Non veni pacem mittere sed gladium. (Mt 10,34)
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Es ist oft gefragt worden, warum unter den vielen Krisenherden dieser Welt ausgerechnet der im Nahen Osten immer wieder ganz besondere Aufmerksamkeit auf sich zieht. Von den denkbaren und plausiblen Antworten auf diese Frage scheint mir eine ganz besonders einleuchtend:

Dieser Konflikt enthält in sich gleichzeitig die Konflikte

  • zwischen dem Westen und dem Islam,
  • zwischen Freiheit und Totalitarismus,
  • zwischen der ordnenden und geordneten Gewalt des Staates und der chaotischen, entgrenzten und vagabundierenden Gewalt von Warlords, Terroristen und Kriminellen,
  • zwischen dem Recht als einer rationalen, Sicherheit und Berechenbarkeit verbürgenden Ordnung und der „Gerechtigkeit“ als der Entrechtung des Stärkeren und Selbstermächtigung des Schwächeren zu Willkür und Gewalt.

Es handelt sich also um genau diejenigen Konflikte, deren Ausgang über den Fortbestand der westlichen Zivilisation, wahrscheinlich sogar der Zivilisation schlechthin, entscheiden wird – um diejenigen, die oft unausgesprochen, verdeckt, vermischt und verleugnet den Subtext der Weltpolitik bilden, die aber nirgendwo so klar, so konzentriert, so bis zur äußersten Feindschaft gesteigert zutage treten wie eben im Nahen Osten. Weil das so ist, lässt sich das politische Weltbild eines Menschen an seiner Einstellung zum Nahostkonflikt wie an einer geeichten Skala ablesen.

Sage mir, wie Du zu Israel stehst, und ich sage Dir, wer Du bist.

Nehmen wir nur – pars pro toto – das unsagbar dumme Gerede über die „Verhältnismäßigkeit“, die Israel angeblich missachtet. In den Worten eines gewissen Ulrich Leidholdt, der als ARD-Korrespondent (also auf Kosten des Gebührenzahlers, der sich nicht dagegen wehren kann, dass sein sauer verdientes Geld zur Unterstützung ausländischer terroristischer Vereinigungen veuntreut wird) in Amman sein Unwesen treibt:

„16 Tote in Israel durch Hamas-Raketen aus Gaza in sieben Jahren – rechtfertigt das 300 Tote an nur einem Tag durch die Israels Luftwaffe?“

Wie sieht eigentlich das Weltbild eines Menschen aus, der es fertigbringt, einen solchen Satz zu schreiben? Ungefähr so: Einen Mord darf man nur dann im Wege der Nothilfe (bzw. Notwehr) verhindern, wenn die Zahl der Täter und Helfershelfer die der Opfer nicht übersteigt. Sollte also Herr Leidholdt eines Tages in die bedauernswerte Situation geraten, auf den Straßen von Amman von einer wütenden Menge gelyncht zu werden, die seine Kommentare nicht militant genug fand, so müsste die jordanische Polizei ihm sagen: „Tut uns leid, Herr Leidholdt, um Ihnen – also einem Menschen zu helfen, müssten wir mehrere Menschen töten, und das wäre unverhältnismäßig. Haben Sie bitte Verständnis dafür, dass Sie sich aufhängen lassen müssen.“

(Zugunsten der jordanischen Polizei möchte ich annehmen, dass ihre Ausbilder juristisch hinreichend geschult sind zu wissen, dass die Verantwortung für eine Tötung in Notwehr/Nothilfe denjenigen trifft, der die Notwehrsituation herbeigeführt hat, und dass sich deswegen die Frage nach der Verhältnismäßigkeit gar nicht erst stellt! Weniger geschwollen ausgedrückt: Wer einen Anderen zwingt, ihn zu töten, ist selbst schuld.)

Analoges gilt für die hysterische Empörung über die zivilen Opfer des Krieges. Es ist zutreffend, dass jede Kriegspartei verpflichtet ist, die Schädigung, insbesondere Tötung von Nichtkombattanten nach Möglichkeit zu vermeiden. Diese Norm hängt aber nicht in der Luft, sondern findet ihre logische und notwendige Ergänzung in dem strikten Verbot, den Unterschied zwischen Kombattanten und Nichtkombattanten zu verwischen. Wer das trotzdem tut, indem er Kämpfer oder militärische Einrichtungen nicht als solche kennzeichnet, Zivilisten Waffen schmuggeln lässt, Raketen von Schulhöfen abfeuert, Zivilisten als menschliche Schutzschilde missbraucht, Munition in Moscheen lagert usw., begeht damit ein schweres Kriegsverbrechen und ist verantwortlich für alle daraus resultierenden zivilen Opfer.

Oder erinnern wir uns an die Empörung darüber, dass Israel nicht bereit war, mit der Hamas offizielle Verhandlungen aufzunehmen: Dies bedeute die Nichtanerkennung einer gewählten Regierung. Das ist zwar Unsinn, aber lassen wir es mal so stehen. Der Umkehrschluss lautet aber, dass das palästinensische Volk, indem es der Hamas ein Mandat erteilt hat, und dies sehenden Auges, für deren Handlungen verantwortlich ist.

Wenn man das Weltbild der westlichen Israelhasser gestützt nur auf diese Beispiele – die Liste lässt sich mühelos verlängern – zusammenfasst, so lautet es,

  • dass gesetztes Recht Unrecht ist,
  • dass Staaten nur Pflichten haben (insbesondere die Pflicht zum Gewaltverzicht),
  • private Akteure aber nur Rechte (einschließlich des Rechts auf willkürliche Gewaltanwendung),
  • dass demgemäß Staaten für alles verantwortlich sind, Private aber für nichts,
  • dass Demokratien, weil sie Staaten sind, kein Recht auf Selbstverteidigung haben, auch nicht gegen totalitäre Bewegungen, auch nicht gegen Terroristen,

…und dass insbesondere Israel nicht das Recht hat zu existieren. Preisfrage: Ist das Antisemitimus?

Ich würde sagen: Nein.

Natürlich ist Antisemitismus in westlichen Gesellschaften weit verbreitet, und es wäre ganz merkwürdig, wenn er im Zusammenhang mit Israelfeindlichkeit nicht zum Vorschein käme – denken wir nur an die unsägliche Bettina Marx und ihre „reichen Juden“ -, aber die skizzierte Ideologie funktioniert auch ganz und gar ohne Antisemitismus.

Wer den Staat – den Ordnungsstaat, den Rechtsstaat, den Nationalstaat – schlechthin ablehnt, wäre ganz inkonsequent, wenn er gerade für Israel eine Ausnahme machte. Wer Recht, Gesetz und Ordnung schlechthin für antiemanzipatorisch hält, muss kein Antisemit sein, um auch das israelische Recht zu verachten. Wer alle westlichen Völker einschließlich des eigenen hasst, hasst auch das jüdische.

Eine solche Ideologie ist nicht antisemitisch, sondern antizivilisatorisch! Es ist genau diejenige Ideologie der Entstrukturierung, der Auflösung und des Chaos, die den destruktiven Kern linker Ideologie darstellt. (Dass diese anarchistische Ideologie regelmäßig nicht in der herrschaftsfreien, klassenlosen oder sonstwie beglückten Gesellschaft mündet, sondern im Totalitarismus, liegt in der Natur der Sache und bedarf keiner Erläuterung.)

Der Nahostkonflikt ist der Lackmustest, der diesen Sachverhalt sichtbar macht.

23 Antworten auf Vom Weltbild der Israel-Hasser

  • Manfred,

    hast du meinen Kommentar zu „Pizza für den Sieg“ gelöscht oder noch nicht freigegeben?

    Wie auch immer, du mußt nicht darauf eingehen. Ich schätze dich, weil du sehr klug bist wie es mir wieder einmal dein Kommentar zu „Die Opferung Isaaks“ bestätigt. Was für eine kluge Frage!!!

    Auch bezüglich deines neuen Artikels „Vom Weltbild der Israel-Hasser“ kann ich nur zustimmend nicken.

    Aber die Frage, warum man Israel verachtet, hast du dir noch nicht gestellt. Ich habe das. Und hier ist meine Theorie, über die ich gern mit dir diskutieren würde.

    Ich meine, daß Menschen folgendermaßen funktionieren:
    Wenn ein Zwerg gehänselt und schikaniert wird, ergreift man für ihn Partei, weil er sich nicht wehren kann. Wenn aber ein Riese sich schikanieren und erniedrigen läßt, verachtet man nicht seine Drangsalierer sondern ihn.

    Israel ist im Orient ein zivilisierter Hi-Tec-Riese, der sich von steinzeitlichen Giftzwergen immerzu gegen das Schienbein treten läßt. Für den Großmut, mit denen er sogar seine Söhne opfert, haben weder archaische Araber noch technisch überlegene Westler Verständnis.
    Ein Riese, der sich nicht gegen drangsalierende Zwerge wert, ist in den Augen der Weltöffentlichkeit eine verachtenswerte Flasche. Ja, sogar ein Verräter.

    Es ergeht Israel wie Amerika, das in Korea und Vietnam jede Schlacht gewann aber beide Kriege verlor, weil ahnungslose gutmenschelnde Politiker kompetenten Generälen über den Mund fuhren.

    Ich wünsche Israel keineswegs eine Kriegsbegeisterung wie es sie in Europa bei der Mobilisierung zum 1. Weltkrieg gab. Aber seine Todfeinde wie etwa Hamasführer vor dem Angriff anzurufen, um sie vor der Zerstörung ihrer Häuser zu warnen, halte ich für nicht zielführend. Israel führt einen Krieg gegen Häuser…?

    Ich fand die Idee Edward Tellers gut, mit der von ihm entwickelten Neutronenbombe die Häuser unangetastet zu lassen und nur die Feinde darin zu vernichten.

    Bin ich etwa altmodisch? Sag es mir, Manfred.

  • dieser Link (gefunden bei Achgut) ist ganz interessant:

    http://www.perlentaucher.de/artikel/5140.html

    „Die Linke hat die Fatwa verinnerlicht“ – von Kenan Malik

    Islamischer Extremismus und Linksliberale Volkserziehung passen zusammen, wie Nut und Feder.

  • @ Dox:

    Ich habe den Kommentarstrang zu „Pizza für den Sieg“ geschlossen, weil ich der Debatte eigentlich überdrüssig war. Normalerweise dürfte es gar nicht möglich sein, jetzt noch einen Kommentar einzugeben. Auf meinem Bildschirm ist das Eingabefeld jedenfalls verschwunden, und es ist auch nach Deinem Kommentar mit der Nazikeule kein weiterer bei mir angekommen (auch in meinen E-Mail-Benachrichtigungen habe ich keinen weiteren Kommentar von Dir gefunden). Vielleicht hast Du Deinen Kommentar genau in dem Moment geschrieben, wo ich den Kommentarstrang geschlossen habe, dann ist er, wie ich fürchte, im Nirwana verschwunden. Das tut mir leid!

    Im übrigen habe ich nicht den Eindruck, dass die israelischen Generäle von den Politikern bevormundet werden. Ich habe auch nicht den Eindruck, dass die Politiker irgendetwas tun, was dem Volk missfiele.

    Es ist ziemlich leicht, logisch, schlüssig und rational zu beweisen, dass Israel keine Chance auf einen dauerhaften Frieden hat, solange die Palästinenser da leben, wo sie leben. Die politischen Konsequenzen, die sich daraus, wiederum streng logisch, ergeben, liegen auf der Hand.

    Nun liebe ich politische Theorien, sie sind geradezu mein Hobby – deshalb gibt es diesen Blog. Nur sind Theorie und Praxis zwei Paar Schuhe, und es gibt Dinge, die man tun könnte, aber nicht tun kann. Ich habe mich ja in diesem Blog sehr ausführlich mit Kollektividentitäten befasst und dargelegt, dass und warum Völker, die eine faschistische Gewaltideologie wie den Islam für die letzte Wahrheit Gottes halten, sich schwer damit tun, mit anderen Völkern in Frieden zu leben. Die Vorstellung, muslimische Völker tickten wie wir, halte ich für eine Illusion. Die Kollektividentität ist da stärker als die etwaige Einsicht des Einzelnen.

    Dieses Argument gilt aber auch umgekehrt, zum Beispiel für die Juden, ein Volk, das eben keine faschistische Gewaltideologie als Religion verinnerlicht hat, sondern von deren Urvater Abraham sogar Gott sich breitschlagen ließ, Sodom selbst um nur eines einzigen Gerechten willen zu verschonen. Dabei war Gott im Recht und er war allwissend – natürlich, denn er war ja Gott.

    Wer – und zwar als Volk, nicht nur individuell – eine solche Ethik verinnerlicht hat, derzufolge man sich sogar wider besseres Wissen und gegen den Willen Gottes human verhalten sollte, wird zu extremen Strategien wie Vertreibung, von Völkermord ganz zu schweigen, allenfalls dann greifen, wenn er überhaupt keine andere Wahl hat, wahrscheinlich aber nicht einmal dann.

    (Ich vermute sogar, dass die Israelis vor allem deshalb wehrhafter sind als andere westliche Völker, weil sie nicht, wie die Engländer der dreißiger Jahre, in die Verlegenheit kommen wollen, so lange Appeasement zu treiben, bis ihnen gar keine andere Wahl mehr bleibt als exzessive Gewalt gegen Zivilisten. Wenn ich mich in Völkerpsychologie versuchen sollte, würde ich vermuten, dass sie genau wissen, dass sie dazu nicht imstande wären.)

    Ob die Moslems das verachten? Wahrscheinlich. Sie haben ja eine gewisse Abgebrühtheit darin erlangt, beim westlichen Publikum tränendrüsendrückend an eine Humanität zu appellieren, die ihnen selber im Umgang mit ihren Feinden völlig fremd ist.

    Nur: Wen schert das? Solange das nicht mehr ist als ihre billige Selbsttröstung dafür, dass sie nichts auf die Reihe kriegen, lass ihnen den Spaß! Das macht sie weder friedfertiger noch aggressiver. Sie werden uns – das heißt den Westen – immer hassen. Diese Mentalität kannst Du weder mit Härte brechen noch mit Entgegenkommen aufweichen. Du musst sie hinnehmen wie das Wetter und das beste daraus machen, gegebenenfalls also einen Regenschirm aufspannen.

  • Bravo, Antisemitismus liegt oft nicht vor, „antizivilisatorisch“ ist ein bisschen viel, aber gut, man darf es auch einfach Dummheit nennen. Eine Art Dummheit, die evolutionär keinen Bestand haben wird.

  • Dein Wort in Darwins Ohr! 😀

    „Antizivilisatorisch“ halte ich aber doch für treffender als „Dummheit“. Nicht jede Art von Dummheit gefährdet die Zivilisation, außerdem wäre Dummheit schlechthin zu verkraften, aber eben nicht, wenn sie zur Ideologie ausgebaut wird.

  • Manfred, wie kommst du darauf, daß ich für Völkermord bin und Israel meine Solidarität aufkündige, weil es keine Atombomben auf Gaza wirft? Das siehst du völlig falsch. Für die Existenz Israels setze ich mich seit Jahrzehnten ein und hoffe es über mein Lebensende hinaus tun zu können, indem ich versuche, meine Einstellung an meine Enkel weiterzugeben.

    Ich tue das nicht, weil ich Deutscher bin und ein schlechtes Gewissen habe, weil meine Eltern Antisemiten waren. Denn das waren sie nicht und eine Kollektivschuld lehne ich sowieso ab.

    Aber ich bin ein Hardliner wie meine jüdischen Freunde, die sowohl die Räumung von Gaza als auch den Bau des Schutzzaunes ablehnen. Ich bin der Ansicht, daß man sich vor Leuten, die sich nicht an Kaufverträge halten, weder zurückziehen noch einmauern sollte, wenn man ihnen überlegen ist. Denn man ermuntert sie dadurch zu noch größeren Gaunereien. Sie werden unersättlich.

    Wer sich aus dem 20. Jahrhundert in seine Heimat begibt, die aufgrund des Islam im frühen Mittelalter lebt, kann nur überleben, wenn er expandiert.

  • Hallo Manfred,

    haben Sie schon diese Kampfszene gesehen?

  • Danke –
    ich lese hier schon etwas länger ( genau wie bei einigen anderen einschlägigen Seiten)
    und hab e jetzt wieder etwas mehr argumentative Munition – obwohl ich offenbar in meinem Umfeld mittlerweile nerve:
    “ Ach, laß mich mit dem Schei… in Ruhe“

    Michael

  • @ Dox: „Manfred, wie kommst du darauf, daß ich für Völkermord bin und Israel meine Solidarität aufkündige, weil es keine Atombomben auf Gaza wirft?“ – Nun ja, es war etwas schwierig, Deine Kommentare anders zu verstehen. Aber nachdem Du dieses Missverständnis ausgeräumt hast, können wir ja zur Tagesordnung übergehen.

    @ old-radist: Vielen Dank für dieses Video. Ich empfehle Jedem, sich DAS anzuschauen!!!

    @ Michael B.: Sieh es positiv: Die Leute, die mit dem Schei… in Ruhe gelassen werden wollen, werden wenigstens keine Propaganda für die Hamas machen.

  • Was mir an Manfreds Texten gefällt sind die konstruktiven Elemente, die gelegentlich (oder häufiger mal? ;–) durchscheinen.

  • @ Manfred

    Gut, daß wir uns wieder verstehen. Also schauen wir nach vorn
    Die vermeidbare Bodenoffensive ist in Gang und die mutigen Soldaten kriegen von mir mehr als Pizzas.

    Laß uns über die Zukunft nachdenken. Die entscheidende Frage lautet: Wie kriegt Israel die Palästinenser so weit, daß sie sich von Feinden zu friedlichen Nachbarn wandeln, mit denen man zum gegenseitigen Nutzen Handel treibt?

    Hierzu sollte man zunächst folgende Frage beantworten:
    Warum waren sie bisher nicht dazu in der Lage, in Israel einen Partner zu sehen, von dem man lernen kann wie man zu immer mehr Wohlstand und zu immer größerer Freiheit gelangt?

    Zu diesem Thema wünschte ich mir von dir klugem Burschen einen Beitrag.

    Zwei Thesen als Argumentationshilfe:

    1. Die Palästinenser bilden eine auf Almosen angewiesene Gesellschaft, die das Betteln verinnerlicht und kaltblütig professionalisiert hat.
    Emanuel Kant: „Betteln ist nahe am Raub.“

    2. Der Islam ist eine Raubkultur, die untergeht, wenn sie keine erfolgreichen Eroberungskriege gegen Wohlhabende führen kann.

    3. Weil eine Gesellschaft, die sich am Koran orientiert, ohne Raubkrieg nicht überleben kann, führt sie sogar gegen haushoch überlege Nachbarn Krieg.
    Sie kann nichts Besseres.

    Zur Zeit befinden sich die Kinder Israels auf dem Territorium eines räuberischen Nachbarn, der nichts anderes kann, als lügen, täuschen, entführen, töten und erpressen.

    Wie wandelt man einen solchen Feind zum freundlichen Handelspartner ohne ihn zu vernichten oder selbst auszubluten?

    Darüber sollten wir jetzt angestrengt nachdenken.

  • @Dox

    Es handelt sich um den archaischen Kulturkonflikt zwischen einer Bauern- und einer Hirtenkultur. Ich fürchte, dass dieser sich durch keine Maßnahme endgültig aus der Welt schaffen läßt.

    Israel ist die Bauernkultur, die mit Fleiß und Fähigkeit Werte schafft. Ganz Europa, abgesehen von Albanien, besteht gleichfalls aus solchen Bauernkulturen, und daher verwundert es nicht, dass diese Form des bäuerlichen Wirtschaftens, mittels Kenntnissen und Arbeit der Erde seinen Ertrag abzutrotzen, von uns favorisiert wird.

    Diese Wertung aber ist keineswegs universell, denn der clevere Hirte denkt sich schon seit Urzeiten: Warum soll ich auf dem Feld schuften, wenn das mein Nachbar für mich tut, ich muss ihn doch nur ausrauben, um satt zu werden. Also schafft er sich Waffen an, erobert das Land des Bauern und läßt seine Ziegen dessen Ertrag abgrasen. Wenn der Bauer ganz viel Pech hat, wird er sogar noch versklavt und darf dem Hirten bis an sein Lebensende dienen.

    Der Islam hat die Wirtschaftsweise des Hirten – mit Gewalt nehmen, was andere erarbeiten – zum göttlichen Prinzip erhoben und geheiligt. Das Christentum machte es andersherum; es erklärte die Arbeit für heilig und den Raub für teuflisch. A priori kann man nach jedem der Prinzipien leben, solange es Bauern gibt; das eine vor dem anderen zu bevorzugen ist aber Frucht eines bestimmten kulturellen Kontextes.

    Die heiligen Hirten wird man aber nicht zu Bauern umerziehen können. Auch mit Gewalt nicht. Entweder kommt der Impuls, Bauer zu werden, aus der Hirtenkultur selbst, oder er unterbleibt. Falls Du mich fragst, würde ich auf Letzteres wetten.

    Nun kann man natürlich einen großen Krieg gegen die Hirten veranstalten, damit die Bauern fürderhin in Frieden leben und wirtschaften können. Die Bibel als kulturelles Gedächtnis von 5000 Jahren Menschheitsgeschichte rät aber dem Bauern davon ab, sich des Hirten gewaltsam zu entledigen (Kain vs. Abel). Wahrscheinlich, weil die Logik, die zur Etablierung von Hirtenkulturen führt, so schön einfach ist – auch für Bauern, unter denen es ja auch schlaue Betrüger und Täuscher geben soll. Nicht nur Arme, sondern auch Schmarotzer und Räuber wird die Menschheit immer unter ihresgleichen haben – sowohl als Individuen als auch als Kultur. Der totale Bauernstaat wäre ja auch zu langweilig und zu totalitär.

    Zwar ist es richtig, dass der Hirte für den Bauern auf Dauer schwer zu ertragen ist – vor allem, wenn er denkt, er könne besser parasitieren, wenn er mehr Männer unter Waffen hat, die alle was abbekommen wollen. Eine Erde, besiedelt von lauter Bauern, ist zwar denkbar – sogar mit mehr Wohlstand für alle, als es derzeit gibt, und wäre vielleicht auch für mehr Menschen tragfähig -, aber nicht realistisch. Eine Welt aus lauter Hirten ist nicht denkbar. Der Grundfehler liegt aber in der Vorstellung, eine einheitlich wirtschaftende Welt müsse die Lösung aller Konflikte sein – die Konflikte werden immer wieder von neuem entstehen.

    Und selbst wenn es der Menschheit gelänge, einen so ekligen Parasiten wie die islamische Hirtenkultur endgültig loszuwerden, dann käme nach einiger Zeit sicher wieder jemand, würde das Berauben und Versklaven der Bauern zum Gebot erklären und es diesesmal nur irgendwie anders nennen.

    Wir können die Welt nicht dauerhaft befrieden. Ich finde, man sollte sie einfach so lassen, wie sie ist.

  • Manfred,

    obwohl ich Dir bei den meisten Punkten zustimme, muss ich Dir beim Thema Verhältnismäßigkeit widersprechen. Meiner Meinung nach muss diese sehr wohl gewahrt werden, und zwar, wenn es um unbeteiligte Opfer geht.
    Natürlich kann ich, um mich zu wehren, auch einen ganzen Mob umbringen, der mich lynchen will. Aber ich darf z.B. nicht einfach wild in eine Menschenmenge ballern, weil mich ein einzelner daraus beschießt.

  • @ Dox: „Wie wandelt man einen solchen Feind zum freundlichen Handelspartner ohne ihn zu vernichten oder selbst auszubluten?“ – Ich würde sagen: Überhaupt nicht, und zwar aus den Gründen, die Thatcher genannt hat.

    Das Einzige, was man tun kann, ist sich gegen diesen Feind so weit abzuschirmen, dass er einem nur noch wenig Schaden zufügen kann. Für Israel ist das naturgemäß schwieriger als für andere westliche Länder. Meine Prognose lautet daher, dass der Konflikt noch jahrzehntelang so weiterköcheln wird wie bisher. Weiterreichende Prognosen sind mir zu unsicher.

    @ Christian: „Natürlich kann ich, um mich zu wehren, auch einen ganzen Mob umbringen, der mich lynchen will. Aber ich darf z.B. nicht einfach wild in eine Menschenmenge ballern, weil mich ein einzelner daraus beschießt.“
    – Hier enden natürlich zugegebenermaßen auch die Parallelen zwischen der Notwehrsituation gegenüber einem Lynchmob und dem Kriegsvölkerrecht.

    Das Völkerrecht besagt, dass derjenige, der es verletzt, indem er zum Beipiel Zivilisten als menschliche Schutzschilde einspannt, davon nicht auch noch profitieren darf, indem sein Feind am Kämpfen gehindert wird.

  • Manfred,

    bedeutet das denn, dass Israel keine Rücksicht auf palästinensische Zivilisten nehmen muss, weil es die Hamas auch nicht tut?
    Ich denke, dass es doch genau darum in vielen Beiträgen geht, die von Verhältnismäßigkeit sprechen.

  • @ Christian:

    Es bedeutet, dass Israel auf die Zivilbevölkerung Rücksicht nehmen muss, aber nur, soweit seine eigene Kriegführung dadurch nicht beeinträchtigt wird. Vor allem aber bedeutet es, dass die Rücksichten, die Israel tatsächlich nimmt, deutlich über das vom Kriegsvölkerrecht geforderte Maß hin ausgehen.

  • @ Thatcher

    Bauern versus Hirten funktioniert nicht als Erklärung für das Dilemma Israels. Hirten sind genau wie Bauern Produzenten, die eine Ware zum Tauschhandel herstellen, nämlich Fleisch. Sie sind ein wesentlicher Teil der Landwirtschaft und bescheren uns heute schmackhafte Chicken Nuggets bei McDonalds zum Schnäppchenpreis. Wenn du anstatt Hirten berittene Nomaden setzen würdest, könntest du immerhin der Siegeszug der Mongolen erklären. Aber auch sie waren tüchtige Tierzüchter und innovative Waffenschmiede, denn der raffinierte Bogen, mit dem sie ihre tötlichen Pfeile abschossen, war ein eigenes Produkt.

    Auf welche Fähigkeit können die Palästinenser verweisen, mit dem sie Israel als Handelspartner willkommen sein könnten? Ich wüßte keine.

    Daniel Pipes hofft, daß Gaza von Ägypten zurückgenommen wird und die Westbank von Jordanien. Sollen doch die Araber sich mit ihnen herumschlagen und sie notfalls zu zehntausenden umbringen. Jordanien hat das schon mal getan und Erfolg gehabt. Die PLO zog sich kleinlaut zurück und gelangte über Umwege bis nach Jerusalem. Wer hat sich da bestechen lassen und sehr viel Geld bekommen?

    Könnten es nicht die dieselben Kräfte innerhalb Israels sein, die heute junge Soldaten opfern, um eine austauschbare Jugendbewegung wie die Hamas vorübergehend niederzuschlagen?

    Wer profitiert davon, daß man die Feinde in Gaza mit Strom, Wasser, Treibstoff und Medikamenten versorgt? Wer glaubt, es selbstlose Humanisten sind, irrt sich. Sie tun es, weil es sich davon gut leben läßt, während junge Patrioten sterben.

  • P.S.

    Damit ich nicht mißverstanden werde: Wäre Deutschland anstelle Israels, es gäbe ebensoviele Claudia Roths und Christian Ströbeles für deren reichliches Auskommen in hohen Ämtern niedere Gefreite in Gaza sterben müßten.

  • Manfred,

    ok, es darf nicht grundlos Zivilisten töten. Das ist soweit klar. Aber wie sieht es mit dieser UN-Schule aus? War es gerechtfertigt, diese Schule zu beschießen, weil aus ihrer Nähe Hamas-Kämpfer Raketen oder Mörser abgefeuert haben? Müsste man in solchen Situationen nicht umsichtiger vorgehen?

  • „War es gerechtfertigt, diese Schule zu beschießen, weil aus ihrer Nähe Hamas-Kämpfer Raketen oder Mörser abgefeuert haben?“ – JA.

    „Müsste man in solchen Situationen nicht umsichtiger vorgehen?“ – NEIN.

  • Das scheint ja allem zu widersprechen, was man sonst so liest. Ich habe mal versucht, mir selbst ein Bild zu machen und muss sagen, dass ich an dem schieren Umfang der Genfer Konventionen gescheitert bin. Kannst Du mir sagen, ob man das, was Du mir geschrieben hast, irgendwo recht einfach ablesen kann oder muss man dazu alles lesen und verinnerlichen?

  • Ich selber habe es aus verschiedenen Quellen, aus meinem Nebenfachstudium Jura zum Beispiel, wo für einen Politologen auch Völkerrecht dazugehört; dann die Auseinandersetzung mit dem Nürnberger Prozess, meine Ausbildung bei der Bundeswehr, natürlich auch diverse Geschichtsbücher. Ob es irgendwo eine einfache Zusammenfassung gibt, entzieht sich meiner Kenntnis.

    Du kommst aber ziemlich weit, wenn Du Dir die immanente Logik des Kriegsvölkerrechts vor Augen hältst. Dieses ist ja nicht dazu da, den Krieg zu verhindern, sondern ihn einzugrenzen und erträglicher zu machen. (Alle Regelungen sind von Staaten abgesegnet worden, und die hatten nicht vor, sich selbst das Kriegführen zu verbieten.) Der Krieg selbst wird als Institution vorausgesetzt. Alle Schutzbestimmungen für die Zivilbevölkerung können nur dann wirksam werden, wenn die Kriegspartei, die sie beachtet, dadurch keine militärischen Nachteile erfährt. Dies setzt voraus, dass die Grenze zwischen Kombattanten und Nichtkombattanten nicht verwischt wird.

    Geschieht dies völkerrechtswidrig doch (und die Hamas praktiziert es regelmäßig), dann stellt sich die Frage, wie dieser Rechtsbruch sanktioniert werden soll. Es gibt ja nicht, wie im innerstaatlichen Recht, den Staat als neutrale Instanz, an die der Geschädigte sich wenden kann. Die Antwort lautet, dass der Rechtsbrecher nicht nur die rechtliche Verantwortung für den Rechtsbruch trägt (was ja eine höchstens moralische Sanktion ist), sondern, dass er auch keinen militärischen Vorteil davon haben darf.

    Deswegen gilt, dass auch Schulen, Moscheen und Krankenhäuser legitime Ziele sind, sofern sie für die Kriegführung einer Seite in Anspruch genommen werden, und zwar unabhängig davon, ob sich dort zum Zeitpunkt des Angriffs Zivilisten aufhalten oder nicht.

  • Auf einen hochinteressanten Artikel just zu diesem Thema in der Jüdischen Allgemeinen hat PI gerade aufmerksam gemacht:

    http://www.juedische-allgemeine.de/epaper/pdf.php?pdf=../imperia/md/content/ausgabe/2009/ausgabe02/03.pdf

    (Artikel „Angriff und Verteidigung“ von Hannes Stein)

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