach dem Motto, dass nicht sein kann, was nicht sein darf, alle Geschichtsbücher in den Ofen zu stecken, weiß, mit welch unglaublichen Qualen der Übergang von vorgeschichtlichen Stammesgesellschaften zu antiken Hochkulturen, von dort zurück zum feudalen Personenverband, von diesem wiederum zum modernen Territorial- und Nationalstaat verbunden war. Und ist deshalb nicht bereit, vorhandene Strukturen zu zerstören und zerstören zu lassen, nur weil halbgebildete „Liberale“ meinen, man könne es ins Ermessen des Einzelnen stellen, sich Solidaritätsstrukturen, die ihrer Natur nach im gesellschaftlichen Maßstab wechselseitig sein müssen, individuell selbst auszusuchen, und dabei den grundlegenden Unterschied zwischen einem Sportverein und einer Nation unter den Tisch fallen lassen.

      Soviel nur im Telegrammstil. Und jetzt halte Dich bitte an Dein Versprechen: „Ich werde Dich mit Sicherheit mit weiteren Kommentare verschonen, auch ohne darum von Dir explizit gebeten zu werden, Manfred.“

  • Mir stellt sich der Kamm.
    Die sogenannten Liberalen haben den „neuen (sozialistischen) Menschen“ à la Habermas voll verinnerlicht.Die Tragik daran ist, dass es ihnen nicht einmal mehr bewusst ist. Gehirnwäsche pur hat gewirkt. Generation Blöd in voller Aktion.
    Die Ich-Identität bezieht der „neue Mensch“ natürlich nicht mehr durch seiner Familie, er
    identifiziert sich weder über die Familie, noch über den Clan, die Nation oder den Staat, sondern ausschliesslich mit seinen jeweiligen Kommunikationspartnern, wo auch immer.
    Ha, ha, der Homo communicativus verdankt sich vollständig dem gesellschaftlichen Kollektiv, er ist alles durch die Gesellschaft und alles für die Gesellschaft. Homo communicativus bindet sich doch nicht an Glaubensinhalte oder Werte, auch nicht an antiquierte Moralnormen wie etwa die Zehn Gebote, er folgt ausschliesslich den Verhaltenserwartungen des Kommunikationspartners.
    Homo communicativus hat alle bisherigen Verhaltensnormen als repressiv durchschaut und hinter sich gelassen. Er hat sich befreit. Homo communicativus kennt nur eines: Ich muss mich so verhalten, wie es Andere von mir erwarten. Und da sich alle daran halten, stehen wir da, wo wir sind. Am Abgrund. Und morgen sind wir einen Schritt weiter.
    Ich könnte kotzen (Entschuldigung).

  • @Karsten + Rayson:
    Angesichts der Stärke des Tobaks, den insbesondere Du, K., hier verbreitest, mache ich mir doch die Mühe, einiges zu entgegnen:

    1. Wenn Du hier Leuten, die wie Manfred denken, Hass unterstellst, ist das derartig absurd, dass Dein Motiv zu dieser Unterstellung wiederum nur Hass sein kann.

    2. Wenn jemand fordert, die Zahl der Muslime in Deutschland möge doch bitte begrenzt bleiben, dann fordert er nicht „ethnische Säuberungen“, sondern nur das, was bis vor kurzem als Ausdruck des gesunden Menschenverstandes galt, jetzt aber plötzlich in Europa, nicht aber in Afrika, im Orient und in Asien als Rassismus gilt, nämlich eine möglichst große Stabilität und Homogenität in der Zusammensetzung der Gesellschaft. Ich persönlich sehe es so: Ich bin in Deutschland geboren, habe mein bisheriges Leben in Deutschland unter Deutschen verbracht, und ich will, dass das so bleibt. Das ist mein Recht, es gibt keine demokratische Legitimation, daran etwas zu ändern. Würde ich mich unter Anatoliern wohler fühlen als unter Deutschen, zöge ich dorthin und übernähme die dortigen Denkweisen und Gebräuche (z. B. bei Hochzeiten). Ein Recht auf freie Migration, wie es jetzt von nicht wenigen als Menschenrecht postuliert wird, ist legalisierter Hausfriedensbruch.

    3. Wo Manfred von „Clans“ und „Stämmen“ gesprochen hat, hatte er natürlich die Welt als ganze im Auge, nicht aber speziell deutsche Großstadtpopulationen. Dir wird vielleicht nicht entgangen sein, dass z. B. für Iraker Stamm und Clan auch jetzt noch die primäre Identifikationsgröße sind: das gleiche gilt praktisch für die gesamte Welt außerhalb der westlichen Industrieländer. Es gibt aber selbst in Deutschland noch Menschen, bei denen die Stammeszugehörigkeit ein Teil der Identität ist – wenn auch meist kein prominenter Teil mehr -. Bist Du schon mal in Bayern gewesen? Oder am Oberrhein und im Schwarzwald bei den „Allemannen“? Ich bin übrigens ein Westfale, der sehr bedauert, dass in seiner Gegend das westfälische Platt ausgestorben ist. Ich finde, die deutsche Hochsprache muss nicht auch noch verdrängt werden. (Tja, solche Leute gibt es noch!)

    4)R.: Brauchst Du wirklich die Wissenschaft, um zu erkennen, dass die Erziehung eines Jungen durch zwei Lesben vielleicht seiner männlichen Identitätsbildung abträglich sein könnte? Vielleicht hast Du schon gemerkt, dass es inzwischen Leute gibt, die auch schon die fast ausschließliche schulische Erziehung der Jungen durch weibliche Lehrkräfte für bedenklich halten?
    Wie weit muss man von allen guten Geistern
    verlassen sein, um in dieser Frage nicht aus sich selbst heraus zu der richtigen Einsicht zu kommen? Und: hast Du auch schon mal davon gehört, dass Wissenschaftler käuflich sind? (Allerdings: Volker Beck ist „durch neuere wissenschaftliche Erkenntnisse“ zu der Einsicht gelangt, dass es verfehlt wäre, das Projekt der Legalisierung der Pädophilie weiter zu betreiben.)

    5)Eure Ausführungen sind auch mir der klare Beweis, dass der Liberalismus Eurer Couleur ein geschlossenes, zum Fundamentalistischen neigendes Denksystem ist: Ihr seid Ideologen. Konservatismus ist hingegen keine Ideologie in diesem Sinne, weil sie von der Realitätserfahrung auf ein funktionierendes Staats- und Gesellschaftssystem schließt, und nicht von einem vorgefassten Ideal ausgehend eine Gesellschaftsveränderung durchsetzen will.

    6)Als langjähriger Pädagoge sage ich einfach mal: Klares Denken und Sprechen ist prinzipiell erlernbar, wenn auch vielleicht nicht für alle; man muss nur erstmal die ideologische Realitätsresistenz und Voreingenommenheit ablegen, die einem ein falsches Menschenbild vorgaukeln. –
    Wo man das lernen kann? Nun, z. B. hier, auf diesem Blog.

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