Non veni pacem mittere sed gladium. (Mt 10,34)
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Als ich vor fünf Monaten den Wahlsieg von Barack Obama vorhersagte – der Herr vegebe mir meine Eitelkeit! -, war ich hin- und hergerissen: einerseits ein beeindruckender und sympathischer Politiker, andererseits diese verdächtige Verwurzelung in einem das eigene Land hassenden Milieu, das unklare Verhältnis zum Islam, der zweite Vorname „Hussein“. (Auch seine Unerfahrenheit, aber die soll heute nicht das Thema sein). Die Frage, auf die es für mich hinauslief, lautete: Was für eine Sorte von linkem Politiker ist Obama eigentlich?

Es gibt nämlich zwei Arten, links zu sein: Offiziell bedeutet „Links sein“ das Eintreten für Emanzipation, Aufklärung, Toleranz, Demokratie, Gerechtigkeit. Wer sieht, wie linke Politik tatsächlich funktioniert, und zwar ohne sie sich schönzureden, stellt einen schreienden Widerspruch zwischen Theorie und Praxis fest, wobei die Praxis nicht etwa die wenn auch unvollkommene Verwirklichung der Theorie bedeutet, sondern die Verwirklichung von deren Gegenteil. Es geht regelmäßig nicht darum, die Machtlosen zu er-mächtigen, sondern darum, die Mächtigen zu entmachten, und sei es um den Preis der Zerstörung der Gesellschaft überhaupt. Das ist das Links-sein aus Ressentiment, und es ist nur folgerichtig, dass diese Sorte von Linken keine Bedenken hat, sich mit dem Islam zusammenzutun, also derjenigen Ideologie, die sich ebenfalls der Zerstörung unserer Gesellschaft verschrieben hat.

Die Widersprüche zwischen dem proklamierten Antirassismus der Linken und dem nicht einmal getarnten Antisemitismus des Islam, zwischen Pazifismus und Palituch, zwischen der Hysterie, mit der nach Frauenfeindlichkeit noch in den Regeln der deutschen Grammatik gefahndet wird, und der Sympathie für eine in sich frauenfeindliche Religion und Kultur – diese Widersprüche sind rein akademischer Natur. Politisch und psychologisch sind die totalitäre Linke und der totalitäre Islam Zwillinge, und zwar eineiige Zwillinge.

Man sollte allerdings bei aller Kritik nicht übersehen, dass es hier und da auch solche Linken gibt, wie ich selber mal einer war: also Menschen, die das emanzipatorische Programm ernstnehmen, und die deswegen auch so etwas wie eine linke Islamkritik formulieren. Alice Schwarzer zum Beispiel.

Man wird nicht behaupten können, dass solche Menschen auf der Linken die Mehrheit bilden – das können sie nicht – aber es gibt sie. Es könnte sein, dass Barack Obama zu dieser Sorte gehört.

Main Thema ist heute allerdings gar nicht der künftige amerikanische Präsident; es ist an einem Tag wie dem heutigen nur ganz unmöglich, einen politischen Artikel zu schreiben, ohne den Namen „Obama“ zu erwähnen. Mein Thema ist das Verhältnis von linker und rechter Islamkritik und die Frage, ob es da einen gemeinsamen Nenner gibt.

Die linke Islamkritik, wo sie denn vorkommt, konzentriert sich auf die antiemanzipatorischen Aspekte des Islam: seine Demokratiefeindlichkeit, den Antisemitismus, die Gewaltverherrlichung, überhaupt seinen unzweideutig faschistischen Charakter. Es passt ins Bild, dass Nazis heute wie vor siebzig Jahren oft ein ausgesprochen positives Bild vom Islam haben, und dass ein Mann wie Horst Mahler der Meinung ist, die „nationalen Kräfte“ müssten sich mit dem politischen Islam zusammentun, um den „westlichen Imperialismus“ zu bekämpfen.

Die rechte Islamkritik operiert vorwiegend mit dem grundlegenden Bezugsrahmen von Eigenem und Fremdem und verteidigt das Eigene, das von dem Fremden bedroht wird. Etwas überspitzt könnte man sagen, dass Demokratie, Liberalität, Toleranz dabei als konstitutive Merkmale des Eigenen gleichsam en passant mitverteidigt werden; ungefähr so, wie die linke Islamkritik die gewachsene Kultur des Westens gewissermaßen zufällig mitverteidigt, wenn sie die Einhaltung emanzipatorischer Standards auch von muslimischen Gemeinschaften fordert.

Sind aber Unterschiede dieses Kalibers so fundamental, dass ihretwegen der linke und der rechte, allgemein gesprochen die unterschiedlichen Flügel des islamkritischen Spektrums nicht zusammenarbeiten könnten? Handelt es sich im Kern nicht eher um Unterschiede der Akzentsetzung als um solche der Prinzipien? Ist es nicht Sektiererei, vom jeweils Anderen einen Kniefall vor den Aprioris des eigenen Lagers zu fordern? Ist es, um es konkret zu machen, sinnvoll, sich etwa von „Pro Köln“ zu distanzieren, nur weil man selber als Liberaler oder Linker deren ideologisch rechtskonservativen Standpunkt nicht teilt?

Es geht schließlich nicht darum, in jeder politischen Frage einer Meinung zu sein, sondern darum, mit der Offenen Gesellschaft den Rahmen zu erhalten, innerhalb dessen politische Meinungsverschiedenheiten friedlich ausgetragen werden können. Ich bin kein Freund von Alice Schwarzers Feminismus, und umgekehrt entlocken manche Äußerungen aus den Pro-Parteien mir ein leises Ächzen. Ich sehe aber keinen Grund darüber hinwegzusehen, dass beide Seiten Wichtiges an Aufklärung und Mobilisierung leisten. Demokratische Gemeinwesen beruhen auf einem breiten Konsens, und wenn sich zu ihrer Verteidigung nicht Menschen aus sehr unterschiedlichen politischen Lagern finden – die sich dann aber auch gegenseitig tolerieren (lat.: dulden, ertragen) müssen -, dann werden wir verlieren.

38 Antworten auf Linke und rechte Islamkritik

  • Bravo zu diesem äußerst treffenden Beitrag! Vor allem den letzten Absatz kann ich nur unterschreiben. In meiner praktischen Arbeit hat die von Dir geforderte Konsolidierung der Kräfte mittlerweile oberste Priorität.

  • danke -sehr schöner beitrag – sehe ich ähnlich.
    wenn du nichts dagegen hast,kopiere ich mir auszüge und stell es in mein blog, natürlich mit verlinkung und quellenangabe.

    wenn ich zeit habe -habe es jedenfalls erstmal als lesezeichen gespeichert.

    grüße

  • Ja, dem kann man grundsätzlich nur zustimmen. – Aber: wenn man sich die Diskussionen in den Blogs ansieht, kommt man zu dem Schluss, dass es kaum zwei Leute gibt, deren politische Vorstellungen auch nur einigermaßen übereinstimmen. Und je höher das intellektuelle Niveau der Kommentatoren, desto größer scheint oft (nicht immer!) die Neigung zur Besserwisserei und zur Streitlust. Wie soll man da erst zu Gemeinsamkeiten zwischen Rechts und Links kommen? Nun ist der „Counterdjihad“ bislang praktisch nur virtuell und theoretisierend, sobald er aber konkret und praktisch würde, wäre vorstellbar, dass man sich auf der Basis einiger weniger Grundlinien zusammenraufen müsste und könnte. Diese Grundlinien hast Du eigentlich in Deinem Beitrag schon formuliert: uneingeschränktes Bekenntnis zur Demokratie und zur Freiheit, Ablehnung alles Totalitären, Bekenntnis zur westlichen Zivilisation und ihrer Leistungen, Ablehnung des immer weiterführenden radikal-linken Projekts der Auflösung der grundlegenden Identitäten Familie, Geschlecht, Nation; klare Ablehnung aller Zuwanderer, die unsere Werte und Lebensweise nicht teilen; Marktwirtschaft. Mit dem Ja oder Nein zu diesem Katalog ergibt sich eigentlich eine klare Kluft zwischen der radikalen und der gemäßigten Linken. Mit der weiteren Verschärfung der gesellschaftlichen Missstände ist eigentlich zu erwarten, dass mehr und mehr Linken ein Licht aufgeht hinsichtlich dessen, was mit der muslimischen Zuwanderung angerichtet worden ist.
    Die Links-Rechts-Dichotomie ist mehr denn je künstlich aufgesetzt, weil einfach im Sprachgebrauch und zur Feinderkennung praktisch, es geht jetzt um die Anerkennung und den Erhalt der Grundlagen einer Freien Gesellschaft versus totalitäre Umerziehungs-Utopie, egal ob religiös oder (inter)nationalsozialistisch.

    Mit der langsam wachsenden Einsicht, dass man nun die in den letzten Jahren in der Blogosphäre formulierten Positionen allmählich mal ins Praktische wenden müsste, tauchen dann aber auch die schwierigen Entscheidungen auf: über die bestehenden Parteien und ihr
    Personal erscheint im Moment kaum eine Veränderung möglich; über allem, was es rechts von der CDU an Gruppierungen gibt oder demnächst noch geben könnte, schwebt hierzulande die große Rassismuskeule, einige andere europäische Länder sind da rechtspopulistisch allerdings schon weiter; zu befürchten ist überhaupt ein weiteres Ausdünnen der Mitte mit Radikalisierung auf beiden Seiten, insbesondere wenn es eine längere Wirtschaftskrise geben sollte. Weimar! Eine anderer Weg statt durch die Parteien wäre außerparlamentarisch: Bildung einer Art APO, Aktionen, Demos: ist das mit überwiegend Konservativen aber überhaupt zu machen? Ich denke schon, dass man von den Methoden de APO einiges lernen
    könnte.
    Das große allgemeine blockierende Element ist aber, wie gesagt, die Political Correctness, die, aus linker Perspektive formuliert, ja wirklich ein voller Erfolg ist: wieso bloß?
    Am frappierendsten ist ja die Entwicklung in GB: und dort ohne Hitlers langen Arm,
    der brit. Kolonialismus war ja relativ milde, nirgendwo ist die „Dekonstruktion“ des Nationalcharakters weiter gediehen, weite Teile der Bevölkerung verharren im Dhimmitum! –
    Kurzum: möglicherweise muss alles noch viel drastischer werden, bevor Veränderungen möglich sind. Die anstehende Serie von Wahlen bringt, wenn sich da deutlicher was verändert, vielleicht neue parteiinterne Entwicklungen: die Trennung zwischen einer radikalen und einer gemäßigten Linken ist da ja schon im Gang, und ob die CDU dann so weit links, wie sie jetzt ist, auf Dauer bleiben kann? – Manchmal allerdings glaube ich auch, die westliche Zivilisation könnte wirklich am Ende sein und die ganze Welt wird zu einer Art Brasilien (mit Reservaten für den Rest „weißer“ Europäer) und wir in der „Counterdjihadszene“ sind so eine Art Fossil, dessen Zeit abläuft. (na ja, s. Fjordman)

    Na, das ist nicht gerade ein stringentes Strategiepaper geworden!

    Übrigens: TC schreibt heute auf seinem Blog seinen voraussichtlich letzten Beitrag
    mit einer – vagen – Information über Eisvogel.

  • @BeforeDawn:

    Bei allem Respekt vor TC, aber der genannte Beitrag

    http://transatlanticconservative.blogspot.com/2008/11/die-zeit-fuer-virtuelle-stammtische-ist.html

    ist mir zu schwarzseherisch. Mit einer Frage trifft er allerdings den Nagel auf den Kopf: wenn es täglich 20000 PI-Leser gibt, wieso fahren gerade einmal hundert Leute nach Köln zum Anti-Islam-Kongress?

    Meine Vermutung lautet: Es fehlt an Strategie und Organisation. Ich werde in ein paar Tagen, angeregt auch durch Deinen Kommentar, Überlegungen zu diesem Thema veröffentlichen.

    (Vorher muss ich aber noch Tom Segev zerpflücken. Wahrscheinlich morgen.)

  • Mein Text
    http://beer7.wordpress.com/2008/11/09/gestern-in-der-synagoge/
    ist auch ein bisschen als Antwort gemeint.

    Ich habe nicht den Eindruck, dass man sich darauf verlassen kann, dass „Demokratie, Liberalität, Toleranz dabei als konstitutive Merkmale des Eigenen gleichsam en passant mitverteidigt werden;“

    In Deutschland stellt sich auch die Frage, ob Demokratie, Liberalitaet und Toleranz ueberhaupt als Merkmale des Eigenen (konstitutiv oder nicht einmal das) verstanden werden…

  • Auf Dein Zerpfluecken von Tom Segev (welches Buch?) freue ich mich schon.

  • @ beer7:

    Bitte sehr: Schon geschehen. Ich hoffe, Du bist nicht enttäuscht, dass ich mit Segevs Buch ziemlich kurzen Prozess gemacht habe (statt es ausführlich und genüsslich auseinanderzunehmen), aber ich wollte diesem Mist einfach nicht noch mehr Aufmerksamkeit widmen.

  • „In Deutschland stellt sich auch die Frage, ob Demokratie, Liberalitaet und Toleranz ueberhaupt als Merkmale des Eigenen (konstitutiv oder nicht einmal das) verstanden werden…“

    Doch, ich denke schon, und ein Text wie der von Dir verlinkte von Lion Edler ist für mich auch kein Grund, das in Zweifel zu ziehen. Zur Demokratie gehört schon auch, dass eine Polemik mal sprachlich verunglücken darf. Entschuldige bitte, dass ich angesichts der vorgerückten Stunde heute nicht ausführlicher werde.

  • Manfred,

    Du selbst hast doch sehr ausfuehrlich und plausibel erarbeitet, dass der Nationalsozialismus ein deutsches, nationales Projekt war. Dass diese Ideologie sich deutlich gegen westliche Werte wandte, liegt auch auf der Hand. In Deutschland gibt es also eine anti-westliche, anti-moderne Tradition, an die ebenfalls angeknuepft werden kann, wenn das „Eigene“ verteidigt wird.

  • Ja, die gibt es, wobei antiwestliches meist mit antisemitischem Gedankengut einhergeht. In einem Blatt wie der Jungen Freiheit ist eine solche Gesinnung zu besichtigen. Trotzdem gibt es meiner Ansicht nach auch im rechtskonservativen Spektrum niemanden, der ernsthaft auf die Demokratie und die bürgerlichen Freiheitsrechte verzichten möchte.

  • Manfred,

    da ist dann die Frage wie Du rechtskonservativ von _____ (Bezeichnung Deiner Wahl) absetzen willst. Die Wortwahl von Lion Edler nennst Du eine entgleiste Polemik. Ich habe gerade ein bisschen nach dem Autor gegoogelt und der ist gerade mal 21 Jahre jung. Mag sein, dass Du Recht hast, wenn Du von einer Entgleisung sprichst. Aber wie ordnest Du PI insgesamt ein? Oder auch Vlaams Belang?

  • Der Verzicht der Islamkritiker auf eine eindeutige parteipolitische Ausrichtung wäre ein guter Ansatz (ein Ansatz von vielen möglichen!), um jenseits des „virtuellen Stammtisches“ politisch etwas zu bewegen.

    Wie wir in Hessen sehen, gibt es ja überall im Lande noch eine kleine, aber wirkungsvolle Schar von Aufrechten, für die Demokratie nicht nur auf dem Papier steht.

    Aus diesem Grunde bin ich persönlich auch nie der große Freund von ProKöln gewesen, da ich mit meiner Wählerstimme nicht noch eine weitere Protestpartei an die steuerfinanzierten Fleischtöpfe bringen möchte.

    Islamkritik kann jedoch politisch wirken, wenn ihre Aufklärung überall ankommt, ob bei linken, rechten oder sonstigen Parteien, aber auch beispielsweise bei den Kirchen und anderen großen Verbänden.

    Letztendlich ist es leider eine Tatsache, daß man an der Macht der linksausgerichteten Medien nur schwer vorbeikommt. Aber man kann durchaus geschickt spielen – schneller als die Politcorrecten Betonköpfe denken Freigeister allemal.

  • @ beer7:

    Ich fürchte, wir alle haben die Unsitten der Political Correctness schon so weit verinnerlicht, dass wir ganz vergessen haben, dass Toleranz der selbstverständliche Normalfall sein sollte, Intoleranz der begründungsbedürftige Ausnahmefall. Solange ich nicht den Eindruck habe, dass zum Beispiel PI sich für undemokratische, illiberale und totalitäre politische Ideologien und Ordnungsprinzipien einsetzt (dort verläuft für mich die Grenze nach rechts), sehe ich keinen Grund, mich davon zu distanzieren. Das bedeutet selbstverständlich nicht, dass ich alles richtig finde, was dort veröffentlicht wird, wohl aber, dass es für mich im Bereich des Tolerierbaren liegt. (Erst recht, wenn es um die Polemiken eines 21jährigen geht. Wenn er in vergleichbarem Stil für Attac polemisiert hätte, hätte schließlich auch niemand ein Problem damit gehabt.)

    Was Vlaams Belang angeht, so weiß ich schlicht und einfach zu wenig darüber, um mir ein Urteil zu bilden. Da ich mich auf die Primitiv-Etiketten der etablierten Medien nicht mehr verlassen will, müsste ich selbst recherchieren. Bei ProDeutschland, so etwas wie der Mutterorganisation von ProKöln, habe ich das getan. Die stehen deutlich weiter rechts als ich, aber ich kann nicht erkennen, dass sie eine antidemokratische Ideologie vertreten würden.

    Bedenke bitte eines: Wenn ich will, dass meine eigene Auffassung Mainstream wird, und das will ich ja, dann muss schon aus Gründen der statistischen Normalverteilung rechts von mir noch ein wenig Platz sein; jedenfalls würde ich ein Eigentor schießen, wenn ich mich auf den Standpunkt stellte: Rechts von mir ist nur noch Wüste.

    Und noch etwas: Konservative (wie auch Linke) hatten und haben überall und zu allen Zeiten eine gewisse Familienähnlichkeit: Überall geht es um Traditionsbewusstsein, Recht und Ordnung, Patriotismus etc.

    Da aber die Traditionen und Vaterländer verschieden sind, fühlt sich Konservatismus von Land zu Land verschieden an: In Frankreich ist er anders als in Amerika, dort anders als in Israel, dort anders als in England, dort anders als eben in Deutschland. Die jeweils nationalen und konfessionsspezifischen Traditionen spielen bei Konservativen naturgemäß eine größere Rolle als bei Linken.

    Wenn man es so betrachtet, wird man dem deutschen Konservatismus zugestehen müssen, sich seit 1945 gewaltig bewegt zu haben. In der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts hätte wohl kaum jemand vorherzusagen gewagt, dass die liberale Demokratie einmal die dominierende Option des deutschen Konservatismus sein würde. So etwas wie eine Harzburger Front wäre heute schlicht und einfach undenkbar, überhaupt Systemopposition gegen die Demokratie (nochmal: Genau hier verläuft die Grenze zum Rechtsextremismus, etwa zur NPD). Konservatismus gibt es hierzulande in verschiedenen Spielarten, und der traditionell deutschnational-antiwestliche ist nur eine davon. Dass mit diesem auch problematisches Traditionsgut transportiert wird – geschenkt.

    Nur halte ich (sofern es nicht direkt um antisemitische Positionen geht) mehr davon, solche Dinge kritisch zu diskutieren (was aber voraussetzt, dass man sie überhaupt als diskutabel akzeptiert) als sich auf den Standpunkt zu stellen: Mit diesen und jenen Schmuddelkindern spiele ich nicht.

  • @ Apokryphe:

    Ich stimme Dir zu, dass Islamkritik nicht das ausschließliche Thema bloß einer Partei sein sollte. Ich bin aber durchaus der Meinung, dass eine gewissermaßen spezialisierte Partei geeignet wäre, das Thema zu lancieren, ungefähr so, wie die Grünen das Ökologiethema durchgesetzt haben. Auch die Linkspartei führt uns zur Zeit vor, wie man ein Thema (in ihrem Fall das Sozialthema) von einer Flügelposition aus durchsetzen und damit das gesamte politische Koordinatiensystem verschieben kann.

  • Manfred,

    „Wenn er in vergleichbarem Stil für Attac polemisiert hätte, hätte schließlich auch niemand ein Problem damit gehabt.“

    Ich schon und Du auch. Warum sollten wir rechts einen Stil gut heissen, und sei es durch schweigende Billigung, den wir links nicht billigen koennen?

    Findest Du nicht, dass Deine Verwendung des Wortes „Toleranz“ oben sehr fragwuerdig ist? Du scheinst als Toleranz einfordern zu wollen, dass etwas nicht kritisiert werden darf. Wenn ich Lion Edlers Sprache als Zivilisationsbruch bezeichne, bin ich damit immer noch „toleranter“ (nach Deiner Sprachverwendung) als er, der Obamawaehler als entartet und geisteskrank bezeichnet.

    In welcher Weise willst Du denn diskutieren, ob eventuell politische Gegner entartet und geisteskrank sein koennten?

  • @Manfred:
    Da hast Du auch wieder Recht.
    Es wäre sicher gut, wenn die Pro-Parteien den bürgerlichen Parteien etwas Feuer unter dem Hintern machen könnten, ähnlich wie es die LINKE gegenüber der SPD tut.

    Ich drück den Pro’s alle Daumen, daß sie Erfolg haben. Persönlich habe ich jedoch andere, eher linksliberale Ansichten und Ideale, aber egal:
    Der gemeinsame Nenner ist doch die Ablehnung jeder Form des Totalitarismus.

    Über diesen kleinsten gemeinsamen Nenner könnte man vielleicht doch noch das Schlimmste in den nächsten Jahren verhindern… hoffentlich.

  • „Du scheinst als Toleranz einfordern zu wollen, dass etwas nicht kritisiert werden darf.“ – Ich fordere als Toleranz ein, dass auch mal dummes Zeug geschrieben werden darf, ohne dass gleich der Untergang der Demokratie an die Wand gemalt wird. Das Wort „Zivilisationsbruch“, das normalerweise auf die Naziherrschaft und den Holocaust angewendet wird, auf den schlechten Aufsatz eines jungen Hüpfers zu beziehen, ist jedenfalls maßlos überzogen und keinen Deut toleranter als die Diffamierung von Obamawählern.

  • Wenn ich Edlers Ausfaelle als Zivilisationsbruch bezeichne, male ich damit nicht das Ende der Demokratie an die Wand. Die ist doch ein bisschen stabiler.

    Fjordman, der ja tatsaechlich und teilweise woertlich den Untergang Europas an die Wand malt, uebernimmt Deiner Meinung nach (die ich ein Stueck weit teile) eine wichtige Warnfunktion.

    Dein Kriterium fuer Toleranz ist demnach nicht sehr genau
    Scharge, ueberzogene Kritik ist als Intoleranz zu bezeichnen, wenn sie Deinen politischen Ueberzeugungen nicht entspricht. Andernfalls ist sie ein wichtiges polemisches Instrument, um auf Misstaende in der Gesellschaft hinzuweisen.

  • @Beer7:

    „Wenn ich Edlers Ausfaelle als Zivilisationsbruch bezeichne, male ich damit nicht das Ende der Demokratie an die Wand“ – Du stellst das Verfassen eines Aufsatzes auf eine Stufe mit der Errichtung einer Nazi-Diktatur.

    „Fjordman, der ja tatsaechlich und teilweise woertlich den Untergang Europas an die Wand malt, uebernimmt Deiner Meinung nach (die ich ein Stueck weit teile) eine wichtige Warnfunktion.“ – Ich kann mich nicht erinnern, Fjordman eine „Warnfunktion“ zugesprochen zu haben. Viele seiner Auffassungen teile ich, einige teile ich nicht, halte sie aber trotzdem für bedenkenswert und diskutabel. Der Aufsatz von Edler hat damit überhaupt nichts zu tun, der ist einfach schlecht.

    Trotzdem bin ich nicht verpflichtet, mich von allem zu distanzieren, was ich schlecht finde. Das Recht auf Meinungsfreiheit umfasst auch die Freiheit, meine Meinung für mich zu behalten. Ich halte nichts von diesem Distanzierungswahnsinn. Distanzierst Du Dich täglich von Avigdor Liebermann? Oder von der Siedlerbewegung? Oder vom Likud, dessen Gründung immerhin auf eine illustre Schar alter Terroristen zurückgeht? Nein? Dann verlange Vergleichbares auch nicht von mir!

    „Dein Kriterium fuer Toleranz ist demnach nicht sehr genau
    Scharfe, ueberzogene Kritik ist als Intoleranz zu bezeichnen, wenn sie Deinen politischen Ueberzeugungen nicht entspricht. Andernfalls ist sie ein wichtiges polemisches Instrument, um auf Misstaende in der Gesellschaft hinzuweisen.“ – Du strapazierst ganz gewaltig meine Geduld.

    Erstens entspricht der Aufsatz von Edler in überhaupt keiner Weise meinen Überzeugungen, demgemäß ist er auch kein wichtiges Instrument, „auf Misstände hinzuweisen“.

    Zweitens habe ich sehr deutlich gemacht, wo für mich die Grenze des Tolerierbaren verläuft, nämlich dort, wo die freiheitliche Demokratie als solche untergraben wird.

    Drittens habe ich mit keinem Wort behauptet, Kritik sei schon dann und schon deshalb Ausdruck von Intoleranz, wenn oder weil sie scharf oder überzogen ist. Sie ist es vielmehr dann, wenn sie darauf abhebt, diese oder jene Äußerung DÜRFE nicht getan werden (darauf läuft der Ausdruck „Zivilisationsbruch“ nämlich hinaus).

    Viertens ist es weder ein faires Verfahren noch eine seriöse Analyse, aufgrund eines einzigen Aufsatzes in PI der gesamten konservativen Islamkritik die demokratische Grundierung abzusprechen („Ich habe nicht den Eindruck, dass man sich darauf verlassen kann, dass ‚Demokratie, Liberalität, Toleranz dabei als konstitutive Merkmale des Eigenen gleichsam en passant mitverteidigt werden‘; In Deutschland stellt sich auch die Frage, ob Demokratie, Liberalitaet und Toleranz ueberhaupt als Merkmale des Eigenen (konstitutiv oder nicht einmal das) verstanden werden…“)

    Und fünftens: Wenn ich die Meinung von Leuten toleriere, die sich – als Deutsche – selber „antideutsch“ nennen, also eine Position vertreten, die meiner eigenen ins Gesicht schlägt, und die gleichsam nur zufällig nicht zur Zerstörung des eigenen Gemeinwesens führt, und wenn ich normalerweise darauf verzichte, mich von deren Positionen ausdrücklich zu distanzieren (wie gesagt: Ich halte nichts von diesem Distanzierungsirrwitz!), dann kann es nicht verwerflich sein, wenn ich mit rechtskonservativen und deutschnationalen Positionen genauso verfahre. Wer wissen will, was ich denke, kann es in diesem Blog nachlesen. Ich werde aber nicht über irgendwelche Stöckchen springen, die man mir hinhält.

  • @Manfred
    @Beer

    … wir könnten ja mal den Papst fragen, ob er Hannah Arendt die Heiligsprechung erteilt….

    ich weiß, das ist ein böser Scherz ….

  • Manfred,

    offensichtlich gelingt es mir nicht, in angemessener Weise zu formulieren. Ich will Dich keineswegs aergern und auch keine Erbsen spalten.

    Du bist nicht ganz redlich, wo Du mir unterstellst, ich haette das Verfassen eines Aufsatz mit der Errichtung der Nazidiktatur gleichgestellt.

    Meine originale Formulierung lautet: http://beer7.wordpress.com/2008/11/09/gestern-in-der-synagoge/

    „Wer solches von sich gibt, hat die Zivilisation, die er zu verteidigen vorgibt, laengst verlassen.“

    Das ist eindeutig auf die Person bezogen. Allenfalls unterstelle ich Lion Edler, dass er in Nazibegriffen denkt.

    Dann habe ich als Abkuerzung meine Aeusserung zum „Zivilisationsbruch“ verkuerzt und Dir damit in die Hand gespielt, als Du umgehend Zivilisationsbruch und Naziherrschaft gleich gesetzt hast.

    Ich verlange von Dir keinerlei Distanzierungen. Was mich irritiert ist, dass Du offensichtlich nicht bereit bist, meine Distanzierungen zu akzeptieren.

    Mir scheint, dass Du bereits analog zur „Antisemitismuskeule“, die „political correct“ Keule eingefuehrt hast. Wo immer ich Erwartungen hier in Deinem Blog nicht entspreche, wird mir gesagt, dass ich durch PC und ihren Denkverboten gepraegt sei.

    Wenn Du ohne Aerger reagierst, wirst Du mir sicher beistimmen, dass es gute Manieren und Anstand auch unabhaengig von PC gab, gibt und geben sollte. Die sind wichtiger Bestandteil der Zivilisation und wer sich ueberhaupt nicht an sie gebunden fuehlt, sollte wirklich nicht versuchen, die Zivilisation zu verteidigen…

    Ich unterstelle keineswegs, dass die gesamte konservative Islamkritik keine demokratische Grundierung habe. Ganz im Gegenteil gehe ich davon aus, dass der allergroesste Teil dieser Stroemung sicher in der Demokratie verankert ist.

    Ich fuerchte nur, dass wir uns nicht auf das Ettikett „konservativ“ verlassen koennen. Ettikettenschwindel durch nicht-demokratische Gruppierungen und Unterwanderung von demokratischen Gruppen durch Individueen ohne die demokratische Grundierung finden mit Sicherheit statt.

    Wir (und damit identifiziere ich mich mit dem Kollektiv „konservative Islamkritik“, das Du in Gegensatz zu meiner Haltung siehst) muessen daher genau hinsehen, wer auch in unserem Namen sprechen will und wie. Es ist naheliegend, dass niemand sich von Positionen distanzieren muss, die offensichtlich weit von den eigenen entfernt sind, wie Du von den Antideutschen. Aber wo die Positionen aehnlich sind und/oder verwechselt werden koenenn, ist das manchmal noetig.

    In meinem Text „Gestern in der Synagoge“ stelle ich ja zuerst dar, wie aehnlich meine Einschaetzung ist, um mich dann vom Duktus bei Lion Edler zu distanzieren.

    Ist es mir jetzt gelungen, meine Haltung deutlich zu machen? Manfred, wir haben so viel gemeinsam, dass ich ueberrascht bin, wie schnell Du mir diametral entgegengesetzte Positionen unterstellst.

  • Und hier noch ein schoener Link als Zuckerl:

    http://www.mpacuk.org/content/view/5078/103/

    Wie das Muslim Public Affairs Committe in England festhaelt, hat der Counterjihad bereits gewonnen!

  • @ Beer7,

    ich bitte für den gereizten Stil meiner letzten Kommentare um Verzeihung; wahrscheinlich habe ich wirklich Einiges in den falschen Hals bekommen. Ich habe in der Tat den sachlichen Zusammenhang zwischen dem Wort „Zivilisationsbruch“ und Deinem Artikel übersehen.

    Andererseits wolltest Du Deinen Artikel explizit als Antwort auf meinen verstanden wissen, und fragtest Du mich im Zusammenhang mit Edlers Aufsatz ausdrücklich, wie ich PI und Vlaams Belang einschätze. Es war nahezu unvermeidlich, dies als Aufforderung zur Distanzierung zu verstehen.

    [Um die Frage nach meiner Einschätzung von PI nun doch zu beantworten, zitiere ich meine Anmerkung in meiner Delicious-Linksammlung:

    „Politically Incorrect: Das Flaggschiff, man könnte auch sagen: das Flakschiff, der Islamkritik in Deutschland mit rund zwanzigtausend Zugriffen täglich. Bringt Informationen, die in den Medien sonst allenfalls am Rande auftauchen, speziell natürlich zum Themenkreis Islam. PI ist eine Fundgrube an „politisch unkorrekter“ Information. Die Qualität der Beiträge ist schwankend: Viele sind ganz hervorragend, manche könnte man auch ohne großen Informationsverlust weglassen. Die Informationen sind meistens, aber nicht immer zuverlässig. Wer sie nutzen und weiterverbreiten möchte, sollte sie vorsichtshalber nachprüfen. Berüchtigt ist der Kommentarstrang von PI. Auch dort finden sich bisweilen hochinteressante und fundierte Kommentare; die meisten scheinen allerdings mehr von zornigen Bürgern zu stammen, die einmal Dampf ablassen möchten. „]

    Es stimmt schon, dass nicht überall, wo „konservativ“ draufsteht, auch „konservativ“ drin ist. Und es stimmt auch, dass mancher Dreck mitgeschwemmt wird, wenn man die Filter abschaltet. Nur halte ich den Schaden, der dadurch angerichtet wird, für wesentlich geringer als den, den die Filter selber anrichten. Man führt dann unter Umständen endlose Diskussionen darüber, welcher Filter der richtige ist; ob man also dies noch tolerieren kann und jenes nicht mehr. Wenn man sich darauf erst einmal einlässt, kann die Gegenseite einen vor sich hertreiben. (Was der Grund dafür ist, dass ich solchen Gretchenfragen wie „Wie hältst Du’s mit PI/Vlaams Belang?“ a priori und selbst dann die Legitimität absprechen muss, wenn sie NICHT von der Gegenseite kommen.)

    Ich halte deshalb mehr davon, die Filter abzuschalten und das, was man für falsch hält (und zugleich für wichtig genug, einer Kritik würdig zu sein) nachträglich zu kritisieren – OHNE aber in sektiererische Attitüden zu verfallen. Ich muss nicht jeden einzelnen PI-Artikel gut finden (und schon gar nicht jeden Kommentar), um zu sehen und zu würdigen, wie zentral gerade PI ist, wenn es darum geht, Informationen zu sammeln und zu verbreiten, die sonst einfach untergehen würden.

    Die Gefahr einer Unterwanderung sehe ich schon deshalb nicht, weil die Blogosphäre anarchisch ist – letztlich spricht jeder für sich selbst. Zweitens ist die Demokratie, die Idee der persönlichen Freiheitsrechte und der Rechtsstaatlichkeit im konservativen, auch rechtskonservativen Spektrum zu fest verankert, um von ein paar Irrläufern aus den Angeln gehoben zu werden. Das ist nicht die einzige Facette des Konservatismus in Deutschland, aber doch eine, an der niemand vorbeikommt.

    Wirkliche Nazis werden in diesem Milieu nicht Fuß fassen können, weil drittens die Ablehnung von Antisemitismus und die Unterstützung Israels für solche Leute wie eine unüberwindliche Hürde wirkt. Sicherlich sollte man immer auch ein Auge auf den rechten Rand der Szene werfen, aber ich glaube, wir können es uns leisten, Entgleisungen mit Schweigen zu übergehen. Schweigen ist, anders als Du oben meintest, keine Billigung; und ich bitte mir auch aus, dass es nicht als solche interpretiert wird.

    Ach ja: und danke für den Link!

  • Ich habe den Artikel jetzt gelesen. Klang für mich erst einmal sehr angenehm.

    Die Gefahr ist nur die, dass man am Ende wirklich so denkt wie in dem bekannten Witz der New Yorker Jude, der im Central Park auf der Bank sitzt, „Mein Kampf“ liest und neben sich stapelweise Broschüren vom Ku-Klux-Klan, der White Aryan Nation usw. liegen hat. Ein Freund, der vorbeikommt, macht ihm Vorwürfe, weil er solches Zeug liest. Darauf er: „Warum nicht? Wenn ich UNSERE Zeitungen lese, steht überall etwas von Neonazis und Antisemitismus und dass der nächste Holocaust vor der Tür steht. HIER aber steht drin: Uns gehört die Presse, uns gehören die Banken, uns gehört die Welt. Wenn ich so etwas lese: Dann geht’s mir gut!“

  • Manfred,

    ich bin froh, dass wir uns verstanden haben. Vielleicht haben die unterschiedlichen geographischen Standorte mit unseren verschiedenen Ansaetzen zu tun.

    Du denkst politisch innerhalb Deutschlands, waehrend ich von Israel aus beobachte, was in Deutschland passiert. Mit Deiner Blogarbeit verfolgst Du konkrete Ziele, vor allem Aufklaerung ueber den Islam und den Islamismus. Ich unterstuetze das Ziel, schreibe aber in erster Linie aber aus einer anderen Perspektive. Ich werde meine Filter also nicht abschalten, habe aber kein Problem damit, wenn Du es anders haelst.

    Meine Fragen zu PI und Vlaams Belang waren echte Fragen. Ich habe mir noch keine endgueltige Meinung gebildet.

    Es tobt ja ein ziemlicher Krieg zwischen verschiedenen Blogs dazu, wie v.a. Vlaams Belang einzuschaetzen ist. Vlaams Belang ist kein Blog, sondern eine Partei mit wachsender Tendenz. Gestern hat der Parteivorsitzender in Ha’aretz dafuer plaediert, nicht in die Antisemitenecke gestellt zu werden http://www.haaretz.com/hasen/spages/1035722.html, heute lese ich bei Little Green Footballs http://littlegreenfootballs.com/article/31893_Vlaams_Belang_Disinvited_from_Jerusalem_Anti-Jihad_Conference, dass Vlaams Belang bei der Anti-Jihad Konferenz in Jerusalem haette teilnehmen sollen, aber ausgeladen wurde.

    Israelische Anerkennung in der einen oder anderen Weise wird offensichtlich von Vlaams Belang als eine Art Freispruch oder Persilschein verstanden und Israel scheint deswegen vorsichtig zu sein, wie es mit dieser und aehnlichen Gruppierungen umgeht. Nun bin ich natuerlich nicht Israel, sondern nur eine kleine, israelische Bloggerin, aber aehnliche Bedenken habe ich auch.

  • @Manfred:
    Schreib doch mal welche Fjordman-Aussagen Du teilst und welcher nicht. Ich selbst teile vglw. wenige seiner Auffassungen, zumindest seiner originelleren, und fühle mich explizit nicht unterstützt durch seine Meinungsmengen, die gerade auch i.p. Volksaufklärung untauglich erscheinen. Sektentum muss ich da feststellen und den szenetypischen Leidensdruck. Beste Grüße!

  • @drbuffo:

    Ich teile Fjordmans Ablehnung des Islam und jeglicher Islamisierung. Ich bin wie er der Meinung, dass Islam und Demokratie unvereinbar sind und der Islam deshalb in demokratischen Ländern ebensowenig Anspruch auf Toleranz hat wie Scientology.

    Ich teile seine Auffassung, dass der Islam ein Djihad- und Gewaltsystem ist, das auf die Zerstörung nichtislamischer Gesellschaften abzielt.

    Ich teile die Auffassung, dass Political Correctness eine Ideologie ist, die die systematische Bevorzugung des Fremden gegenüber dem Eigenen propagiert und zur Zerstörung jeder Gesellschaft führen muss, die sie als Leitideologie akzeptiert.

    Ich teile seine Auffassung, dass für diese Ideologie die politische Linke verantwortlich ist und dass sie die Auslieferung Europas an den Islam zur Folge haben muss, wenn sich nichts ändert.

    Ich teile seine Auffassung, dass die westliche Zivilisation jeder anderen überlegen ist, und zwar in jeder, auch moralischer, auch humanitärer Hinsicht. Ich teile seinen Willen, diese Zivilisation zu verteidigen. Ich bin wie er der Auffassung, dass es einen notwendigen inneren Zusammenhang zwischen Nationalstaat und Demokratie gibt.

    Und diese Aufzählung der Gemeinsamkeiten ist keineswegs vollständig. Ich wundere mich nur, dass man diesen Blog lesen und dabei diese Gemeinsamkeiten übersehen kann.

    Die Unterschiede beziehen sich im wesentlichen auf vier Punkte:

    Erstens halte ich die EU nicht für eine Verschwörung (was aber an ihrem Mangel an Transparenz und innerer Demokratie nichts ändert).

    Zweitens pflege ich einen anderen Argumentationsstil, indem ich mir die Mühe mache, offensichtlich wahre Aussagen (dass der Islam ein Gewaltsystem ist, dass Patriotismus etas Gutes ist usw.) mit sozialwissenschaftlicher Sorgfalt zu beweisen.

    Das hat den Vorteil, dass ich mit meinen Argumenten auch Liberale erreiche, aber den Nachteil, dass ich implizit ein Regel-Ausnahme-Verhältnis anerkenne, wonach PC die Regel, meine eigene Auffassung aber eine begründungsbedürftige Ausnahme darstellt. Fjordmans Konzept ist, sich über die PC einfach hinwegzusetzen. Seine Argumente fangen daher gewissermaßen dort an, wo meine aufhören.

    Drittens schreibt er auf Englisch. Das klingt banal, hat aber zur Konsequenz, dass er Ausdrücke und Denkfiguren benutzt, die im Deutschen verseucht sind, im Englischen aber nicht. Das Wort „Race“ zum Beispiel klingt im Englischen auch dort harmlos, wo es für „Abstammung“ steht. Die deutsche Entsprechung „Rasse“ ist verseucht und klingt deshalb befremdlicher, als es der Sache nach notwendig wäre. Ich selber vermeide Missverständnisse, indem ich von „identitätsstiftenden Fiktionen“ und Ähnlichem spreche, mich also in Soziologenlatein artikuliere. Die Frage ist nur, wie lange wir uns noch von Hitler unsere Sprache stehlen lassen wollen.

    Viertens bin ich optimistischer als er. Ich bin der Meinung, dass wir gegenüber dem Islam (noch) am längeren Hebel sitzen, dass wir es also noch in der Hand haben, den Niedergang und die Islamisierung aus eigener Kraft aufzuhalten, während er daran ernsthafte Zeifel zu haben scheint.

  • @ Beer7:

    ich verstehe und akzeptiere diese Bedenken, und ich glaube auch, dass vieles eine Frage der Perspektive ist. Viele Europäer, die in Frieden und Sicherheit leben, können sich nicht in die Lage eines Landes wie Israel hineinversetzen, das existenziell bedroht ist. Umgekehrt kann ich mir lebhaft vorstellen, dass deutsche und europäische Kopftuch- und Moscheedebatten auf Israelis (die von Selbstmordattentätern und iranischen Atombomben bedroht sind) einigermaßen skurril wirken müssen. Man sollte nur bedenken, dass die Sicherheit Israels nicht zuletzt davon abhängt, dass Europa (trotz seines ständigen Gemäkels) die muslimische Boykottpolitik unterläuft und als sicheres Hinterland zur Verfügung steht. Eine fortschreitende Islamisierung würde dem den Boden entziehen. Die Gefahr, dass man eines Tages eine proisraelische Position in einem islamisierten Europa nicht mehr öffentlich vertreten kann, ist durchaus real.

  • In der Hochzeit der sog. 2. Intifada („Massaker von Jenin“ 2003) war Europa doch schon so weit, dass pro-israelische Positionen nicht mehr oeffentlich vertreten werden konnten. Allerdings wuerde ich keiner Islamisierung die Schuld geben, sondern einer indigenen, europaeischen Gefuehlslage, die sich Erleichterung davon verspricht, wenn Israel als Aggressor (moeglichst im Nazistil) gesehen wird.

    Natuerlich sehe ich auch die Gefahr, wenn diese europaeischen Beduerfnisse mit dem gekraenkten Narzissmus der muslimischen Welt verschmelzen. Allerdings scheinen die europaeischen Demokraten und/oder Demokratien doch allmaehlich aufzuwachen. Ich hatte vor anderthalb Jahren das erste Mal den Eindruck, dass der Wind sich dreht. http://beer7.wordpress.com/2007/05/10/ich-bin-zurueck/

  • Nabenbei: Der PC ein Konzept entgegen zu setzen, das man „politisch inkorrekt“ nennen kann, ist falsch. PI bspw. hat zwar einen griffigen Namen, ist aber mit diesem auf dem falschen Dampfer.
    Bzgl. des Islams bin ich gar nicht so pessimistisch, die Evolution wird es schon richten, ärgerlich aber in der Tat, dass die Säkularisierung anscheinend aus Sicht einiger bei uns stattzufinden hat. Mit klar erkennbaren schwerwiegenden Folgen.
    Der leider festzustellende Leidensdruck (nicht bei Dir :) ) in der „Islamkritikerszene“ ist übrigens sehr schlecht.

  • @ Beer7:

    Ich stimme Dir zu, und ich glaube auch, dass der Wind sich zugunsten Israels dreht. Ich glaube allerdings auch, dass man etwas dafür tun muss, dass diese Tendenz sich verfestigt. Bei fortschreitender Islamisierung kann sie jedenfalls schnell in sich zusammenbrechen.

    Ich bin sicher, dass die Gegenseite sehr genau weiß, wie man antisemitische Denkfiguren in den Köpfen europäischer Medienkonsumenten mobilisiert, und ihre Propaganda ganz bewusst darauf abstimmt.

  • @ drbuffo:

    PC ist eine nahezu geschlossene Ideologie sui generis, die neueste Version linkstotalitären Denkens. Es gibt verschiedene Ansätze, dagegen vorzugehen, und ich glaube nicht, dass meine eigene Methode – vornehme Ideologiekritik – die wirksamste ist. Es ist allenfalls diejenige, die man am schwersten verleumden kann.

    Ich werde mich aber nicht dazu breitschlagen lassen, meinerseits Diejenigen zu verleumden, die es vorziehen, gegen all diesen politisch korrekten Dreck den Frontalangriff zu reiten. Political Correctness schafft es, eine ganze Welt von Lüge und Dummheit in ein einziges Wort zu packen. Wenn man dann zur Widerlegung jedesmal zwanzig oder dreißig Seiten schreiben wollte (was ich ja gerne tue), spielt man das Hase-Igel-Spiel; und zwar als Hase.

    Und was den von Dir zum x-ten Male erwähnten „Leidensdruck“ angeht, so halte ich es für hochgradig sinnvoll, den nicht in sich hineinzufressen, sondern ihn JETZT zum Ausdruck zu bringen, wo man noch die Mittel hat, etwas gegen die Ursachen zu unternehmen. Man hat dann eventuell noch die Chance nicht eines Tages jener Sorte von „Leidensdruck“ ausgesetzt zu sein, unter dem ägyptische, iranische oder algerische Intellektuelle – sofern sie keine Islamisten sind – so lange leiden, bis ein Schnitt durch ihre Kehle diesem Leiden ein Ende macht!

  • Ich habe PI auch nicht verleumdet, sondern nur eine Feststelluing getroffen. „Leidensdruck“ wird von mir auf metaphorischer Ebene genutzt, im Sinne von subjektiv empfundenen Leiden, das aber nicht oder in gerigerem Ausmass als gefühlt, vorhanden ist.
    Diese Art von Leidensdruck ist bspw. im (deutschen) Arbeitsleben oft festzustellen, MAs, die innerlich gekündigt haben und sich in dilbertschem Destruktivismus ergehen _statt_ etwas zu tun und bspw. den Job zu kündigen.
    Etwas zu tun ist also sinnvoll, aber bitte sehr etwas Sinnvolles und zudem immer berücksichtigen, dass die Nachricht auch Abnehmer finden soll; dem wirken Gejammer und eine spezielle subjektive Erfassung der Realität entgegen. So verkauft man nix.
    Vielen Dank für Deine Geduld, lieber Manfred, weiterhin viel Erfolg!
    Ich lass Dich erst mal wieder in Ruhe. :–)

  • Mir hat dieser Artikel sehr gut gefallen, ich bin schon seit langem der Meinung, dass man die Unterschiede zwischen links und rechts vergessen und gemeinsam gegen die Bedrohung durch den Islam vorgehen soll.

    Ich selbst stamme eher aus dem linken Spektrum, deswegen ärgert es mich auch so masslos, dass es so viele Linke gibt, die den Anti-Islamismus ablehnen, ihn sogar als rassistisch ansehen. So ein Schwachsinn! Die Ablehnung einer nazistischen Religionsideologie, die zudem noch zutiefst antisemitisch ist, hat nun wirklich nicht das geringste mit Rassismus zu tun.

    Aber mach den Schwachköpfen das mal klar.

  • offiziell bedeutet “Links sein” das Eintreten für Emanzipation, Aufklärung, Toleranz, Demokratie, Gerechtigkeit.

    kommt diese ewig wiederholte Zuordnung links/rechts nicht aus dem 19. Jahrhundert (wobei in der Paulskirche links nicht Sozialisten, sondern Radikalliberale saßen …)? Hat sie im 21. Jahrhundert, in denen es Rechtsstaat, Grundgesetz, etc. gibt, überhaupt noch Sinn?

    Wenn wir mal Pro Köln und andere bräunliche Vereinigungen mal dezidiert außen vorlassen – sollte man so weit es geht nicht eine spezifisch linke Islamkritik, mit meist hintergründigen ideologischen Motiven, einer liberal(-konservativen) vorziehen?

  • @ ts:

    Ich halte die Links-Rechts-Unterscheidung keineswegs für überholt, ich halte es vielmehr für bezeichnend, dass sie nicht totzukriegen ist. Warum das so ist, darüber habe ich so meine Vermutungen:

    http://korrektheiten.wordpress.com/2007/08/15/whats-left-ii-linkes-und-konservatives-denken/

    Dort steht dann allerdings auch, warum ich spezifisch linke Ansätze heute nicht mehr für brauchbar halte, und warum die von Epistemology genannten Schwachköpfe so zahlreich sind.

    Was natürlich niemanden, dem freiheitliche und emanzipatorische Anliegen ernst sind, daran hindern sollte, diese (linken) Werte gegen den Islam ins Feld zu führen.

  • ja, sehr interessante Gedanken. Vielen Dank!

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