Non veni pacem mittere sed gladium. (Mt 10,34)
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Auf ein von Türken bewohntes Haus im baden-württembergischen Backnang ist ein Brandanschlag verübt worden. Im Hinterhof des Hauses fand die Polizei verkehrt herum gesprühte Hakenkreuze und die Parole: „Jetst alle sterben!“

Nun sind wir von unseren glatzköpfigen Volksgenossen ja einiges gewöhnt, sogar linksgedrehte Hakenkreuze. Aber die Parole „Jetst alle sterben!“ hat nie und nimmer ein Deutscher geschrieben.

Wir hatten uns schon beim Brand von Ludwigshafen gewundert, warum die Türken in Deutschland so verbissen darauf bestanden, es müsse ein Anschlag gewesen sein, obwohl das von Anfang an die unwahrscheinlichste aller denkbaren Möglichkeiten war. Danach gab es diesen merkwürdigen „Anschlag“ von Marburg. Und den von Sittensen. Wir mussten erleben, dass mittlerweile schon zu Zimmerbränden türkische Fernsehteams anrücken. Es gab eine Türkische Gemeinde Deutschland, die von „einer Reihe von Brandanschlägen“ fabulierte und daraus politische Forderungen ableitete.

Und nun also „Jetst alle sterben!“

Wir werden uns mit dem Gedanken vertraut machen müssen, dass es Leute gibt, die es darauf anlegen, die türkische Minderheit in Deutschland durch fingierte „Neonazi-Anschläge“ in Bürgerkriegsstimmung zu versetzen.

Hirngespinste?

Aus dem „Spiegel“ Nr. 08/2008, 18.02.2008, S. 49 – nach dem Brand von Ludwigshafen:

„Sollte es ein Anschlag gewesen sein“, sagt der Mann, „und alles spricht wohl dafür, dann wird es Hassausbrüche geben – ein Wunder wäre es nicht.“ Ein dünnes Lächeln, er legt den Kopf schief. „Nicht dass ich Gewalt gutheiße, aber …“ Er lässt den Satz ausklingen.

Der Mann ist Enver Bakirci, Rechtsanwalt, Lokalpolitiker der islamistischen Saadet-Partei. Früher, erzählt Bakirci, seien Ministerpräsident Erdogan und er Weggefährten gewesen, beide in der frommen Refah-Partei, Erdogan in Istanbul und er, Bakirci, in Gaziantep. Doch nachdem Ende der neunziger Jahre die Refah-Partei verboten wurde, gründete Erdogan die AKP und machte mit seinem europafreundlichen Kurs Karriere, und Bakirci trat der fundamentalistischeren Gruppierung bei – und er, Bakirci, sitzt heute noch in demselben Büro, Distriktvorsitzender für Karanfils Viertel, Wortführer der schweigenden Mehrheit, wie er sagt.

Bakirci ist das personifizierte Misstrauen, gegen die Aufklärer von Ludwigshafen, gegen Deutschland, gegen die Moderne. Erdogan will die Türkei nach Europa führen; doch Bakirci will die europäisierten Türken zurückholen. Und Vorfälle wie in Ludwigshafen kann er politisch nutzen – „weil sie die Dramatik verdeutlichen“.

Er sitzt in seinem kleinen, aufgeräumten Büro, zwischen hohen Bücherstapeln, ein Mann Ende 50, er pustet in die Hände, der Mantel fest zugeknöpft, die Heizung ist ausgefallen. Er kaut Rosinen und erklärt, warum Assimilierung und Globalisierung gefährlich seien: weil sie seine Landsleute überforderten, weil sie sie ihrer Religion und Identität entfremdeten. Und weil Europa in Wahrheit überhaupt nicht tolerant sei.

„Die westliche Zivilisation war nie fair, sie hat uns Muslime kolonialisiert, uns Türken zu Verlierern gemacht“, sagt er. „Aber wenn herauskommt, dass in Ludwigshafen Feinde des Islam am Werk waren – so wird ein einziger Funke genügen.“

Genügen? „Für ein Desaster!“

Und wenn es ein Unfall war?

„Dann wird es andere Anlässe geben, andere Funken.“ Er lächelt, geht an den Schrank, holt sich mehr Rosinen.

Aktuelle Literatur zum Thema „Islam“

Aktuelle Literatur zum Stichwort „Türkei“

Aktuelle Literatur zum Stichwort „Djihad“

8 Antworten auf Jetst alle sterben

  • Hallo zusammen!

    Ich lese hier schon etwas länger interessiert mit. Ihr Gedankendank war auch mein erster Eindruck!

    ‚Jetst‘ kommt es aber zu einer interessanten Wendung:

    ‚Jetst‘ könnte lt. der Polizei möglicherweise auch ‚Deutsche‘ darstellen.
    Wer sich selbst ein Bild von dem Geschmiere machen will, folgt dem Link.

    Soviel zum Thema Deutungshoheit.

  • Ich habe es mir angesehen – ja, das könnte auch „Deutsche alle sterben“ heißen. Wobei es in der Sache ja keinen Unterschied macht – in jedem Fall stammt ein solcher Satzbau nicht von jemandem, der Deutsch als Muttersprache spricht.

  • Ist denn gesichert, dass Graffiti und Brand miteinander verknuepft sind? Mein „Augenschein“ (danke Wildeshausen fuer den Link) bringt mich auf den Gedanken, dass das verschiedene, nicht zeitgleich geschriebene Graffitis sein koennten. Vielleicht haben sie mit dem Brand gar nichts zu tun?

  • Ich weiß es nicht genau. Kann durchaus sein, dass es so ist. Falls es aber so sein sollte, und die Hausbewohner hätten die Polizei nicht darauf aufmerksam gemacht, dass das Graffito schon älter ist – dann wäre das erst recht ein Hammer.

  • „Jetst“ kann auch ein einfacher Rechtschreibefehler sein. Dazu sind auch Deutsche befähigt und eine Sauwastika malen, können sie auch problemlos.

    Das ist auch nicht das Thema, sondern wem es objektiv nutzt und das sind primär wiederum Deutsche, die um den nächsten willkommenen Anschlag mit fremdenfeindlichen Hintergrund regelrecht fiebern, damit ihr Sendungsbewusstsein einmal mehr bestätigt wird. Heitmeyers statistische Tölpeleien reichen schliesslich nur zur Überbrückung der ansonsten mit gähnender Langeweile verbundenen Wartezeit auf den nächsten Event aus. Es sind doch vom Kern her deutsche Linke, welche glauben, das einzigst sie selbst die Garantie sind, dass die Bestie im Volk gezähmt wird. Und eben die deutschen Linken sind der primäre Nutzniesser jedes weiteren Anschlags mit fremdenfeindlichem Hintergrund.

  • Das stimmt schon, aber für mich sind die Linken für sich genommen eine beherrschbare Gefahr. Ebenso wie der Islam ohne nützliche Idioten in der Mehrheitsgesellschaft eine beherrschbare Gefahr wäre. Erst ihr Zusammenspiel in verteilten Rollen macht beide so gefährlich.

    (Übrigens: Es ist schon richtig, dass „Jetst“ auch von einem Legastheniker stammen könnte; aber kein noch so bildungsferner Deutscher wird anders schreiben als er spricht. Nicht nur im Hochdeutschen, sondern auch in sämtlichen Dialekten steht nach einer Satzeinleitung wie „Jetzt“ eine Inversion, wird also das Verb vorgezogen. Dies zu vergessen kann nur jemandem passieren, dessen Muttersprache nicht Deutsch ist. Gut, es könnte also auch ein Russlanddeutscher mit russischer Muttersprache sein; aber das schiene mir doch sehr weit hergeholt.)

  • na ja Manfred, die Deutschen bekommen die Kanaksprak doch im Fernsehen durch Lehrmeister wie Kaya Yanar auf amüsante Art und Weise gelehrt. „Jetst alle sterben“ gehört dabei ohne jeden Zweifel noch zu den leichteren Übungen.

    Das die Linken für sich genommen eine beherrschbare Gefahr wären, halte ich angesichts der überraschenden Wahlerfolge der SED im Westen dann doch für gewagt. Ich hätte mir 1990 jedenfalls nicht vorstellen können, dass diese Leute jemals derartige Erfolge verbuchen können.

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