Non veni pacem mittere sed gladium. (Mt 10,34)
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Habe ich schon erwähnt, dass ich kein Freund von Anglizismen bin?

Dabei bin ich keineswegs dogmatisch. Ein Wort wie „Job“ (im Sinne von „Arbeitsplatz“ und nur in diesem Sinne) ist nicht nur kürzer als „Arbeitsplatz“, es klingt vor allem nicht so schwerblütig protestantisch nach dem Platz-an-den-der-Herr-uns-gestellt-hat-und-an-dem-wir-uns-zu-bewähren-haben-ein-Leben-lang. Damit trifft es die Realität der modernen Arbeitswelt mit häufigem Jobwechsel wahrscheinlich besser als „Arbeitsplatz“.

Manchmal ist der englische Ausdruck also vorzuziehen. Nur muss er dann auch wirklich der bessere (kürzere, treffendere, plastischere) sein. „Er hat einen guten Job gemacht“ – brrr!!! – ist jedenfalls kein gleichwertiger, schon gar kein überlegener Ersatz für: „Er hat gute Arbeit geleistet.“

Das Wort „Internet“ ist mir schon lange ein Dorn im Auge:

Erstens denke ich als Deutscher bei „Internet“ immer an „Intershop“, „Interhotel“ und „Interflug“, zweitens heißt „inter“ nichts weiter als „zwischen“, und was soll man sich denn unter einem „Zwischennetz“ vorstellen? Drittens spart „net“ gegenüber „Netz“ keine Silbe.

Die rechtsextreme Szene benutzt bekanntlich schon lange das Wort „Weltnetz“, und ich muss zugeben, dass dieser Ausdruck, selbst wenn er aus dieser dubiosen Quelle stammt, in jeder Hinsicht prägnanter ist als „Internet“. Es ist eine Silbe kürzer, er ist deutsch und er ist plastisch: Man sieht ihn geradezu vor Augen, den Erdball, netzumspannt. „Weltnetz“ ist einfach besser!

Bekanntlich gelten, einer kuriosen neudeutschen Sitte zufolge, politisch anstößige  Gedanken, Argumente und eben Wörter in dem Moment als entnazifiziert und moralisch unbedenklich, wo sie von jüdischen Intellektuellen benutzt werden. Und so warte ich nun schon seit Jahren sehnsüchtig wie vergeblich darauf, dass die Herren Giordano, Broder oder Wolffssohn der rechten Szene das „Weltnetz“ entreißen.

Da sie dies aber bisher nicht getan haben – meine Güte, die Jungs können schließlich nicht an alles denken! -,  habe ich mich entschlossen, selber zur Tat zu schreiten und ab jetzt vom „Weltnetz“ zu sprechen (sofern ich nicht einfach „Netz“ sage), auch auf die Gefahr hin, dass mein Blog auf dem Index der jugendgefährdenden Schriften landet.

Zum selben Thema empfehle ich:

Wolf Schneider: Speak German! Warum Deutsch manchmal besser ist.

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33 Antworten auf „Weltnetz“

  • Im skandinavischen Raum sagt man statt „Email“ „E-post“. Es gibt derer unzählige Beispiele und das Schöne dabei ist, daß solche Übersetzungen dort überhaupt nicht politisch belegt sind!

  • „E-Post“ gibt es auch im Deutschen; ich selber sollte mir auch angewöhnen, es zu benutzen. Auch sollte ich statt „Spam“ „E-Müll“ sagen.

    Darüberhinaus hat die Aktion lebendiges Deutsch eine Reihe von Vorschlägen gemacht, wie man Anglizismen ersetzen kann. Nicht alle, aber viele Ideen sind gut:

    http://www.aktionlebendigesdeutsch.de/wortarchiv.php

  • „Prallkissen“ ist auch super! Richtig plastisch :)

    Habe mir auch schon öfter mal gedacht, daß viele Anglizismen kaum oder keinerlei Plastizität im Deutschen haben.

  • Es handelt sich aber hier nicht nur um die altbekannte deutsche Fremdwörterei, denn auch in anderen Sprachen hat man es offenbar aufgegeben, die Flut an Computerbegriffen in die eigene Sprache zu übersetzen, z. B. im Italienischen: ´tutte le webcam´ oder: ´… del personal computer´ usw. Hier sind die englischen Wörter ja noch viel systemfremder sind als im Deutschen. Ja, auch in der Sprache geht´s (unaufhaltsam?) in Richtung Multikulti-Mischmasch! Und die britischen Radio-/fernsehsprecher, die früher alle ausländischen Wörter und Namen gnadenlos auf englisch aussprachen (berühmt ist ja auch die Aussprache des Lateinischen in den Schulen, z. B. Cäsars ´vinai, vaidai, vaisai´), können heute – na ja, wen wundert´s? – arabische Namen fast perfekt aussprechen.

    Was mich allerdings schon fast wundert, ist, dass die linken Internationalisten es noch nicht in ihr Programm aufgenommen haben, die Einführung einer einheitlichen Weltsprache zu fordern (und das Sprechen einer nationalen Sprache als Rassismus zu bezeichnen). Das kommt aber sicherlich noch, denn das ergibt sich doch eigentlich ganz logisch aus der Forderung nach freier Migration für alle, oder? Tatsache ist natürlich, dass heutzutage in der Welt eine unglaubliche Menge an Zeit und Geld für Sprachenlernen und Übersetzen draufgeht; auch da könnte es künftig im Kampf für eine einheitliche Menschheitssprache eine Allianz zwischen globalisierter Wirtschaft und den Antinationalen geben.

    Mehr als die Hälfte aller Sprachen in der Welt ist übrigens jetzt schon in ihrer Existenz bedroht –
    eine bedenkliche, schmerzliche Entwicklung, denn jede verlorene Sprache bedeutet eine verlorene Kultur . . .

    Übrigens: „Klapprechner“, finde ich, sollte auch jeder in seinen Wortschatz übernehmen! 😀

  • Lieber Manfred,
    obwohl ich ein Freund, Bewunderer, Gern- und Vielnutzer der deutschen Sprache bin, muss ich hier wohl widersprechen.

    Das Internet ist ja nunmal nicht im deutschen Sprachraum erfunden worden … warum sollte man ihm jetzt nachträglich einen deutschen Namen verpassen?
    „Weltnetz“ klingt für mich auch ehrlich gesagt irgendwie bedrohlich … es hat den Beigeschmack des „Einfangens“ (so wie Schleppnetz oder Stahlnetz), kein Gedanke an z.B. das Sicherheitsnetz für Artisten.

    „Internet“ ist ganz einfach ein global verständlicher, kurzer und prägnanter Begriff. Warum da ein deutsches Kunstwort erfinden? Der Begriff „Klapprechner“ für Notebook oder Laptop ist doch auch behämmert. Wie sollte man denn Subnotebooks oder Tablet-Pc benamsen? Micro(sorry …) Kleinklapprechner und Nichtklapp-Klapprechner?

    Nee, sorry … das ist mir zu albern und zu bemüht.
    Ich finde sogar den Begriff Handy ziemlich gelungen, weil sowohl die englischen (cellular phone, mobile phone) zu sperrig sind, als auch das deutsche „Mobiltelefon“ irgendwie etwas von der Schreibung der Cigaretten mit „C“ hat.

    Nein, ich bin nicht für „meeting points“ und „brainstormings“ (wurde mir an einer deutschen Bildungseinrichtung mal als „Gedankensturm“ angepriesen), aber sehr wohl für stehende Begriffe wie Internet, Kindergarden, Spam, Angst etc.

    Gruß, Calimero

    P.S. „Prallkissen“ und „Prallsack“ für nen Airbag zu verwenden ist ja wohl auch völlig abartig.

  • „Das Internet ist ja nunmal nicht im deutschen Sprachraum erfunden worden … warum sollte man ihm jetzt nachträglich einen deutschen Namen verpassen?“

    Eisbären und Schnabeltiere leben normal auch nicht in Deutschland; weshalb sich eine deutsche Bezeichnung für sie ausdenken?

    Im Ernst: man hätte nicht erst nachträglich, sondern von Anfang an eine deutsche Bezeichnung verwenden sollen.
    Eine Sprache, die für neue Phänomene keine Bezeichnungen aus sich selbst heraus mehr bilden kann, ist tot. „Lebende Sprachen“ zeichnen sich eben dadurch aus, daß sie wie Lebewesen auf Veränderungen ihrer Umwelt reagieren, bei neuen Erscheinungen in der Objektwelt durch Neubildung passender Bezeichnungen.
    Vor 100 Jahren war das anscheinend für die deutsche Sprache noch kein Problem; als in der Welt zuhauf neue Dinge auftauchten, die es zuvor nicht gegeben hatte, fand sie ohne weiteres passende Bezeichnungen für sie … den „Fernseher“ und den „Flughafen“ etwa, auch den „Hubschrauber“ – letzterer ist nach meinem Dafürhalten eine schon geniale bildhafte Wortschöpfung. (Nebenbei, sind Fernseher und Hubschrauber in Deutschland erfunden worden? Ich weiß es nicht, und es ist auch gleichgültig.)
    Daß diese lebendige Kreativität etwa seit Mitte des 20. Jhdts. offenbar nicht nur verloren gegangen ist, sondern ihr Verlust anscheinend überhaupt nicht mehr als solcher wahrgenommen wird, ist bei genauerem Bedenken schon erschreckend.
    Tot aber Spaß dabei?

  • Also, auch mein partieller Einspruch.
    Obwohl ich kein Freund blindwütiger Anglizismen bin und gerade Geschäfts-Denglisch auf den Tod nicht ausstehen kann, sind doch Begriffe wie „Weltnetz“ irgendwie krampfhaft bemüht. Und ich persönlich verbinde mit „Intershop“ nicht unbedingt das Jenaer Unternehmen, sondern freudige Erinnerungen an die Kindheit – Hubba-Bubba-Kaugummi, Haribo-Lakritzschnecken, der Duft der großen weiten Welt. Das am Rande.

    „Internet“ ist nun mal ein eingeführter, weithin gebräuchlicher Begriff – eine kritikasterische Rückführung auf die Wortwurzeln und das Konstruieren einer wortwörtlichen Übersetzung wie „Weltnetz“ hat da schon etwas kramphaft Bemühtes.

    Sprachentwicklung ist ein spannendes Thema, und solange ich denken kann, wird der Untergang der deutschen Sprache vorausgesagt, und er tritt und tritt nicht ein, vielmehr gibt es doch auch recht viele Lehnwörter aus dem Deutschen in anderen Sprachen, „Schadenfreude“ wird im Englischen recht frequent verwendet.

    Und mal ehrlich, sollte Deutsch eines Tages verschwinden – na und? Klar wäre es schade drum, aber dem Etruskischen weint doch heute auch keiner eine Träne hinterher. Das ist nunmal der Lauf der Dinge.

    MvH aus Stockholm!
    Christian

  • Notebook heißt auf Spanisch portatíl, Handy movíl, (Web-)Link enlace etc. pp.

    Niemand findet das dort „abartig“, sie sind den Sprechern selbstverständlich.

  • @Manfred: hmmm… eine lebendige Sprache kann durchaus auch ein paar Fremdwörter verkraften.

    Andererseits ist es natürlich eine gute Idee, moderne Sprachcodes auf subversive Weise bloßzustellen.

    Wäre es nicht listiger, bewusst linke Neusprech-Schöpfungen zu verhunzen?

    Wem fällt etwas zu „Gendermainstreaming“ oder „Community“ ein?

  • @FAB:
    Soweit ich weiß, ist das Fernsehen in Deutschland erfunden worden. Der Student Paul Nipkow hatte 1886 den grundlegenden Einfall, Bilder in Zeilen aufzulösen und als Hell/Dunkel-Signale zu übertragen. Bis in die 1930er Jahre wurden in England, Ungarn und Russland verschiedene Techniken erprobt, ohne dass sich eine wirklich durchsetzen konnte. Dann wurde in Deutschland ein Fernseher mit Braunscher Röhre entwickelt (M.v.Ardenne, J.Zenneck, F.Braun), der erstmals bei den Olympischen Spielen 1936 in „öffentlichen Fernsehstuben“ eingesetzt wurde. In die Wohnstube kam das Gerät erst nach dem Zweiten Weltkrieg.

    Der Hubschrauber ist als Idee schon ziemlich alt; erste Zeichnungen wurden von Leonardo da Vinci angefertigt. Doch erst in den 1920er Jahren gab es funktionstüchtige Entwürfe (É.Oemichen/F, J.de la Cierva/E, E.Zatschka/D). Der heute bekannteste Entwurf mit Heckrotor zum Drehmomentausgleich stammt aber von dem in die USA emigrierten Ukrainer Igor Sikorski, der damit 1940 erstmalig flog.

  • @apokryphe

    Zitat: „Wem fällt etwas zu “Gendermainstreaming” oder “Community” ein?“

    Ich glaube, dass es in keiner, von normalen Menschen gelebten Sprache, einen Begriff für „Gendermainstreaming“ geben wird … er wäre einfach zu lang. 😉

    Im Deutschen müsste er in etwa lauten: „Durch pseudowissenschaftliche Verleugnung biologischer Alleinstellungsmerkmale der Geschlechter möglich gewordene und soziokulturell aufoktroyierte Nivellierung derselben … sollen alle gleich sein.“

    „Community“ würde ich immer durch „Gemeinschaft“ ersetzen.

    Gruß, Calimero

  • Gender = soziales Geschlecht in Abgrenzung zu „sex“=biologisches Geschlecht.

    Mainstream= Mainstreaming bedeutet, dass eine bestimmte Sichtweise zur Leitlinie wird, die die Ent-scheidungen und das Handeln prägt.

    Gender Mainstreaming bedeutet demnach, dass die Gleichstellung von Frauen und Männern zur Querschnittsaufgabe, zur Leitlinie des Planens und Handelns wird.

  • Es muss ja nicht gleich so eine wirre Sprachenpolizei sein wie in Frankreich und das Internet muss man auch nicht umbenennen – aber auch ich hielte es für angemessen, wenn man dafür Sorge trüge dass sich die neueren Generationen in mehr als nur „Kanaggndeudsch“ und „Engrisch“ verständigen könnten. Der Kampf gegen unnötige Anglizismen mag dabei ein erster Schritt in die richtige Richtung sein.

  • @ Calimero:

    Das Internet ist nicht im deutschen Sprachraum erfunden worden, allerdings auch nicht im englischen. Das Internet, wie wir es kennen, entstand erst mit dem World Wide Web, und das ist ungeachtet seines englischen Namens im französischen Sprachraum entwickelt worden, nämlich am CERN in Genf. Im Übrigen gibt es keinerlei Verpflichtung und ist es noch nicht einmal naheliegend, Erfindungen in der Sprache des Erfinders zu benennen. Der Buchdruck etwa ist in Deutschland erfunden, worden, trotzdem heißt er auf Englisch nicht „book druck“.

    Dass das Wort „Internet“ plastisch sei, dürfte Deine Privatmeinung sein. Dass es global verständlich ist, ist kein Grund, es in einer Sprache wie der deutschen zu verwenden, die eben nicht global verständlich ist und das auch gar nicht sein will. Wenn ich mir ansehe, was diverse Palästinenserführer und sonstige Schwerkriminelle aus der Sprache Shakespeares gemacht haben („pissprrossess“), dann bin ich froh, dass dem Deutschen dieses Schicksal erspart bleibt.

    Die deutsche Sprache dient, wie jede andere auch, der Verständigung zwischen denen, die sie sprechen, und gerade nicht der internationalen Verständigung. Die Verständigung gelingt umso leichter, je konkreter die Assoziationen sind, die sich mit einem Wort verbinden. Mit „Internet“ verbindet niemand etwas Konkretes, es sei denn die Vorstellung eines Menschen, der vor einem Bildschirm sitzt. Diese Vorstellung hat aber nichts mit dem Netz selbst zu tun. Jede Sprache enthält notwendig auch blasse Wörter und Fremdwörter. Die sind aber eine Belastung nicht nur für die Schönheit der Sprache, sondern auch für die Verständlichkeit. Man sollte sie daher nur dort einsetzen, wo es sein muss, weil es im konkreten Zusammenhang entweder kein einleuchtendes deutsches Äquivalent gibt, oder weil das Fremdwort treffender oder einfach schöner ist („Äquivalent“ finde ich schöner als „Entsprechung“, deshalb verwende ich es hier).

    Vieles ist natürlich Geschmackssache. Es geht ja auch nicht darum, eine Sprachpolizei einzuführen und Knöllchen für die Verwendung von Anglizismen zu verteilen. Ich finde nur, dass Jeder, der öffentlich redet oder schreibt, sich bewusst machen sollte, dass Fremdwörter, speziell Anglizismen, in zwei von drei Fällen NICHT schöner, treffender oder leichter verständlich sind, sondern minderwertiges Sprachgut darstellen, dessen gedankenlose Übernahme kultur- und geschmacklos ist.

    @ Christian:
    „Und mal ehrlich, sollte Deutsch eines Tages verschwinden – na und? Klar wäre es schade drum, aber dem Etruskischen weint doch heute auch keiner eine Träne hinterher. Das ist nunmal der Lauf der Dinge.“ –

    Es ist in überhaupt keiner Weise „der Lauf der Dinge“, dass Sprachen verschwinden. Sprachen verschwinden mit den Völkern, die sie sprechen, und Völker verschwinden nicht von allein! Wenn etwa das Koptische in Ägypten seit dem 16.Jahrhundert nicht mehr gesprochen wird (es sei denn zu liturgischen Zwecken), nachdem es viereinhalb Jahrtausende lang die Sprache Ägyptens gewesen war, dann war das nicht „der Lauf der Dinge“, sondern Ergebnis der arabischen Invasion und der gewaltsamen Unterdrückung der koptischen Christen durch den Islam.

    Und was das Etruskische angeht: Das Etruskische ist ebenfalls nicht deshalb verschwunden, weil das „der Lauf der Dinge“ gewesen wäre, sondern weil den Etruskern der Selbstbehauptungswille gegenüber der lateinischen Kultur fehlte: Das Geschichtsverständnis der Etrusker hatte den Untergang des eigenen Volkes bewusst eingeplant. Die Theorie lautete, dass das etruskische Volk eine bestimmte Anzahl von saeculi existieren und dann verschwinden sollte. Kommt uns das irgendwie bekannt vor?

    Mir kommt das sogar sehr bekannt vor. So ergeht es nämlich allen Völkern, die die Feindschaft gegen sich selbst zur Ideologie erheben. So ergeht es Kulturen, die ihre Feinde nicht als solche erkennen. Und so ergeht es Nationen, die allzuviele „Christians“ in ihren Reihen haben, denen es egal ist, ob ihre Nation existiert oder nicht! Bei Deiner Einstellung werden wir zwei keine Freunde!

    @ apokryphe:
    Ich habe neulich in meinem „Zwischenruf“ geschrieben, dass ich auf die Eindeutschung englischer Begriffe dann verzichte, wenn sie etwa bezeichnen, was ich nicht mag, also zum Beispiel „Political correctness“, oder eben auch „Gender Mainstreaming“. Wahrscheinlich ist das ein Fehler. Die deutsche Übersetzung „Geschlechtergleichmacherei“ würde nämlich den Sprachnebel lichten, den der Anglizismus um dieses linkstotalitäre Projekt gelegt hat.

  • Der Kampf fängt in der ersten Klasse an. Wir haben in der Grundschule (4.Klasse) ein oder zwei Gedichte (Lieder) auswendig gelernt, in einem Alter, in dem meine Eltern jede Woche eins „büffeln“ mussten.
    Zu der Zeit als ich schon Orwell gelesen habe, hat mir der Lehrer gesagt, dass solcher Stoff für Kinder meines Alters ungeeignet war. Gut, ich war ’ne Leseratte, aber mehr als ein Buch mit 192 Seiten (Haus der Treppen) kann man doch wohl den Schülern der 7ten Klasse zutrauen. Und dann vielleicht eben deutsche Klassiker…
    Überhaupt hatte der Sprachunterricht an der Schule (Niederbayerisches Gymnasium) etwas technokratisches. Man hat die Sprache seziert, quantifiziert und eingeordnet, nie darin geschwellt. Was will man aber auch erwarten, wenn kaum einer der Lehrer echte Liebe zur Sprache empfand und das wichtigste an den Bücher die sozialkritschen Inhalte waren.
    Es wundert mich dann auch nicht, heute zu hören, dass ein Viertel der Deutschen mit Büchern nichts anfangen kann, offenbar noch nicht mal mit Schundliteratur…

    Und Manfred: Weltnetz klingt tatsächlich nach Gesichtserker. „Das Netz“ reicht doch eigentlich auch 😉

  • „‚Das Netz‘ reicht doch eigentlich auch 😉 “

    Das stimmt in den meisten Fällen, und deshalb werde ich normalerweise auch weiterhin „Netz“ schreiben. Es gibt aber Fälle, wo man ausdrücklich sagen muss, von welchem Netz die Rede ist, und in diesen Fällen spreche ich künftig vom „Weltnetz“.

    Nebenbei: „Gesichtserker“ wäre nach allen von mir genannten Kriterien ein dummer und schlechter Begriff. Ich finde, ich habe meine Auffassung ausführlich genug begründet, um mir die Unterstellung blindwütigen Germanisierungseifers verbitten zu dürfen.

  • Oh, das wolte ich nun wirklich nicht andeuten.

  • Die leichtfertige Verwendung von Anglizismen ist nicht nur eine Vergewaltigung der Muttersprache, sondern auch eine des eigenen Kopfes mit seinem Denkapparat.

  • @ Ziemowit:

    Schon gut. Wahrscheinlich bin ich auch etwas überempfindlich.

  • Ich kann nur empfehlen, sich mal ein Buch aus den 20er Jahren oder aus noch früheren Zeiten genüsslich zu gemüte zu führen. Vornehmlich einen netten Roman, oder ein dickes Lexikon. Dann erkennt man, wie sehr unsere Sprache in den letzten 50-80 Jahren versimplifiziert wurde, eben durch die unreflektierte Nutzung von scheinbar „modernen“ Phrasen und Worten vornehml. aus der engl. Sprache. Man sieht wieviele deutsche Worte eigentl. viel schöner klingen, wie der Satzbau anders war, und man erkennt wie schön unsere Deutsche Sprache ist.

    Man mache sich bewußt, daß Deutsch bis in die 30er Jahre DIE internationale Wissenschaftssprache war, und nicht die unpräzise Englische.

    Übrigens gab es „Fernseher“, eine Deutsche Erfindung, in den 20er Jahren auch als mechanische Version mit Motorbetrieb :) (Prototypen). Es wurde hierbei eine Scheibe mit Bohrungen (in Spiralform) zum Abtasten des Bildes und andererseits auch zu dessen Projektion im Empfänger verwendet.

    Der Hubschrauber ist ebenfalls eine deutsche Erfindung, er wurde in den 30er Jahren in den Zeppelinhallen probegeflogen.

  • Ach Manfred, es war ein wenig Ironie im Spiel bei meiner zugegeben etwas provozierenden Feststellung. Kein Grund, aber wirklich gar keiner, mir gleich Indifferenz (Unentschiedenheit?) gegenüber meiner Muttersprache und meinem „Volke“ zu unterstellen.
    Und aus einer höheren, gewissermaßen sehr hohen Perspektive ist es nun mal unabwendbar, dass sich im Rahmen geschichtlicher Prozesse Dinge ändern – ob das positiv oder negativ ist, sei erst mal dahingestellt.

    Gut, für diese Diskussion vielleicht nicht wirklich eine zielführende Perspektive : 😎

    Und glaube mir, ich weiss genau, wer der Feind meiner, der westlich-aufgeklärten kapitalistischen Kultur, ist. Ich habe zwar nicht viel, aber immerhin zuviel Zeit im kommunistischen Teil des Landes verbracht, um ein sehr feines Gespür zu entwickeln für Dhimmitude (ein passenderes deutsches Wort fiel mir nicht ein – Vorschläge?) und Appeasement.

    Darauf ein Glas Schweinebraten.

  • @Manfred:
    Es gibt sinnvolle Fremdwörter und Sprachmüll.

    „Politisch“ und „Korrekt“ sind ja weder Ur-Englische noch Ur-Deutsche Begriffe. In jeder Sprache der westlichen Welt werden diese beiden Worte verstanden und fast gleich geschrieben.

    Egal, ob man „politically correct“ oder “Politisch Korrekt” sagt, jeder versteht, was gemeint ist. „Internet“ versteht übrigens auch jeder, der eine europäische Sprache beherrscht.

    Sprachmüll ist für mich der Begriff „Gender Mainstreaming“. Denn hier wird die eigentliche Bedeutung des Begriffes verschwiegen!
    Auf Denglisch hört sich das ja alles ganz toll an – so nach Taka-Tuka-Land für alle.
    Deshalb: Deine Übersetzung, Manfred, passt perfekt: „Geschlechtergleichmacherei“.

    Dem hab ich nichts hinzuzufügen!

    Wir müssen unterscheiden zwischen:

    – Wortschöpfungen, die Begriffe verschleiern und der allgemeinen Neusprech-Verblödung dienen,

    – Lehn- bzw. Fremdwörtern, die nützlicherweise in die Deutsche Sprache integriert werden können.

    Man muss halt die Spreu vom Weizen trennen. Kommt der Weizen aus dem Ausland, nehm ich ihn an :-)

  • Ich auch, ich bin ja kein Fremdwörterhasser. Aber „Spreu“ muss nicht immer inhaltlich definiert werden, also als Verzerrung des gemeinten Sachverhalts, es kann auch einfach eine unnötige Verständigungsbarriere gemeint sein.

  • Zum Thema „Gender Mainstreaming“ als Kompromißvorschlag eine Halb-Eindeutschung:
    Zwangsandrogynismus. (Sagt eigentlich alles, was man m.E. dazu wissen muß.)

  • Auch nicht schlecht.

  • Ich finde es lächerlich wie da oben welche behaupten können, dass „Internet“ besser ist als Weltnetz, unter Internet kann man sich nichts vorstellen, das ist viel zu abstrakt. Weltnetz ist überaus anschaulich und kann sich schon fast erschließen, was es bedeutet, selbst wenn man es noch nie gehört hat.
    Sprache ist Idendität und wenn man sogar verkrampft versucht englischklingende Wörter zu erfinden, dann reichts wohl echt. Das sind dann solche Dämlichkeiten wie: Handy, Wellness, Back-shop pder talkmaster.

    Hier mal ein paar Wörter im Vergleich:

    Fitness-Center – Ertüchtigungshaus
    Handy – Händi
    marketing – Vermarktung
    Laptop/ mobile Computer – Klapprechner
    Internet – Weltnetz
    Video – Schauling
    gender mainstreaming – Gleichberechtigung der Geschlechter
    airbag – Prallkissen
    mouse-pad – Mauspolster
    Touch-screen – Tastschirm
    Homepage – Leitseite
    downloaden – runterladen
    performance – Vorstellung (ein grässlicher Anglizismus *kotz*)

    Ich empfehle die Anglizismenübersicht vom VDS (Verein Deutsche Sprache), auf deren Leitseite gibt es sehr viel interessantes zu sehen und lesen!

    Auf Youtube.com gibt es auch einige schöne Schaulinge zu dem Thema, gebt einfach mal in die Suchleiste Anglizismen oder deutsche Sprache ein.

    Die Stärke der deutschen Sprache ist ihre Ausdrucksstärke, sogar wenn das Wort manchmal länger ist, ist es doch meist auch das schönere.

    Wiederverwertung ist viel schöner als „Recycling“ und Flachbildschirm besser als Flat-Screen.

    Wir sind die Träger unserer Muttersprache, wollen wir sie zerstückelt und sterbend an die nächste Generation weitergeben? Man muss ja nicht übertreiben, aber wir haben schon genug Latein und Französisch in der Sprache und die heutige Anglizismenflut ist nochmal um einiges schlimmer!

    Und das komische ist, nur den Deustchen ist ihre Muttersprache egal, das gibt es sonst nirgendwo, in Frankreich wird sogar E-Mail in Courriel gallisiert, wieso sollen dann wir nicht Epost sagen?

    Informiert euch doch mal über Sprachpflege in Island, Frankreich, Brasilien usw. und ihr werdet staunen!

    Außerdem haben die Engländer/ Amerikaner auch viel deutsches anglisiert, denn sonst müsste die englische Sprache voll von deutschen Wörtern sein, da die Deutschen im Bereich der Technik, Chemie, Psychoanalyse und vielem mehr weltführend und Erfinder waren.

    Die haben aber sogar Röntgenstrahlen und Raumkrümmung anglisiert!

    Und die paar deutschen Wörter im Englischen sind fast bedeutungslos und haben meist eine Übersetzung z.B.:

    Rucksack – backpack
    Autobahn – motorway/ highway
    Blitz – thunder

  • @ Übersetzer.

    Gut gemeint… Aber einige Vorschläge sind ja wirklich nur ein Schuss in den Offen!

    Fitness-Center – Ertüchtigungshaus

    Wie bitte???

    Wie wärs einfach nur mit „Sportcenter“. Oder ist selbst da zu viel Englisch und zu viel Latein?

    „Händi“? Wo bleibt da die deutsche Sprache denn? Da ist mir sogar eingedeutschtes Latein lieber: Mobilfon =D

    Es geht nicht nur um Anglizismen und Verwendung deutscher Wörter, es geht um

    S P R A C H G E F Ü H L

    Und englische Wörter sind unter anderem deshalb so beliebt, weil sie kurz und prägnant sind. Was man von „Ertüchtigungshaus“ nicht behaupten kann… (Kein Arsch sagt noch „Ertüchtigung“ zu „Sport“)

    • Nun ja, Ertüchtigungshaus und Schauling finde sogar ich übertrieben. Wichtig ist nur, dass man sich nach Alternativen zum Denglisch-Sprechdurchfall umsieht; durchsetzen wird sich dann, was gefällt.

      Übrigens, was das Händi angeht: Die Italiener haben ein „Telefonino“ daraus gemacht. Das hat doch Charme! Es ist zwar auch ein Fremdwort, aber wenigstens kein englisches (genau wie „Charme“).

  • Was Fremdwörter angeht sehe ich es pragmatisch. Behalten was nützt, der Rest fliegt raus – und zwar ganz ohne irgendwelche Sonderbemühungen. Die Japaner haben auch einen erstaunlichen Anteil von 25% Fremdwörtern und haben deshalb ihr Nationalgefühl nicht verloren.

    Im Übrigen gab es ja auch schon früher eine Flut von Fremdwörter. Damals eben französische. Der Großteil ist genauso sang- und klanglos wieder verschwunden wie gekommen. So wird es auch beim Englischen sein. Ich denke, irgendwann mal ist ne gewisse Sättigung erreicht, dann wird wieder munter eingedeutscht.

  • Sehr geehrter Manfred,

    Internet hat in gewisser Weise schon etwas mit zwischen zu tun, denn das Internet entstand an den US-amerikanischen Universitäten, damit die verschiedenen Studienbereiche (Disziplinen) ihre Forschungsergebnisse usw. austauschen konnten- schnell und unkonventionell per PC.
    Daher war das neue Medium eben ein Interdisciplinary Network- also ein Interdisziplinäres Netzwerk, kurz:InterNet

    MfG
    Ihr Peter

  • Weltnetz ist mir ehrlich gesagt zu utopisch totalitär.

    Es ist schwer das zu sagen, ohne an Weltregierung, Weltgerichtshof, Weltindustrieministerium und Welthauptstadt zu denken.

    Störend ist auch das Unspezifische am Begriff „Netz“. Es könnte sich dabei auch um eine Terrororganisation handeln oder eine Geheimgesellschaft.

    „Datenleitung“ ginge, analog der Stromleitung oder der Telephonleitung. Und wenn man die Analogie weiterführt käme man schlicht zu DEM Datennetz, analog dem Strom- oder Telephonnetz, welche ebenfalls international sind.

  • Ich glaube „inter“ in Internet einfach mit „zwischen“ wiederzugeben ist doch
    etwas kurz gedacht. „inter“ steht für mich für „international“ und dann hat
    der Begriff durchaus Berechtigung, da brauch ich mich nicht um Weltnetz zu
    kümmern.
    (Ich habe nicht alle Kommentare gelesen. Sollte jemand dieselbe Idee geäußert
    haben, bitte ich meine Zuschrift zu streichen.)

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