TU ES PETRUS!
Warum Papst Benedikt XVI. im Recht ist, wenn er die öffentliche Empörung ignoriert und die Piusbrüder, einschließlich des Bischofs Williamson, in die katholische Kirche zurückholt.

“Tu es Petrus
et super hanc petram
aedificabo ecclesiam meam” (Mt 16, 18b-19)
Wenn es etwas gibt, das den Papst mit dem Fußball-Bundestrainer verbindet, so ist es die Vielzahl der heimlichen Kollegen, die so viel besser wissen, wer in die rechte Innenverteidigung respektive auf einen Bischofsstuhl gehört, und wer aus dem Kader fliegen beziehungsweise exkommuniziert werden sollte.
Die Aufgabe des Papstes ist dabei um einiges schwerer als die des Bundestrainers:
Nicht nur, weil die Schar der verhinderten Bundestrainer mit einigen Millionen doch überschaubar ist, die der verhinderten Päpste mit einigen Milliarden aber nicht. Sondern vor allem, weil die verhinderten Bundestrainer in der Mehrzahl wenigstens noch irgendeinen Bezug zum Fußball haben, und sei es den Bezug dessen, der im Unterhemd mit der Bierflasche in der Hand vor dem Fernseher sitzt und grölt: „Lauf schon, fauler Sack!“ Was ja oft genug eine treffende Analyse ist.
Diejenigen aber, die so genau wissen, was der Papst tun oder lassen sollte, würden sich in aller Regel den päpstlichen Segen nicht einmal am Fernseher spenden lassen, geschweige denn an einem katholischen Gottesdienst teilnehmen. Offensichtlich ist niemand besser qualifiziert, über die katholische Kirche zu schwadronieren, als Protestanten, Atheisten, Moslems, und Juden. Ganz zu schweigen von den Anhängern des Jesusmosesmohammedbuddhabaghwan-Synkretismus, der sich auch unter Protestanten, Atheisten und Juden, wahrscheinlich auch unter katholischen Laien, wachsenden Zulaufs erfreut – unter Moslems allerdings eher nicht.
Und so hält es auch niemand für erforderlich zu referieren, warum die Kirche es für notwendig hält, die Piusbrüder und Lefèbvre-Anhänger, die bekanntlich das Zweite Vatikanum ablehnen, wieder einzufangen. Womöglich bedeutet es, dass Benedikt die Ergebnisse des Konzils beerdigen will.
Na, und wenn?
Wie immer man zu den inhaltlichen Beschlüssen des Zweiten Vatikanischen Konzils steht: Der Eindruck, den das Konzil langfristig hinterließ, war der, dass Glaubenswahrheiten Gegenstand mehr oder minder demokratischer Abstimmungsprozesse sein könnten. Ließe die Kirche diesen Eindruck unwidersprochen stehen, so würde sie ihre Existenzberechtigung verlieren.
Die Sorte Christentum, wo theologische Standpunkte politisch ausgehandelt werden, die gibt es bereits: Sie heißt Protestantismus und besteht zur Zeit aus circa dreißigtausend Denominationen. Bei dem Tempo, mit dem die Sektiererei dort voranschreitet, hat Benedikt XVI. gute Chancen, die Gründung der einhunderttausendsten evangelischen Kirche noch selbst zu erleben und ihrem Gründer eine handsignierte Jubiläumsbibel zu überreichen.
Allerdings sorgt bereits die schiere Existenz der katholischen Kirche als der Kirche dafür, dass auch weiterhin die Protestanten darauf angewiesen sind, von der katholischen Kirche wenigstens als christlich, wenn auch nicht als Kirche anerkannt zu werden, umgekehrt aber nicht. Die katholische Kirche hat zwar nicht das Monopol zu definieren, was christlich, wohl aber, was nicht christlich ist. Ihre Existenz stellt sicher, dass nicht jede Schnapsidee synkretistischer Weltumarmer unter den evangelischen Theologen die Chance bekommt, offizielle Theologie zu werden.
Woher aber nimmt die Kirche diese scheinbar magische Fähigkeit, ihre Autorität sogar ihren protestantischen Gegnern aufzuzwingen? Eben aus ihrem Selbstverständnis, Glaubenswahrheiten als Wahrheiten zu behandeln, über die sich nicht abstimmen lässt. Mit diesem Verständnis, Kirche nicht vom – subjektiven und veränderlichen – Glauben her zu denken, sondern von einer überzeitlichen, ewigen Wahrheit her, steht und fällt die Kirche.
Es wäre für das Christentum insgesamt, einschließlich des Protestantismus, eine Katastrophe, wenn die römische Kirche sich ein protestantisches Selbstverständnis zulegte. Ein langes Leben hätte es dann nicht mehr, weil mit dem Katholizismus in seiner hergebrachten Form jenes Gegengewicht wegfiele, das bisher verhindert hat, dass die Christenheit zu einem konturlosen Brei zerfließt, in dem das „Anything goes“ gilt.
Das Konzil hat dieses katholische Selbstverständnis aber nach zwei Seiten hin in Frage gestellt:
Der liberalen Öffentlichkeit wurde suggeriert, die Kirche sei ab jetzt eine Organisation, die sich der Welt in dem Sinne öffne, dass von nun an ihre Botschaft manipuliert werden dürfe, und zwar nach außertheologischen Kriterien: vom Feelgood-Faktor für die Gläubigen über die „Toleranz“ im Sinne einer Akzeptanz der Legitimität von allem und jedem, bis hin zur Ökumene, zum jüdisch-christlichen Dialog und zum „Dialog mit dem Islam“. Es ist eine Sache, dergleichen zu befürworten, und eine völlig andere, die theologische Integrität des Katholizismus hinter all dem unter „Ferner liefen“ einzuordnen.
Genau dies, nämlich das Recht, der Kirche eine Agenda aufzuzwingen, fordern die politisch-medialen Meinungseliten mit wachsender Selbstverständlichkeit für sich ein, und wahrscheinlich sind sie ganz aufrichtig verblüfft darüber, dass die Kirche sich nicht darauf einlässt – sofern sie es nicht als Bestätigung ihrer Vorurteile auffassen.
Mit ihrer Masche, päpstliche Entscheidungen zu skandalisieren, und sich auf ihren Begründungszusammenhang nicht einmal so weit einzulassen, dass sie ihn kompetent kritisieren könnten, entlarven sich die Träger der veröffentlichten Meinung wieder einmal als die Ideologieproduzenten, die sie sind. (Und es macht – um auch dies zu erwähnen – die Dinge nicht besser, wenn der eine oder andere verblendete Kardinal meint, genau dieser veröffentlichten Meinung hinterherlaufen und ins selbe Horn stoßen zu müssen.)
Wie ich schon im Zusammenhang mit der Sprache des Kindergartens ausgeführt habe, ist – wenn nicht die Absicht, so doch in jedem Fall – das Ergebnis, dass dem Medienkonsumenten die entscheidenden Fragen vorenthalten werden. So wie der Gazakrieg auf eine Art behandelt wurde, als würden dort uneinsichtige Kinder miteinander raufen, so wird im Zusammenhang mit der Re-Integration der Piusbruderschaft der Papst – nicht weniger als einer der brillantesten Köpfe des Abendlandes – als starrsinniger alter Knacker abgestempelt, der mit den Piusbrüdern bloß seinesgleichen in der Kirche haben wolle.
Ich habe oben gesagt, das Konzil habe nach zwei Seiten hin falsche Signale gesandt: einmal zur liberalen Öffentlichkeit, zum anderen zu den konservativen Katholiken, die, und zwar völlig zu Recht, der Auffassung sind, eine katholische Kirche, die sich nicht als Hüterin des ewig Wahren verstehe, sei keine Kirche im katholischen Sinne mehr. Die Lefèbvre-Anhänger waren die gefährlichste Häresie, mit der es die Kirche in jüngerer Zeit zu tun bekommen hat. Wenn die atheistischen oder agnostischen Redakteure von Hamburger Wochenzeitungen glauben, die Kirche habe sich mit dem Konzil verpflichtet, dem Zeitgeist zu huldigen, dann kann die Kirche das ignorieren.
Eine Opposition von rechts dagegen, die plausibel machen könnte, dass die Kirche dies tatsächlich tue und damit ihren Auftrag verrate, und die damit den Wahrheitsanspruch der Kirche im Kern anfechten kann, ist eine tödliche Bedrohung. Nicht für die Kirche als Organisation (einen Verein mit einer Milliarde Mitgliedern kriegt man nicht so schnell kaputt), wohl aber für die Strahlkraft und Glaubwürdigkeit ihrer Botschaft.
Deswegen – und nicht wegen irgendwelcher reaktionären Anwandlungen der Kurie! – musste man die Piusbrüder wieder einfangen!
(Natürlich gehören in diesen Zusammenhang auch solche Maßnahmen wie die Aufwertung der lateinischen Messe, das in neuer Form wieder eingeführte Gebet für die Bekehrung der Juden und die schroffe Ansage, die protestantischen Kirchen seien „keine Kirchen im eigentlichen Sinne des Wortes“: Das ist nicht Arroganz, das ist die ehrliche Feststellung, dass man zwei grundsätzlich einander entgegengesetzte Begriffe von „Kirche“ nicht mit ein und demselben Wort belegen darf.)
Unserer ideologisch konditionierten Öffentlichkeit kommt es natürlich nicht in den Sinn, dass die theologische Integrität des Christentums wichtiger sein könnte als die Ausgrenzung dieses oder jenes Holocaustleugners.
Ebenso, wie es ihr auch nicht in den Sinn kommt, dass Ausgrenzung, Ächtung, Exkommunikation von Antisemiten kein Beitrag zum Kampf gegen Antisemitismus sind. Eine Gesellschaft, in deren religiösem wie politischem Selbstverständnis der Antisemitismus seit Jahrhunderten eingebrannt ist (Ich verweise auf meine Artikel „Noch ein paar Gedanken zu: Christentum, ‘Islamophobie’, Antisemitismus“ und „Deutsche und Nazis“), die möchte sich das natürlich gerne ersparen, sich mit diesem Sachverhalt auseinanderzusetzen. Gottlob gibt es die Williamsons und Hohmanns, von denen man sich in einer Art von kollektivem Exorzismus distanzieren kann. Was ist leichter, als sich der eigenen moralischen Vortrefflichkeit dadurch zu versichern, dass man den Antisemitismus in der Gestalt irgendwelcher Holocaustleugner dingfest macht und ihn dadurch entsorgt, dass man diese ausgrenzt? Bis zum nächsten Skandal.
Einer der alten Kirchenväter schrieb: „Christus hat sich die Wahrheit genannt, nicht die Gewohnheit!“. Man möchte paraphrasieren: Er hat sich die Wahrheit genannt, nicht die Political Correctness!






Tut mir leid, CK, das beantworte ich jetzt nicht mehr.
Wow, was für eine Debatte!
Manfred, ich finde es gut, wenn Du Dicha ausschläfst bevor Du antwortest. Mir scheint die letzten Nächte waren sehr lang, währen CK doch recht frisch in seiner Argumentation wirkt.
passt gerade nicht zur hier geführten Diskussion, ich wollte diesen Artikel aber mal verlinken – viel Spaß beim Lesen:
http://freiheitundoptimismus.wordpress.com/2009/02/07/die-legitimationskrise-von-politik-und-medien/#comment-40
@ Mega Dux:
Das war Dein letzter Kommentar hier. Einem Familienvater, dessen Arbeitstag tatsächlich oft genug bis spät in die Nacht reicht, zu sagen, er solle sich erst einmal ausschlafen, bevor er antwortet – das schreibt man mir einmal in den Kommentarstrang, aber bestimmt nicht zweimal.
Wenn wir aber schon persönlich werden, dann darf ich wohl meine Vermutung äußern, dass es Dir nicht darum geht, CKs Aneinanderreihung von linken Platitüden zu loben, die Dir noch fremder sein sollten als mir, sondern allenfalls darum, Deinen Ärger an mir auszulassen, weil Du es nicht verträgst, dass es konservative Christen gibt, die lieber katholisch werden, als sich einer von euren evangelikalen Fundamentalistensekten mit ihrer selbstgestrickten Vulgärtheologie anzuschließen.
In CKs Argumenten kann ich jedenfalls nichts finden, was mir besonders “frisch” vorkäme. Ich werfe ihm die Verwechslung von Normen und Tatsachen vor, und er antwortet mir mit Argumenten (“Ist das “Recht auf Leben” für die Kirche keine a-priori-Norm ?”), die nur angemessen wären, wenn ich Normensysteme schlechthin und als solche angelehnt hätte. Ich schreibe, bestimmte Ansichten würden aus dem öffentlichen Diskurs ausgeschlossen, und er fragt mich, welche nicht geäußert werden dürfen, also nach etwa ganz anderem. Ich sage (durch ausdrücklichen Verweis auf meinen Wippermann-Text), dass die Blogosphäre eine sich entwickelnde Gegenmacht zum MeinungsKartell linker Eliten ist, und er behandelt meinen Blog als Beweis dafür, dass es dieses Kartell gar nicht gebe. Ich sage, man müsse Andersdenkende tolerieren, und er fragt mich, warum ich dann eine Kriegspartei (nämlich die Palis im Gazastreifen) auch als solche behandelt sehen will. Und so weiter.
Ich finde, ich habe das Recht, und zwar ohne mir dusslige Sprüche von beleidigten Evangelikalen oder zickigen Feministinnen einzufangen, eine Debatte zu beenden, die mir die Zeit für wirklich Wichtiges stiehlt, bei der ich aber ständig gegen eine Wand rede. Ich habe alles, was ich hier ausgeführt habe, in den letzten anderthalb Jahren in diesem Blog bis zum Erbrechen durchgekaut. Wenn einer diese Langfassung meiner Thesen nicht versteht, dann wird er die Kurzfassung erst recht nicht verstehen.
“Die den Konservativen so heilige, bürgerliche Familie weiß ich sehr zu schätzen, weil ich sie selber sehr positiv erlebt habe, aber wieso sollte dieses Modell, was es auch nicht seit Anfang der Menschheitsgeschichte schon gibt, für alle Zeit das “natürliche” sein ? Wieso den Menschen nicht die Wahl lassen, welche Bindungen sie eingehen wollen und welche nicht ?”
Wenn ich sowas schon höre! Ein Satz, in dem die ganze Menschenverachtung linker Ideologen, diese Bereitschaft, auf Kosten Anderer Vabanque zu spielen, sich geradezu zusammenballt:
Ich habe die Familie weder als “heilig” noch als “natürlich” bezeichnet, und ich habe auch nicht behauptet, sie müsse “für alle Zeit” in ihren traditionellen Formen existieren. Ich bin nur das, was ich oben als “konservativ” definiert habe, nämlich einer jener Menschen, die “nicht bereit sind, vorhandene Strkturen zu opfern, ohne etwas Besseres vorweisen zu können.” Wenn jemand wie CK selber als Kind die Familie als etwas Positives erlebt hat, es dann aber für richtig hält, künftige Kinder zum Gegenstand alternativer Experimente zu machen, dann drückt sich darin genau derselbe Geist von verantwortungslosem Menschheitsbeglückungswahnsinn aus, den uns schon die Jakobiner und die Kommunisten vorgeführt haben und der jetzt, wo der Sozialismus endgültig gescheitert ist, seine Auferstehung feiert, und zwar auch bei Leuten, die nach herkömmlicher Gesäßgeographie nicht links sind, ihrem Menschenbild nach, und ihrer Vorstellung vom angemessenen Verhältnis von Freiheit und Ordnung nach aber sehr wohl.
Das gilt zum Beispiel für jene Neotrotzkisten, die sich fälschlich “Neokonservative” nennen und die Interessen des eigenen Landes hinter ihrem weltrevolutionären Ehrgeiz hintanstehen lassen, die Demokratie im Irak oder sonstwo zu verbreiten. Es gilt auch für Radikalliberale, die Kinder als Versuchskaninchen betrachten und dann scheinheilig fragen:
“Wieso den Menschen nicht die Wahl lassen, welche Bindungen sie eingehen wollen und welche nicht?” -
Weil die Betroffenen, nämlich die Kinder, sich gegen die Folgen der Selbstverwirklichung von Erwachsenen nicht wehren können! Darum nicht!
Was allen Spielarten der Linken gemeinsam ist, ist dieses “wird schon gutgehen” (oder, wie CK sagt “Ich vertraue halt nur mehr als Du darauf, dass sich von selbst die geeigneten Bindungen durchsetzen”), dieses völlige Unverständnis dafür, dass Gesellschaft fragil ist, und dass man sie deshalb zwar planmäßig zerstören oder zersetzen, aber nicht planmäßig wiederaufbauen kann. Und wenn wieder einmal einer dieser Menschenversuche schiefgegangen ist, dann stehen sie mit großen Augen da, sagen “Das haben wir nicht gewollt” und überlegen sich, wie sie den nächsten Irrsinn inszenieren können, der diesmal aber gaaaanz bestimmt funktionieren wird.
Ach ja, noch ein Nachtrag zu:
“Und wenn ihr meint, man müsste nach konservativen Richtlinien leben, ist das nicht eine noch viel strengere PC bzw. CC (=Conservative Correctness)?”
Noch so eine Sophistenfrage! Der Unterschied ist, dass der, der Strukturen zu erhalten versucht, dadurch niemanden zwingen kann und will, sich ihrer individuell zu bedienen, dass aber der, der sie zerstört, das Allen unmöglich macht.
Wenn ich die Familie als Institution und gesellschaftlichen Normalfall zu erhalten versuche, zwinge ich damit niemanden individuell zur Ehe, wenn ich die Nation und den Nationalstaat verteidige, zwinge ich niemanden zum Patriotismus, wenn ich auf der Autorität des Rechtsstaates bestehe, zwinge ich damit kein Verbrechensopfer, die Polizei zu rufen.
Wenn das alles aber nicht existiert, dann verschwindet das Grundvertrauen in die Stabilität von Familien bei allen Beteiligten, steht der Schutz, den die Zugehörigkeit zur Nation bietet, niemandem zur Verfügung, und kann ich nicht die Polizei rufen, wenn ich bedroht werde.
Mega Dux hat mir glaubwürdig versichert, dass sein letzter Kommentar nicht so gemeint war, wie er bei mir angekommen ist. Er kann also getrost weiter kommentieren.
Ach ja, Mega Dux: Pardon wegen meiner Ruppigkeit gegenüber den Evangelikalen.
[...] wie die Aufwertung der lateinischen Messe, das in neuer Form wieder eingefh… source: Tu es Petrus!, Manfreds politische [...]
Thx.. Manfred…
[...] quo besteht. Der Konservativismus ist nach eigenem Selbstverständnis die Weltanschauung derer, „die die Notwendigkeit von Strukturen erkennen, und die deshalb nicht bereit sind, vorhandene Strk… Dieses Verständnis wäre eine reine Leerformel, wenn es nicht mit ganz bestimmten Beurteilungen [...]
@Manfred: Die Debatte zwischen dir und CK scheiterte wohl auch daran, das CK wenig Erfahrung mit konservativen Positionen hat. Wenn noch Interesse an einer Auseinandersetung mit dem Liberalismus besteht, schau doch bei mir vorbei. Ich hoffe das wir eine Disskussion auf der Basis der Prämissen unserer Weltanschauungen führen können und nicht bei Nebenaspekten verharren.
@ Michel:
“Die Debatte zwischen dir und CK scheiterte wohl auch daran, das CK wenig Erfahrung mit konservativen Positionen hat”.
Keineswegs. Sie ist daran gescheitert, dass ich zuviel& Erfahrung mit linken Positionen habe. Ein in der Wolle gefärbter Konservativer hätte wahrscheinlich viel mehr Geduld gehabt als ich, einfach auf die Möglichkeit hin, etwas dazuzulernen.
Einer wie ich dagegen, der von der Linken kommt, alle ihre Argumente in- und auswendig kennt, sie alle aus guten Gründen verworfen hat, weil er nach Jahren ständiger Verärgerung zu der Erkenntnis gelangt ist, dass die Widersprüche linker Ideologie sich nicht mit Ad-hoc-Theorien wegdefinieren oder glattbügeln lassen, sondern eine Generalrevision des gesamten linken Gedankensystems erzwingen – so einer kann sich in Diskussionen mit linken Gesprächspartnern bestenfalls langweilen. Mir kann ein Linker oder Liberaler schlicht und einfach nichts Neues mehr sagen, jedenfalls nicht im Hinblick auf weltanschauliche Prinzipienfragen (was nicht ausschließt, dass man in pragmatisch zu lösenden konkreten Fragen durchaus einer Meinung sein kann). Er kann höchstens noch auf irgendwelche Minen treten.
“Ich hoffe das wir eine Diskussion auf der Basis der Prämissen unserer Weltanschauungen führen können”. Bitte alles, nur das nicht. “Wenn noch Interesse an einer Auseinandersetzung mit dem Liberalismus besteht…” – Dieses Interesse hat nie bestanden, ich habe die Debatte als mir aufgezwungen empfunden. Ich bin aus den oben genannten Gründen überhaupt kein Freund ideologischer Grundsatzdebatten, und ich kann Dir versichern, dass Du keine Freude daran hättest, mit mir zu diskutieren.
(Übrigens: Ich habe den Text gelesen, auf den das Pingback verweist. Ich finde es ja schmeichelhaft, dass Du mich zu einer Art Sprecher des deutschen Konservatismus beförderst, aber das ist eine Rolle, die mir nicht steht und nicht zusteht. Wenn Du es aber schon tust, dann muss ich Deine Behauptung, der Konservative würde “weitgehend auf Theoriebildung verzichten”, wohl auf mich beziehen, und auf mich bezogen ist sie grotesk.)
Schöner Artikel! Vale!
@Manfred: Deine Gleichsetzung von linken mit liberalen Denken ist nicht stichhaltig. Das liberale Programm, freie Wirtschaft und das Begrenzen der politischen Macht, war ein voller Erfolg, das konservative behaupten es wäre gescheitert, muss ich wohl auf die angesprochene Blindheit zurückführen.
Ein Sprecher des Konservativismus im konventionellen Sinne bist du nicht, aber du bist eine der profiliertesten konservativen Stimmen im Internet und mit der Rolle must du dich abfinden.
Bei dem Fehlen der Theorie berufe ich mich auf Karlheinz Weissmann: „Es hat auf Seiten der Konservativen (…) manchen gegeben, der das Fehlen einer konservativen Theorie bemängelte.“ (Das konservative Minimum, S.32). Auch du entwickelst keine konservative Theorie, sondern Analysiert aus konservativer Perspektive die Gegner.
“Auch du entwickelst keine konservative Theorie, sondern Analysiert aus konservativer Perspektive die Gegner.”
Aber gewiss doch, und meine konservative Gegneranalyse lautet, dass Liberale Leute sind, die kein Gespür dafür haben, wann sie überflüssig sind; die glauben, Jeder sei wild darauf, sich ihr Evangelium anzuhören; die dieses Evangelium mit einer Hartnäckigkeit verbreiten, den Zeugen Jehovas Ehre machen würde; und die außerdem kein Deutsch können und sich schon deshalb nicht mit Argumenten auseinandersetzen.
Du hast doch selber ein Blog, oder? Dann schreib Deine Weisheiten dort auf!
Meinet wegen wenn es keinen Sinn hat, die Debatte weiter zu führen, füge ich mich dem und hoffe das meine Meinung wenigstens bei anderen Punkten gefragt ist.
Nein, ist sie nicht. Verpiss Dich, und lass Dein oberflächliches doktrinäres Geschwätz anderswo ab!
Hier die Antwort des Herrn Edathy auf AbgeordnetenWatch auf die Frage, warum er die Beobachtung der Pius-Bruderschaft durch den VerfSch fordere, nicht aber eine Beobachtung der islamischen Organisationen:
Sehr geehrter Herr ,
Ihre Frage vom 16. Februar 2009 habe ich gelesen.
Unklar bleibt mir, was Ihr Anliegen ist.
Die islamischen Organisationen in Deutschland sind ebenso wie die christlichen Organisationen sehr vielschichtig. Daher ist Ihre Aussage, dass die von mir vorgebrachten Argumente, die für eine Beobachtung der Pius-Bruderschaft durch den Verfassungsschutz sprechen, auf “fast alle islamischen Organisationen” passen würden, schlichtweg falsch. Der weit überwiegende Teil der islamischen Organisationen vertritt keine antidemokratischen Einstellungen. Das gilt auch für die breite Mehrheit christlicher Organisationen.
Mit freundlichen Grüßen
Sebastian Edathy, MdB
Dazu fällt einem doch wirklich nichts mehr ein.
Hallo Manfred,
ein wie immer brillianter Aufsatz von Dir, kein Wunder, dass er einen ausführlichen und tiefschürfenden Kommentarstrang hervorgerufen hat. Meine Anmerkungen mache ich daher weniger, um etwas wirklich Neues beizusteuern, sondern vielmehr deshalb, um meine Position darzustellen.
“Offensichtlich ist niemand besser qualifiziert, über die katholische Kirche zu schwadronieren” als Nicht-Katholiken, meinst Du. Völlig richtige Beobachtung mE., dieser “Beißreflex”, der “chic” sein soll, ödet mich auch an. Andererseits ist aber die Wahrnehmung sicher nicht falsch, dass die Kirche (und im besonderen die katholische) Wertungen bzw. Richtlinien zu allen Aspekten menschlichen Seins äußert (s. Netzklempnerin). Das wird in einer aufgeklärten Gesellschaft im Allgemeinen natürlich nicht mehr unwidersprochen hingenommen, weil hier NICHTS mehr unwidersprochen hingenommen wird.
Aus dem distanzierten Blickwinkel eines keuschen Menschen können zB. sicher bedenkenswerte Urteile über Ehe, Familie usw. gefällt werden, aber die wahren Kenner der Szene sind eben (zumindest AUCH, hihi) langjährige Eheleute und Eltern. Anders als früher ist der Anspruch auf ewige und einzige Wahrhaftigkeit für die meisten Bürger, die intelligent und hoch gebildet sind, nurmehr skuril.
Sicher sollte über theologische Grundlagen nicht “abgestimmt” werden, gleichwohl ist auch die Zeit der reinen Verkündigung von oben vorbei. Freie Menschen führen Diskurse und schließen Kompromisse. Grade die Bibel ist ob ihrer Vielschichtigkeit in besonderem Maße als einzigartige Gesprächsgrundlage, nicht jedoch als Gesetz- oder Zauberbuch geeignet.
Du schreibst: “Allerdings sorgt bereits die schiere Existenz der katholischen Kirche als der Kirche dafür, dass auch weiterhin die Protestanten darauf angewiesen sind, von der katholischen Kirche wenigstens als christlich, wenn auch nicht als Kirche anerkannt zu werden, umgekehrt aber nicht.”
Ich meine, es ist richtig beobachtet, das das Anerkennungsinteresse eher von der protestantischen Seite ausgeht. Dies hat aber mE. auch damit zu tun, das die evangelische Kirche der katholischen nicht ihr Kirche-sein abspricht, dies aber umgekehrt – wie Du anzeigst – schon der Fall ist. Das ist der schwere Vorwurf der Usurpation. “Angewiesen”, nein, das stimmt sicher nicht, die nordamerikanischen und nordeuropäischen Christen wären auch dann Christen, wenn die RKK untergehen würde. Der Protestantismus/Reformation ist doch grade ein Projekt VORBEI an der RKK direkt zurück auf JESUS!
“Das ist nicht Arroganz, das ist die ehrliche Feststellung, dass man zwei grundsätzlich einander entgegengesetzte Begriffe von ‘Kirche’ nicht mit ein und demselben Wort belegen darf.” Ich meine, die evangelische Kirche darf sich durchaus Kirche nennen, nur sollte sie die Unterschiede zu den anderen deutlich machen, was ja auch geschieht, weshalb sie sich “Evangelische Kirche” nennt”. ALLE christlichen Kirchen beziehen sich auf die EINE Bibel mit ihren beiden Testamenten, von denen das Neue Zeugnis ablegt über JESUS, und DIESES Zeugnis ist für ALLE Christen verbindlich (Ganz anders liegt der Fall beim Mohammedanismus, der BEHAUPTET, eine Religion zu sein, der sich der Namen und heiligen Orte des Juden- und Christentums bedient, um dort seine schaurige Blutorgie zu zelebrieren: Das ist in der Tat Usurpation).
Wiki: “Die gemeinsamen Grundgedanken der evangelischen Kirchen lassen sich durch die „vier Soli“ zusammenfassen:
- ‘solus Christus’: Allein die Person, das Wirken und die Lehre Jesu ist Grundlage des Glaubens.
- ‘sola scriptura’: Allein die Bibel ist Regel und Richtschnur des Glaubens (‘regula fidei’).
- ‘sola gratia’: Allein die Gnade Gottes bringt Erlösung.
- ‘sola fide’: Allein der Glaube rechtfertigt vor Gott.”
Da hast Du dann eben auch die Idee, dass “die Kirche” dort ist, wo der einzelne Christ mit der Bibel in der Hand (und durchaus auch dem Schwert, wie Monalisa darlegt) steht. Ich bin an der RKK sehr interessiert, aber es ist für mich letztendlich nicht entscheidend, wer mich als Christ anerkennt oder nicht. Ich habe für mich eine Entscheidung getroffen und werde mit ihr begraben werden, egal was irgendwer sagt. Es ist letztlich eine Beziehung zwischen mir und Jesus, die durch die Bibel ermöglicht wird, dazwischen steht kein anderer und keine Institution.
“Es wäre für das Christentum insgesamt, einschließlich des Protestantismus, eine Katastrophe, wenn die römische Kirche sich ein protestantisches Selbstverständnis zulegte.”
Ja, das mag gut sein. Obwohl ich Evangele bin, freut es mich, dass es die starke RKK gibt, gleichwohl sind auch die Evangelen zahlreich und tüchtig, und sie besiedeln vor allem den reichen Norden der Welt. Es ist gut, dass Du die Freiheit hast, zum Katholizismus zu konvertieren, und es ist gut, dass wir uns freundschaftlich darüber austauschen können.
Ich hatte mich in Bezug auf die Äußerungen der Kanzlerin in dieser Angelegenheit – wie zu erwarten, hihihi – auf ihre Seite geschlagen. Am Sonntag las ich jedoch in der FAZ (10.5.) in einem 3/4-seitigen Interview mit Andrea (“Ich-will-nach-oben-ganz-egal-wie”) Nahles von der Schariapartei Deutschlands (SPD), die nach dem Dirndl nun auch ihre (kath.) Religiosität (Hälfte des Interviews) entdeckt hat, folgende Passage: “Ich hätte mir gewünscht, dass die Bundeskanzlerin nicht nach ihrer öffentlichen Kritik am Papst, sondern vorher zum Telefonhörer gegriffen und mit dem Papst gesprochen hätte. Stellen Sie sich vor, sie hätte öffentlich gesagt: ‘Ich habe heute mit Papst Benedikt telefoniert, und wir sind uns einig gewesen, dass…’ das wäre ein anderer Ton gewesen.” Hier hat Frau Nahles mE. mal Recht, aber es ist eben so, dass wir alle sterben müssen, um klug zu werden. Wir alle machen Fehler, weil wir Menschen sind, sogar der Papst, aber das ist doch gar nicht so schlimm, denn unser Gott ist der EINE, der LIEBENDE, der GÜTIGE Gott.
Manfred, ich grüße Dich herzlich,
Time
“denn unser Gott ist der EINE, der LIEBENDE, der GÜTIGE Gott.”
Nicht ganz, lieber Time,
Gott fordert auch. Er fordert, dass man seine zehn (nur zehn) Gebote befolgt, sich wenigstens bemüht.
Gott straft auch. Mit Recht.
Aber, Gott lässt aber seine Geschöpfe niemals fallen. Gott fängt den, der ihn sucht, auf. Immer. Verlässlich. Sicher und ohne jeden Zweifel.
@ Manfred, danke für den vorzüglichen Artikel. Aber die Antworten auf die Kommentare gefallen mir auch sehr gut.
@ Time:
“Meine Anmerkungen mache ich daher weniger, um etwas wirklich Neues beizusteuern, sondern vielmehr deshalb, um meine Position darzustellen.” – Dann will ich Dein flammendes protestantisches Bekenntnis auch nicht mit Genöle kontern
und grüße Dich auch sehr herzlich.
[...] TU ES PETRUS! [...]
“Artikel grade erst entdeckt. Mensch Meier.”
“Na und ?”
“Begeistert. Begeistert.”
Muahaha! Kannst Du mir das in schön ausdrucken und mit Autogramm versehen zusenden?
Super geschrieben, hab was gelernt.
Templer